H&Ms neue Kleider

Mehr Lohn für Beschäftigte der Zulieferfabriken versprochen. Kritiker hegen Zweifeln.

Von Hannes Koch

13. Apr. 2018

Aus Sicht des Textilkonzerns H&M ist alles auf einem guten Weg. Die Firma geht beispielsweise schonender mit der Umwelt um. Einige Kleidung wird aus Plastikabfall gefertigt, den man an Meeresstränden aufsammelt. Und die Beschäftigten in den weltweiten Zulieferfabriken sollen bessere Löhne erhalten. Zweifel an den Fortschritten Angaben hegt allerdings die Kampagne für Saubere Kleidung. Den Kritikern fehlen überprüfbare Angaben im neuen Nachhaltigkeitsbericht von H&M, der am Donnerstag veröffentlicht wurde.

Eine zentrale Auseinandersetzung dreht sich um die Bezahlung der Arbeiter in den rund 1.700 Zulieferfabriken, die der schwedische Konzern auch in Entwicklungsländern beauftragt. Nach Angaben von H&M hat man die eigenen Ziele für 2018 bereits erreicht oder wird das im Laufe diesen Jahres schaffen. Über die Hälfte aller H&M-Textilien stammen demnach aus Fabriken, in denen die Beschäftigten „demokratische Mitarbeiter-Vertretungen“ wählten. Und 40 Prozent der Produktion lieferten Firmen, die die sogenannte „Methode für fairen Lohn“ anwenden. Noch in diesem Jahr will H&M die 50-Prozent-Schwelle überspringen.

Ob das positive Auswirkungen für die Beschäftigten hat, weiß man jedoch nicht. Maik Pflaum von der Christlichen Initiative Romero, Mitstreiter der Kampagne für Saubere Kleidung, ist skeptisch: „H&M nennt keine überprüfbaren Daten zur Höhe der Löhne.“ Tatsächlich fehlen diese im 100 Seiten langen Nachhaltigkeitsbericht. Welche Fabriken ihren Beschäftigten welche Gehälter bieten, und wie sich diese zu den Lebenshaltungskosten im jeweiligen Land verhalten, wird nicht erwähnt. Auch auf Nachfrage machen Sprecherinnen des Konzerns dazu keine Angaben. Eine Begründung lautet, man könne keine sensiblen Daten über Auftragnehmer herausgeben. „Dass angeblich die Methode für faire Löhne angewendet wird, sagt überhaupt nichts Belastbares aus“, bemängelt Pflaum.

Mit diesem Verfahren will das Unternehmen seine Zulieferer und ihre Beschäftigten in die Lage versetzen, miteinander über die Löhne zu verhandeln. H&M unterstützt beispielsweise die Wahl von Betriebsräten. Man kooperiert mit dem internationalen Gewerkschaftsbund IndustrieALL und der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO). Pflaum hält diese Strategie teilweise für „zynisch und verlogen“. Einerseits gebe H&M vor, den Arbeitern beispielsweise in Bangladesch in den Verhandlungen über höhere Bezahlung zu helfen, andererseits „verlagert der Konzern einen Teil der Fertigung in noch billigere Länder wie Äthiopien mit einem Monatslohn von 33 Euro.“ Unter diesen Umständen bleibe den Beschäftigten etwa in Bangladesch wenig Verhandlungsspielraum.

Die Bezahlung soll sich zunehmend an existenzsichernden Löhnen orientieren, sagt H&M. Darunter versteht man eine Bezahlung, die nicht nur die Grundbedürfnisse der Beschäftigten deckt, sondern auch Bildung, Versicherung und Altersvorsorge. Sein großes Versprechen von 2013 hat der Konzern allerdings kassiert. Damals wurde angekündigt, dass alle Zulieferarbeiter ab 2018 existenzsichernde Löhne erhalten sollten. Die aktuelle Version bedeutet, dass der Konzern sich allmählich in diese Richtung bewegen will – ohne Belege zu liefern.

Außerdem möchte H&M „bis 2030 ausschließlich recycelte Materialien oder Materialien aus anderen nachhaltigen Quellen verwenden. 2017 kam 59 Prozent der Baumwolle, die die H&M Gruppe nutzte“, aus relativ sauberer Herstellung. „Das Ziel ist es, bis 2020 ausschließlich solche Baumwolle zu verwenden.“

Nach langen der Jahren der erfolgreichen Expansion hat H&M betriebswirtschaftliche Probleme. Unter anderem wegen der Konkurrenz durch den Online-Handel sank der Gewinn im ersten Quartal 2018. Der Aktienkurs zeigt seit 2015 nach unten.

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