Es ist vollbracht. Erstmals hat das Landgericht Braunschweig hochrangige Manager des VW-Konzerns wegen des Dieselskandals verurteilt. Endlich. Vor fast zehn Jahren enthüllte das US-Umweltamt EPA, dass das Unternehmen offenbar Dieselmotoren manipulierte – zum Schaden der Umwelt, der Autofahrer und der Anleger, die ihre VW-Aktie abstürzen sahen. Der Skandal ist beispiellos. Die Fahrzeuge stießen bis zu 35 Mal mehr Schadstoffe aus, als zugelassen waren. Offensichtlich ist, dass manipuliert wurde. Nur wer verantwortlich war, ist unklar.
Das wird wohl so bleiben, trotz des Urteils jetzt und verschiedener Strafverfahren, die in Braunschweig noch laufen. Denn es geht um die Ehre von Ingenieuren und Spitzenmanagern, ums Rechthaben und um sehr viel Geld, dass letztlich niemand der Beteiligten zahlen will und kann. So wird auch dieses Verfahren nach vier Jahren und 175 Verhandlungstagen nicht beendet sein und wohl in die Revision gehen. Die vier Beklagten weisen sich gegenseitig und der ehemaligen Konzernführung die Schuld zu. Den Schaden hat immer noch Volkswagen.
Dort konnten Ingenieure jahrelang systematisch täuschen. Aber sollten sie auch systematisch täuschen? Beantworten kann das wohl nur der ehemalige Konzernchef Martin Winterkorn, der jedes Wissen über die Manipulation seit zehn Jahren von sich weist. Sein Strafverfahren in Braunschweig allerdings, aus dem gerade abgeschlossenen ausgegliedert, ruht. Der 78-Jährige ist gesundheitlich angeschlagen. In seiner aktiven Zeit galt er als jemand, der sich gern auch in Einzelheiten weit entfernt von der Wolfsburger Chefetage einmischte.
Das Arbeitsklima bei VW scheint nicht besonders produktiv gewesen zu sein. Entweder, die Ingenieure konnten ohne große Kontrolle tun und lassen, was sie wollten. Statt eine smarte Lösung zu finden, wählten sie in diesem Fall die Manipulation. Oder es herrschten Druck und Angst von oben, so dass die Ingenieure gar nicht anders konnten, als zu tricksen. Man kann in beiden Fällen nur hoffen, dass sich im Konzern nachhaltig etwas geändert hat.
Auf jeden Fall zahlte sich das Vorgehen nicht dauerhaft aus. Bisher hat der Skandal Volkswagen rund 33 Milliarden Euro gekostet. Das Geld hätten Winterkorns Nachfolger Matthias Müller, Herbert Diess und Oliver Blume sicher gern gehabt, um im immer raueren Wettbewerb in die Zukunft des Konzerns zu investieren. Der Skandal wird ihn noch über Jahre weiter beschäftigen. Auch wenn das Unternehmen betont, dass die Strafverfahren gegen einzelne Personen und nicht gegen den Konzern an sich gerichtet sind: Volkswagen wird bei jedem Prozess genannt werden.
Für Autobesitzer und Aktionäre, die in verschiedenen anderen Verfahren klagten und auf Geld vom Konzern hoffen, birgt das aktuelle Urteil in Braunschweig vielleicht etwas Genugtuung – endlich wird jemand zur Verantwortung gezogen. Mehr aber auch nicht. Sie müssen weiter warten, womöglich Jahre.