Für viele Menschen aus aller Welt ist das Oktoberfest etwas Besonderes. Zwei Wochen Rummel mit Fahrgeschäften und Festzelten mitten in München, in denen sich sehr viel um Bier dreht. Und das ist in diesem Jahr kräftig teurer geworden, wie die Sutor Bank aus Hamburg ermittelt hat. Das Plus liegt deutlich über der normalen Inflationsrate und zeigt, was viele Bundesbürger in den vergangenen Wochen schon bemerkt haben, wenn sie ausgegangen sind: Es wird teuer.
Die teuerste Maß kostet auf dem Oktoberfest in diesem Jahr 15,80 Euro, 3,3 Prozent mehr als 2024. Die Verbraucherpreise insgesamt werden im Schnitt um 2,2 Prozent steigen, wie die Wirtschaftsforscher des Ifo Instituts in München erwarten. Schon in den vergangenen Jahren erhöhten die Wies’n-Wirte die Preise deutlich stärker als die allgemeine Inflationsrate. Die Bank ermittelte ein Plus von rund 53 Prozent für die Maß zwischen 2015 und 2025. Die durchschnittlichen Ausgaben der Bundesbürger stiegen im selben Zeitraum nur um rund 29 Prozent.
Dass die Werte so auseinanderliegen, hat damit zu tun, wie die Inflationsrate ermittelt wird. Die Experten des Bundesamtes für Statistik berechnen die Teuerung anhand eines Warenkorbs, in den die Preise von rund 700 Produkten und Dienstleistungen einfließen. Bier hat da nur ein geringes Gewicht. Und nicht alle Produkte werden teurer, manche wie Energie sind billiger zu haben, was sich bis zu einem gewissen Grad ausgleicht. Weil niemand genau den Warenkorb der Statistiker kauft, kann die persönliche Inflationsrate von der amtlichen deutlich abweichen.
„Gerade am Oktoberfest wird Inflation für viele unmittelbar erlebbar“, sagt Jan Schippmann, stellvertretender Leiter Private Banking der Sutor Bank. „Wer Jahr für Jahr für die gleiche Maß Bier deutlich mehr bezahlen muss, empfindet die Teuerung viel stärker, als es die amtliche Inflationsstatistik nahelegt.“ Nur warum wird die Maß jedes Jahr teurer? Und warum ist das Plus zum Teil so üppig? Zwischen 2019 und 2022 waren es 17 Prozent. Dazwischen fiel das Oktoberfest wegen der Corona-Pandemie aus.
Zumindest ein Teil der Preiserhöhungen hat damit zu tun, das es teurer geworden ist, Bier zu brauen. „Gestiegene Kosten für Energie, Personal, Verpackung und Logistik setzen die Betriebe stark unter Druck“, sagt Holger Eichele, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Brauerbunds. Immerhin: Bei Hopfen und Malz habe sich die Preissituation zuletzt entspannt. Zuletzt hatten die beiden großen Brauereien Krombacher und Veltins angekündigt, die Preise wegen der gestiegenen Kosten anzuheben. Die Biere gehören zusammen mit Bitburger zu den am meisten verkauften in Deutschland.
In Deutschland buhlen rund 1500 Brauereien um Kunden, der Wettbewerb ist groß, zumal die Deutschen weniger Bier trinken. Der Brauer-Bund verweist zudem darauf, dass die Preise hierzulande im Vergleich zum EU-Ausland immer noch sehr niedrig sind. Der halbe Liter kostete einer Umfrage des Datenportals Numbeo zufolge im vergangenen Jahr in einem Restaurant in München im Schnitt 4,50 Euro. Nur in Prag Lissabon und Madrid war er günstiger. In Amsterdam verlangten die Gastronomen sechs Euro, in London 7,71 Euro und in Reykjavik sogar 9,83 Euro.
Neben den Kosten für das Brauen ist auf dem Oktoberfest ohnehin noch etwas ganz anderes wichtig, wie Lothar Ebbertz, Hauptgeschäftsführer des Bayerischen Brauerbunds kürzlich sagte. „Da zahlt man immer auch ein Stück Atmosphäre mit – und den enormen Aufwand, den das Oktoberfest für alle Beteiligten verursacht.“