Es geht wieder aufwärts. Die deutsche Wirtschaft hat 2025 zugelegt, nachdem sie zwei Jahre lang geschrumpft war. Die Bundesbürger gaben mehr Geld aus, der Staat ebenfalls, wie die vorläufigen Zahlen des Statistischen Bundesamtes zeigen. Gelitten hat der deutsche Außenhandel. Für das laufende Jahr deutet sich weiteres Wachstum an.
Zarte 0,2 Prozent Plus ermittelten die Statistiker beim Bruttoinlandsprodukt (BIP) im Vergleich zu 2024. Die Inflation ist da herausgerechnet. Das BIP gibt den Wert aller Waren und Dienstleistungen wieder, die in Deutschland erstellt wurden. Im vergangenen Jahr betrug es 4,470 Billionen Euro, eine Zahl mit zwölf Nullen. Eingerechnet sind Daten bis Oktober (zum Beispiel für den Außenhandel) und November. Für Dezember haben die Statistiker geschätzt. In der Regel sind sie aber sehr genau.
Trotz des Zuwachses: „Deutschland liegt im internationalen Vergleich im Schlussfeld“, sagt Ruth Brand, Präsidentin des Statistischen Bundesamtes. Ihre Experten erwarten, dass alle anderen großen EU-Staaten stärker zulegen werden. Die Europäische Kommission schätzt für Italien ein Plus von 0,4 Prozent, für Frankreich 0,7 Prozent, für Spanien gar 2,9 Prozent. Im Schnitt soll die Wirtschaft der EU um 1,4 Prozent wachsen.
Aber immerhin hat Deutschland die Rezession verlassen. 2023 und 2024 war das Bruttoinlandsprodukt jeweils gesunken. Globale Krisen, geopolitische Spannungen, ein schwacher Welthandel und hohe Zinsen für Kredite belasteten die Wirtschaft damals, wie Michael Kuhn sagt. Er leitet die Abteilung Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung beim Statistischen Bundesamt. Inzwischen sind die Zinsen gesunken. Die Lage sei auch besser, weil der private Konsum angesprungen sei.
Die Bundesbürger kauften mehr ein, vor allem im Einzelhandel. Und sie gaben mehr Geld für Gesundheit aus. Den privaten Konsum bezifferten die Statistiker mit insgesamt 2373,9 Milliarden Euro. Auch vom Staat floss mehr Geld in Gesundheit, denn die Kranken- und Pflegeversicherung zählt für die Statistik zum Staat.
Die Unternehmen in Deutschland hielten ihr Geld aber zusammen und investierten weniger in neue Maschinen und Anlagen, in der Regel ein Zeichen, dass die Geschäfte schlecht laufen. Vor allem Autoindustrie und Maschinenbau schrumpften – beides Kernbranchen der deutschen Wirtschaft. Auch die Chemieindustrie verlor wie in den Vorjahren Geschäft. Dienstleistungen und Handel legten allerdings kräftig zu.
Die 500 Milliarden Euro, die die Bundesregierung außerhalb des normalen Haushalts für Infrastruktur und Klimaneutralität ausgeben will, wirken sich bisher kaum aus. Die Projekte brauchen Zeit. Brücken etwa wollen geplant sein, denn müssen die Aufträge vergeben werden, der Bau dauert. Präsidentin Brand erwartet erste Impulse für das laufende Jahr. Auch die geplanten umfangreichen zusätzliche Ausgaben für Verteidigung schlagen sich bisher kaum in den Zahlen nieder. Denn neue Schiffe oder Panzer müssen bestellt und erst einmal gebaut werden.
Schwer erwischt hat es den Zahlen zufolge das deutsche Export-Erfolgsmodell. Die Zölle der US-Regierung bremsen das Geschäft. Chinesische Firmen drängen auf den Markt, teilweise mit Produkten, die denen aus Deutschland vergleichbar sind. Insgesamt nimmt der Wettbewerb zu. Zudem belastet der Euro, der im Vergleich zu anderen Währungen mehr Wert wurde. Dadurch werden allerdings auch deutsche Produkte etwa für Amerikaner teurer. Insgesamt schrumpfte der Wert der deutschen Exporte um 0,3 Prozent auf 1811,7 Milliarden Euro.
Dafür führte die Bundesrepublik mehr ein. Der Wert der Importe stieg um 3,6 Prozent auf 1700,8 Milliarden Euro. Daraus ergibt sich ein Außenhandelsüberschuss von 110,9 Milliarden Euro – ein historisch niedriger Wert. Andererseits hatte unter anderem der Internationale Währungsfonds immer die sehr hohen Überschüsse Deutschlands bemängelt. Die Bundesrepublik lebte sozusagen auf Kosten anderer Nationen. Das ändert sich gerade.