Liebe Frau Palla, Sie sind seit einem Jahr Chefin der Deutschen Bahn, ich bin seit vier Jahren Vielfahrer, einer derjenigen, die mit Bahncard100 durch die Lande zischen, wenn nicht gerade ein langsamer Zug vorausfährt oder der ICE wegen einer Reparatur am Stellwerk über Nebenstrecken tingelt. Oft sind kürzere Züge als angekündigt unterwegs, dafür überfüllt. Oder wir warten, weil Personal nicht rechtzeitig am Bahnhof angekommen ist. Selbst auf sanierten Strecken wird gebaut. Das alles kostet Zeit. Pünktlich anzukommen, überrascht uns Vielfahrer regelmäßig.
Glücklich, wer Direktzüge ohne Umsteigen nutzen kann – lieber länger fahren, als in Fulda stranden. Allerdings enden Züge häufig früher als erwartet – in Nürnberg statt München, in Hannover statt Berlin. Was mich in diesem Jahr auch rätseln ließ: Warum steht der ICE von Berlin über Münster nach Köln noch im Fahrplan? Eher ein Geisterzug, so oft, wie er ausfällt.
In den Zügen hat sich dafür einiges getan, was vorher über Jahre nicht möglich schien. Ausgeleierte Steckdosen gibt es immer noch. Aber die Mülleimer am Platz quellen nur noch über, wenn Fans zu einem Fußballbundesligaspiel gefahren sind. Züge, in denen die Toiletten mehrerer Wagen nicht funktionieren, sind selten geworden. Die Kaffeemaschinen fallen kaum noch aus.
Und das Personal: Krisenmanager und gute Laune in einer Person ist selten, in den Zügen der Deutschen Bahn waren sie schon überdurchschnittlich vertreten, bevor Sie, liebe Frau Palla, antraten. Inzwischen scheinen noch mehr hinzugekommen zu sein. Dank ihnen lassen sich auch 23 Minuten Verspätung aushalten, aber nicht auf Dauer. Denn ich wäre gern mal wieder pünktlich.