Für manche Bundesbürger hat sich 2025 richtig gelohnt. Zum Beispiel für all jene, die Geld in Aktien, Fonds und ähnlichem angelegt haben. Und es werden immer mehr, wie das Deutsche Aktieninstitut ermittelt hat. Die Deutschen erkennen offenbar die Chancen der Börsen und legen die ihre Scheu ab – vor allem die Jüngeren. Die regionalen Unterschiede sind allerdings groß.
„Die Menschen in Deutschland haben erkannt, dass für gute Langfristerträge kein Weg an der Aktie vorbeiführt“, sagte Henriette Peucker, Geschäftsführende Vorständin des Deutschen Aktieninstituts. Auch wer nur über ein geringes Einkommen verfüge investiere breit gestreut und kontinuierlich. Ein Grund: zusätzliche Altersvorsorge. Die Bundesregierung will das mit der geplanten Frühstartrente für Schüler und einem steuerlich begünstigten Altersvorsorgedepot befördern.
Insgesamt hatten 14,1 Millionen Menschen in Deutschland Geld in Aktien, Aktienfonds oder ETF (Exchange Traded Funds) gesteckt, standardisierte, automatisierte, börsengehandelte Fonds. Ein Rekordwert und zwei Millionen Menschen mehr als 2024. Damit hat fast jeder fünfte Bundesbürger an der Börse investiert. Die bisher niedrigste Zahl an Aktionären in den vergangenen 20 Jahren (8,4 Millionen) gab es 2010 nach der Finanzkrise und 2014 nach der Euro-Krise.
Im vergangenen Jahr war viel zu holen. Allein der Wert der Unternehmen im Deutschen Aktienindex Dax legte um satte 23 Prozent zu. Im Dax sind die 40 größten Konzerne Deutschlands nach Börsenwert verzeichnet. Der Wert großer europäischer Aktien im Index Euro Stoxx 50 kletterte um 19 Prozent, an der US-Technologiebörse Nasdaq ging es fast 20 Prozent nach oben. Mit einem ETF auf den sehr beliebten MSCI-World-Index, der viele große börsennotierte Konzerne abbildet, waren rund zehn Prozent drin. Auch langfristig gelten Investitionen an den Börsen als ertragreich.
Die Kurse stiegen aufs Jahr gesehen trotz der teils unberechenbaren US-Politik, die mehr auf Zölle und Macht als auf Völkerrecht und Verhandlungen setzt, trotz der Krisenstimmung in Deutschland und Unsicherheit darüber, wie sich die Weltwirtschaft entwickeln wird. Da stecken auch die Risiken, denn es ist nicht garantiert, dass die Kurse an den Börsen immer steigen. Zurzeit etwa besteht die Sorge, dass zu viel Geld in Unternehmen geflossen ist, die sich mit künstlicher Intelligenz beschäftigen, die ihre Versprechen aber nicht halten können – ein Kurseinbruch wäre die Folge.
Die Deutschen gelten als höchst risikoscheu und legen ihr Geld gern auf Tages- oder Festgeldkonten. Viele nutzen sogar noch klassische Sparbücher. Verzinst sind sie in der Regel schlecht. Zwei Prozent Rendite sind da schon gut. Doch das Anlageverhalten wandelt sich gerade.
Vor allem die Jüngeren in Deutschland investieren Geld an den Börsen. 4,9 Millionen 14- bis 39-Jährigen setzten 2025 auf Aktien und Fonds, 1,2 Millionen mehr als ein Jahr zuvor, wie das Aktieninstitut feststellte. „Ein Langfristtrend und eine sehr erfreuliche Entwicklung auch für die Zukunft“, sagte Gerrit Fey, Chefvolkswirt des Aktieninstituts. Die breite politische Debatte über Altersvorsorge sei einer der Gründe, ein anderer, dass Anlage inzwischen einfacher geworden ist und auch über Mobiltelefon möglich sei. Zweitgrößte Gruppe sind die, die älter als 60 sind.
Was das Aktieninstitut auch feststellte: 5,3 Millionen Menschen kauften 2025 regelmäßig Fonds über Sparpläne, eher weniger einzelne Aktien. Solche Fonds bilden zum Beispiel die Aktien im Dax nach, so dass man nicht alle Aktien einzeln kaufen muss, um an Kursgewinnen teilzuhaben, sondern ein Papier kaufen kann.
Regional fanden die Experten große Unterschiede. Anteilig die meisten Aktionäre leben in Bayern (25,5 Prozent), Baden-Württemberg (24,3) und Hessen (24,7) vor Hamburg und Schleswig-Holstein (20,6). Die größten Aktienmuffel sitzen demnach in Sachsen (12,7), Mecklenburg-Vorpommern (13,1) und Brandenburg (13,6). Tendenziell lässt sich offenbar sagen: Wo viel Geld verdient wird, wird auch mehr an den Börsen investiert. 47,1 Prozent derjenigen, die mehr als 4000 Euro netto monatlich erhalten, besitzen Aktien oder Fonds. Bei denen, deren Nettoeinkommen unter 2000 Euro liegt, sind es nur zwölf Prozent.
Hinter dem Lobbyverband Aktieninstitut stehen zahlreiche börsennotierte Unternehmen, Banken, Börsen und Dienstleister. Es lässt jedes Jahr etwa 28.000 Personen in Deutschland, die älter als 13 Jahre sind, zu ihrem Anlageverhalten befragen.