Sterneküche in der Stratosphäre

Ein Ferienhaus an der französischen Atlantikküste, Wandern in den Dolomiten, Tauchen auf den Malediven  – was für viele nach einem verführerischen Urlaub klingt, reicht manchen nicht. Im Luxussegment darf es etwas exotischer sein. Der Markt ist eng, der Ertrag hoch, der Anspruch auch. Und so forschen Experten nach dem nächsten Trend. Denn was heute exotisch wirkt, kann morgen bereits den Urlaub aller verschönern.

„Vieles, was früher Luxus war, ist heute für alle selbstverständlich“, sagt Oliver Kreipe, Deutschlands einziger Trendforscher für Luxusreisen, der für Airtours, eine Marke des Reisekonzerns TUI, arbeitet. „Meditation und Yoga zum Beispiel.“ Das klingt noch nicht besonders extravagant. Deshalb zuallererst: Was ist Luxus? Der Buchbutler, der im Cambridge University Arms Hotel hilft, den richtigen Lesestoff auszuwählen, oder Diamantstaub-Peeling im Spa? „Was jemand als Luxus empfindet, ist höchst subjektiv“, sagt Kreipe. „Luxus ist die Abweichung vom alltäglichen Lebensstandard. Wer Drei-Sterne-Hotels gewöhnt ist, empfindet Vier Sterne als Luxus.“

Das setzt allerdings keine Trends. Der Reisedetektiv ist deshalb in anderen Regionen unterwegs, in denen drei Tage auf einem kleinen Kreuzfahrtschiff schon einmal 16.800 Euro kosten – pro Person. Wobei klein relativ ist, wenn der Motorsegler etwa 220 Meter lang ist. Die Orient Express hat allerdings nur 54 Suiten. Aber es geht nicht darum, dass etwas teuer ist. „Goldene Wasserhähne gelten vielleicht in China, Dubai und Indien als Statussymbole und deshalb als Luxus“, sagt Kreipe. „Wir sind in Europa deutlich weiter, leben heute mehr den erfahrungsorientieren Konsum.“ Und der kann teuer sein, weil er Grenzen sprengt.

„Wenn ein Reisebüro Schwierigkeiten hat, auf der Erde etwas für die Kunden zu finden, bietet sich das All an“, sagt der Reisedetektiv. „Von 2026 an kann man mit einem Ballon auf 30 Kilometer Höhe steigen“, sagt Kreipe. „In der Stratosphäre gibt es dann Sterneküche zum Beispiel vom angesagten Alchemist in Kopenhagen. Das gibt schon einen Eindruck fürs Leben.“ Im Alchemist werden schon mal 50 Gänge nebst Geschichten und Videos über mehreren Stunden serviert.

Anbieter Space Perspective aus den USA testet gerade die entsprechenden Heliumballons. Die angehängte Kapsel verspricht Wifi und Space Spa. Eine Tour kostet 125.000 Dollar. Zephalto aus Frankreich will ebenfalls 2026 starten, Flugdauer sechs Stunden, 170.000 Euro pro Person. Die Kabine des Wasserstoffballons bietet Platz für sechs zahlende Gäste. Abgehoben? „Grenzen gibt es beim Luxus praktisch nicht“, sagt der Reisedetektiv.

Ein Trend, der möglicherweise schneller für normalverdienende Urlauber kommen wird als Stratosphärenflüge, hat wie Yoga mit Gesundheit zu tun. „Menschen sind glücklich, wenn es ihnen gesundheitlich gut geht“, erklärt der Luxusforscher. Das Streben nach einem gesunden Körper werde auch für die Luxusbranche wichtiger. „Stichwort Longevity – die Zellregeneration ankurbeln.“ Nötig dafür: Epigenetiktests, die das biologische Alter ermitteln, „darauf aufbauend ein individuelles Programm mit Kältekammern, Sport und besonderem Essensplan. Guter Schlaf ist auch wichtig, die richtige Raumtemperatur, das Licht“.

Luxushotels hätten bereits Top-Spas, ein Top-Behandlungsteam, das Angebot müsse nur umgestellt werden, berichtet Kreipe. „Wichtig: Das sind keine Kliniken, das sind immer noch Urlaubshotels.“ Der Trend begann 2022 in den USA kurz nach der Pandemie. „Während Corona hatten die Menschen Zeit, über sich nachzudenken“, sagt der Trendforscher. „Das Thema Longevity lag in der Luft.“

Nur wenn etwas derart flüchtig ist, wie wird ein Trend daraus? „Ein Trend entsteht, wenn jemand mehrere Teile, die bereits im Markt bekannt sind, zusammensetzt“, sagt Kreipe, der in seinen 30 Jahren im Unternehmen einiges gesehen hat. „Zum Beispiel Clubs an Land und Kreuzfahrten, wie es Aida gemacht hat. Oder eine griechische Kette, die Luxushotels mit dem damals etwas anrüchigen All-inclusive verband.“ Heute habe sich All-Inclusive im Luxussegment etabliert, ob in Griechenland oder auf den Malediven. Hoteljachten wie die Orient Express verknüpften Kreuzfahrten, Luxushotels und besondere Erlebnisse. „Man hat die Chance, auf einer Milliardärsjacht zu wohnen.“

Doch nicht alles, was neu und teuer ist, ist auch ein Trend. „Als Trendforscher muss man sehen: Was taucht weltweit auf? Ist es beständig? Und zahlt es auf die psychologischen Grundbedürfnisse der Menschen ein?“ erklärt Kreipe. Manches, was gut läuft, verschwindet dann wieder. „Es gibt soziale Effekte, die oft kurzfristig sein können. ,Das will ich auch‘ zeigt sich zum Beispiel jetzt in Thailand mit dem „White Lotus“-Tourismus“, sagt er. „Leute buchen, weil sie die Drehorte der Serie sehen wollen.“ Sie verfolgt Superreiche in Resorts der fiktiven Hotelkette „White Lotus“ und ist ein Streaming-Hit.

„Die nächste große Nummer im Filmtourismus wird der Peloponnes in Griechenland“, ist sich Kreipe sicher. „Dort hat Oscarpreisträger Christopher Nolan gerade mit internationalem Staraufgebot die Odyssee gedreht.“ Der Film des Oppenheimer-Regisseurs soll im Juli 2026 in die Kinos kommen. Reisen auf den Peloponnes sind vielleicht nicht so luxuriös wie Sterneküche in der Stratosphäre, aber versprechen spannende Tage. Was doch wieder passt, denn: „Zeit ist der absolute Luxus.“