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  • Fragen und Antworten Ölpreis

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    Steigt der Ölpreis weiter?

    Das weiß niemand. Dem steilen Anstieg des Ölpreises kann jederzeit auch wieder ein schneller Absturz folgen. Auf lange Sicht wird das schwarze Gold aber nie wieder so billig zu haben sein wie in den letzten Jahrzehnten. Denn die leicht und damit preiswert erreichbaren Quellen versiegen nach und nach. Zugleich steigt die Nachfrage aus den riesigen Schwellenländern Indien und China.

    Warum explodiert der Ölpreis gerade jetzt?

    Die Weltwirtschaft brummt und verbraucht daher viel Öl. Vor allem China und Indien kaufen so viel ein wie noch nie. Die hohe Nachfrage treibt den Preis in die Höhe. Teurer wird es auch, weil der Irak und andere Förderländer unsicher sind. Das gibt einen Risikoaufschlag. Schließlich sind Spekulanten am Werk, die für etwa 20 Prozent des derzeitigen Preises verantwortlich sind. Wenn die Ölländer mehr fördern oder die Spekulationsblase platzt, kann der Preis schnell stark sinken.

    Welche Folgen hat das für Benzin?

    Der Benzinpreis steigt weiter an, solange der Ölpreis in die Höhe schießt. Nur der starke Euro bringt den Autofahrern hier etwas Entlastung, weil der Preisanstieg dadurch nicht so stark ausfällt. Sollte sich das Blatt an den internationalen Märkten wandeln, könnte auch der Benzinpreis wieder sinken. Ansonsten werden die Autofahrer bald 1,50 Euro für den Liter Sprit bezahlen müssen.

    Warum wird Diesel immer teurer?

    Weltweit können die Raffinerien nicht genug Diesel herstellen, um die Nachfrage zu decken. Für die Autos würde die Produktion reichen. Aber der Kraftstoff wird auch als Heizöl eingesetzt. Da jetzt viele Amerikaner Heizöl aus Europa kaufen, explodiert der Dieselpreis.

    Sollte man jetzt Heizöl kaufen?

    Wer sich jetzt nicht unbedingt mit Heizöl eindecken muss, sollte noch abwarten. Denn die momentan hohe Nachfrage treibt den Heizölpreis nach oben. Experten rechnen mit einer deutlichen Entspannung der Situation im Januar. Eine Möglichkeit ist auch, jetzt den halben Tank zu füllen und später zu hoffentlich günstigeren Preisen nachzukaufen. Sichere Prognosen sind aber unmöglich.

    Was ist mit dem Gaspreis?

    Der Gaspreis ist an den Ölpreis gekoppelt. Unabhängig vom tatsächlichen Verbrauch wird Gas teurer oder billiger, wenn sich der Ölpreis bewegt. Mit einer Verzögerung von sechs Monaten kommen die veränderten Preise dann beim Verbraucher an. Das Gas wird folglich auch bald sehr viel teurer.

    Wird jetzt weniger gefahren?

    Früher hat der steigende Spritpreis das Verhalten der Autofahrer kaum verändert. Aber 2006 ging die Fahrleistung schon geringfügig zurück. In diesem Jahr werden viele Autofahrer auf Fahrten verzichten, die nicht notwendig sind. Das glauben zumindest Experten.

    Welchen Folgen hat der Preisanstieg für die Wirtschaft?

    Bisher kommt die deutsche Wirtschaft ganz gut mit dem hohen Ölpreis zurecht. Dafür sorgt auch der starke Euro, der die Preissteigerung beim Öl abmildert. Aber auch die Investitionen in energiesparende Anlagen in den letzten Jahrzehnten machen sich nun bezahlt. Die Industrie ist nicht mehr so abhängig vom Öl. Steigt der Preis aber ungebremst weiter, droht ein weltweiter Konjunkturdämpfer.

    Kann die Politik eingreifen?

    Politiker haben nur wenig Einfluss auf den Ölpreis. Internationale Abkommen könnten für mehr Transparenz bei der Preisbildung sorgen. Dann hätten Abzocker und Spekulanten es schwerer. Solche Regelungen sind aber schwer durchzusetzen. In Deutschland könnten die Politiker handeln und die Mineralölsteuer senken. Dann wird der Sprit schnell billiger, denn die Steuer macht den größten Teil des Benzinpreises aus.

  • Der Motor Zeitarbeit kommt ins Stottern

    Firmen kämpfen mit Personalmangel / Gesetzliche Einschränkungen könnten weiteres Wachstum gefährden

    Jahrzehntelang hat Leiharbeit in Deutschland ein wenig rühmliches Schattendasein geführt. Das Image war lausig, der Beiname „Sklavenhändler“ war nur ein Ausdruck für den schlechten Ruf der Branche. Seit 2004 geht es jedoch aufwärts. Zeitarbeit wird für immer mehr Unternehmen und Beschäftigte attraktiv. Auch dabei spielen die nach dem früheren VW-Vorstand Peter Hartz benannten Gesetze eine wichtige Rolle. Hartz I regelte 2003 die Zeitarbeit neu. Dahinter stand der Wunsch nach einem flexibleren Arbeitsmarkt. In guten Zeiten sollten Firmen schneller und ohne Angst vor dem Kündigungsschutzrecht Beschäftigung anbieten. Die 1972 eingeführten gesetzlichen Regelungen für Zeitarbeit wurden deshalb gelockert. Das hatte Erfolg. Die Zahl der Beschäftigten bei den Personaldienstleistungsfirmen hat sich innerhalb weniger Jahre von 330.000 auf mittlerweile 630.000 fast verdoppelt. Das sind 1,6 Prozent aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten. Das Potenzial ist noch längst nicht ausgereizt. Denn in anderen europäischen Ländern ist der Anteil deutlich höher.

    Es waren vergleichsweise einfache Änderungen, die für den Aufschwung der Branche sorgten. Aufgehoben wurde zum Beispiel die Regel, dass Leiharbeiter höchstens zwei Jahre an einen Betrieb ausgeliehen werden dürfen. Bei der Entlohnung verordnete die rotgrüne Koalition der Branche, dass Zeitarbeiter genau so bezahlt werden müssen wie das Stammpersonal, sofern in Tarifverträgen nichts anderes vereinbart wurde. Heute gibt es Tarifverträge, die von den großen Zeitarbeitsverbänden mit dem DGB und christlichen Gewerkschaften abgeschlossen wurden. Damit wurde das Gleichstellungsgebot praktisch unterminiert. Dies stößt bei der Linken und auch bei weiten Teilen der SPD und den Gewerkschaften auf Unmut. Die Kritiker setzen sich nun für neue Beschränkungen der gut 17.000 Verleihfirmen ein.

    Eine der Hauptsorgen der Gegner von Leiharbeit ist, dass immer mehr reguläre Beschäftigung in Leiharbeit umgewandelt wird. Verlässliche Statistiken gibt es dazu nicht. Nach Angaben der SPD zeigen jedoch Erhebungen in der Metallindustrie, dass Leiharbeit im Trend liegt. In der Automobilindustrie setzen danach 86 Prozent aller Betriebe Zeitarbeiter ein. Sieben Prozent der Facharbeiter und 17 Prozent der Hilfskräfte stehen auf der Gehaltsliste von Personaldienstleistern. In Einzelfällen, wie bei Daimler im Werk Ludwigsfelde, kommt laut SPD sogar jeder dritte Beschäftigte von einer Verleihfirma. Auch die Elektroindustrie bedient sich in starkem Umfang bei Zeitarbeitsfirmen. Bisweilen ist der Anteil der Leiharbeiter in dieser Branche sogar höher als der der Kernbelegschaft.

    Dem Trend will die kleinere Regierungspartei mit Hilfe der Gewerkschaften brechen. Die Branche soll wie auch die Postzusteller in das Arbeitsnehmer-Entsendegesetz aufgenommen werden. Damit würde ein flächendeckender Mindestlohn eingeführt. Schwerer wiegt indes der Vorschlag, per Gesetz Kernbelegschaft und Leiharbeiter beim Lohn gleichzustellen. Dann müssten Zeitarbeiter nach einer Einarbeitungszeit immer so gut bezahlt werden wie die Festangestellten eines Betriebes. Ein wesentlicher Wettbewerbsvorteil der Leiharbeitsfirmen ginge so verloren.

    Die Branchenverbände sind über diesen Vorschlag verärgert. Vor allem bei höher qualifizierten Angestellten würde diese Einschränkung Arbeitsplätze vernichten, befürchtet der Interessenverband Deutscher Zeitarbeitsunternehmen (IGZ). Der Bundesverband Zeitarbeit (BZA) stößt ins selbe Horn. „Einerseits will man die Branche durch einen Mindestlohn schützen, gleichzeitig aber soll sie totreguliert werden“, beschwert sich BZA-Präsident Volker Engerts. Die Dienstleistung werde so viel zu teuer und nicht mehr nachgefragt.

    Über mangelnde Nachfrage müssen sich die Verleihfirmen derzeit keine Sorgen machen. Alle IT-Berufe, Ingenieure und betriebswirtschaftliches Personal werden derzeit gesucht. Dabei steht die Branche inzwischen vor demselben Problem wie ihre Kunden. Bestimmte Fachleute sind auf dem Arbeitsmarkt nur noch selten zu finden. Unproblematisch ist nur noch die Vermittlung von Hilfsarbeitern.

    Interessenten haben daher gute Karten bei der Suche nach einem geeigneten Personaldienstleister. Experten raten dazu, bei der Auswahl auf ein paar Dinge zu achten, um unliebsame Überraschungen zu vermeiden. So sollte die Firma einem der Branchenverbände angehören und an einen Tarifvertrag gebunden sein. Dazu sollte in den Geschäftsräumen die Lizenz als Verleihfirma aushängen. Auch sollte der Blick auf Referenzen und die Einhaltung der gesetzlichen Arbeitsschutzbestimmungen gerichtet werden, bevor ein Arbeitsvertrag unterschrieben wird.

  • „EU sollte Ausnahmen bei Freizügigkeit akzeptieren“

    Nach dem Brexit plädiert Ulrich Hoppe, der Hauptgeschäftsführer der Deutsch-Britischen Industrie- und Handelskammer, für einen Kompromiss mit Großbritannien

    Hannes Koch: Sie vertreten die Interessen der deutschen Unternehmen in Großbritannien. Deshalb liegt Ihnen der Freihandel zwischen der EU und den Inseln am Herzen. Würden Sie dafür in Kauf nehmen, dass die Briten die Niederlassungsfreiheit für EU-Bürger einschränken?

    Ulrich Hoppe: Diese Entscheidung müssen die Politiker treffen. Für die Unternehmen ist es wichtig, dass alle Grundfreiheiten erhalten bleiben. Denn auch die deutschen Firmen, die in Großbritannien arbeiten, brauchen Talente aus aller Welt. Unter Umständen können sie aber mit vorübergehenden, kurzfristigen Beschränkungen leben. Langfristig müssen die Grundfreiheiten jedoch gelten.

    Koch: Die sogenannten vier Freiheiten stellen eine Grundlage der EU dar – Freizügigkeit für Waren, Dienstleistungen, Kapital und Bürger. Dabei dürfe man den Briten kein Rosinenpicken erlauben, sagt Kanzlerin Angela Merkel. Glauben Sie, dass die EU zu einem Kompromiss bereit sein wird?

    Hoppe: Die neue britische Regierung muss jetzt erst einmal ihre Verhandlungsposition festlegen. Anfangs wird immer viel gefordert. Schließlich trifft man sich dann meistens in der Mitte.

    Koch: Sie plädieren für einen sogenannten „Soft-Brexit“. Was verstehen Sie darunter?

    Hoppe: Die EU sollte akzeptieren, dass Großbritannien gewisse Ausnahmen bei der Freizügigkeit machen darf. Dieses Recht behielten sich Deutschland und die meisten anderen EU-Länder ebenfalls für einige Jahre nach der ersten EU-Osterweiterung vor, als unter anderem Polen und die baltischen Staaten der EU beitraten. Damals führte Großbritannien die Personenfreizügigkeit sofort ein. Das wäre ein Anlass, nun auch umgekehrt Verständnis zu zeigen.

    Koch: Bräuchten dann beispielsweise BMW-Ingenieure eine Arbeitserlaubnis, wenn sie im britischen Mini-Werk arbeiten wollen?

    Hoppe: Das glaube ich nicht. Das wäre für Unternehmen im Vereinigten Königreich, die auf ausländische Arbeitskräfte angewiesen sind, sehr unpraktisch und fügte der Wirtschaft vor Ort ernsten Schaden zu. Eher sind Beschränkungen für EU-Bürger vorstellbar, die keinen Arbeitsvertrag in Großbritannien nachweisen können.

    Koch: Das beträfe vor allem Arbeitnehmer und Selbstständige aus Osteuropa, die sich künftig nicht mehr einfach in Großbritannien niederlassen dürften?

    Hoppe: In den vergangenen Jahren sind viele Bürger der östlichen EU-Staaten nach Großbritannien gekommen. London wird aber wohl keine Einschränkungen für einzelne Nationalitäten festlegen. Deshalb werden von den neuen Regeln grundsätzlich auch Deutsche betroffen sein.

    Koch: Könnte die Europäische Freihandelsassoziation (EFTA), in der Großbritannien bis zum EU-Beitritt 1973 Mitglied war, den Rahmen für einen Soft-Brexit bilden?

    Hoppe: Theoretisch ja. Das EFTA-Mitglied Schweiz ist nicht gleichzeitig Mitglied im Europäischen Wirtschaftsraum (EWR), der die Anerkenntnis der vier Freiheiten voraussetzt.

    Koch: In bilateralen Verträgen mit der EU hat aber auch die Schweiz die vier Grundfreiheiten akzeptiert.

    Hoppe: Nach der Mehrheit gegen Freizügigkeit in der Schweizer Volksabstimmung muss dieser Punkt jetzt jedoch neu verhandelt werden. Eventuell kann das ein Vorbild für das künftige Verhältnis zwischen der EU und Großbritannien sein. Aber bisher zeigt die EU-Kommission wenig Bereitschaft, sich auf einen Kompromiss einzulassen.

    Ulrich Hoppe (51) ist Hauptgeschäftsführer der Deutsch-Britischen Industrie- und Handelskammer in London.