US-Präsident Donald Trump will die Pharmaindustrie mit weiteren Zöllen überziehen. Dabei haben sich EU und USA gerade auf ein Zollabkommen geeinigt. Deutschland wäre besonders betroffen. Die wichtigsten Fragen und Antworten.
Wo verdienen die Pharmaunternehmen ihr Geld?
Krankheit hält sich nicht an Grenzen. Auch die Pharmaindustrie ist weltweit aufgestellt. Deutsche Unternehmen mischen international mit, nicht nur Konzerne wie Bayer, Boehringer Ingelheim und Merck, sondern auch zahlreiche Mittelständler. Insgesamt hatte der Weltmarkt 2023 ein Volumen von 1,46 Billionen Dollar. Auf die USA entfielen rund 49 Prozent vor China mit gut 7,6 und Deutschland mit etwa 4,7 Prozent Anteil.
Wie wichtig ist die Pharmabranche für die deutsche Wirtschaft?
In der deutschen Pharmabranche arbeiteten dem Verband der Chemischen Industrie zufolge direkt mehr als 133.000 Beschäftigte. Ihre Produkte gehören zu den wichtigsten Exportartikeln Deutschlands, nach Autos, Maschinen, chemischen Erzeugnissen und Datenverarbeitungsgeräten. Die Branche produzierte 2024 geschätzt Waren im Wert von rund 36 Milliarden Euro, wie das Statistische Bundesamt berechnete, importierte zudem Stoffe für rund 80 Milliarden Euro.
Wie wichtig ist der Handel mit den USA für die Branche?
Insgesamt lieferte Deutschland 2024 Arzneimittel im Wert von rund 116 Milliarden Euro ins Ausland. 23,8 Prozent davon gingen in die USA. Die Vereinigten Staaten sind danach größter Abnehmer deutscher Pharmaprodukte. Für 2024 hat sich der Exportanteil sogar auf 23,8 Prozent erhöht.
Welche US-Zölle gibt es?
Grundsätzlich haben sich die EU und die USA auf einen allgemeinen Satz von 15 Prozent Zoll geeinigt. Er gilt auf Waren, die aus der EU in die USA geliefert werden. Er betrifft auch Medikamente. Ausgenommen sind unter anderem Agrarprodukte, Flugzeuge und bestimmte Rohstoffe. Der Zollsatz soll seit 1. August gelten, ist aber noch nicht umgesetzt. Zuvor hatten die USA zehn Prozent erhoben, auf Autos fielen sogar 27,5 Prozent Strafzoll an. Für Stahl und Aluminium gilt weiter ein erhöhter Satz von 50 Prozent.
Wen treffen die Zölle?
Alle Produkte, die aus der EU in die USA eingeführt werden, unterliegen den Zöllen. Unerheblich ist, wer sie produziert. Was der Schweizer Hersteller Roche aus seinem Mannheimer Werk liefert, muss ebenso verzollt werden wie Produkte von Bayer aus Berlin oder des US-Herstellers BMS aus Irland.
Was droht der Pharmaindustrie?
US-Präsident Trump hat bereits angekündigt, sich die Pharmaindustrie vorzunehmen. Mehreres ist geplant: So will Trump die Zölle auf Medikamente auf bis zu 250 Prozent anheben. Vorgesehen sind einzelne Schritte, um den Unternehmen Zeit zu geben, neue Werke in den USA zu bauen.
Und sonst?
Der US-Präsident denkt über eine neue Bester-Preis-Regel für Medikamente nach. Danach soll der international im Vergleich niedrigste Preis eines Arzneimittels dann auch in den USA gelten. Bisher werden die Preise dort frei ausgehandelt. Außerdem sind künftig offenbar Sonderregeln für einzelne Unternehmen möglich. Das können zum Beispiel Zollausnahmen sein, wenn Medikamente als besonders wichtig eingestuft sind.
Warum hat sich Trump die Pharmaindustrie vorgenommen?
Der US-Präsident hat möglicherweise mehrere Gründe. Er will die Unternehmen zwingen, wieder mehr in den USA zu produzieren. Zum einen soll das Land wieder Selbstversorger werden, zum anderen erhofft sich Trump neue Arbeitsplätze. Bisher werden viele Standardmedikamente zum Beispiel in Asien hergestellt, weil die Massenfertigung dort optimiert und günstig ist. In Europa und den USA konzentrieren sich die Pharmaunternehmen auf Forschung und besonders innovative, damit auch teure Medikamente.
Gibt es weitere Gründe?
Auch Trump sieht, dass die Medikamentenpreise in den USA teils sehr hoch sind. Das Gesundheitssystem dort ist eins der teuersten der Welt. Trump will die Industrie zwingen, weniger zu verlangen. Deshalb will er die Preise regulieren. Das reibt sich mit den Zöllen: Sie dürften die Medikamentenpreise in den USA erst einmal erhöhen. Und auch die Produktion von Medikamenten in den USA ist teurer als anderswo. Und dann ist da wohl noch ein psychologischer Grund: Trump liebt es, Macht zu zeigen.
Was bedeutet das alles für die Pharmaunternehmen in Deutschland?
Die Lage ist wie bei vielem, bei dem Trump mitmischt, unklar. Kommen die Zusatzzölle wirklich? Die Ausnahmeregeln? Bisher lässt sich nur eines sagen: Das Geschäft mit den USA wird schwieriger. Die Zölle werden die Produkte hiesiger Unternehmen in den USA verteuern, was das Geschäft schwieriger macht. Ob dann tatsächlich weniger verkauft wird, ist nicht sicher. „Die Nachfrage nach Arzneimitteln, besonders den hochinnovativen Produkten aus Deutschland, wird wenig reagieren“, hieß es beim Verband forschender Arzneimittelhersteller im April. Da waren die konkreten Zölle noch unklar. Und es geht letztlich etwa bei Krebsmitteln um das Leben der Menschen. Auf Medikamente zu verzichten, wäre fahrlässig. Für Firmen ist es zudem schwer, sich aus den USA zurückzuziehen. Der Markt ist riesig, ertragreich und deshalb attraktiv, vor allem für innovative Medikamente, die aufwendig und teuer entwickelt werden. Gleichzeitig sind die Forschungsbedingungen in den USA exzellent. Wie lange noch, ist aber ebenfalls unklar: Trumps Regierung ist die Freiheit der Forschung verdächtig, sie versucht, sie einzuschränken.