Zuversicht trotz Sparbuch

Inmitten der schwierigen wirtschaftlichen Situation sind die Deutschen überraschend optimistisch. Zumindest ihre finanzielle Lage bewerten sie als so gut wie lange nicht mehr. Und für die nächsten zwei Jahre erwarten einer repräsentativen Umfrage zufolge viele, dass es noch besser wird. Vor allem die Jüngeren sind zuversichtlich.

„Die Menschen in Deutschland schöpfen wieder Vertrauen“, sagt Ulrich Reuter, Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands (DSGV), als er das Vermögensbarometer 2025 zum Weltspartag vorstellt. Danach geben 41 Prozent der Befragten an, dass es ihnen finanziell gut oder sogar sehr gut geht. Im vergangenen Jahr waren es nur 38 Prozent, 2023 sogar nur 34 Prozent. Seit dem ersten Barometer war die Stimmung nur um 2020 etwas besser.

Besonders zuversichtlich sind demnach die Jüngeren. 71 Prozent der 16 bis 29-Jährgen erwarten, dass es ihnen in zwei Jahren besser geht als heute. Reuter findet das beeindruckend. „Denn diese Generation sieht sich permanent neuen Schwierigkeiten ausgesetzt“, sagt der DSGV-Präsident. „Aber sie begegnet ihr mit Gelassenheit und Tatkraft.“

Die Lage der deutschen Wirtschaft ist hingegen nicht ganz so gut: Fehlendes Wachstum, Krise der wichtigen Autoindustrie, wichtige Partner wie die USA sind unberechenbar. „Gerade deshalb ist dieser Optimismus bemerkenswert“, sagt Reuter, „weil er nicht auf stabilem Wachstum beruht, sondern auf dem Vertrauen in die eigene Handlungsfähigkeit.“

Das Barometer nimmt seit 2005 die Stimmung der Deutschen auf und zeigt, wie sie investieren. Einen konkreten Vermögenswert liefert es nicht. Dem Wealth Report des Versicherungskonzerns Allianz zufolge besaßen die Bundesbürger 2024 im Schnitt 86.800 Euro Vermögen. Gegengerechnet sind bereits Schulden und Verbindlichkeiten. Immobilien wie Häuser und Wohnungen sind nicht erfasst.

Das meiste Geld liegt in Deutschland auf Tagesgeldkonten oder Sparbüchern. Beide sind mit um die ein Prozent oder oft weniger nur gering verzinst. Dafür gelten sie als sicher, was für die Deutschen besonders wichtig ist. 51 Prozent legen nur Geld an, wenn das risikolos ist, zeigt das Vermögensbarometer. Dafür nehmen sie die geringen Erträge bewusst in Kauf.

An den Börsen ist mit Aktien oder Fonds auf lange Frist deutlich mehr Geld zu verdienen. Mit einem Fonds, der etwa die Weltindustriewerte abbildet, wie einem MSCI World ETF, ließen sich über die vergangenen Jahre pro Jahr im Schnitt um die zehn Prozent Rendite erzielen. Wer monatlich eine bestimmte Summe einzahlt und die Erträge wieder investiert, spart so ein Vermögen an.

Besonderes Interesse an Aktien, Anleihen und Fonds haben dem Vermögensbarometer zufolge die Hamburgerinnen und Hamburger. 40 Prozent besitzen Wertpapiere, gefolgt von den Nordrhein-Westfalen (34 Prozent) und den Bayern (33 Prozent). Im Schnitt haben derzeit 28 Prozent der Deutschen Geld an den Kapitalmärkten angelegt.

Die größten Wertpapiermuffel sitzen in Sachen. 72 Prozent der Menschen, die älter als 15 sind, haben dort noch nie Wertpapiere besessen. Im Saarland sind es 69 Prozent. Rang drei teilen sich Mecklenburg-Vorpommern und Thüringen mit je 65 Prozent. 56 Prozent der Deutschen besaßen noch nie Wertpapiere.

„Dahinter steckt oft nicht Desinteresse, sondern Unsicherheit“, sagt DSGV-Präsident Reuter. 35 Prozent der Befragten können das Risiko nicht richtig einschätzen, 29 Prozent haben Angst, ihr Geld zu verlieren, 26 Prozent vertrauen den Märkten grundsätzlich nicht, 25 Prozent halten sie für nur schwer durchschaubar. Dennoch sehen die Bundesbürger, dass Aktien und Fonds geeignet sind, zu sparen und höhere Erträge zu erzielen als auf dem Sparbuch. Allein: „Zwischen Einsicht und Handeln liegt oft noch eine Lücke“, sagt Reuter.

Das hat sehr wahrscheinlich auch damit zu tun, dass oft das Wissen darüber fehlt, was Aktien oder Fonds sind, wie Börsen funktionieren und warum Kapitalmärkte wichtig für das Gedeihen von Unternehmen und Fortschritt sind. Nur 35 Prozent der Befragten bezeichnen ihr Finanzwissen als gut.

Reuter fordert, finanzielle Bildung müsse fester Bestandteil des Alltags sein. Schon Schülerinnen und Schüler müssten erleben können, wie Märkte funktionieren. „Gerade in einer digitalen Welt, in der Finanzinformationen ständig verfügbar sind, braucht es Kompetenz, um Relevantes von Lautem zu unterscheiden.“

Nicht jeder erkennt eben, ob ein Versprechen von 500 Prozent Gewinn in 70 Tagen, gegeben in einer Whatsapp-Gruppe, seriös ist. Vor allem nicht, wenn sich das Geld vermeintlich einfach verdienen lässt. Die Bundesfinanzaufsicht Bafin warnt immer wieder vor solchen Angeboten. Offenbar lohnt es sich aber für die Betrüger. Es tauchen auch immer wieder neue Angebote auf.

Schulbildung ist in Deutschland Ländersache, ein eigenes Schulfach Finanzwissen oder Wirtschaft gibt es nur selten. Private Initiativen wie das Planspiel Börse der Sparkassen erreichen nicht alle Schüler. Einen Schub erhofft sich die Finanzbranche von der geplanten Frühstartrente. Die Bundesregierung möchte jedem Kind vom sechsten Lebensjahr an monatlich zehn Euro schenken, die in Aktien oder Fonds angelegt werden sollen. Über die Jahre soll sich so ein kleines Vermögen aufbauen, dass die staatliche Rente ergänzt. Nebeneffekt: Wer früh damit zu tun hat, interessiert sich mehr dafür, was dahintersteckt und lernt so etwas über Märkte und Finanzen.