Braucht Deutschland Löschflugzeuge?

Die Deutschlandkarte des Deutschen Wetterdienstes, die den Waldbrandgefahrenindex abbildet, ist für kommenden Freitag außer in Schleswig-Holstein fast überall rot: „hohe Gefahr“, mancherorts, etwa im Nationalpark Schwarzwald oder in Darmstadt auch tiefrot für „sehr hohe Gefahr“.

„Die Hitze, die Trockenheit wie wir sie jetzt haben, kannten wir flächendeckend in der Bundesrepublik bisher nicht“, sagt Raimund Engel, Forstwirt und Waldbrandschutzbeauftragter des Landes Brandenburg. „Nicht über so viele Tage, vor allem der Süden und Südwesten Deutschlands sind stark betroffen.“

In Brandenburg müssten Feuerwehren derzeit vor allem ausrücken, um Brände auf Feldern zu löschen, Strohballen gingen dann zum Beispiel in Feuer auf, in anderen Bundesländern brenne der Wald. Ist Deutschland auf große Brände vorbereitet? Engel hat auch bundesweit einen guten Überblick.

Etwa bei Löschflugzeugen. Woanders kommen gewaltige Maschinen wie die Canadaier CL-415 zum Einsatz, die rund 6100 Liter abwerfen können. „Nein, Deutschland besitzt kein eigenes Löschflugzeug“, sagt der Waldbrandschutzexperte. Als einzige Kommune verfüge der Landkreis Harz in Sachsen-Anhalt über eines, genannt Hexe 1. Doch dieser Flieger, der pro Flug bis zu 2.300 Liter Wasser mitnehmen kann, werde jedes Jahr von April bis September von einem polnischen Unternehmen nur gepachtet.

In den Jahren 2023 und 2024 seien im niedersächsischen Braunschweig auch noch zwei Löschflugzeuge einer Katastropheneinsatzgruppe der Europäischen Union, der rescEU-Flotte, stationiert gewesen. Doch 2024 seien die Verträge auch wegen offener Finanzfragen ausgelaufen. Die Flugzeuge seien auch nur selten in Deutschland zum Einsatz gekommen. Sie würden vor allem gebraucht, wenn wie in diesem Sommer in Frankreich, Spanien, Portugal, der Türkei oder Griechenland das Feuer wütet.

„Die Zerstörung ist dort so extrem, die Feuer rücken nahe ran an Städte wie Bordeaux oder Athen“, sagt Engel, „die Dimensionen sind einfach größer als hierzulande.“ Und: „Deutschland ist ganz anders gerüstet.“

Engel erklärt: „In Deutschland hat jede Gemeinde eine Feuerwehr, durch das System der Ehrenamtlichen, die bei der Freiwilligen Feuerwehr mitmachen, sind wir in zehn, spätestens in 20 Minuten vor Ort.“ In anderen Ländern brauche es oft viel länger, bis eine Feuerwehr da sei, nirgends seien sie so dicht verteilt wie in Deutschland. „Es geht bei Feuer aber immer darum, schnell zu sein“, sagt Engel.

Löscharbeiten im bayerischen Gebirge seien zwar auch „anders herausfordernd“ als zum Beispiel auf alten Truppenübungsplätzen in Brandenburg. Erste Feuerwehren bekämen auch Fahrzeuge, die sich fernsteuern ließen, um dort zu löschen, wo kein Mensch hinkommt.

In Deutschland würden im Ernstfall aber meist Hubschrauber der Bundespolizei oder der Bundeswehr angefordert. An die Hubschrauber würden große Löschwassersäcke gehängt, sogenannte Bambi Buckets. Diese ließen sich in kleinere Wasssertanks am Boden absenken und dann wieder befüllen.

Das sei, meint Engels, auch „viel sinnvoller“ als einen Brand mit dem Flugzeug zu löschen. „Wo sollen diese Maschinen denn ihr Wasser herholen?“, fragt er. „Suchen Sie mal einen See oder Fluss, der noch genug Wasser hat im Sommer!“ Die ganz großen Löschflugzeuge tanken ihr Wasser im Flug, sie fliegen dann tief, gleiten mit Rumpf oder Reifen über ein natürliches Gewässer und schöpfen an ihrer Unterseite daraus in wenigen Sekunden tausende Liter Wasser.

So eine Maschine könnte das Wasser aus der Ostsee holen? „Der Weg hin und zurück würde meist zu lange dauern, der Brand liegt ja selten in der Nähe der Küste, das Feuer würde sich währenddessen weiter durchfressen“, erklärt Engel.

Könnten denn neue technische Entwicklungen helfen, Drohnen etwa? Diese würden derzeit schon eingesetzt, um Brände früh zu erkennen, erklärt der Waldbrandschutzbeauftrage Engel, „aber um ein Feuer zu löschen, reicht die Wassermenge, die sie tragen können, nicht“.