Kreuzfahrt könnte reines Vergnügen sein

NABU-Umweltranking 2026: Die Umweltschützer monieren, dass zu wenig in klimafreundliche und schadstoffarme Schifffahrt investiert wird. Dabei gebe es Lösungen – e-hoi!

Alles ist gigantisch, die Pools, die bunten Röhren der Wasserrutschen, das Angebot an Bars-Restaurants, Kasinos und Shows – und „instagrammable“, sagt Alexis Papathanassis. Er ist Professor an der Hochschule Bremerhaven und forscht zu Kreuzfahrten.

Fotos von den Vergnügungsschiffen, die durch Karibik, Mittelmeer, die Ostsee schippern, auch von den Hafenstädten, die sie anliefen und sich für kurze Zeit erkunden ließen, eigneten sich gut auf Social-Media. Längst gehe es nicht mehr nur um Ruhe, Entschleunigung, Weltflucht, seien Kreuzfahrten nicht nur bei Älteren, sondern auch bei jungen Leuten beliebt, „die viel erleben wollen“.

Die Branche modernisiert sich. Nur: Die Umweltbelastungen blieben, da ändere sich bisher wenig. Dabei gebe es technische Lösungen, erklärt der Naturschutzbund NABU, der die Branche in seinem Kreuzfahrtranking 2026 einem neuerlichen Öko-Check unterzogen hat. Die Meyer-Werft im niedersächsischen Papenburg habe in diesem Jahr ein Konzept für das erste klimafreundliche E-Kreuzfahrtschiff vorgestellt: die „Vision“, Platz für knapp 1860 Passagiere, zu 100 Prozent batterieelektrisch betrieben.

Damit ist sie kleiner als viele andere. Zum Vergleich: Das derzeit größte Kreuzfahrtschiff der Welt, die  Icon of the seas von Royal Caribbean International hat Platz für 7600 Leute. Die Vision müsste auch ihre Batterien immer wieder aufladen, an vielen Häfen für Stopps vorbeikommen. Sie wäre aber zum Beispiel auf Routen im Mittelmeer geeignet, könne etwa von Barcelona in Spanien nach Civitavecchia in der Nähe der italienischen Hauptstadt Rom kreuzen, erklärt die Meyer-Werft. Und ihr Chefverkäufer sagt: „Bei Bestellung noch in diesem Jahr könnten wir bereits 2031 ausliefern.”

E-hoi, Zukunft! Noch schippern die Reedereien die wachsende Zahl an Passagieren aber laut NABU „auf fossilem Kurs“ über die Meere. Die meisten der Schiffe werden mit Schweröl befeuert, das auf dem Land für den Verkehr verboten ist. Aus den Schornsteinen qualmen dann gesundheitsbelastende Schadstoffe: Ruß und Feinstaube, Schwefeldioxid und Stickoxide. „Nur vier der 12 untersuchten Reedereien schließen das dreckige Schweröl vollständig aus“, sagt NABU-Expertin Raija Koch.

Unbedenklicher seien, sagt sie, mit grünen E-Fuels betriebene Schiffe. Sie haben herkömmliche Verbrennermotoren, tanken aber klimafreundliche Kraftstoffe wie E-Methanol, bei denen der Strom für die Produktion aus erneuerbaren Energien kommt. Sie seien bisher selten. Manche Reedereien stellten auf LNG-Antriebe um, also auf klimaschädigendes verflüssigtes fossiles Erdgas, manche auch auf biogene Kraftstoffe, die aber umstritten seien, weil sie etwa aus Nahrungsmitteln vom Acker hergestellt würden.

Und nun? „Wer eine Schiffsreise buchen will, kann sich am NABU-Kreuzfahrtranking orientieren“, sagt Koch, „allerdings wird auch von den bestplatzierten keine Reise angeboten, die Klima und Umwelt nicht belastet.“

Auf Platz 1 steht Havila Voyages, die norwegische Reederei ist mit vier eher kleinen Schiffen unterwegs entlang der berühmten Postschiffroute an Norwegens Küste – mit Batterie und LNG. So können sie zumindest manche Strecke ohne Motorengeräusch, leise und emissionsarm zurücklegen, etwa im berühmten Geirangerfjord, einem UNESCO-Weltnaturerbe.

Dahinter sind die ebenfalls auf den europäischen Norden ausgerichteten Hurtigrouten, gefolgt von Ponant. Der französische Anbieter, der die Gäste auf kleineren, sehr luxuriösen Schiffen um die Welt schickt, experimentiert unter anderem mit Segeln. Erst dann kommen die großen Anbieter wie das zu Tui Cruises gehörige „Mein Schiff“ oder die Aida Cruises. Phoenix Reisen, Viking Ocean Cruises und Nicko Cruises haben dem NABU keine Auskunft gegeben.

Koch und ihre Kollegen haben für den Umweltcheck die Nachhaltigkeitsberichte der Firmen und andere offizielle Daten durchforstet. Sie haben an die Unternehmen, die von deutschen Häfen Kreuzfahrten anbieten, zudem einen Fragebogen geschickt. Darunter zwei Dinge, bei denen der NABU dann doch noch Fortschritte ausmacht: Welche Neu- und Umbauten ihrer Schiffe planen sie? Und: Nutzen Sie Landstrom?

Schiffe brauchen in Häfen Strom für Bordküche, Computer, Lampen. Lassen sie dafür ihre Motoren laufen, ist das laut, verpestet auch die Luft. Für die Anwohner ist es besser, wenn das Schiff an das lokale Stromnetz angeschlossen wird. Dafür müssen Häfen und Schiffe entsprechende Infrastruktur aufbauen. „Da geht es jetzt immerhin voran“, sagt Koch. Zudem steige durch Neubauten und Modernisierungen auch die Energieeffizienz, die Treibhausgasemissionen pro Passagier würden geringer.

„Das reicht aber aus Umwelt- und Klimasicht nicht“, sagt Koch  – und rät von einer Kreuzfahrt ab. Auch das Umweltbundesamt erklärt: „Flugzeuge und Kreuzfahrtschiffe sind sehr klimaschädliche Verkehrsmittel für die Urlaubsreise.“

Doch Kreuzfahrten sind Massengeschäft, der Stillstand während der Corona-Pandemie ist vergessen. Gut 1,5 Millionen Reisende gingen 2025 von einem der deutschen Häfen an Nord- und Ostsee an Bord, um eine Hochsee-Kreuzfahrt zu machen – rund 4 Prozent mehr als noch im Jahr zuvor. Forscher Papathanassis meint: „Die Zahlen werden weiter steigen.“