Wälder mit Windrädern

Die umkämpfte Energiewende

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Von Hannes Koch

21. Jul. 2019 –

Deutschland polarisiert sich. Auf neue Art. War Ökologie früher meist Anliegen einer mehrheitlich liberalen oder linken Opposition, ist sie mittlerweile mindestens rhetorisch Regierungshandeln. Wenn Politiker und Politikerinnen von Union, Grünen und SPD, manchmal auch von Linkspartei und FDP, mehr Klimaschutz verlangen, argumentieren sie mit dem Pariser Abkommen und europäischen Verpflichtungen. In der gesellschaftlichen Mitte herrscht ein Konsens pro Klimapolitik.

Dieser steht jedoch unter Druck von radikalen Umweltschützern, beheimatet in Organisationen wie Fridays for Future, Ende Gelände oder Extinction Rebellion, die bis morgen alle Autos, Flugzeuge und Kohlekraftwerke stilllegen wollen. Dieser Überschwang macht vielen Bürgerinnen und Bürgern Sorgen. Sie sehen ihren Wohlstand, Pkw, Arbeitsplatz und den freien, von keinem Windrad verstellten Blick auf die Hügel am Horizont bedroht. Oder es nervt sie einfach der moralische Mainstream einer penetranten Selbstgewissheit. Rechte Anti-Ökologen, die mit Naturschutz-Argumenten eine konsequente Klimaschutzpolitik verhindern wollen, nutzen und benutzen diese Sorgen. Neben Zuwanderung und Europa könnte sich die Energiepolitik zur weiteren Wasserscheide entwickeln.

Auch in diesen Fragen gibt es keine sauberen Lösungen, nur Kompromisse. Wenn man davon ausgeht, dass der Klimawandel ein tatsächliches Problem darstellt, ist die Energiewende ein Versuch, ihn abzuschwächen, und gleichzeitig aus der Transformation ökonomisches Kapital für den Wirtschaftsstandort Deutschland zu ziehen. Was verkaufen wir morgen in die Welt? Getriebe für Autos? Getriebe für Windräder. Ohne Nachteile geht es nicht. Lieber Wälder mit Windrädern, als keine Wälder wegen Trockenheit.

 

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