Autonomes Fahren erobert den Nahverkehr

Autonome Busse könnten das Mobilitätsverhalten der Deutschen bald nachhaltig verändern. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie dreier Forschungsinstitute im Auftrag von DB Regio. „Autonomes Fahren wird kommen“, sagt Vorstand Frederik Ley. Sowohl die Technologie als auch der gesetzliche Rahmen seien vorhanden. 

Die Forscher haben drei Szenarien bis zum Jahr 2045 durchgerechnet. Einen nur geringen Nutzen brächte die Umrüstung der Linienbusse. Zwar könnte das Angebot bei sinkenden Kosten damit um fast ein Viertel steigen. Doch der Marktanteil des öffentlichen Verkehrs stiege nur von derzeit 15 Prozent auf 18 Prozent an. In einem zweiten Szenario haben die Forscher Robotaxis in den Metropolen hinzugenommen. Das würde laut Studie nur zu einem massiven Anstieg des Verkehrs in den Städten sorgen, auf dem and aber gar keine Wirkung entfalten.

„Menschen verändern ihre Gewohnheiten nur, wenn das neue Angebot verlässlich, attraktiv und in ihr Alltagsleben passt“, erläutert Meike Jipp vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR). Zusammen mit dem Karlsruhe Institut für Technologie und dem Institut Prognos haben die Forscher ein drittes, ambitioniertes Szenario für 2045 entwickelt. Dabei wird zunächst der Schienenverkehr ausgebaut. Eine Million selbstfahrende Busse sollen flächendeckend für eine schnelle Anbindung der Haushalte an den Nahverkehr sorgen. Derzeit sind bundesweit nur 70.000 Busse unterwegs. 

In diesem Szenario steigt der Marktanteil des Nahverkehrs auf 35 Prozent an, weil das eigene Auto, oder der Zweitwagen, nicht mehr benötigt werden würde. Das Angebot würde an allen Tagen rund um die Uhr bestehen und kurze Wartezeiten auf einen Bus ermöglichen. Allerdings sind die Kosten für so ein Netz enorm. Die monatlichen Ausgaben pro Nutzer beziffern die Forscher auf 275 Euro. Das wäre zwar 170 Euro weniger als ein eigenes Auto kostet. Doch unter dem Strich müssten viele Kunden deutlich mehr bezahlen.

Dennoch sind die Verkehrsunternehmen vom Siegeszug des autonomen Fahrens überzeugt. „Jetzt geht es darum, den ÖPNV als Rückgrat sozialer Teilhabe effizienter, stärker und attraktiver für Fahrgäste zu machen“, sagt Knut Ringat, Vizechef des Verbands der Verkehrsunternehmen (VDV). Der VDV sieht darin auch ein Mittel gegen den allgegenwärtigen Fahrermangel im Nahverkehr. Schon heute fehlen 20.000 Fahrer. Viele gehen in den kommenden Jahren in den Ruhestand. 

Bisher wird das autonome Fahren mit Shuttlebussen nur in Modellversuchen erprobt. Die Bahn unterhält etwa im Rhein-Main-Gebiet sechs selbstfahrende Fahrzeuge. Die Branche will nun die Bundesregierung überzeugen, in drei oder vier Modellregionen Großversuche zu starten. Mit zusätzlich 2.000 autonomen Fahrzeugen soll damit über einen langen Zeitraum ein flächendeckendes Angebot erstellt werden, um die Reaktion der potenziellen Kunden auf ein besseres Angebot zu erkunden.