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Kommentar zu Geert Wilders von Hannes Koch

Die Parteien der Angsthasen

03.10.10 – Freiheit wollen sie, sagen die Rechtspopulisten. Doch eigentlich sehnen sie sich nach Ruhe. Sie möchten ungestört bleiben, nichts zu tun haben mit der aufregenden und oft verstörenden Welt da draußen. Das ist die eigentliche Botschaft von Geert Wilders, der nun in Holland der Minderheitskoalition von Christdemokraten und Liberalen zur Regierungsmacht verhilft. Angst vor Unordnung ist auch die Triebfeder des Programms von René Stadtkewitz, der Wilders in Berlin nacheifern will. Für die rechten, islamfeindlichen Parteien in Österreich, der Schweiz, Dänemark, Schweden und anderen Nachbarländern gilt Ähnliches.


Wie sagte Wilders bei seiner Rede am Samstag in Berlin? „Ein Deutschland voller Minarette und verschleierter Frauen ist nicht mehr das Deutschland Goethes und Schillers.“ Was ist das für eine Freiheit, die die Vereinfacher da propagieren? Wer die großen Ideale der Aufklärung und der Bürgerrechte darauf reduziert, sich vor der kleinen Minderheit der islamischen Einwanderer schützen zu wollen, offenbart nur Eines: seine eigene tiefe Verunsicherung angesichts der komplizierten, vielgestaltigen Wirklichkeit.


Dieses Gefühl der Bedrohung lässt sich – mit gutem Willem – teilweise nachzuvollziehen. Es gab den Angriff islamistischer Terroristen auf das World Trade Center 2001 in New York. In Holland wurde ein radikaler Islamkritiker von einem ebenso radikalisierten Moslem ermordet. Und im Verhalten mancher Immigranten in europäischen Großstädten kann man eine Missachtung von Bürgerrechten und Demokratie erkennen. Aber diese Extreme sind Ausnahmen. Tatsächlich ist der Islam keine Bedrohung für Europa. Die türkischen Heere stehen nicht vor Wien.

Hannes Koch


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