Aus für Internet über Kupferkabel

Sie warten auf schnelles Internet, einen Glasfaseranschluss? Nicht nur auf dem Land, auch in großen Städten Deutschlands hapert es bisher beim Ausbautempo. Das Bundesdigitalministerium will es beschleunigen, doch Breitbandanbieter fürchten, dass das geplante Gesetz eher bremst. Ihr Vorschlag ist recht radikal: ein konkretes Datum, zu dem das klassische Kupferkabelnetz abgeschaltet werden sollte. Dann ist der Druck hoch, etwas zu tun.

Denn das Beharrungsvermögen der Internetkunden bremst den Ausbau. „Noch finden viele Bundesbürger, das Internet über das alte Kupfernetz funktioniere doch“, sagt Sascha Brok, Geschäftsführer von Anga der Breibandverband. „In zehn Jahren werden die Ansprüche aber höher sein, das Netz dann nicht mehr ausreichen. Deshalb müssen wir jetzt investieren.“ Mitglied im Anga sind unter anderem Vodafone, Telekom Deutschland, Tele Columbus (Pyur, Berlin), M-Net (München), Netcologne (Köln) und Wilhelm.tel (Norderstedt).

Online-Computerspiele werden immer umfangreicher, Streamingportale liefern höher aufgelöste Filme und auch Videokonferenzen brauchen immer mehr Daten. Und in Familien nutzen häufig mehrere den Anschluss parallel. Das Kupferkabel mit seinen elektronischen Impulsen kommt da an seine Grenzen. Glasfaser bietet deutlich mehr Platz und Tempo dank Lichtwellen.

Ende 2025 war ein Hochgeschwindigkeitsanschluss nur in Hamburg und Bremen in mehr als 75 Prozent der Haushalte möglich. In Berlin, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein mehr als 50 Prozent. Überall sonst waren Glasfaseranschlüsse im Haus für teils deutlich weniger als 50 Prozent der Haushalte verfügbar..

Viele Länder sind weiter als Deutschland beim Umstieg, was auch daran liegt, dass das deutsche Kupfernetz so gut in Schuss ist. Die Deutsche Telekom als Eigentümerin hat es zudem mit allerlei technischen Tricks so aufgerüstet, dass es auch höhere Geschwindigkeiten kann. Das Ganze kommt aber an seine technischen Grenzen.

Jetzt also soll es mehr Tempo geben, wie der Gesetzentwurf von Karsten Wildberger (CDU). „Grundsätzlich ist es richtig, dass der Bundesdigitalminister den Glasfaserausbau beschleunigen will“, sagt Brok. Da schwingt ein großes Aber mit. „Wir fürchten, dass Netze parallel gebaut werden, wenn der Gesetzentwurf so umgesetzt wird. Das ist volkswirtschaftlich wenig sinnvoll.“

Einige Anbieter, vor allem in Ballungsräumen, überlegten deshalb, ob sie weitermachen sollten, sagt der Anga-Geschäftsführer. Denn womöglich rechnete sich ihre Investition nicht mehr, wenn jemand anders parallel baute und Kunden wegnähme. „Investoren sind gerade ohnehin zurückhaltend, weil sie an anderer Stelle womöglich attraktivere Rendite für ihr Geld bekommen“, sagt Brok. Und so könnte, was gut gemeint ist im neuen Gesetz, schnelles Internet eher ausbremsen.

„Wirklich beschleunigen würde den Glasfaserausbau ein konkretes Abschaltdatum für das Kupfernetz, zum Beispiel Ende der 20er, Anfang der 30er Jahre“, sagt der Anga-Chef. „Dazu muss ausgeschlossen sein, dass Glasfaser parallel zu bestehender Glasfaser gebaut wird. Und wer eine Straße anschließt, sollte verpflichtet sein, die Häuser an der Straße anzuschließen.“

Das ist bisher nicht so, weshalb in manchen Gegenden ein Glasfaserkabel womöglich nur in der Straße liegt, um die Konkurrenz abzuhalten. Solche Fälle soll das neue Gesetz eigentlich verhindern, weshalb es den Parallelbau zulässt. Das alles betrifft vor allem Ballungsräume. Auf dem Land müssen oft die Gemeinden einspringen. Und da fehlt Geld. Brok plädiert deshalb für neue Anreizsysteme.