Steigende Energiepreise, geopolitische Risiken, drohende Kriege und der Klimawandel ist auch nicht verschwunden. Für zahlreiche deutsche Gründer bringt die unsichere Gesamtlage einen Schub. Die Nachfrage nach innovativen Lösungen für heimische Energie steigt, wie Nils Aldag, Vorstandsmitglied des Startup-Verbands, sagt. Was bremse, sei die politische Unstetigkeit. Der Verband hat sich die Gründer etwas genauer angesehen. Denn: Ohne Greentech kein Industriestandort.
Dazu zählt der Verband junge Technologiefirmen, die gezielt einen Beitrag zum Umwelt-, Klima- und Ressourcenschutz leisten. Das können Firmen wie Aldags Unternehmen Sunfire aus Dresden sein, das große Elektrolyseur-Anlagen für Industriekunden baut, die grünen Wasserstoff brauchen. Oder Alteva aus Köln, das neuartige Leichtbatterien unter anderem für Flugzeuge entwickeln. Auch Firmen, die Energienetze optimieren oder Kernfusionsreaktoren entwickeln, gehören dazu.
Insgesamt zählte der Verband Ende vergangenen Jahres 2903 aktive junge Greentech-Firmen, rund 13 Prozent aller Start-ups. Die meisten fanden sich in den Millionenstädten Berlin (549), München (222), Hamburg (170) und Köln (99). Frankfurt folgt mit 61 auf Rang fünf. Bei den Bundesländern führt Bayern (567) vor Berlin (549) und Nordrhein-Westfalen (478).
Fast ein Viertel aller Greentech-Firmen beschäftigt sich mit Energie, vor allem, wie sie sich gewinnen lässt. Allein im vergangenen Jahr entstanden 107 Start-ups neu. Getrieben wird das durch die hohe Stromnachfrage durch Künstliche Intelligenz, die geopolitische Lage und die Tatsache, dass Deutschland abhängig von fossilen Brennstoffe ist, die des einführen muss. Die jungen Firmen beschäftigen sich vor allem mit erneuerbaren Energien, mit Netzinfrastruktur und Speichern.
Die Geschäftsmodelle der Greentech-Firmen unterscheiden sich dem Start-up-Verband zufolge deutlich von denen anderer junger Technologieunternehmen. 44 Prozent bauen Anlagen und Geräte, unter allen Start-ups sind es nur 21 Prozent. Mit Software beschäftigen sich hingegen nur 26 Prozent, statt 48 Prozent bei allen Start-ups.
Auch der Bedarf an Geld unterscheidet sich von dem der Softwareunternehmen, die klein anfangen und dann zügig wachsen, aber keine Produktion aufbauen müssen. Sunfire-Chef Aldag berichtet, sein Unternehmen habe insgesamt eine Milliarde Euro eingesammelt, um die Produkte marktreif zu bekommen. Softwarefirmen starten in der Regel zunächst mit wenigen Millionen Euro und beschaffen dann in mehreren Finanzierungsrunden mehr Kapital.
Beim Geld liegen die Deutschen deutlich hinter den USA. In der Bundesrepublik fehlen der Studie zufolge jährlich rund eine Milliarde Euro, um Greentechs so mit Geld auszustatten wie US-Konkurrenten. Aldag fragt sich, wie Deutschland jedes Jahr hohe Milliarden-Beträge ausgeben könne, um fossile Brennstoffe im Ausland zu kaufen, wenn mit recht wenig Einsatz Alternativen in Deutschland finanziert werden könnten.
Noch etwas hat der Verband festgestellt. Hochschulen unterstützen Greentech-Start-ups in besonderem Maße. Gleichzeitig arbeiten die Gründer besonders häufig mit etablierten Unternehmen zusammen, transportieren Technologie aus der Forschung in den Markt. Die Branche löst ein Problem der Bundesrepublik offenbar gut. Denn am Transfer zwischen Spitzenforschung und unternehmerischen Erfolgen hapert es in Deutschland immer wieder.
Den Standort an sich bewerten die Greentech-Gründer positiver als Gründer allgemein. 75 (alle Gründer 61) Prozent halten Deutschland für attraktiver als andere europäische Länder, 48 (40) Prozent werten die Bundesrepublik sogar besser als die USA.