Wenn KI die Geldanlage steuert

Beim Geld hört der Spaß auf. Persönliche Beratung, solide Anlage, guter Ertrag. Oder doch nicht? Die Bundesbürger liebäugeln mit Künstlicher Intelligenz statt mit echten Menschen, wie eine Umfrage des Digitalverbands Bitkom ergab. Mehr als die Hälfte sieht vor allem Chancen, wenn die Technologie beim Thema Finanzen eingesetzt wird. Mehr als ein Viertel ließe die KI sogar den Großteil der Anlageentscheidungen übernehmen.

Besonders optimistisch sind alle Altersgruppen bis 64. Hier sind deutlich mehr als 60 Prozent von den Chancen überzeugt. Ältere sind überwiegend skeptisch.

Auch beim direkten Vergleich Mensch-Maschine kann die KI punkten. In der Finanzberatung vertrauen 24 Prozent der Befragten ihr mehr. 30 Prozent finden, sie erkläre das Thema besser. 25 Prozent haben ChatGPT, das weitverbreitete KI-Programm des US-Anbieters OpenAI, schon um Rat gefragt, wenn es um Finanzen ging. Und 27 Prozent würden ihre Finanzen einer Künstlichen Intelligenz übergeben. „KI ist schnell in unser Leben gekommen, aber noch jung“, sagt Bitkom-Präsident Ralf Wintergerst. Dafür seien die positiven Werte überraschend hoch.

Denn die Deutschen gelten als zurückhaltend, wenn es um neue Technologien geht. Bezahlen mit Karte oder gar Mobiltelefon oder digitaler Uhr setzt sich nur langsam in Deutschland durch, andere europäische Länder sind deutlich weiter. KI ist noch neu. Sie startete vor vier Jahren im Massenmarkt. Damals machte der US-Anbieter OpenAI ChatGPT verfügbar. Inzwischen sind weitere Programme wie Gemini (Google) und Claude (Anthropic) auf dem Markt.

Und die Bundesbürger sind auf Sicherheit bedacht. Sie steckten Ende 2025 rund 3,5 Billionen Euro Vermögen in schlecht verzinste Sparbücher oder ließen es auf Tagesgeldkonten liegen, die ebenfalls kaum Rendite bringen, dafür wenig Risiko bergen. Anlagen in Aktien oder Fonds sind vielen zu kompliziert oder zu unsicher. Und so viel sie der Umfrage zufolge von KI als Beraterin halten, die Sorge schwingt mit: 62 Prozent fürchten mehr finanziellen Betrug. 49 Prozent lehnen es ab, Künstliche Intelligenz die eigenen Finanzen regeln zu lassen.

Eine andere Technologie hat sich inzwischen durchgesetzt: Online-Banking nutzen mehr als 90 Prozent der Menschen bis zum Alter von 74 Jahren. Wer älter ist, fremdelt damit. „Diese Bevölkerungsgruppen sind nicht mit der Digitalisierung aufgewachsen“, sagt Wintergerst. Nur zwölf Prozent der Deutschen erledigen ihre Bankgeschäfte nur über eine Filiale, alle anderen kommen nicht oder nur noch, wenn es sich nicht vermeiden lässt.

Wichtig bei einer Bank oder Sparkasse sind für 94 Prozent der Befragten die Höhe der Bankgebühren, kostenlose Geldautomaten (87 Prozent), eine gute Online-Banking-App (87 Prozent). Deutlich wichtiger als noch 2025 ist die Möglichkeit, mobil zu bezahlen (72 nach 63 Prozent). Weniger Wert legen Kunden auf persönliche Beratung (50 Prozent) und Bankfilialen (45 Prozent).

Die digitalen Angebote der Banken und Sparkassen bewerten die Befragten mit der Schulnote 3,0. Sie hat sich in den vergangenen Jahren kaum verändert. Dabei überarbeiteten die Institute zum Beispiel ihre Banking-Apps für das Smartphone und bauten sie deutlich aus, offenbar nicht immer zum Vorteil. Möglicherweise erhöhten sich auch die Ansprüche der Kunden. Die Note zeigt aus Sicht des Bitkom-Präsidenten ganz klar: „Die Banken haben hier Chancen, weiter aufzuholen.“