In diesem Fall lässt sich schneller Geld sparen als gedacht: Knapp 300 Euro weniger können im Jahr für einen Drei-Personen-Haushalt fällig werden – durch einen Wechsel des Stromvertrags. Und der ist leicht gemacht. Das zeigen neue Analysen des Ratgeberportal Finanztip.
Benjamin Weigl, Energieexperte dort, sagt: „Der Stromanbieterwechsel ist eine der einfachsten Möglichkeiten, laufende Kosten deutlich zu senken. Er lässt sich in zehn Minuten erledigen.“ Doch: Knapp 29 Prozent der Haushalte in Deutschland steckten in der teuren Strom-Grundversorgung, also dem örtlichen Basistarif, in den automatisch fällt, wer keinen extra Stromvertrag abgeschlossen hat. Das zeigten Daten der Bundesnetzagentur. Dabei lasse sie sich jederzeit mit einer Frist von zwei Wochen kündigen.
Muss das wirklich sein? Das kostet doch nur Zeit und Nerven! Und: Was wenn was schief läuft? Gibt es ein Panne, ist der Strom weg und die Wohnung bleibt dunkel! Und welcher der vielen Stromanbieter ist wirklich besser? Die Angebote machen doch nur wirr im Kopf! Weigl kennt alle Bedenken, alle Gründe zu zögern – und setzt ihnen als allererstes Zahlen entgegen.
Die Strom-Grundversorgung liege derzeit im Mittel bei 40,62 Cent pro Kilowattstunde (kWh), rechnet er vor. Die günstigsten von Finanztip empfohlenen Tarife mit einer Preisgarantie von 12 Monaten kosteten dagegen im Mittel 31,42 Cent pro kWh.
Ein Drei-Personen-Haushalt mit 3.000 kWh Jahresverbrauch zahle damit in der Grundversorgung 1218,60 Euro pro Jahr für Strom. Zum Vergleich: Im günstigsten Tagen seien es nur 942,60 Euro. So könnten in einem Jahr bis zu 276 Euro gespart werden. Dabei sei allein der jährliche Grundpreis einberechnet. Boni für Neukunden sind es nicht. In ihnen stecke ohnehin eine Falle, warnt Weigl:
„Mit einem Bonus wird das erste Jahr meist günstig, danach steigen die Preise aber oft deutlich.“ Wer bereit sei, jedes Jahr den Anbieter zu wechseln, könne mit diesen Bonustarifen zwar viel sparen. Aber das mache und wolle einfach nicht jeder. „Achten Sie darum nicht allein auf einen hohen Bonus, sondern immer auch auf den Grundpreis, um langfristig günstigen Storm zu beziehen.“ Es ist sein Tipp Nummer 1 für den reibungslosen Wechsel. Was sonst zu tun ist:
Erstens: Guten Tarif suchen. – Im Internet gibt es verschiedene Vergleichsportale, um den besten Stromtarif zu finden. Weigl und seine Leute bei Finanztip haben auch einen Stromrechner entwickelt: www.finanztip.de/stromvergleich/. Das Prinzip erklärt er so: „Sie geben dort Ihre Postleitzahl ein, dann ihren letzten Jahresverbrauch. Dann können Sie sehen, was am günstigsten ist. Problematische Anbieter schließen wir dabei von vornherein aus.“ Darunter zum Beispiel jene, die etwa von Verbraucherzentralen verklagt würden mutmaßlich gegen Verbraucher- und Energierecht verstießen.
Zweitens: Alte Stromrechnung raus kramen. – Den Jahresverbrauch finden Sie auf Ihrer letzten Strom-Jahresabrechnung. Dort finden Sie auch alle nötigen Daten für den Wechsel, sollten sie sich für einen neuen Anbieter entscheiden. „Holen Sie die Unterlagen also aus dem Schrank“, sagt Weigl.
Drittens: Anbieter kontaktieren. – Zu einem neuen Anbieter lässt sich direkt Kontakt aufnehmen – einfach auf seine Webseite gehen. Aber die Vergleichsportale bieten immer auch Links an. Weigl und seine Leute arbeiten mit dem Portalen Check 24 und Verivox zusammen, so führen die Links beim Finanztip-Stromrechner auch dort hin. „Über die Portale lässt sich ein Wechsel direkt machen“, sagt Weigl. Und meint weiter: „Im Gegenzug erhalten diese dann Provisionen vom jeweiligen Anbieter. Und Finanztip wiederum bekommt eine Provision des jeweiligen Portals.“ Das unterstütze ihre Arbeit.
Viertens: Vertrag schließen. – Ein neuer Vertrag sei einfach online zu machen. „Sie müssen dafür nicht viel mehr als die Kundennummer ihres aktuellen Stromanbieters, die elfstellige Marktlokationsidenfikationsnummer, kurz die MaLo-ID, alternativ die Stromzählernummer eintragen“, sagt Weigl. Immer gelte auch ein Widerrufsrecht von 14 Tagen.
Zu guter Letzt: Zählerstand melden. – In der Regel lasse sich bei Vertragsabschluss wählen, dass der neue Stromanbieter die Kündigung des alten Stromvertrags übernehme soll. Der erledige das dann automatisch zum nächstmöglichen Zeitpunkt, so Weigl, und informiere einen dann, wann der neue Vertrag genau starte. Rund um diesen Tag solle man dann einen Stromzähler ablesen und ihn beim alten oder neuen Anbieter, alternativ auch beim örtlichen Stromnetzbetreiber melden, das gehe meist online. „Sie müssen den Zählerstand nicht exakt am Tag des Anbieterwechsels melden – sind Sie nicht zuhause, machen Sie das am besten ein paar Tage vorher.“
Und wenn was schief geht? Weigl meint: „Ein Stromausfall droht Ihnen nicht, die Versorgung bleibt ununterbrochen. Sollte der alte Vertrag enden, sich der Wechsel unerwartet verzögern, springt das Energieunternehmen mit den meisten Stromkunden in der Region, also der Grundversorger.“
Noch ein Tipp am Ende: Jeder neue Stromvertrag habe eine Mindestvertragslaufzeit zwischen einem und 24 Monaten, danach verlängere er sich auf unbestimmte Zeit und sei zu kündigen. „Am besten ist es“, sagt Weigl, „routinemäßig mindestens einmal im Jahr die Stromtarife zu prüfen. Das ist schnell gemacht und lohnt sich immer.“