Nicht fürchten

Warum Handelspolitik mit der Brechstange nicht richtig funktioniert, zeigt der Automarkt. US-Präsident Donald Trump hat die EU gezwungen, die Einfuhrzölle auf Fahrzeuge aus den USA abzuschaffen. Auf Autos aus der EU gelten künftig wohl 15 Prozent Zoll. In der Folge werden Amerikaner mehr für Porsche und Mercedes C-Klasse zahlen. Dass Europa von Cadillacs und Chevrolets überschwemmt wird, ist dagegen unwahrscheinlich. Denn Preis ist nicht alles.

So sind die klassischen US-Marken für den heimischen Markt entwickelt – tendenziell größer und mit höherem Spritverbrauch. Den europäischen Markt haben die Hersteller wenig verstanden – bestes Beispiel ist GM. Der Konzern besaß zahlreiche Marken, scheiterte aber an einer passenden Strategie und zog sich zurück. Zudem fehlt den Amerikanern in Europa ein flächendeckender Vertrieb. Selbst wenn sie jemand wollte: Es ist schwierig, Dodges oder Rams zu kaufen.

Wie es gehen kann, zeigte Tesla. Mit frischen Ideen und reinem E-Antrieb punktete es gegen die etablierten Hersteller weltweit. Inzwischen fehlen Innovationen. Und der Chef schreckt mit seinen radikalen politischen Ansichten und Ausfällen. Zudem spürt der Hersteller steigende Abneigung gegen alles Amerikanische, ausgelöst durch die egoistische Rabulinski-Politik des US-Präsidenten.

Was bedeutet das alles für die deutsche Autoindustrie? Entspannen darf sie sich nicht, schließlich herrscht Wettbewerb. In den vergangenen Jahrzehnten hat sie gezeigt, wie hervorragende Qualität und Technik sich weltweit durchsetzt. Zuletzt waren die Chinesen schneller. Das kann sich wieder ändern. Wer technisch vorn ist und das richtige Gespür für die Kunden hat, muss Konkurrenz nicht fürchten.