Zahlt Europa bald mit Beethoven oder Basstölpel?

Es geht den Europäern ans Geld. Die Europäische Zentralbank will die Euro-Banknoten überarbeiten. Unter anderem sind neue Sicherheitselemente geplant. Gleichzeitig sollen die Scheine deutlich anders aussehen als bisher. Wie, dürfen die entscheiden, die das Geld benutzen – ein ungewöhnliches Vorgehen.

Warum braucht die Euro-Zone neue Geldscheine?

Auch Banknoten müssen modernisiert werden. So will die Europäische Zentralbank (EZB) sie noch fälschungssicherer machen. Schon bisher tauchen kaum Blüten in großem Umfang auf, aber die Kriminellen rüsten auf. Zudem sollen die Banknoten nachhaltiger werden. Und die Europäer sollen sich mehr mit ihrem Geld identifizieren. Das Design der Notenserie bisher war bewusst abstrakt gehalten. Der Euro wurde 2002 eingeführt, 2013 grundlegend überarbeitet. Die Währung gilt inzwischen in 21 Ländern der EU und ist in Nicht-EU-Ländern wie Andorra und Montenegro offizielles Zahlungsmittel. Zentralbanken überarbeiten Banknoten regelmäßig, im Schnitt alle zehn bis 15 Jahre.

Welche Scheine wird es geben?

Geplant ist, wie bisher Banknoten im Wert von 5, 10, 20, 50, 100 und 200 Euro herzustellen. Auch die Größen werden sich nicht ändern, um Kosten niedrig zu halten. Sonst müssten etwa Geldautomaten umgebaut werden.

Wie sehen die neuen Scheine aus?

Das ist noch unklar. Denn die EZB geht einen besonderen Weg und bindet die rund 360 Millionen Europäer ein, die in der Euro-Zone leben. In einer Umfragen hat sie erkundet, was die Menschen mit Europa verbinden und dann über mehrere Themen abstimmen lassen. Zu sehen sein werden entweder „Europäische Kultur“ oder „Flüsse und Vögel“. Auch die Motive stehen fest.

Welche Motive werden abgebildet?

Für „Europäische Kultur“: Opernsängerin Maria Callas (Fünfer), Komponist Ludwig van Beethoven (Zehner), Forscherin Marie Curie (20er), Schriftsteller Miguel Cervantes (50er), Renaissance-Genie Leonardo da Vinci (100er) und Literatin und Friedensforscherin Bertha von Suttner (200er). Auf den Rückseiten sind Straßenkünstler, ein Chor, eine Lernsituation, eine Bibliothek, Menschen, die Streetart bewundern, und ein belebter Platz mit Bäumen vorgesehen.

Für „Flüsse/Vögel“: Diese Serie folgt auf der Vorderseite einem Fluss von der Quelle bis zum Meer und zeigt jeweils einen typischen Vogel. Den Fünfer ziert eine Gebirgsquelle nebst Mauerläufer. Auf dem Zehner schwirrt ein Eisvogel an einem Wasserfall, Der 20er könnte einen Schwarm Bienenfresser in einem Flusstal zeigen. Auf dem 50er soll ein Weißstorch über einem mäandernden Fluss fliegen. Auf dem 100er mündet der Fluss, zu sehen wäre ein Säbelschnäbler. Und auf dem 200er soll ein Basstölpel über dem Ozean segeln. Auf den Rückseiten sind europäische Institutionen geplant: Parlament, Kommission, EZB, EU-Gerichtshof, Europäischer Rat und Rat der EU sowie Europäischer Rechnungshof.

Über das endgültige Design können die Europäer jetzt abstimmen. Zehn Entwürfe verschiedener Designer stehen zur Wahl, jeweils fünf je Thema.

Wie kann ich abstimmen?

Unter https://surveys.ecb.europa.eu/10b/banknotes/share/ stellt die EZB alle zehn Entwürfe vor und bittet jeweils um eine Bewertung. Die Abstimmung ist bis 21. September um 23.59 Uhr deutscher Zeit möglich. Wer erst einmal schauen möchte, findet unter https://www.ecb.europa.eu/euro/banknotes/future_banknotes/html/index.de.html eine ausführliche Übersicht.

Wann werden die neuen Scheine eingeführt?

Noch ist nicht sicher, wann das Geld in den Portemonnaies stecken kann. Bis Ende 2026 will der EZB-Rat, das oberste Gremium der Zentralbank, über den Siegerentwurf entscheiden. Dann dauert es noch mehrere Jahre bis die Scheine tatsächlich in Umlauf kommen. 2029 könnte es soweit sein. Derzeit sind mehr als 30 Milliarden Euro-Banknoten im Wert von mehr als 1,5 Billionen Euro in Umlauf.

Wie werden die neuen Scheine eingeführt?

Auch das ist noch nicht sicher. 2013 wurde die überarbeitete Euro-Serie im normalen Betrieb eingeführt. Geldautomaten gaben nur neue Scheine heraus. Und wer bar in Supermärkten bezahlte, bekam neue Banknoten als Wechselgeld. Die alten Scheine zogen die Banken ein.

Was kostet die Erneuerung?

Euro-Scheine werden ununterbrochen erneuert, weil sie in Hosentaschen zerknittern, mitgewaschen werden, ganz allgemein verschleißen – trotz des besonders festen Papiers aus Baumwollfaser. Die Druckkosten einer Banknote gibt die Bundesbank mit etwa zehn Cent an. Diese Kosten fallen für Ersatz auch ohne neu gestaltete Banknoten an. Der Designwettbewerb kostet die EZB nach eigenen Angaben maximal 700.000 Euro, etwa in Preisgeld für die Entwürfe. Die Designer der jetzt zur Auswahl stehenden Versionen bekommen bis zu 50.000 Euro.

Europa soll mit dem digitalen Euro virtuelles Bargeld bekommen. Sind Münzen und Scheine dann nicht überflüssig?

Der digitale Euro ist ein zusätzliches Angebot, das wie Bargeld funktionieren soll. Die EZB will damit eine eigene digitale europäische Zahlungsmöglichkeit schaffen, um unabhängiger von US-Dienstleistern wie Visa und Mastercard zu werden. Ob sich der digitale Euro durchsetzt, ist noch unklar. Er kommt frühestens 2029. Insgesamt geht der Trend weg vom Bargeld. Selbst die Bundesbürger, wahre Fans von Münzen und Scheinen, zahlen immer mehr mit Karte oder Mobiltelefon. Dennoch ist Bargeld sehr vielen Menschen wichtig. Zudem bleiben Bezahlterminals bei Stromausfällen dunkel. Dann hilft im Zweifel nur Bargeld weiter.