Warnung vor Windstille im Süden

Wirtschaftsminister Gabriel riskiere den „Zusammenbruch des Marktes für Windkraftwerke in Süddeutschland“ warnt die Denkfabrik Agora

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Von Hannes Koch

26. Mär. 2014 –

Vor dem Risiko, dass in Deutschland bald wesentlich weniger Windanlagen gebaut werden als nötig, warnt die Denkfabrik Agora Energiewende. Sie plädiert deshalb dafür, die Förderung nicht so stark zu reduzieren, wie Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) plant. „Derartige Kürzungen könnten dazu führen, dass der Markt für Windkraftwerke in den südlichen Bundesländern zum guten Teil zusammenbricht“, sagte Agora-Direktor Patrick Graichen.

 

In einer neuen Studie, die dieser Zeitung vorab vorliegt, hat die Organisation ein alternatives Fördermodell für Windkraftwerke durchgerechnet. Dadurch stiegen die Kosten gegenüber heute kaum an. Und in Bundesländern wie Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Hessen, Baden-Württemberg und Bayern könnten mehr Rotoren errichtet werden.

 

Bei der Organisation Agora engagieren sich Vertreter sowohl der konventiellen Energiewirtschaft, als auch von Ökofirmen. Ihr ehemaliger Chef Rainer Baake ist Staatssekretär von Wirtschaftsminister Gabriel. Sein wichtigster Job besteht darin, die Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) zu bewerkstelligen.

 

Die Studie „Vergütung von Windenergieanlagen an Land“ wird am Donnerstag veröffentlicht. Die Experten haben darin den Entwurf für das neue EEG aus dem Wirtschaftsministerium überprüft. Dieses will erreichen, dass die Förderung für Anlagen an mittleren bis sehr guten Standorten mit hohem Windaufkommen um bis zu 25 Prozent sinkt. Statt heute beispielsweise neun Cent pro Kilowattstunde Strom würde der gesetzlich geregelte Zuschuss dann nur noch knapp sieben Cent betragen.

 

Agora schlägt ein verändertes Modell vor. Demnach würde „die Vergütung für das Jahr 2015 je nach Standortqualität um zehn bis 20 Prozent unter das Niveau von 2013“ sinken. Kraftwerke an Orten mit mittlerem und gutem Windaufkommen erhielten mehr Geld als im Gabriel-Modell.

 

Für sehr gute Standorte, die vor allem in Niedersachen und Schleswig-Holstein liegen, will Agora die Förderung dagegen stärker reduzieren. Dortige Produzenten würden dann teilweise nur noch 5,2 Cent pro Kilowattstunde erhalten (heute etwa 6,4 Cent). Die Experten gehen davon aus, dass die Förderung gegenwärtig oft „höher ist als erforderlich“. Bauern, die ihre Äcker an Kraftwerksbetreiber verpachten, und die Hersteller der Anlagen würden sich teilweise eine goldene Nase verdienen.

 

Laut Agora braucht Deutschland mittelfristig einen jährlichen Zubau von etwa vier Gigawatt (Milliarden Watt) Windstrom-Leistung an Land. Das Gabriel-Modell könne dagegen dazu führen, dass nur Kraftwerke mit einem bis 2,5 Gigawatt errichtet werden. Der Denkfabrik zufolge sind die Zusatzkosten ihres Modells minimal. Statt 6,24 Cent pro Kilowattstunde soll die Ökoumlage dadurch auf 6,32 Cent in 2018 steigen. Mittels der Ökoumlage bezahlen die Stromverbraucher die Förderung der erneuerbaren Energien.

 

Das Bundeswirtschaftsministerium wollte keinen Kommentar abgeben. Im rheinland-pfälzischen Wirtschaftsministerium hieß es zum Agora-Modell. „Es bietet eine gute Basis für die weitere Diskussion.“ Ähnliches erklärt das Umweltministerium von Baden-Württemberg: „Der Zubau von Windanlagen in küstenferneren Gebieten würde unterstützt.“ Beide rot-grüne Landesregierungen wiesen daraufhin, dass weniger neue Stromleitungen gebaut werden müssen, wenn die Windkraftwerke gleichmäßiger verteilt sind.

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