Ein Girokonto zu eröffnen, ist einfach, meist ist es mit ein paar Klicks am Computer und einer Sicherheitsprüfung getan. Ähnlich einfach ist der Kauf von Aktien über den Onlinebroker – ein paar Mal tippen und schon sind sie im Depot, genug Geld vorausgesetzt. Doch was einfach klingt, ist für viele Menschen in Deutschland schwer. Und manche sind abgeschreckt. Wie sehr ermittelt die Auskunftei Schufa einmal im Jahr in einer repräsentativen Studie. Ergebnis diesmal: Ohne digitale Kenntnisse geht es nicht.
Um festzustellen, wie gut Finanzdienstleistungen in Deutschland auf die Menschen zugeschnitten sind, erstellt die Auskunftei zusammen mit den Marktforschern von Ipsos aus 63 Einzelaspekten und einer groß angelegten Umfrage den Finanz-Inklusions-Index Fix. Im Vergleich zu 2024 ist er von 66,9 auf 69,8 Punkte gestiegen. Die finanzielle Teilhabe hat sich also verbessert. Vor allem das Vertrauen der Deutschen ist gestiegen, etwa in Online-Banking. Auch Finanzkompetenz und Barrierefreiheit legten zu. Maximal möglich sind 100 Punkte, was uneingeschränkten Zugang für alle bedeutet.
Vieles kann Menschen davon abhalten, sich mit Geld im weitesten Sinn zu beschäftigen: Fehlende Bankfilialen, umständliche Bezahlsoftware, geringes Vertrauen in die Institute, zu wenig Einnahmen, geringe Bildung und mangelnde Digitalkompetenz. Vor allem letzteres hindert Menschen daran in vollem Umfang am (finanziellen) Leben teilzunehmen, wie die Schufa-Studie ergab. Sehr vereinfacht: Wer schlecht mit einem Mobiltelefon umgehen kann und nicht weiß was Whatsapp ist, kann die finanziellen Möglichkeiten des modernen Lebens nicht voll ausnutzen.
„Digitalkompetenz ist eine wesentliche Voraussetzung für die Teilhabe am Finanzgeschehen“, sagt Tanja Birkholz, Vorstandsvorsitzende der Schufa. „Wir müssen Digitalkompetenz fördern, damit sich Menschen souverän und sicher in der digitalen Welt bewegen.“ Sie sieht hier eine gesellschaftliche Aufgabe. Denn: Sich sicher im digitalen Umfeld zu bewegen, ist in Finanzdingen wichtiger als etwa eine sehr gute Bildung.
Die Studie zeigt, dass Menschen zum Beispiel mit einem Uniabschluss mit allem rund ums Geld besser zurechtkommt. Wer dagegen weniger gebildet ist, beschäftigt sich auch weniger mit finanziellen Dingen. Der Zugang ist eingeschränkter. Wer allerdings ohne große Bildung sehr kompetent in digitalen Dingen ist, hat fast genauso guten Zugang zu Finanzdienstleistungen wie jemand mit einer sehr guten Ausbildung. Google toppt Goethe sozusagen.
Unter digitaler Kompetenz verstehen die Studienautoren unter anderem, wie sicher Menschen mit digitalen Systemen an sich umgehen und wie leicht sie sich mit digitalen Systemen im Finanzbereich tun, Online-Banking zum Beispiel oder Aktienhandel. Eingeflossen ist auch die Frage, wie sehr jemand digitale Zahlungsmethoden nutzt – Karten, das Mobiltelefon oder etwa eine moderne Uhr.
Wichtig ist auch, über wie viel Geld eine Person verfügt, genauer ob sie mit ihrem Einkommen sorgenfrei leben kann oder nur schwer auskommt. Dieses subjektive Haushaltseinkommen berücksichtigt auch die Ausgaben und die Lebenssituation. Eine Millionärin mit hohen Schulden kann theoretisch genauso Probleme haben wie ein Mindestlohnempfänger mit sehr begrenzetn Ausgaben. Die Studie zeigt eindeutig: Wer sorgenfrei mit seinem subjektiven Einkommen leben kann, hat deutlich besseren Zugang zu Finanzdienstleistungen als jemand, dem schon Mitte des Monats das Geld ausgeht.
Wichtig für den Umgang mit den Finanzen ist auch das Wissen über verschiedene Angebote wie Tagesgeldkonto oder Kredit, über Anmeldemethoden und Preisvergleichsportale. Und die Fähigkeit, Probleme, die auftreten, selbst zu lösen. Diese Finanzkompetenz der Deutschen ist der Studie zufolge weiter gestiegen. Was sich auch zeigt: Frauen stehen deutlich schlechter da als Männer. Ob Frauen tatsächlich weniger Finanzwissen haben oder sich in der Umfrage nur schlechter einschätzen, ist unklar. Die Forscher vom ZEW ermittelten, dass geringeres Selbstvertrauen bei Frauen einen Teil der Geschlechterunterschiede erklären.
Üblicherweise schneiden ältere Menschen bei Umfragen zu Finanzthemen schlechter ab – zu wenig digital, zu wenig Geld. In der Schufa-Studie ist ihre Teilhabe am Finanzleben am größten. Die 65- bis 74-Jährigen haben über die Jahre sehr viel Finanzkompetenz gesammelt. Entsprechend schlecht schneiden die Menschen zwischen 16 und 24 ab, die wenig Erfahrung besitzen. Sie müssen die meisten Hürden überwinden.
Dass die Banken und Sparkassen in Deutschland auch 2024 Filialen geschlossen haben, bremst die Bundesbürger offenbar nicht aus. Allerdings ist die Zahl derjenigen, die Anliegen mit ihrer Bank nicht klären konnten, gestiegen. 25,1 Prozent hatten Schwierigkeiten nach 23,7 Prozent ein Jahr zuvor. Deutlich dramatischer sieht es in zwei anderen Bereichen aus. Nur 27,1 Prozent der Befragten sind mit der Finanz- oder Vermögensberatung ihrer Bank oder Sparkasse zufrieden, bei der ersten Umfrage vor zwei Jahren waren es noch 30,8 Prozent. Und mit dem Telefonbanking hadern 29,9 Prozent, ein hoher Wert, auch wenn er 2023 noch 39,5 Prozent betrug.
Für die Studie befragte Ipsos online 3000 Menschen. Sie waren zwischen 16 und 74 Jahren alt. Wissenschaftlich betreut wird die Studie von Peter Kenning, Betriebswirtschaftsprofessor der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf.