Mit der Kraft privater Investoren

Allein der Name klingt nach Großem: Deutschlandfonds. Die schwarz-rote Bundesregierung hat ihn gestartet. Er soll die Wirtschaft wettbewerbsfähiger machen. Ein hehres Ziel in Zeiten von technologischen Umbrüchen und geopolitischen Spannungen. Was macht der Fonds genau? Und wie viele Milliarden stapeln sich jetzt bei der staatlichen Förderbank KfW, die den Fonds betreut?

Sandra Lutz lächelt. „Der Zielwert sind Investitionen von insgesamt 130 Milliarden Euro“, sagt die Projektleiterin des Deutschlandfonds. Die KfW in Frankfurt wird davon einen Teil übernehmen, ganz überwiegend soll das Geld aber von anderen kommen. „Wir als KfW wollen es Privatinvestoren leichter machen, in deutsche Firmen zu investieren“, sagt Lutz. Die grundsätzliche Idee dahinter: Wenn der Staat sich beteiligt oder mitfinanziert, bringt das Sicherheit für private Investoren und außerdem Aufmerksamkeit für Unternehmen und Projekte.

Der Fonds ist langfristig angelegt, die Investitionssumme wird also erst über Jahre erreicht. Zur Einordnung: Deutschlands Start-ups sammelten im ersten Halbjahr 2026 nach Zahlen der Beratungsgesellschaft EY rund 5,3 Milliarden Euro Kapital von Investoren ein.

Nun legt der Name Deutschlandfonds den Begriff Fonds sehr weit aus. Normalerweise bündelt ein Fonds Geld von Investoren und gibt es gezielt aus. Pensionsfonds legen das Kapital der Sparer für deren Rente an. Der deutsche Hightech-Gründerfonds sammelt Geld ein und steckt es in junge Techfirmen. Und der staatliche Kenfo investiert die Milliarden, die für die Atomzwischen- und -endlagerung vorgesehen sind.

Der Deutschlandfonds hingegen ist anders. Er bündelt viele verschiedene Maßnahmen. Jede einzelne soll Deutschlands Wirtschaft einen Schub geben. Vor allem junge Hochtechnologiefirmen, sogenannte Start-ups, sollen profitieren oder Unternehmen, die viel Kapital brauchen, um sich zu wandeln. Dazu zählen kommunale Energieversorger, die etwa Wärmenetze ausbauen wollen. Gefördert werden soll auch innovativer Mittelstand und Industriefirmen.

Es geht es um verbilligte Kredite für Unternehmen. Oder die Förderbank beteiligt sich an Fonds, der offen für private Investoren ist und wiederum Geld in deutsche Unternehmen steckt. Oder sie wandelt Kredite von Banken in handelbare Wertpapiere um, die private Investoren kaufen. Das entlastet Banken von Risiko, so dass sie zum Beispiel mehr Kredite vergeben können.

Erstmals kann sich die KfW auch direkt an jungen Unternehmen beteiligen. Im Juni gehörte die Förderbank zu den Investoren, die dem Raketenbauer Isar Aerospace aus der Nähe von München 270 Millionen Euro gaben, um weiteres Wachstum zu finanzieren. Mit dabei waren mehrere Wagniskapitalfirmen.

Das Programm soll auch verhindern, dass gute, womöglich staatlich geförderte Ideen in dem Moment von amerikanischen oder chinesischen Investoren übernommen werden, wo Geld für den Ausbau nötig ist. So beteiligte sich die KfW an einer 411-Millionen-Euro-Finanzierungsrunde für Proxima Fusion. Das Unternehmen entwickelt einen Fusionsreaktor. Es wurde aus dem Max-Planck-Institut für Plasmaphysik ausgegründet. Für Start-up-Finanzierung steht bisher eine Milliarde Euro bereit.

Zum Deutschlandfonds gehört auch der Rohstofffonds. Die KfW kann sich an Projekten beteiligen, die der deutschen Wirtschaft Zugang zu kritischen Rohstoffen sichern. Auch Kredite sind möglich. Unter anderem steckt die Bank bis zu 50 Millionen Euro an einem Projekt von Arafura Rare Earth, das im Norden Australiens die Seltenen Erden Neodym und Praseodym abbauen will – wichtig für spezielle Magnete, die etwa in Windkraftanlagen benötigt werden.

Bis zu 150 Millionen Euro erhält Vulcan Energy. Das Unternehmen investiert insgesamt rund 2,2 Milliarden Euro, um im pfälzischen Landau Lithium aus Sole zu gewinnen. Weiterverarbeitet wird das Material in einer neuen Fabrik in Frankfurt-Höchst. Lithium ist unter anderem wichtig für die Batterieproduktion. Der Bund will den Rohstofffonds auf 1,5 Milliarden Euro aufstocken.

Gestartet ist der Deutschlandfonds im Dezember 2025. Das Angebot wird schrittweise ausgebaut. Das kleine Team von Lutz verbindet dabei Ideen der Politik, die Banken und die Realwirtschaft. „Der Deutschlandfonds greift auf die Expertise der KfW zurück“, sagt die Projektleiterin. „Wir entwickeln viele bestehende Produkte weiter, legen aber auch neue auf. Wichtig ist, dass sie für Investoren attraktiv sind.“

So entsteht zum Beispiel gerade etwas für neuartige Ideen, die ersten ihrer Art – das „First of a kind“-Programm. Dabei „werden wir Geld des Bundes investieren, um gemeinsam mit privaten Investoren komplexe, innovative Industrie-Technologien mit hohem Kapitalbedarf zu finanzieren“, sagt Lutz.

Weil der Deutschlandfonds ausgebaut wird, kann es sein, dass der Bund zusätzliche Mittel bereitstellt. Bisher sind direkte Zahlungen und vor allem Garantien für Kredite bis zu 30 Milliarden Euro geplant. Die KfW beschafft sich aber auch selbst Geld an den Finanzmärkten über Anleihen. Das sind Wertpapiere, die zum Beispiel zehn Jahre laufen und dem Käufer einen festen Zinssatz garantieren. Weil die KfW als staatliche deutsche Bank besonders kreditwürdig ist, muss sie weniger Zinsen zahlen als manch andere Bank. Privatpersonen ist die KfW bekannt, weil sie viele Förderprogramme der Bundesregierung etwa für energetische Sanierung umsetzt.