Hühnchen ohne Gentechnik, bitte!

Das Angebot in deutschen Supermärkten von Fleisch, Milch, Eiern, auf denen die grüne Raute mit dem weißen Schriftzug „Ohne Gentechnik“ über einer dreiblättrigen Pflanze prangt, wächst. Es ist bei Kunden beliebt.

Für derart gelabelte Lebensmittel gaben sie 2025 insgesamt satte 18,1 Milliarden Euro aus. Das ist gut eine Milliarde mehr als noch 2024. Die Deutschen kaufen für genauso viel Geld Bio-Lebensmittel. Damit ist das „Ohne Gentechnik“ Label gefragt wie nie, es dürfte noch mehr Gewicht bekommen.

„Das Siegel wird in Zukunft auch bei auch bei Grundnahrungsmitteln wie Brot, Kartoffeln und anderem Gemüse sowie daraus hergestellten Produkten relevant“, sagt Alexander Hissting. Er ist Geschäftsführer des Verbandes Lebensmittel ohne Gentechnik, kurz VLOG, der das Logo vergibt. Von ihm stammen auch die neuen Umsatzzahlen für das vergangene Jahr. Sie lagen dieser Zeitung vorab vor.

Das Logo, das schon 2009 von der damaligen CSU-Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner auf den Weg gebracht wurde, findet sich bisher vor allem auf Eiern, Milch und Fleisch. Kühe, Rinder, Hühner, Schweine werden häufig mit gentechnisch verändertem Futter ernährt, außer es sind Bio-Betriebe, bei denen Gentechnik grundsätzlich tabu ist.

Auf Genfutter gibt es im Supermarktregal keinen Hinweis. Die EU schreibt ihn nicht vor. Das Argument: Es ist in Milch oder Eiern nicht nachweisbar. Das ist bei Obst und Gemüse anders. Sind diese gentechnisch verändert, müssen sie oder die daraus produzierten Lebensmittel in der Zutatenliste gekennzeichnet sein.

Aigner wollte die Kennzeichnungslücke im Milchregal und Eierkarton schließen, ging einen neuen Weg. Motto: Dann können Hersteller halt die Produkte freiwillig kennzeichnen, in denen garantiert keine Gentechnik drin ist. So sollten es Verbraucher, denen die Gentechnik nicht behagt, beim Einkaufen leichter haben.

Längst gehen Biotechnologen aber neue Wege. Früher schleusten sie artfremde Gene in das Erbgut einer Pflanzen ein. Berühmt: der BT-Mais, der so selbst ein Gift gegen Fraßfeinde produzieren konnte. Mittlerweile können sie mit Techniken wie Crispr-Cas im Erbgut kleinere Eingriffe machen – ähnlich einer Schere, mit der sich einzelne Buchstaben oder längere Passagen im genetischen Text einer Pflanze entfernen, verändern, hinzufügen lassen.

Dieses Gen-Editing, so erklären die Befürworter, sei vergleichbar mit herkömmlicher Züchtung, bei der aus einer Vielzahl von Kreuzungen die beste Variante herausgesucht wird. Es gehe nur schneller.

Pflanzen aus diesen sogenannten „neuen“ gentechnischen Verfahren sollen in der Europäischen Union künftig ohne Gentechnik-Kennzeichnung verkauft werden können. Das Argument in diesem Fall: Sie unterscheiden sich nicht, allenfalls kaum von klassischen Züchtungen. Das ist umstritten.

Hissting etwa erklärt: „Es gibt längst Möglichkeiten, Veränderungen durch neue Gentechnik nachzuweisen. Dafür müssen die Hersteller nur weiterhin verpflichtet werden, alle Manipulationen offenzulegen.“

Noch muss das EU-Parlament den gelockerten Kennzeichnungsregeln zustimmen. Doch gilt das – der Termin ist im Mai geplant – als wahrscheinlich, auch wenn sich dagegen Lebensmittelfirmen wie Tiefkühlhersteller Frosta oder die dm-Drogeriemarktkette stemmen.

Sie erklärten in einem offenen Brief, dass viele Kunden gentechnisch veränderten Pflanzen „sehr skeptisch gegenüber“ stünden. Die Unternehmen wollten „weiterhin Produkte ohne Einsatz von Gentechnik produzieren und anbieten können.“ Meinen sie das ernst, bliebe voraussichtlich nur ein Weg: Sie nehmen mehr „Ohne Gentechnik“ gelabelte Produkte ins Regal.

Für Lebensmittel mit „Ohne GenTechnik“-Siegel gilt – egal ob „alte“ oder „neue“ gentechnische Methoden – erstens: ein Verbot des Einsatzes von gentechnisch veränderten Organismen oder Teilen davon, zweitens: ein Verbot des Einsatzes von Vitaminen, Aromen, Enzymen und anderen Lebensmittelzusatzstoffen, die mithilfe von gentechnisch veränderten Mikroorganismen hergestellt wurden, drittens: eine Fütterung ohne gentechnisch veränderte Pflanzen.