Anfang Oktober 2026 erfreut sich Deutschland immer noch am Sommer. Doch die nebligen, kalten, feuchten Tage kommen garantiert. Deshalb träumen viele Bundesbürger vom Winterurlaub mit Sonne und Meer. Aber Geld geben sie nur sehr zögerlich dafür aus, wie TUI, Europas größter Reisekonzern, bemerkt hat. Trotz vieler neuer Angebote.
„Dieses Jahr haben wir einen Spätbuchertrend“, sagt Benjamin Jacobi, Deutschland-Chef des Unternehmens. Familien, die auf Ferien angewiesen seien, buchten weiterhin früh. Viele andere warteten ab, verglichen mehr Angebote, buchten kurzfristiger. „Deshalb brauchen wir als Anbieter etwas stärkere Nerven. Wir verkaufen, aber eben etwas später.“
Möglicherweise überlegen es sich viele auch, ob sie in den Weihnachtsferien überhaupt verreisen sollen. Schließlich wird der Einkauf teurer, die hohen Spritkosten fressen schon das ganze Jahr über Löcher ins Budget. Bei den Reiseexperten von TUI ist das bisher kaum angekommen. „Wir merken nicht, dass die Deutschen weniger für den Urlaub ausgeben“, sagt Jacobi. Nur: „Sie buchen erst, wenn sie sich sicher sind, dass sie es sich leisten können.“
Das schlug sich auch in den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres nieder. Der Umsatz des TUI-Konzerns lag bis Ende Juni unter dem des Vorjahreszeitraums, allerdings nur leicht. Hier ist allerdings nicht nur das Geschäft mit deutschen Gästen, sondern auch das etwa mit Briten, Niederländern und Franzosen enthalten, die sich deutlich stärker zurückhielten.
Bei den Kosten des Winterurlaubs verspricht der TUI-Deutschland-Chef: „Es muss auch niemand mehr für seinen Urlaub ausgeben als vor einem Jahr. Vielleicht sind es nicht der gleiche Ort oder das gleiche Hotel, aber wir werden immer etwas finden.“ Ltur, der Lastminute-Anbieter des Konzerns, hat 400 günstigere Budget-Hotels in beliebten Ferienregionen zusätzlich ins Programm genommen. Auch können Urlauber sich künftig selbst um den Transfer vom Flughafen zum Hotel kümmern – das macht den Urlaub womöglich etwas günstiger.
Lange warten, um auf Schnäppchen zu hoffen, kann in diesem Jahr teuer sein – wegen der Lage in Nahost. Denn die hohen Ölpreise beeinflussen den Preis von Flugbenzin. Und so kann die Blockade der Straße von Hormus am Persischen Golf, die Freude über eine Reise von Deutschland aus in die Dominikanische Republik trüben – auch wenn beide Länder weit entfernt vom Krisenherd liegen.
„Warten hat dieses Jahr seine Tücken“, sagt Jacobi. Schließlich sei unklar, wie sich der Kerosinpreis entwickele. Und viele Ziele ließen sich nur mit dem Flugzeug erreichen. „Wer gebucht hat, muss sich darum nicht kümmern“, verspricht er. „Wir erheben keine Zuschläge, wenn Flugbenzin teurer wird.“ Insofern seien der kommende Winter- und Sommerurlaub gut abgesichert, wenn sie einmal gebucht seien.
Zu den beliebtesten Zielen zählen in diesem Winter wie jedes Jahr Spanien, Ägypten und die Türkei. Auf Rang vier allerdings findet sich ein Ziel, das die Deutschen zuletzt nicht so häufig angesteuert haben: Thailand. Es sei gerade der große Fernreisegewinner, sagt Jacobi.
Auch das eine Folge des Nahostkonflikts, der den Flugverkehr in der Region empfindlich trifft. „Die Umsteigeflüge über die Vereinigten Arabischen Emirate sind günstig, die umfangreichen Kapazitäten dort müssen gefüllt werden“, sagt Jacobi. „Zudem ist die thailändische Währung Baht abgewertet worden. Der Urlaub ist deshalb noch einmal günstiger.“ Von den günstigen Umsteigeflügen profitieren auch die Malediven, Platz sechs der Winterziele.
Zwischen Palmen in Phuket und Korallen am Ari-Atoll liegt Deutschland auf Platz fünf der beliebtesten Winterurlaubsziele. Und auch Österreich hat es in die Liste geschafft. Die Alpen dort sind deutlich schneesicherer als die Pisten hierzulande.
Was kostet der pauschale Winterurlaub beim Marktführer? Für Woche im Fünf-Sterne-Hotel am Roten Meer in Ägypten einschließlich Flug, Transfer und aller Speisen und Getränke zahlt eine dreiköpfige Familie zum Beispiel ab 1684 Euro. Ähnlich teuer wird es in einem Vier-Sterne-TUI-Hotel im Süden von Gran Canaria für eine Familie mit zwei Kindern – ohne Verpflegung aber einschließlich Flug.
Skiurlaub in einem Vier-Sterne-TUI-Hotel in den österreichischen Zentralalpen mit Frühstück und eigener Anreise ist für eine vierköpfige Familie ab 796 Euro zu haben. Anreise, Skipässe und gegebenenfalls Ausrüstung kommen allerdings noch hinzu, was nicht ganz billig ist. Die Preise schwanken je nach Startflughafen oder Woche, die gebucht werden soll. Und natürlich bietet das Unternehmen zahlreiche Extras und Ausflüge.
Wer bereits jetzt auf Sonderangebote für Juli und August kommenden Jahres hofft, muss sich noch etwas gedulden. „Das Sommerprogramm 2027 lässt sich bereits jetzt buchen“, sagt der TUI-Deutschland-Chef. Schließlich wollten sich viele schon am Ende des aktuellen Sommerurlaubs denselben Ort, dasselbe Hotel, sogar dasselbe Zimmer für das nächste Jahr sichern. „Die großen Aktionen bieten wir aber erst ab November, Dezember.“
Der ein oder die andere wartet derzeit ohnehin nicht auf Schnäppchen zu Weihnachten oder den Rabatt für den Sommer 2026, sondern auf einen besonderen Termin, wahrscheinlich Mitte Dezember. Dann schaltet TUI das Winterangebot für nächstes Jahr frei. „Dann buchen die ersten Gäste schon für den Jahreswechsel 27/28“, sagt Jacobi. „Silvester in einem Robinson Club ist für viele das Highlight des Jahres.“