Geld auszugeben, kann Spaß machen. Aber es anzulegen? Offenbar haben die Deutschen die Lust am Investieren entdeckt – zumindest jene, die ihre Geldgeschäfte online erledigen und nicht nur den Stand des Girokontos abrufen. Überhaupt greifen die Bundesbürger vor allem zu Smartphone und Tablet oder setzen sich an den Computer, wenn es um Geld geht. Die klassische Bankfiliale, so zeigt es eine repräsentative Umfrage des Digitalverbands Bitkom ist vielen nicht mehr wichtig.
59 Prozent der Befragten, gaben an, es mache ihnen Spaß, online Geld in Anlageprodukte zu investieren. Für Bitkom-Hauptgeschäftsführer Bernhard Rohleder ist der Wert ein Zeichen, dass Online-Banking offenbar auch das Verhalten der Deutschen beeinflusst. „Lange galt Geldanlage als langweilig.“ Digitale Onlinebroker böten leichten Zugang. Und so mögen die Kunden an diesen Wertpapierhändlern ohne Filialen vor allem die hohe Benutzerfreundlichkeit – und das es Zinsen für nicht investiertes Geld gibt.
Auch sonst beeinflussen die technischen Möglichkeiten, Bankgeschäfte zum Beispiel über das Mobiltelefon zu erledigen, die Menschen. 33 Prozent sagten in der Umfrage, sie würden ohne Online-Angebote überhaupt kein Geld investieren. 49 Prozent gaben an, sich durch Online-Banking mehr mit Finanzen und Geldanlage zu beschäftigen. Seit Jahren versuchen Politiker und Finanzexperten, die Bundesbürger dazu zu bewegen, mehr privat für das Alter vorzusorgen, allerdings mit eher geringem Erfolg.
Die, die sparen, versprechen sich einiges von künstlicher Intelligenz. 28 Prozent würden sie nutzen, um sich die Finanzplanung abnehmen zu lassen. Vor einem Jahr waren es nur 20 Prozent. Und 30 (Vorjahr 26) Prozent glauben, dass KI passendere Angebote vorschlagen kann als ein Mensch. Die persönliche Beratung werde nicht überflüssig, sagt Rohleder, aber der Wettbewerb für die klassische Anlageberatung werde größer.
Insgesamt nutzen 86 Prozent der Bundesbürger Online-Banking, 44 sogar ausschließlich – Allzeithoch. Die Werte steigen seit Jahren. Doch nicht alle Deutschen sind begeistert. Online-Banking ist eine Altersfrage. Bis zu 95 Prozent derjenigen, die jünger als 65 Jahre sind, überweisen Geld online oder legen es digital an. „Steigerungen sind hier kaum noch möglich“, sagt der Bitkom-Hauptgeschäftsführer. Zwischen 65 und 74 Jahren greifen noch 83 Prozent für Bankgeschäfte zu Smartphone und Tablet. Wer älter ist, kann sich weniger damit anfreunden. Nur 43 Prozent nutzen online-Banking, immerhin deutlich mehr als die 26 Prozent im Vorjahr.
Daran wird sich wahrscheinlich auch wenig ändern. 62 Prozent der Älteren, die bisher ohne die Technik auskamen, wollen das auch künftig so halten, ein Drittel denkt zumindest darüber nach. Rohleder sprach von einer „seniorigen Fanbasis“ für das Filialgeschäft.
Möglicherweise werden die Verweigerer gezwungen, sich mit digitalen Bankgeschäften zu beschäftigen. Denn die Institute schließen weiterhin Filialen, deren Betrieb aufwändig und teuer ist. Ende 2023 betrieben Banken und Sparkassen in Deutschland noch 20.904 Filialen, 20 Jahre zuvor waren es noch mehr als 49.700. Neuere Zahlen liegen noch nicht vor, der Trend ist aber seit Jahren klar: Es werden weniger.
Unabhängig von Online oder Filiale ist den Bundesbürgern wichtig, wie viel Bankgebühren sie zahlen müssen (96 Prozent) und wie sicher ihre Einlagen sind (95). Danach folgt die Zahl der Geldautomaten, an denen kostenlos Bargeld zu bekommen ist (86) und die Höhe der Zinsen für Tagesgeld oder andere Einlagen (80). 78 Prozent der Befragten ist wichtig, dass die Banking-App benutzerfreundlich ist. Nur 50 Prozent legen Wert auf Filialen, die schnell erreichbar sind.
Dem Angebot der Banken und Sparkassen stellen die Deutschen die Schulnote 3,1 aus. Der Wert ändert sich seit Jahren kaum. Die Banken hätten in den vergangenen Jahren sehr viel getan, sagt Bitkom-Hauptgeschäftsführer Rohleder, aber die Anspruchshaltung sei auch gestiegen. „Die Banken sind langsamer als die Kundenwünsche. Da ist Luft, um die Kunden richtig zu überraschen.“