Einfach europäisch zahlen

Schnell Geld an den Enkel überweisen oder an Freunde in Frankreich? Üblicherweise dauert das. Erst die Kontonummer suchen, lange Zahlenketten eintippen, nach Frankreich sind auch Buchstaben dabei, überprüfen – wenige Deutsche haben Lust dazu, nutzen für kleinere Beträge bisher vor allem Paypal des gleichnamigen US-Konzerns. Doch die Amerikaner hatten einige Überweisungspannen, weshalb sich viele nach einer heimischen Alternative umsehen. Wero mit seinem Sonnengelb verspricht die Zukunft des Bezahlens, schnell, einfach, europäisch.

Was ist Wero?

Wero ist eine digitale Möglichkeit, Geld unkompliziert zwischen Privatpersonen in Europa hin- und herzuschicken – grenzübergreifend. Der Name setzt sich aus We (wir) und Euro zusammen. Um dem Straßenmusiker in Brüssel Geld zu spenden, lässt sich die Zahlungsfunktion genauso verwenden wie, um den Schnellzeichner am Pariser Montmartre zu bezahlen oder das Schnäppchen auf dem Flohmarkt in Amsterdam. Auch wenn im Büro Geld gesammelt wird, um der Kollegin etwas zur Hochzeit zu schenken, ist das Angebot praktisch. Und die abendliche Restaurantrechnung lässt sich mit Wero unter mehreren aufteilen.

Überweisungen zwischen Freunden und Kollegen sind ganz nett, aber wann lässt sich auch im Onlinegeschäft und an der Ladenkasse damit bezahlen?

Derzeit ist Wero noch darauf beschränkt, Geld zwischen Privatpersonen zu überweisen. Vor dem Weihnachtsgeschäft soll es möglich werden, auch beim Onlinehändler damit zu bezahlen. Zwölf bis 14 große Händler werden wohl dabei sein, wenn es in der zweiten November-Hälfte losgeht. Danach sollen schrittweise weitere Händler dazukommen. Um beim Bäcker, im Kleidergeschäft oder Café mit Wero zu bezahlen, dauert es noch etwas. Voraussichtlich Ende 2026, Anfang 2027 soll die Funktion für die klassischen Geschäfte bereit stehen.

Warum dauert das so lange?

Die Macher wollen unter anderem Fehler der Vergangenheit vermeiden. Die deutsche Zahlfunktion Paydirekt etwa, mit viel Marketingbrimborium gestartet, hat sich nicht durchgesetzt. Diesmal soll es funktionieren. Ohne viel Geld für Werbung auszugeben, nutzen bereits etwas mehr als ein Jahr nach dem Start mehr als 44,5 Millionen Menschen in Europa Wero, um sich Geld zuzuschicken.

Wie funktioniert es?

1. Freischalten: Manche Banken und Sparkassen haben Wero in der eigenen App für Geldgeschäfte eingebaut, etwa die Sparkassen. Dort muss man die Funktion einmal freischalten. Andere, etwa die Postbank, nutzen die Wero-App. Hier muss man einmal die App starten, das Kreditinstitut auswählen, bei dem man ein Girokonto besitzt, sich legitimieren, dann ist die App mit dem Konto verbunden.

2. Um Geld zu überweisen, einfach die Wero- oder Banking-App auf dem Mobiltelefon öffnen, Mobilnummer der Person, die das Geld bekommen soll, eingeben oder deren E-Mail-Adresse, Summe eintragen und abschicken. Das Geld ist nach weniger als zehn Sekunden da. Kontonummern oder BIC-Codes wie bei einer klassischen  Überweisung einzutippen, ist nicht nötig.

3. Geld lässt sich auch per QR-Code senden. Wer überweisen will, scannt den entsprechenden Code des Empfängers, Summe eingeben, freigeben, fertig. So lässt sich auch Geld anfordern.

Technisch läuft bei Wero im Hintergrund eine Echtzeitüberweisung im europäischen Zahlungsraum. Das Geld wird von einem Girokonto abgebucht und auf dem anderen Girokonto gutgeschrieben. Der Empfänger kann sofort sehen, ob das Geld da ist und direkt darüber verfügen.

Was kostet Wero?

Für Privatpersonen ist das Angebot kostenlos. Künftig soll Wero sich über Gebühren finanzieren, die in der Regel die Händler tragen. Hier konkurriert das neue Angebot mit klassischer Zahlung per Debitkarte (in Deutschland EC-Karte genannt) und Kreditkarte, auch mit Apple Pay, Google Pay und Paypal sowie anderen, vor allem online verfügbaren Möglichkeiten. Weil Händler genau auf ihre Kosten schauen, wird Wero wohl billiger angeboten als Kreditkarte oder Paypal. Das dürfte helfen, den Zahlungsdienst zügig zu verbreiten, was ihn wiederum interessanter für Privatpersonen macht.

Wer steht hinter Wero?

Das Brüsseler Unternehmen EPI (Europäische Zahlungsinitiative) entwickelt Wero. Gegründet haben es 14 große europäische Banken und zwei Zahlungsabwickler. Aus Deutschland sind unter anderem der Deutsche Sparkassen- und Giroverband (DSGV), die Volks und Raiffeisenbanken und die Deutsche Bank mit der Postbankdabei. Aus Frankreich unterstützen unter anderem BNP Paribas und Société Générale, aus den Niederlanden ABN Amro. Gestartet ist Wero im Juli 2024.

Was unterscheidet Wero von Angeboten wie Paypal?

Paypal ist ein Vermittler. Das US-Unternehmen puffert eine Überweisung, zieht das Geld vom Girokonto des Zahlers ein, speichert es auf einem Zwischenkonto, bevor es ans Girokonto des Empfängers weitergeleitet wird. So kann Paypal einem Händler zum Beispiel garantieren, dass das Geld kommt.

Und von Kreditkarten?

Mit einer Kreditkarte von Visa oder Mastercard lässt sich kein Geld an Privatpersonen schicken, wohl aber online oder in Geschäften bezahlen. Das Kartenunternehmen garantiert dem Händler, dass das Geld kommt. In der Regel einmal im Monat bucht das Unternehmen dann zusammengefasst alle Kreditkartenausgaben vom Girokonto des Kunden ab. Solche Karten funktionieren weltweit. Wie Paypal sind auch Mastercard und Visa US-Konzerne.

Wer bietet Wero in Deutschland an?

Fast alle, die ein Girokonto bei einer Sparkasse besitzen, können Wero nutzen. Die Zahlfunktion ist Teil der Sparkassen-App. Auch die ING Deutschland hat sie in der eigenen Banking-App eingebaut. Die Volks- und Raiffeisenbanken bieten Wero an, die Sparda-Banken, ebenso Postbank und Deutsche Bank. Die Digitalbank Revolut aus London ist ebenfalls dabei.

In welchen Ländern ist die Zahlungsfunktion nutzbar?

Zurzeit können alle, die ein Girokonto in Belgien, Deutschland, Frankreich, Luxemburg und den Niederlanden haben und deren Bank dabei ist, Wero nutzen. Neben diesen fünf Kernländern soll Wero bald auch in Österreich funktionieren. In manchen Ländern gibt es ähnliche Angebote, etwa Swish in Schweden, Twint in der Schweiz oder Bizum in Spanien. Letzteres soll mit Wero verknüpft werden. Ziel ist, Wero auf die gesamte Euro-Zone auszudehnen.

Gut, noch ein weiterer Zahlungsanbieter. Geht da noch mehr?

Die Wero-Macher können sich noch einiges vorstellen, etwa verbunden mit der geplanten digitalen staatlichen Brieftasche. Damit lassen sich zum Beispiel Ausweis, Führerschein und Gesundheitskarte rechtssicher in digitaler Form im Mobiltelefon speichern. Und man kann sich europaweit damit ausweisen. Alle EU-Mitgliedsstaaten müssen ein solches Angebot spätestens im November 2026 bereitstellen. Ist Wero etwa mit dem digitalen Ausweis verknüpft, könnte beim Bezahlen automatisch überprüft werden, ob der Käufer tatsächlich schon 18 ist. Beim Onlinekauf, etwa eines teuren Mobiltelefons, könnte die Identität der Käuferin durch die Bezahlung zweifelsfrei festgestellt werden. Ob es soweit kommt, ist noch offen.