Zum Beispiel Wodka: Das hochprozentige Getränk gibt es in Flaschen, die zum Blinken und Leuchten gebracht werden können, weil unter dem Boden eine kleine LED-Lampe sitzt, batteriebetrieben, per Knopfdruck einzuschalten. Das mag für manche nur eine Schnapsidee sein, für Anja Siegesmund markiert es einen „brandgefährlichen Trend“.
Sie ist Präsidentin des Bundesverbandes der Deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Kreislaufwirtschaft – und vertritt so auch die Müllwerker, die leidliche Erfahrungen machen. Sie warnt: „Kaum ein Tag vergeht, ohne dass ein Müllfahrzeug, eine Recyclinganlage, ein Wertstoffhof brennt.“ Zuletzt in Dresden. Dort brannte eine Recyclinganlage, die Feuerwehr war mit einem Großaufgebot im Einsatz. Der Schaden: rund 2 Millionen Euro. Der Grund: eine Lithium-Ionen-Batterie, die dort falsch entsorgt worden war.
Der Hintergrund: Lithium-haltige Batterien oder Akkus haben sehr viel Energie auf kleinem Raum in sich. Normalerweise geben sie die sehr dosiert ab. Werden sie allerdings strapaziert, beschädigt, verformt, fließt der Strom plötzlich unkontrolliert. Dann werden sie schnell heiß, schlagen Funken und Feuer. Und diese Gefahr steigt derzeit allein durch die zunehmende Zahl:
Mittlerweile stecken die Energiepakete in immer mehr Gegenständen des Alltags – in Babyfonen, Bohrern, Bleistiftanspitzern, E-Bikes, E-Autos, Laptops, singenden Grußkarten, beheizten Handschuhen, Rasenmähern, Smartphones, Spielzeug, Staubsaugern, E-Zigaretten. Kaputt oder einfach ausrangiert, zählen alle diese Dinge zum Elektroschrott, gehören damit auf den Wertstoffhof oder in die für sie vorgesehenen Sammelboxen, die es in vielen Geschäften gibt.
Nur: Nicht alle denken daran. So landen sie derzeit viel zu oft im Restmüll, Biomüll oder gelben Sack. Dann werden sie mit der üblichen Müllabfuhr abgeholt. Siegesmund erklärt: „Werden Lithium-Ionen-Akkus dabei gequetscht oder geschreddert, können sie sich in kürzester Zeit extrem erhitzen, teils auf mehr als 1.000 Grad. Passiert das mitten in leicht entflammbaren Abfall, brennt schnell alles lichterloh.“
Doch es trifft nicht nur die Müllwerker. Das zeigen allein drei Meldungen aus dem gerade vergangenen März: Anfang des Monats geriet in Reutlingen der Akku eines zum Laden eingesteckten Hoverboards, das ist eine Art elektrisches Skateboard, in Brand. In Mühlheim an der Ruhr entzündete sich wenige Tage später ein E-Bike-Akku in einer Wohnung eines Mehrfamilienhauses. Ende des Monates explodierte in Baden-Baden ein Akku in einer Garage.
Die Feuerwehren in Deutschland rücken pro Jahr etwa 1.600.000 Mal zu Bränden und Hilfeleistungen aus, die Batterien und Akkus sind immer noch selten die Ursache, ein Risiko aber bestehe, sagt Carsten-Michael Pix vom Deutschen Feuerwehrverband (DFV). Er antwortet auf fünf entscheidende Fragen:
- Kann ich das E-Bike beruhigt in die Garage stellen?
Der Pix-Tipp: „Ja, aber laden Sie es nicht über Nacht oder wenn Sie nicht Zuhause sind.“ Im Fall der Fälle, wenn es raucht oder Funken sprüht, solle man sofort die 112 wählen, um Hilfe zu rufen. - Worauf ist beim Laden des Handys zu achten?
Der Pix-Tipp: „Beim Laden wird jeder Akku warm, egal wie groß er ist. Aber wenn der Akku plötzlich richtig heiß wird, so dass sie ihn kaum noch in der Hand halten können, dann müssen Sie reagieren: Ab damit in einen Kochtopf oder einen Metallbehälter und raus ins Freie oder den Balkon. Beobachten Sie, was passiert, ob sich Rauch oder Flammen entwickeln. Im Zweifel den Behälter mit Wasser füllen und die 112 wählen.“ - Muss mich der E-Auto-Akku wegen seiner Größe extra sorgen?
Der Pix-Tipp: „Nein, auch wenn die Regel gilt, je größer der Akku, desto mehr Energiedichte, desto größer die Gefahr. Denn die Fahrzeughersteller sorgen vor und bauen clevere Steuerungen ein, die eingreifen, wenn der Akku zu heiß wird. Darunter würde auch die Lebensdauer leiden. Deshalb wird zum Beispiel das Laden runter geregelt.“ Im Übrigen gebe es keine Hinweise, dass E-Autos öfter in Flammen aufgingen als herkömmliche Benziner oder Fahrzeuge mit Dieselantrieb. - Kann ich die Brandgefahr ganz grundsätzlich mindern?
Der Pix-Tipp: „Akkus reagieren empfindlich auf Beschädigungen oder Hitze. Wenn ich zum Beispiel das Handy immer wieder fallen lasse, bekommt auch dessen Akku eine Macke. Dabei kann schon ein kleiner Haarriss zur Gefahr werden, es zu einem Kurzschluss kommen. Gehen Sie darum sorgsam mit den Geräten um, lassen sie einen E-Bike-Akku auch mal vom Fachhandel kontrollieren. Und: Laden Sie immer mit dem Originalgerät, nehmen Sie nicht den billigen Ersatz vom Grabbeltisch.“ Qualität sei entscheidend für die Sicherheit. Das Gerät – also dessen Akku – bläht sich auf? Nicht weiter nutzen und entsorgen. - Wohin mit der Powerbank an Bord eines Flugzeugs?
Der Pix-Tipp: „Airlines sind eigentlich vorbereitet. Wird ein außer Kontrolle geratenes Laptop, ein Smartphone oder eben auch die Ersatzbatterie dafür, also eine Powerbank, entdeckt, können sie diese an Bord verkapseln und so sichern.“ Airlines handhabten die Mitnahme von Elektronik unterschiedlich, viele legten fest, wie viel Watt Akkus maximal haben dürfen, die mitgenommen werden sollen. Powerbanks dürften allerdings grundsätzlich nur ins Handgepäck, nie in den aufgegebenen Koffer. Seit Ende Februar eine Powerbank einen Brand in einer Maschine der südkoreanischen Airline Air Busan ausgelöst haben soll, haben manche Fluglinien die Regeln nochmals verschärft – deshalb unbedingt vor Abflug nachfragen.