„Trinken wir einen zusammen?“ „Gern! Ich nehme ein alkoholfreies Bier.“ Es sind Thekengespräche der neuen Art, es schwappt ein Null-Promille-Trend durch das Land. Bier ist das beliebteste alkoholische Getränk der Deutschen. Doch nun wollen immer mehr Leute das alkoholfreie Pils, Helle, Weizen, Kölsch, Pale Ale, Stout. Das zeigen neue Zahlen des Deutschen Brauer-Bunds. Am Biermarkt machen die alkoholfreien Varianten jetzt schon neun Prozent aus, Tendenz steigend. Nur: Wie gesund sind sie wirklich? Ein Check.
Gründe, auf Alkohol zu verzichten, gibt es reichlich. Da ist nicht nur die Gefahr, Unsinn zu reden. Vor allem schadet er dem Körper. Beim Alkoholkomsum gebe es nicht einmal eine kleine gesundheitlich unbedenkliche Menge, erklärte unlängst die Weltgesundheitsorganisation WHO. Wie tief man ins Glas schauen kann, ist auch beim alkoholfreien Bier nicht immer gleich. Es hat mit einem selbst und mit der Marke zu tun.
800 verschiedene alkoholfreie Biersorten sind hierzulande zu haben, vor allem kommen jetzt Helle hinzu. Seit wenigen Tagen bietet zum Beispiel auch das Herzoglich Bayerische Brauhaus am Tegernsee eine entsprechende Version seines Klassikers an. „Deutschland ist heute weltweit führend bei der Produktion alkoholfreier Biere“, sagt Nina Göllinger, die für den Deutsche Brauer-Bund spricht. Vorbei sind die Zeiten, als diese noch als schlabberiges Autofahrerbier verspottet wurden.
Thomas Koppmann ist Hobbybrauer, aber vor allem promovierter Lebensmittelchemiker bei der Stiftung Warentest. Erst vor wenigen Monaten hat er mit seinem Team bekannte Sorten alkoholfreien Biers gründlich geprüft: Kalorien, Zucker, Preis und so fort. Wäre eine Apfelschorle nicht grundsätzlich die bessere Alternative? Koppmann sagt: „Ich würde zum alkoholfreien Bier greifen. Das ist eine Geschmackssache.“ Wer auf Alkohol verzichte, tue sich per se etwas Gutes – egal welches Getränk die Alternative ist.
Macht das Bier ohne Promille tatsächlich nicht dick? So wird es oft angepriesen. „Nüchtern-Biere sind erheblich kalorienärmer als alkoholhaltiges Bier und Cola“, sagt Koppmann, „selbst Saftschorlen haben oft mehr.“ Im Schnitt lägen die alkoholfreien Biere bei 108 Kilokalorien pro halbem Liter, ein Bier mit Alkohol bei 195, eine Apfelschorle bei 120, eine Cola bei 220. Die besten Durstlöscher seien aber immer noch: Wasser und ungesüßte Kräuter- und Früchtetees, die keine Kalorien hätten. Aber es gebe Unterschiede, Bier sei nicht gleich Bier, auch alkoholfreies nicht.
„Wer Wert darauf legt, kaum Zucker zu sich zu nehmen, sollte auf die Sorte achten“, sagt Koppmann. „Carlsberg Alc 0.0 Vol, Jever Fun Alkoholfrei Pilsener, König Pilsener Alkoholfrei, Radeberger Pilsener Alkoholfrei, Wernesgrüner Alkoholfrei, Flensburger Frei Pilsener Alkoholfrei und Störtebecker Frei-Bier Alkoholfrei Bio haben quasi keinen Zucker.“ Andere enthielten durchaus Zucker.
Es reicht ein Blick auf die Nährwerttabellen auf der Rückseite der Flaschen. Zum Beispiel auf die von Penny Turmbräu Alkoholfrei: 100 Milliliter enthalten demnach vier Gramm Zucker. Das ist bei Bitburger Pils Alkoholfrei 0.0 auch so. Bei Öttinger Alkoholfrei sind 3,4 Gramm ausgewiesen. Die WHO empfiehlt, dass Erwachsene nicht mehr als 25 Gramm freien Zucker am Tag zu sich nehmen sollten. Trinkt man einen halben Liter alkoholfreies Bier, das vier Gramm pro 100 Milliliter enthält, landet man schon bei 20 Gramm.
Wie kommt der Zucker ins Bier und warum nur in manche? „Das hat mit der Herstellungsart zu tun“, sagt Koppmann. Die alkoholfreien Biere würden meist wie die Originale auch nach dem Reinheitsgebot gebraut, also nur mit Wasser, Hopfen, Malz und Hefe. Bei der Gärung werde der Zucker im Malz von der Hefe in Alkohol und Kohlendioxid verwandelt.
Im Grunde gibt es dann zwei Verfahren, um die Frei-Biere zu bekommen: Die Gärung wird gestoppt, es bleibt viel Restzucker im Produkt übrig. Koppmann: „Das erinnert an Malzbier, mitunter ist es pappsüß.“ Oder: Das Bier wird herkömmlich gebraut, der Zucker komplett in Alkohol umgewandelt. Dieser wird dann entzogen – damit allerdings auch viele Aromastoffe. Bei einem „Bier mit schlankem Körper wie etwa Jever funktioniert das gut, bei anderen weniger“, sagt Koppmann. Darum würden die Verfahren oft auch kombiniert, es sei aber ein Betriebsgeheimnis.
Der Alkohol ist in jedem Fall raus? „Alkoholfreie Biere dürfen bis zu 0,5 Volumenprozent Restalkohol enthalten“, sagt Koppmann. Das ist per Gesetz geregelt und bei manchen Fruchtsäften nicht anders. Dies hielten alle Biere im Test ein, meist hatten sie sogar deutlich weniger. „Schwangere und Stillende sollten alkoholfreie Biere mit Restalkohol meiden, Sorten mit der Kennzeichnung 0,0-Volumenprozent sind aber okay. In diesen darf praktisch kein Restalkohol mehr enthalten sein“, sagt der Experte.
Vor allem nach dem Sport greifen viele gerne zum alkoholfreien Bier. Damit werde dem Körper zwar Flüssigkeit und Energie zugeführt, erklärt Koppmann, „für Leistungssportler eignen sich isotonische Spezialgetränke aber besser.“ Alkoholfreie Biere hätten zu wenig Natrium, um ausgeschwitztes Salz auszugleichen, und zu viel Kalium, was die Leistungsfähigkeit mindern könne.
Sein Tipp am Ende: „Trinken Sie Bier nicht zu kalt. Ideal sind sechs bis acht Grad Celsius. Das ergibt die beste Kombi aus Erfrischung und Geschmack.“