Staatliche Umverteilung funktioniert

Laut Studie finanzieren die Gutverdiener den größten Teil des Sozialstaats

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Von Wolfgang Mulke

04. Jun. 2009 –

 

 

 Berlin – Trotz wachsender Einkommensunterschiede klappt die soziale Umverteilung in Deutschland. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des unternehmensnahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW). „Insgesamt erweist sich der deutsche Sozialstaat als treffsicherer, als man angesichts seiner Komplexität und Intransparenz vermuten müsste“, sagte IW-Chef Michael Hüther am Donnerstag in Berlin.

 

Die Forscher haben Einkommen, Abgaben und Transferleistung von 42.000 Haushalten aus der letzten großen Erhebung des Statistischen Bundesamts von 2003 untersucht. Mit steigenden Einkommen wächst danach auch die Beteiligung der Haushalte an der Finanzierung der staatlichen Aufgaben. So kommt das oberste Zehntel der Bevölkerung mit einem Durchschnittsbruttoeinkommen von 10.751 Euro für knapp 20 Prozent aller Sozialbeiträge und fast 38 Prozent der Einkommensteuereinnahmen auf. Die untere Hälfte der Einkommensbezieher trägt zehn Prozent zum Steueraufkommen und gut 15 Prozent zu den Sozialbeiträgen bei.

 

Umgekehrt verhält es sch bei den staatlichen Transferleistungen wie dem Arbeitslosen-, Wohn- oder Kindergeld. Die Spitzenverdiener beziehen mit durchschnittlich 269 Euro die niedrigsten Leistungen, werden aber mit 4.400 Euro Abgaben belastet. Die 40 Prozent der Haushalte mit den geringsten Einkünften erhalten dagegen vom Staat mehr als sie an Abgaben leisten. Bei den zehn Prozent der am wenigsten verdienenden stehen Abgaben von 358 Euro im Monat Transferleistungen in Höhe von 1.562 Euro gegenüber.

 

Hüther zufolge ändert auch die wachsende Kluft zwischen arm und reich wenig an einer wirksamen Umverteilung von oben nach unten. Dabei sind die Unterschiede beträchtlich. Von 1993 bis 2003 hat beispielsweise die Spreizung der Einkommen zwischen der zweitniedrigsten und zweithöchsten Gruppe von Haushalten um 38 Prozent zugenommen. Die gelte allerdings nur für die Bruttoeinkommen nebst Arbeitgeberbeiträgen. Netto habe der Abstand sogar abgenommen.

 

Ein Befund der Untersuchung stellt die Gerechtigkeit der Verteilung von Steuern und Sozialabgaben jedoch in Frage. Denn mit zunehmenden Einkommen sinkt die prozentuale Belastung der Haushalte. Die mittleren Einkommen zwischen 1.789 Euro und 3.889 Euro im Monat müssen fast ein Drittel an den Staat oder die Sozialkassen abgeben. Mit wachsendem Einkommen sinkt die Last. Bei den Bestverdienern werden nur noch 17,8 Prozent des Einkommens abgezogen.

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