Für Fernwärme ist im Keller kein Öltank oder Gaskessel mehr nötig. Das schafft Platz. So viel ist klar. Aber rechnet sie sich auch? Florian Bublies ist Energieberater und Fachexperte für Heizungstechnik bei der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Dieser Zeitung gibt er die wichtigsten Tipps, was bei der Fernwärme zu beachten ist.
Lohnt der Umbau im Heizungskeller?
Gasheizung, Warmwasserbereiter, Schornstein – so ein Heizungskeller kann sehr voll gestellt sein. „Das reißt man alles raus“, sagt Bublies „wenn man sich für die Fernwärme entscheidet. Das kann ein Argument dafür sein.“
Für die Fernwärme sei nur ein „vergleichsweise kleines Übergabegerät“ notwendig. 80 bis 130 Grad Celsius heißes Wasser werde aus einem mehr oder weniger weit entfernt liegenden großen Heizkraftwerk über aufwendig gedämmte Rohrleitungen, das Fernwärmenetz, ins Haus geleitet. So solle möglichst wenig Wärme auf dem Weg in die einzelnen Häuser verloren gehen.
In der Übergabestation werde das im Haus zirkulierende Wasser zum Heizen oder zum Baden, Duschen, Kochen vom Fernwärmewasser erwärmt. Alte Heizkörper benötigten 60 Grad Celsius, moderne Anlagen etwa mit Fußbodenheizung in einem zudem gut gedämmten Haus deutlich weniger als 50 Grad Celsius. Das abgekühlte Fernwärmewasser fließe dann wieder zum großen zentralen Kraftwerk zurück.
Die Fernwärme ist oft ein Nebenprodukt, das bei der Stromerzeugung etwa in Gaskraftwerken anfällt. Kraft-Wärme-Kopplung nennt sich das. Es kann auch die Abwärme sein, die bei der Müllverbrennung entsteht. Denkbar ist zum Beispiel auch der Einsatz von Geo- und Solarthermie oder Biomasse.
Der Umbau im Heizungskeller, in einem Technikraum, seltener auf dem Dachspeicher koste dafür zwischen 5.000 und 15.000 Euro, rechnet Bublies vor. Darunter fielen auch die Entsorgung der alten Anlage und der Anschluss an das Fernwärmenetz auf dem eigenen Grundstück. Manche Stadtwerke und einzelne Kommunen förderten den Anschluss an das Fernwärmenetz auch mit Zuschüssen von etwa 500 bis 3.000 Euro.
Nur zum Vergleich: Der Einbau einer Wärmepumpe liege, so der Energieexperte, bei etwa 40.000 Euro. Die Summe gehe, wenn man eine staatliche Förderung beantrage, Pi mal Daumen eventuell auf 20.000 Euro runter, bleibe aber immer noch kostspieliger. Für die Fernwärmestation sei auch kein Schornsteinfeger nötig, Wartung von Technik entfalle auch. Das spare zudem. Nur gebe es neben den Anschlusskosten ein „Aber“: Die Betriebskosten. Sie seien besonders hoch.
Wie teuer wird das Heizen selbst?
Die Preise für Fernwärme fielen je nach Anbieter, Region und Lage des Hauses zwar unterschiedlich aus, sagt Bublies. Im Schnitt lägen sie aber bei 17 bis 20 Cent pro Kilowattstunde. Bei Gas seien es vor dem Irankrieg 11 Cent, bei Öl 10 gewesen, am günstigsten sei da die Wärmepumpe: mit 8 – 10 Cent.
Der Preis für die Fernwärme setze sich aus Arbeitspreis – mit ihm wird der tatsächliche Wärmeverbrauch abgerechnet – und Grundpreis zusammen. Letzterer mache etwa 25 Prozent aus. Darin steckten die Kosten, die der Versorger für den Ausbau, den Betrieb, die Instandhaltung des Leitungsnetzes zahlen müsse, auch für das Kraftwerk.
„Es ist sehr teuer, die Rohre in der Erde zu verlegen“, erklärt der Energieberater, „sie müssen gut isoliert sein, sind entsprechend dick. Das ausgegebene Geld wollen die Stadtwerke, der Dienstleister, wer immer die Wärme anbietet, über den Grundpreis wieder reinholen.“ Anders gesagt: Man finanziert das Kraftwerk und die Wärmenetze anteilig mit
Das bedeute, sagt Bublies: „Je mehr Nutzer an das Netz angeschlossen sind, um so mehr teilen sich die Fixkosten.“ Darum eigne sich die Fernwärme „vor allem in dicht besiedelten Gebieten, das können auch Neubaugebiete sein“. Und auf dem Land? Dort könne sich die Fernwärme lohnen, wenn die Wärme günstig etwa über die Verwertung von Holzhackschnitzeln oder Biogas lokal gewonnen werde, nicht zu viele Kilometer Rohr verlegt werden müssten.
Welche Tücken lauern bei der Fern-Heizung?
Um die Wärme müsse man sich nicht sorgen, in Küche, Bad, Wohnzimmer müsse sich für die Umstellung auf Fernwärme auch nichts ändern, erklärt Bublies: „Normale Heizkörper kommen damit gut zurecht.“ Noch gebe es die Fernwärme aber nur sehr selten. Aktuell würden nur 14 Prozent der gut 41 Millionen Haushalte in Deutschland mit ihr beheizt. Sie gelte aber als ein Baustein, um das Heizen auf erneuerbare Energien umzustellen, auch wenn die Fernwärme-Kraftwerke noch überwiegend mit fossilen Brennstoffen wie Kohle und Gas befeuert würden.
So müssten Kommunen derzeit ihre kommunale Wärmeplanung erarbeiten. Bis spätestens Ende Juni 2026 sollen Großstädte mit mehr als 100.000 Einwohnern diese vorlegen. Das schreibe das Wärmeplanungsgesetz vor. Kommunen mit weniger Einwohnern hätten noch bis Ende Juni 2028 Zeit. Vermutlich würden die Netze in den kommenden Jahren vor allem in Städten ausgebaut, „wo Wärmepumpen auch aus Platzgründen vielleicht nicht immer praktisch sind“, meint Bublies.
Eines sei noch wichtig: „Es gibt vor Ort immer nur ein lokales Fernwärmenetz, Sie können sich den Lieferanten Ihrer Fernwärme nicht aussuchen und müssen sich oft für viele Jahre an ihn binden.“ Den Anbieter einfach so zu wechseln wie bei Gas und Strom, weil er einem zu teuer wird? „Geht nicht, jeder Fernwärmeanbieter ist ein lokaler Monopolist“, sagt Bublies.