Wie überall passieren auch in Krankenhäusern und Praxen Fehler. Das neue Hüftgelenkt wackelt, und eine weitere Operation ist nötig. In seltenen Fällen vergessen die Operateure Gegenstände in behandelten Körpern. 97 Patienten und Patientinnen starben 2025 hierzulande sogar an solchen Behandlungsfehlern. Glücklicherweise aber scheint die Gesamtzahl zu sinken, wie die neue Jahresstatistik des Medizinischen Dienstes zeigt.
Knapp 12.000 Gutachten über Verdachtsfälle hat der Dienst im vergangenen Jahr verfasst. In rund 2.700 Fällen stellte sich dadurch tatsächlich heraus, dass Behandlungsfehler einen gesundheitlichen Schaden verursacht hatten. Das macht ein knappes Viertel der untersuchten Beschwerden von Patienten und Patientinnen aus. Der Medizinische Dienst (MD) ist eine unabhängige öffentliche Körperschaft, die unter anderem im Auftrag von Kliniken oder Krankenkassen die Qualität von Behandlungen kontrolliert. Auch etwa die Einstufung der Pflegebedürftigkeit nimmt der Dienst vor.
Unter den 2.700 Behandlungsfehlern fanden sich 2025 immerhin 150 schwere Fälle. Neben aus Versehen im operierten Körper zurückgebliebenen Tupfern zählen dazu auch Verwechselungen: Statt Patient A wurde Patient B behandelt – oder das linke statt des rechten Knies. Mitunter wurden auch falsche, kontraproduktive Medikamente verabreicht. Zwei Drittel dieser Probleme traten in Krankenhäusern auf, weil dort die meisten Operationen stattfanden. Für ein Drittel waren ambulante Einrichtungen verantwortlich. Weit an der Spitze stehen Orthopädie und Frauenheilkunde, dann folgen Zahnmedizin und Pflege.
Gerald Gaß, der Vorsitzende der Deutschen Krankenhausgesellschaft betonte, dass die Gesamtzahl der Fälle sinke und die Behandlungsqualität steige. Tatsächliche hatte der Medizinische Dienst 2016 rund 15.000 Fälle registriert, 2024 waren es noch 12.300, 2025 unter 12.000. Auch setzte Gaß die Zahl der begründeten Beschwerden ins Verhältnis zur großen Menge der „schätzungsweise 18 Millionen Behandlungsfälle“. Die Fehlerquote bleibe damit im geringen Promille-Bereich, erklärte der Verbandschef.
Dennoch wirft die neue Statistik nur ein Schlaglicht auf die Realität. „Die Dunkelziffer ist hoch“, sagte Stefan Gronemeyer, der Vorsitzende des Medizinischen Dienstes Bund. Schließlich beruhten die Angaben ausschließlich auf den Meldungen durch die Patientinnen und Patienten. Eine zentrale Erfassung existiere nicht, bemängelte Gronemeyer. So lasse sich die Zahl aller Behandlungsfehler in Deutschland nur schätzen. Nehme man wissenschaftliche Untersuchungen zur Grundlage, die nach Stichproben einen Anteil von zwei bis vier Prozent nennen, komme man zu einer Größenordnung von bis zu 700.000 Fällen pro Jahr.
Diese unterschiedlichen Betonungen verweisen auf einen festgefahrenen Konflikt. Der Medizinische Dienst fordert, zumindest für die schweren Fälle ein verpflichtendes Meldesystem einzurichten. Dabei gehe es nicht um Sanktionen und Haftung, sondern um die Verbesserung der Sicherheit für die Patienten. In anderen Staaten, beispielsweise Großbritannien, existiere ein solches Verfahren, die Weltgesundheitsorganisation empfehle die Einführung bis 2030. Doch hierzulande „tut sich politisch nichts“, bemängelte MD-Vorsitzender Gronemeyer. Der Bundesverband der AOK-Krankenkassen unterstützt die Forderung des Dienstes.
Die Krankenhaus-Gesellschaft lehnt ein verbindliches Meldesystem dagegen ab. Ein Argument ist die damit angeblich verbundene zu große bürokratische Belastung. Kliniken-Verbandschef Gaß verweist auch auf das bereits bestehende Meldesystem CIRS, an dem sich die Krankenhäuser beteiligen müssen. Allerdings ist die Nutzung teilweise freiwillig.
Diese Diskussion findet in einer Zeit statt, da die Krankenkassen deutlich steigende Kosten zu bewältigen haben. Diese will die Bundesregierung mit einer Gesetzesreform drücken. Dazu könnte auch beitragen, Behandlungsfehler mittels ihrer systematischen Erfassung zu verringern, meint der Medizinische Dienst. Schätzungsweise kosteten derartige Probleme rund 17 Milliarden Euro jährlich.
Und ein anderer Umgang mit medizinischen Fehlern diente auch den Patienten. Sie sollten „unaufgefordert informiert“ werden, falls ein Verdacht bestehe, betont der MD. „Heute ist es so, dass betroffene Patientinnen und Patienten in der Regel nur dann über einen Fehler informiert werden, wenn sie gezielt danach fragen“, bemängelt auch der AOK-Bundesverband.
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Falsches Medikament, Patient verwechselt
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Die Wirtschaftsministerin wettet
Katherina Reiche spielt ein gewagtes Spiel. Tatenlos nimmt die Bundeswirtschaftsministerin hin, dass die unterirdischen Erdgas-Speicher hierzulande nicht so voll sind, wie sie sein sollten. Das könnte sich im Winter rächen – mit stark steigenden Preisen.
Schon jetzt klettern die Kosten für den Brennstoff wieder. Die Privathaushalte und Firmen merken das bereits. So rät Klaus Müller, der Chef der Bundesnetzagentur, sich auf höhere Rechnungen einzustellen. Gleichzeitig fordert er die Gashändler auf, mehr Gas einzuspeichern.
Gegenwärtig tun die Unternehmen das aber nicht. Denn der Rohstoff ist ihnen augenblicklich zu teuer, um beim Verkauf im Winter schöne Gewinne zu ermöglichen. An diesem ökonomischen Kalkül ändert sich auch nichts durch Appelle des Netzagenturchefs oder Beruhigungsbotschaften seiner Vorgesetzten, der Wirtschaftsminsterin. Im Gegenteil ist festzustellen, dass Reiche eine Zielmarke ignoriert oder zumindest fahrlässig interpretiert, die sich die Bundesregierung selbst gesetzt hat. Die sogenannte Gasfüllstandsverordnung bestimmt, dass die Speicher bis November, wenn es normalerweise kalt wird, zu durchschnittlich 70 Prozent gefüllt sein müssen. Momentan sind sie jedoch halb leer. Die Lücke zu schließen, könnte zeitlich knapp werden.
Warum weigert sich nun die Wirtschaftsministerin, die Unternehmen anzuweisen, mehr Gas einzulagern, was die Verordnung ermöglicht? Sie will vermeiden, dass die schlagartig höhere Nachfrage die Preise treibt, und der Bund oder die Verbraucher Milliarden Euro zusätzliche Kosten tragen müssen. Andererseits leisten zu leere Speicher einer Kostenexplosion im Winter Vorschub, wenn beispielsweise durch außergewöhnlich kalte Temperaturen der Bedarf stark zunähme. Eine solche Situation soll die Speicherverordnung gerade verhindern. Der Fairness halber ist aber einzuräumen: Ob die Vorsorge mehr Geld kostet oder der Verzicht darauf, weiß momentan niemand. Katherina Reiche wettet auf die erste Option.
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Hoffen auf einen normalen Winter
Der Vorrat an Heizgas für den kommenden Winter nimmt nur langsam zu. Nach Informationen der Bundesnetzagentur sind die unterirdischen Speicher hierzulande jetzt zur Hälfte gefüllt. 2025 waren es Mitte August bereits zwei Drittel. Damit drängt sich erneut die Frage auf: Sollte die Regierung mehr tun, um Knappheit und einen Preisschock in der kalten Jahreszeit zu verhindern?
Angesichts der außergewöhnlich hohen Temperaturen dieses Sommers mag das Thema gerade etwas abwegig erscheinen. Und doch werden momentan die Voraussetzungen geschaffen, dass im Winter genug Brennstoff vorhanden ist – oder auch nicht.
Die unterirdischen Speicher spielen für die Versorgung eine wichtige Rolle. Zur Zeit füllen sie sich zwar nach und nach, allerdings langsamer als in früheren Jahren. Eine Ursache ist der Krieg zwischen den USA und Iran im Nahen Osten : Weil die Meerenge von Hormus auch für Gastanker größtenteils gesperrt ist, liegt der Weltmarktpreis des Rohstoffs so hoch, dass es sich für hiesige Händler kaum lohnt, jetzt Vorräte anzulegen. Denn das frühere Kalkül – billiger Einkauf im Sommer, Verkauf zu höheren Preisen im Winter – funktioniert nicht mehr richtig.
Wenn das so weitergeht, könnten zum traditionellen Beginn der Heizsaison Anfang Oktober weniger als 60 Prozent der Speicherkapazitäten gefüllt sein – im vergangenen Jahr waren es 76 Prozent. Ob das reicht, erscheint fraglich. „Für durchschnittliche Winter“ sei die Versorgung zwar „abgesichert“, schätzt der Verband der Speicherbetreiber, „bei einem außergewöhnlich kalten Winter steigen die Risiken jedoch erheblich“.
Währenddessen gibt sich das Bundeswirtschaftsministerium unbeeindruckt. Ein Grund: Die Speicher sind nur eine Option, um ausreichend Gas zur Verfügung zu stellen. Hinzu kommen die permanenten Lieferungen durch Pipelines etwa aus Norwegen und den Niederlanden. Zusätzlich sind mittlerweile vier Importterminals für verflüssigtes Erdgas (LNG) an den Küsten von Nord- und Ostsee in Betrieb, eine fünfte Anlandestation eröffnet in Kürze.
„Die Gasversorgung in Deutschland ist stabil und die Versorgungssicherheit gewährleistet“, schreibt eine Sprecherin des Wirtschaftsministeriums. „Aktuell ist auf dem Weltmarkt ausreichend Gas verfügbar, und es sind ausreichend Importmöglichkeiten vorhanden“, erklärt auch die Bundesnetzagentur.
Sind die Sorgen also unangebracht? Michael Kellner sieht das nicht so. Der grüne Energieexperte und ehemalige Staatssekretär im Wirtschaftsministerium schlug vor, eine „Lieferantenverpflichtung“ einzuführen. „Große Gashändler wie Sefe oder Uniper müssten ihre Lieferzusagen für den kommenden Winter an hiesige Kunden beispielsweise in Teilen mit eingespeicherten Gasmengen unterlegen.“ Die Bundesnetzagentur solle kontrollieren, dass das auch wirklich passiere.
Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) will davon aber nichts wissen. Die Wintervorsorge sei die Aufgabe der Unternehmen und Händler. „Eine staatliche Befüllung der Speicher würde den Gasmarkt zusätzlich verknappen und Preise weiter in die Höhe treiben“, schreibt die Sprecherin.
Andererseits könnte aber auch genau diese Strategie des Abwartens zu hohen Gaspreisen im Winter führen. Wenn die zu geringen Vorräte dann zur Neige gehen, müssten die Unternehmen eventuell schnell und teuer nachkaufen. So oder so hängt Deutschland an der Preisentwicklung des Weltmarktes und an Entscheidungen im Krieg, die woanders getroffen werden. -
Braucht Deutschland Löschflugzeuge?
Die Deutschlandkarte des Deutschen Wetterdienstes, die den Waldbrandgefahrenindex abbildet, ist für kommenden Freitag außer in Schleswig-Holstein fast überall rot: „hohe Gefahr“, mancherorts, etwa im Nationalpark Schwarzwald oder in Darmstadt auch tiefrot für „sehr hohe Gefahr“.
„Die Hitze, die Trockenheit wie wir sie jetzt haben, kannten wir flächendeckend in der Bundesrepublik bisher nicht“, sagt Raimund Engel, Forstwirt und Waldbrandschutzbeauftragter des Landes Brandenburg. „Nicht über so viele Tage, vor allem der Süden und Südwesten Deutschlands sind stark betroffen.“
In Brandenburg müssten Feuerwehren derzeit vor allem ausrücken, um Brände auf Feldern zu löschen, Strohballen gingen dann zum Beispiel in Feuer auf, in anderen Bundesländern brenne der Wald. Ist Deutschland auf große Brände vorbereitet? Engel hat auch bundesweit einen guten Überblick.
Etwa bei Löschflugzeugen. Woanders kommen gewaltige Maschinen wie die Canadaier CL-415 zum Einsatz, die rund 6100 Liter abwerfen können. „Nein, Deutschland besitzt kein eigenes Löschflugzeug“, sagt der Waldbrandschutzexperte. Als einzige Kommune verfüge der Landkreis Harz in Sachsen-Anhalt über eines, genannt Hexe 1. Doch dieser Flieger, der pro Flug bis zu 2.300 Liter Wasser mitnehmen kann, werde jedes Jahr von April bis September von einem polnischen Unternehmen nur gepachtet.
In den Jahren 2023 und 2024 seien im niedersächsischen Braunschweig auch noch zwei Löschflugzeuge einer Katastropheneinsatzgruppe der Europäischen Union, der rescEU-Flotte, stationiert gewesen. Doch 2024 seien die Verträge auch wegen offener Finanzfragen ausgelaufen. Die Flugzeuge seien auch nur selten in Deutschland zum Einsatz gekommen. Sie würden vor allem gebraucht, wenn wie in diesem Sommer in Frankreich, Spanien, Portugal, der Türkei oder Griechenland das Feuer wütet.
„Die Zerstörung ist dort so extrem, die Feuer rücken nahe ran an Städte wie Bordeaux oder Athen“, sagt Engel, „die Dimensionen sind einfach größer als hierzulande.“ Und: „Deutschland ist ganz anders gerüstet.“
Engel erklärt: „In Deutschland hat jede Gemeinde eine Feuerwehr, durch das System der Ehrenamtlichen, die bei der Freiwilligen Feuerwehr mitmachen, sind wir in zehn, spätestens in 20 Minuten vor Ort.“ In anderen Ländern brauche es oft viel länger, bis eine Feuerwehr da sei, nirgends seien sie so dicht verteilt wie in Deutschland. „Es geht bei Feuer aber immer darum, schnell zu sein“, sagt Engel.
Löscharbeiten im bayerischen Gebirge seien zwar auch „anders herausfordernd“ als zum Beispiel auf alten Truppenübungsplätzen in Brandenburg. Erste Feuerwehren bekämen auch Fahrzeuge, die sich fernsteuern ließen, um dort zu löschen, wo kein Mensch hinkommt.
In Deutschland würden im Ernstfall aber meist Hubschrauber der Bundespolizei oder der Bundeswehr angefordert. An die Hubschrauber würden große Löschwassersäcke gehängt, sogenannte Bambi Buckets. Diese ließen sich in kleinere Wasssertanks am Boden absenken und dann wieder befüllen.
Das sei, meint Engels, auch „viel sinnvoller“ als einen Brand mit dem Flugzeug zu löschen. „Wo sollen diese Maschinen denn ihr Wasser herholen?“, fragt er. „Suchen Sie mal einen See oder Fluss, der noch genug Wasser hat im Sommer!“ Die ganz großen Löschflugzeuge tanken ihr Wasser im Flug, sie fliegen dann tief, gleiten mit Rumpf oder Reifen über ein natürliches Gewässer und schöpfen an ihrer Unterseite daraus in wenigen Sekunden tausende Liter Wasser.
So eine Maschine könnte das Wasser aus der Ostsee holen? „Der Weg hin und zurück würde meist zu lange dauern, der Brand liegt ja selten in der Nähe der Küste, das Feuer würde sich währenddessen weiter durchfressen“, erklärt Engel.
Könnten denn neue technische Entwicklungen helfen, Drohnen etwa? Diese würden derzeit schon eingesetzt, um Brände früh zu erkennen, erklärt der Waldbrandschutzbeauftrage Engel, „aber um ein Feuer zu löschen, reicht die Wassermenge, die sie tragen können, nicht“.
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Kreuzfahrt könnte reines Vergnügen sein
NABU-Umweltranking 2026: Die Umweltschützer monieren, dass zu wenig in klimafreundliche und schadstoffarme Schifffahrt investiert wird. Dabei gebe es Lösungen – e-hoi!
Alles ist gigantisch, die Pools, die bunten Röhren der Wasserrutschen, das Angebot an Bars-Restaurants, Kasinos und Shows – und „instagrammable“, sagt Alexis Papathanassis. Er ist Professor an der Hochschule Bremerhaven und forscht zu Kreuzfahrten.
Fotos von den Vergnügungsschiffen, die durch Karibik, Mittelmeer, die Ostsee schippern, auch von den Hafenstädten, die sie anliefen und sich für kurze Zeit erkunden ließen, eigneten sich gut auf Social-Media. Längst gehe es nicht mehr nur um Ruhe, Entschleunigung, Weltflucht, seien Kreuzfahrten nicht nur bei Älteren, sondern auch bei jungen Leuten beliebt, „die viel erleben wollen“.
Die Branche modernisiert sich. Nur: Die Umweltbelastungen blieben, da ändere sich bisher wenig. Dabei gebe es technische Lösungen, erklärt der Naturschutzbund NABU, der die Branche in seinem Kreuzfahrtranking 2026 einem neuerlichen Öko-Check unterzogen hat. Die Meyer-Werft im niedersächsischen Papenburg habe in diesem Jahr ein Konzept für das erste klimafreundliche E-Kreuzfahrtschiff vorgestellt: die „Vision“, Platz für knapp 1860 Passagiere, zu 100 Prozent batterieelektrisch betrieben.
Damit ist sie kleiner als viele andere. Zum Vergleich: Das derzeit größte Kreuzfahrtschiff der Welt, die Icon of the seas von Royal Caribbean International hat Platz für 7600 Leute. Die Vision müsste auch ihre Batterien immer wieder aufladen, an vielen Häfen für Stopps vorbeikommen. Sie wäre aber zum Beispiel auf Routen im Mittelmeer geeignet, könne etwa von Barcelona in Spanien nach Civitavecchia in der Nähe der italienischen Hauptstadt Rom kreuzen, erklärt die Meyer-Werft. Und ihr Chefverkäufer sagt: „Bei Bestellung noch in diesem Jahr könnten wir bereits 2031 ausliefern.”
E-hoi, Zukunft! Noch schippern die Reedereien die wachsende Zahl an Passagieren aber laut NABU „auf fossilem Kurs“ über die Meere. Die meisten der Schiffe werden mit Schweröl befeuert, das auf dem Land für den Verkehr verboten ist. Aus den Schornsteinen qualmen dann gesundheitsbelastende Schadstoffe: Ruß und Feinstaube, Schwefeldioxid und Stickoxide. „Nur vier der 12 untersuchten Reedereien schließen das dreckige Schweröl vollständig aus“, sagt NABU-Expertin Raija Koch.
Unbedenklicher seien, sagt sie, mit grünen E-Fuels betriebene Schiffe. Sie haben herkömmliche Verbrennermotoren, tanken aber klimafreundliche Kraftstoffe wie E-Methanol, bei denen der Strom für die Produktion aus erneuerbaren Energien kommt. Sie seien bisher selten. Manche Reedereien stellten auf LNG-Antriebe um, also auf klimaschädigendes verflüssigtes fossiles Erdgas, manche auch auf biogene Kraftstoffe, die aber umstritten seien, weil sie etwa aus Nahrungsmitteln vom Acker hergestellt würden.
Und nun? „Wer eine Schiffsreise buchen will, kann sich am NABU-Kreuzfahrtranking orientieren“, sagt Koch, „allerdings wird auch von den bestplatzierten keine Reise angeboten, die Klima und Umwelt nicht belastet.“
Auf Platz 1 steht Havila Voyages, die norwegische Reederei ist mit vier eher kleinen Schiffen unterwegs entlang der berühmten Postschiffroute an Norwegens Küste – mit Batterie und LNG. So können sie zumindest manche Strecke ohne Motorengeräusch, leise und emissionsarm zurücklegen, etwa im berühmten Geirangerfjord, einem UNESCO-Weltnaturerbe.
Dahinter sind die ebenfalls auf den europäischen Norden ausgerichteten Hurtigrouten, gefolgt von Ponant. Der französische Anbieter, der die Gäste auf kleineren, sehr luxuriösen Schiffen um die Welt schickt, experimentiert unter anderem mit Segeln. Erst dann kommen die großen Anbieter wie das zu Tui Cruises gehörige „Mein Schiff“ oder die Aida Cruises. Phoenix Reisen, Viking Ocean Cruises und Nicko Cruises haben dem NABU keine Auskunft gegeben.
Koch und ihre Kollegen haben für den Umweltcheck die Nachhaltigkeitsberichte der Firmen und andere offizielle Daten durchforstet. Sie haben an die Unternehmen, die von deutschen Häfen Kreuzfahrten anbieten, zudem einen Fragebogen geschickt. Darunter zwei Dinge, bei denen der NABU dann doch noch Fortschritte ausmacht: Welche Neu- und Umbauten ihrer Schiffe planen sie? Und: Nutzen Sie Landstrom?
Schiffe brauchen in Häfen Strom für Bordküche, Computer, Lampen. Lassen sie dafür ihre Motoren laufen, ist das laut, verpestet auch die Luft. Für die Anwohner ist es besser, wenn das Schiff an das lokale Stromnetz angeschlossen wird. Dafür müssen Häfen und Schiffe entsprechende Infrastruktur aufbauen. „Da geht es jetzt immerhin voran“, sagt Koch. Zudem steige durch Neubauten und Modernisierungen auch die Energieeffizienz, die Treibhausgasemissionen pro Passagier würden geringer.
„Das reicht aber aus Umwelt- und Klimasicht nicht“, sagt Koch – und rät von einer Kreuzfahrt ab. Auch das Umweltbundesamt erklärt: „Flugzeuge und Kreuzfahrtschiffe sind sehr klimaschädliche Verkehrsmittel für die Urlaubsreise.“
Doch Kreuzfahrten sind Massengeschäft, der Stillstand während der Corona-Pandemie ist vergessen. Gut 1,5 Millionen Reisende gingen 2025 von einem der deutschen Häfen an Nord- und Ostsee an Bord, um eine Hochsee-Kreuzfahrt zu machen – rund 4 Prozent mehr als noch im Jahr zuvor. Forscher Papathanassis meint: „Die Zahlen werden weiter steigen.“
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Einmal alles mit Huhn, bitte!
Neue Liebe zu Grillhähnchen und sonstigen Geflügelgerichten in Deutschland? Was ist wirklich dran am Chicken-Hype – eine Klärung.
Kinder und Jugendliche, Eltern und Großeltern stellen sich an, um ein halbes Hähnchen vom Grill zu essen, bei Nhas City Chicken in der Hauptstadt zum Beispiel. Viele davon sind Touristen. Nicht nur in Berlin, wo der Legende nach der Döner erfunden wurde, sondern bundesweit lässt sich Huhn auch in dünne Streifen geschnitten im Brot mit Soße essen. Andere servieren Hähnchenfleisch in Stücken paniert als Chicken-Nuggets. Was ist dran am Hype ums Huhn? – Das Viererlei der Antworten.
Chicken 1: Ist der Hype echt?
Die Hühnersuppe hatte schon immer einen guten Ruf, mit ihr tut man Liebsten Gutes, wenn sie erkältet sind, ihre Seele Trost braucht. Aber sonst landet eher Fleisch von Rind und Schwein auf dem Teller. Noch. Die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung meldete jüngst einen Rekord: In Deutschland hat jede und jeder im vergangenen Jahr im Schnitt fast 15 Kilogramm Hähnchen und Pute gegessen – das sind 1 Kilo mehr als noch ein Jahr zuvor. Der Fleischkonsum hierzulande steigt seit drei Jahren insgesamt wieder leicht an, er liegt derzeit bei 54,9 Kilo pro Person. Das sind nicht die vor zehn Jahren üblichen 60 Kilo, aber doch 1,4 Kilo mehr als im Jahr 2024. Die Rechnung zeigt: Der Trend zu mehr Fleisch wird vor allem vom Appetit auf Geflügel gemacht.
Chicken 2: Woher kommt der Appetit?
Achim Spiller, Professor an der Universität Göttingen für „Marketing für Lebensmittel und Agrarprodukte“ macht fünf Gründe aus. Erstens, sagt er: „Es ist das preiswerteste Fleisch“. Ein Masthähnchen sei in etwa 40 Tagen schlachtreif, verwerte Futter besonders gut, „um sich 1 Kilo zuzulegen, braucht es nur 1,6 Kilo Futter“. Zweitens setzten viele auf die Kraft der Proteine, also Eiweiß. Und davon haben Hähnchen viel. Spiller: „Die Bodybuilder-Szene hat schon vor langem das Huhn für sich entdeckt, doch nun wollen viele ihren Muskelaufbau pushen.“ Drittens sei das Huhn „convenience-freundlich“. Heißt: Es taugt für Fertiggerichte etwa aus dem Tiefkühregal im Supermarkt, die sich schnell zuhause zubereiten lassen. „Das Huhn hat wenig Eigengeschmack“, sagt der Experte, „mit Gewürzen lässt sich industriell eine gleichbleibende Qualität herstellen.“ Viertens könnten es Menschen jeder Religion – Christen, Hindus, Juden, Muslime – essen. Es sei oft halal, also nach den Regeln des Islam hergestellt. Zu guter Letzt gelte Huhn als gesund, weil es magerer sei als Rind und Schwein.
Chicken 3: Wieviel Huhn ist gesund?
Tatsächlich könne eine reine Hühnerbrust „bis zu 30 Prozent aus Proteinen bestehen“, sagt Antje Gahl von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung. Zwar könne auch Rind- oder Schweinefleisch helfen, Muskeln aufzubauen, habe aber mehr Kalorien. In Zahlen: In 100 Gramm Hühnerbrust stecken rund 1,2 Gramm Fett, in derselben Menge Rinderfilet etwa 3,9 Gramm. Die roten Fleischsorten, wozu Rind, aber auch Lamm, Schwein, Wild zählen, enthielten zudem mehr Cholesterin. Das erhöhe unter anderem das Risiko von Arterien-Verstopfungen. So sei weißes Fleisch, also das von Geflügel, auch wenn es weniger Nährstoffe habe als rotes, gesünder. Gahl meint: „Wer viel rotes Fleisch und insbesondere Wurst isst, hat ein höheres Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Dickdarmkrebs. Bei weißem Fleisch besteht, soweit wir derzeit wissen, keine Verbindung zu Krebs.“ Sie sagt aber auch: „Wer nicht mehr als 300 Gramm Fleisch und Wurst in der Woche isst, muss sich keine Sorgen machen, egal ob rot oder weiß.“ Das sind allerdings nur eine mittlere bis große Portion von 9 bis maximal 20 Nuggets oder eine bis anderthalb Hähnchenbrüste und auf das Jahr gerechnet nur 16 Kilo Fleisch.
Chicken 4: Wer liefert das Fleisch?
Die auf Geflügel spezialisierte Imbiss-Kette Kentucky Fried Chicken, KFC, will mehr Läden öffnen, die Fast-Food-Kette Mc Donalds das Geflügel-Angebot ausweiten. Es ändere aber nicht gleich jedes Restaurant seine Speisekarte, sagt Stephan Rüschen, Professor für Lebensmittelhandel an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg: „Bisher standen da vielleicht zweimal Gerichte aus Rind, dreimal aus Schwein, einmal aus Huhn. Da wird nun nicht alles auf Chicken umgestellt, vielleicht aber die Gewichtung geändert.“ Zumal: Der Preis für Gastronomen und Verbraucher „in der letzten Zeit eine besondere Rolle spielt.“ So wurden 2025 in Deutschland 640 Millionen Masthühner geschlachtet, 2020 waren es noch 623 Millionen. Es sind meist große Ställe, aus denen sie kommen: Laut dem Braunschweiger Thünen-Institut, einer Forschungseinrichtung des Bundesagrarministeriums, werden bundesweit rund 81 Prozent aller Masthühner in Beständen mit mehr als 50.000 Tieren gehalten. Die meisten Betriebe sind in Niedersachsen. Ökologisch gehalten werden nur die wenigsten: keine 2 Prozent der bundesweit aufgezogenen Masthühner. Nicht ihr gesamtes Fleisch lande auch hierzulande auf dem Tisch, sagt Agrarexperte Spiller, Füße oder Innereien seien weniger gefragt, sie würden exportiert. Im Gegenzug kämen Filets etwa aus den Niederlanden und Polen, auch aus der Ukraine, Thailand oder Brasilien in die Läden Deutschlands.
Ernährungstrends sind oft schnelllebig. Doch Spiller geht davon aus, dass der zum Huhn bleibt und die Mast hierzulande zunimmt. Er prognostiziert: „Spätestens Ende der 2030er Jahre wird die Nachfrage nach Fleisch vom Huhn die vom derzeitigen Spitzenreiter Schwein übersteigen.“
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Damit der Pralinen-Laden bleibt
Plötzlich hängt da das Schild „Wir schließen“, die Fenster sind nicht geputzt. Der Bäcker, der so lange da war: zu. Der Bastelladen, bei dem sich schnell Kleber, Deko, auch das Schulheft kaufen ließen: weg. Das Traditionscafé: dicht. Kleine Geschäfte, wo die Besitzerin, der Inhaber hinter Theke oder Kasse stehen, verschwinden. Lässt sich das retten?
Das Ladensterben ist nicht neu. Alles und jedes lässt sich im Internetkaufhaus bestellen und nach Hause liefern. Zudem kam erst Corona, dann stiegen die Energiepreise. Aber das ist es nicht allein.
Esther Kempa hat seit fast 25 Jahren einen kleinen Laden, die „Chocolaterie Estrella“ in Berlin, Akazienkiez. Das Viertel ist angesagt, es bummelt sich dort gut. Zu Kempa kommen nicht nur Anwohner, sondern auch Berlin-Besucher aus der Ferne.
Sie kaufen ihre Pralinen, die sie aus einer Bamberger Manufaktur bekommt oder selbst macht. Kundschaft hat sie, das macht ihr keine Sorgen – die Gewerbemieten und die Entwicklung in ihrer Straße schon. Mit einem neuen Mietvertrag Mitte der 2020er Jahre muss sie bereits 40 Prozent mehr zahlen. Sie meint: „Da werden Preise genommen, die können sich nur noch Handelsketten leisten.“
Sie beobachtet, wie sich ihre Umgebung verändert. Nebenan hat ace & tate, ein niederländisches Brillen-Unternehmen eröffnet, gegenüber die Bio-Bäckereikette Zeit für Brot. Die Kaffeekette Lap ist in ihre Straße gezogen, der Burgerladen Burgermeister ebenso. Der sagt von sich: „Wir eröffnen nicht Stores. Wir skalieren ein System.“ Heißt: Sie expandieren.
Sie alle sind die Neuen im Stadtteil. Das ist in Berlin nicht anders als in Hamburg, Düsseldorf, Freiburg, München, Potsdam: Es eröffnen Shops, Stores, Imbisse, die immer gleich aussehen.
„Wo Immobilienbesitzer das Gefühl haben, da geht mehr, erhöhen sie ihre Ladenmieten“, sagt Ricarda Pätzold vom Deutschen Institut für Urbanistik mit Sitz in Berlin. Pätzold leitet dort den Forschungsbereich Stadtentwicklung. Vermieter überforderten damit die alt eingesessenen Ladenbesitzer. „Handelsketten aber“, sagt Pätzold „haben andere Möglichkeiten, weil sie etwa ihre Waren in größeren Mengen und damit zu günstigeren Preisen einkaufen oder auch nicht so verkaufsstarke Standorte quersubventionieren können.“
In Summe wandelten sich ganze Viertel, bliebe „oft nicht mehr viel übrig von dem, was diejenigen, die dort wohnen, wirklich brauchen.“ Nicht nur der Fleischer, der Friseur, die Änderungsschneiderei oder die Kneipe für ein schnelles Bier, den kurzen Tratsch, verschwänden, auch kleine Theater, Kitas, Jugendtreffs. Orte fürs Alltägliche gehen verloren.
Anders als Deutschland gingen andere Länder dieses Problem bereits an, sagt der Berliner Rechtsanwalt Moritz Heusinger, der sich bundesweit einen Namen als Experte für Gewerbemieten gemacht hat. Da läuft hierzulande aus seiner Sicht einiges schief. „Für Mieter von Läden ist Deutschland europaweit am härtesten“, sagt er, „für sie gibt es fast keinen gesetzlichen Schutz.“
Unterschreibe ein Mieter eines Gemüseladens hierzulande eine Vertragslaufzeit von fünf Jahren, müsse er auch solange Miete zahlen. Selbst wenn das Geschäft nicht laufe, könne er den Vertrag nicht kündigen. Werde die Dauer des Mietvertrages aber nicht festgelegt, könne ein Mieter jederzeit rausfliegen, ohne Grund gekündigt werden. Das ist das eine.
Das andere: Rentiert sich der Laden, will der Mieter auch nach Ende der fünf Jahre bleiben, kann der Vermieter laut Heusinger sagen: „Ja, Sie können bleiben, aber die Miete steigt.“ Es gebe keine Grenze. Und dann? „Bleiben oder raus“, so der Anwalt. Allenfalls die Elektronikkette Mediamarkt könne da verhandeln, die in Shoppingmalls die Besucher anzieht, sonst niemand.
Frankreich zum Beispiel regele es so: Sage ein Mieter, er wolle seinen Gewerbemietvertrag mit den dort üblichen drei Jahren Laufzeit verlängern, könne ein Vermieter das kaum verneinen. Denn der müsse dann etwa Umzugskosten und Verdienstausfall durch den Verlust von Kunden zahlen. Die Regelung sei allerdings nicht wirklich nachahmenswert, meint Heusinger: „Häufig landen die Vertragspartner vor Gericht, das dann über die Höhe des Schadenersatzes entscheiden muss, das ist sehr aufwändig.“
Seine Vorschläge: Deutschland führt eine Begrenzung von Mieterhöhungen ein. Oder: Es kommt ein Milieuschutz für Läden, damit alt Eingesessene nicht einfach verdrängt werden. In Dänemark zum Beispiel, sagt der Jurist, könnten Gemeinden festlegen, dass sich in einer Straße nur Handwerker ansiedeln könnten.
Schon heute sei es in Deutschland möglich, einen Kneipen- oder Hotelstopp zu verhängen, um in einem Viertel verwurzelte Händler zu schützen. Das lasse sich erweitern. „Denkbar sind Änderungen des Gewerbemietrechts im Bürgerlichen Gesetzbuch, des Bauplanungsrechts und des Gaststättenrechts“, so Heusinger, „dann könnte man sagen, in der Straße xy soll sich nur Gewerbe im Lebensmittelbereich außer Bäckereien ansiedeln.“
Dafür müsste der Bund die Gesetzesgrundlage schaffen. Esther Kempa würde das mehr Sicherheit geben. Sie sagt: „Stadtviertel können wir nur retten, wenn es endlich ein Gewerbemietrecht mit Rechten und Pflichten für beide Seiten gibt.“
Allerdings hat es schon vor längere Zeit Vorstöße im Bundestag gegeben, das Gewerbemietrecht zu regulieren, von den Grünen, auch von den Linken. Heusinger selbst wurde dazu von den Abgeordneten als Sachverständiger gehört. Getan hat sich bislang nichts. Warum sollte sich das ändern? Heusinger sagt: „Der Druck hat zugenommen, immer mehr Städte verlieren ihre Läden.“
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So lassen sich Stromkosten sparen
In diesem Fall lässt sich schneller Geld sparen als gedacht: Knapp 300 Euro weniger können im Jahr für einen Drei-Personen-Haushalt fällig werden – durch einen Wechsel des Stromvertrags. Und der ist leicht gemacht. Das zeigen neue Analysen des Ratgeberportal Finanztip.
Benjamin Weigl, Energieexperte dort, sagt: „Der Stromanbieterwechsel ist eine der einfachsten Möglichkeiten, laufende Kosten deutlich zu senken. Er lässt sich in zehn Minuten erledigen.“ Doch: Knapp 29 Prozent der Haushalte in Deutschland steckten in der teuren Strom-Grundversorgung, also dem örtlichen Basistarif, in den automatisch fällt, wer keinen extra Stromvertrag abgeschlossen hat. Das zeigten Daten der Bundesnetzagentur. Dabei lasse sie sich jederzeit mit einer Frist von zwei Wochen kündigen.
Muss das wirklich sein? Das kostet doch nur Zeit und Nerven! Und: Was wenn was schief läuft? Gibt es ein Panne, ist der Strom weg und die Wohnung bleibt dunkel! Und welcher der vielen Stromanbieter ist wirklich besser? Die Angebote machen doch nur wirr im Kopf! Weigl kennt alle Bedenken, alle Gründe zu zögern – und setzt ihnen als allererstes Zahlen entgegen.
Die Strom-Grundversorgung liege derzeit im Mittel bei 40,62 Cent pro Kilowattstunde (kWh), rechnet er vor. Die günstigsten von Finanztip empfohlenen Tarife mit einer Preisgarantie von 12 Monaten kosteten dagegen im Mittel 31,42 Cent pro kWh.
Ein Drei-Personen-Haushalt mit 3.000 kWh Jahresverbrauch zahle damit in der Grundversorgung 1218,60 Euro pro Jahr für Strom. Zum Vergleich: Im günstigsten Tagen seien es nur 942,60 Euro. So könnten in einem Jahr bis zu 276 Euro gespart werden. Dabei sei allein der jährliche Grundpreis einberechnet. Boni für Neukunden sind es nicht. In ihnen stecke ohnehin eine Falle, warnt Weigl:
„Mit einem Bonus wird das erste Jahr meist günstig, danach steigen die Preise aber oft deutlich.“ Wer bereit sei, jedes Jahr den Anbieter zu wechseln, könne mit diesen Bonustarifen zwar viel sparen. Aber das mache und wolle einfach nicht jeder. „Achten Sie darum nicht allein auf einen hohen Bonus, sondern immer auch auf den Grundpreis, um langfristig günstigen Storm zu beziehen.“ Es ist sein Tipp Nummer 1 für den reibungslosen Wechsel. Was sonst zu tun ist:
Erstens: Guten Tarif suchen. – Im Internet gibt es verschiedene Vergleichsportale, um den besten Stromtarif zu finden. Weigl und seine Leute bei Finanztip haben auch einen Stromrechner entwickelt: www.finanztip.de/stromvergleich/. Das Prinzip erklärt er so: „Sie geben dort Ihre Postleitzahl ein, dann ihren letzten Jahresverbrauch. Dann können Sie sehen, was am günstigsten ist. Problematische Anbieter schließen wir dabei von vornherein aus.“ Darunter zum Beispiel jene, die etwa von Verbraucherzentralen verklagt würden mutmaßlich gegen Verbraucher- und Energierecht verstießen.
Zweitens: Alte Stromrechnung raus kramen. – Den Jahresverbrauch finden Sie auf Ihrer letzten Strom-Jahresabrechnung. Dort finden Sie auch alle nötigen Daten für den Wechsel, sollten sie sich für einen neuen Anbieter entscheiden. „Holen Sie die Unterlagen also aus dem Schrank“, sagt Weigl.
Drittens: Anbieter kontaktieren. – Zu einem neuen Anbieter lässt sich direkt Kontakt aufnehmen – einfach auf seine Webseite gehen. Aber die Vergleichsportale bieten immer auch Links an. Weigl und seine Leute arbeiten mit dem Portalen Check 24 und Verivox zusammen, so führen die Links beim Finanztip-Stromrechner auch dort hin. „Über die Portale lässt sich ein Wechsel direkt machen“, sagt Weigl. Und meint weiter: „Im Gegenzug erhalten diese dann Provisionen vom jeweiligen Anbieter. Und Finanztip wiederum bekommt eine Provision des jeweiligen Portals.“ Das unterstütze ihre Arbeit.
Viertens: Vertrag schließen. – Ein neuer Vertrag sei einfach online zu machen. „Sie müssen dafür nicht viel mehr als die Kundennummer ihres aktuellen Stromanbieters, die elfstellige Marktlokationsidenfikationsnummer, kurz die MaLo-ID, alternativ die Stromzählernummer eintragen“, sagt Weigl. Immer gelte auch ein Widerrufsrecht von 14 Tagen.
Zu guter Letzt: Zählerstand melden. – In der Regel lasse sich bei Vertragsabschluss wählen, dass der neue Stromanbieter die Kündigung des alten Stromvertrags übernehme soll. Der erledige das dann automatisch zum nächstmöglichen Zeitpunkt, so Weigl, und informiere einen dann, wann der neue Vertrag genau starte. Rund um diesen Tag solle man dann einen Stromzähler ablesen und ihn beim alten oder neuen Anbieter, alternativ auch beim örtlichen Stromnetzbetreiber melden, das gehe meist online. „Sie müssen den Zählerstand nicht exakt am Tag des Anbieterwechsels melden – sind Sie nicht zuhause, machen Sie das am besten ein paar Tage vorher.“
Und wenn was schief geht? Weigl meint: „Ein Stromausfall droht Ihnen nicht, die Versorgung bleibt ununterbrochen. Sollte der alte Vertrag enden, sich der Wechsel unerwartet verzögern, springt das Energieunternehmen mit den meisten Stromkunden in der Region, also der Grundversorger.“
Noch ein Tipp am Ende: Jeder neue Stromvertrag habe eine Mindestvertragslaufzeit zwischen einem und 24 Monaten, danach verlängere er sich auf unbestimmte Zeit und sei zu kündigen. „Am besten ist es“, sagt Weigl, „routinemäßig mindestens einmal im Jahr die Stromtarife zu prüfen. Das ist schnell gemacht und lohnt sich immer.“
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Deutschland hat ein Trennungsproblem
Kriege, Exportzölle und immer teurere Rohstoffe belasten die Wirtschaft. Wertvolle Materialien sollen darum länger genutzt und recycelt werden. Aber wie klappt das?
https://www.das-parlament.de/wirtschaft/umwelt/deutschland-hat-ein-trennungsproblem-noch
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Windrad zu Surfbrett
Die Täter schmuggelten den aus Deutschland stammenden schadstoffbelasteten Müll, darunter die geschredderten Rotorblätter von Windkraftanlagen, über die Grenze nach Tschechien, und kippten ihn dort in der Ortschaft Jirikov ab. Die illegale Entsorgung flog auf. Die Spur führte zu einem bayerischer Recyclingunternehmer. Sein Fall wird derzeit vor dem Landesgericht Weiden in der Oberpfalz verhandelt.
Die drängende Frage derzeit: Was, wenn die Windräder in die Jahre kommen? Der Ausbau der Erneuerbaren Energien hat in den 1990er Jahren begonnen. Die Flügel einer Windkraftanlage halten nach gut 20 bis 30 Jahren aber dem Wind nicht mehr zuverlässig stand, das Material ermüdet. Laut der Fachagentur Wind und Sonne sind heute von den bundesweit gut 29.200 Windenergieanlagen auf dem Festland schon ein Drittel älter als 20 Jahre. Die Anlagen auf hoher See kommen noch dazu.
So werden zahlreiche Windräder in den nächsten Jahren ausrangiert, auch erneuert und durch größere ersetzt werden müssen. Heißt: Sie werden vom Netz getrennt, dann demontiert. Betreiber brauchen wie für den Neubau auch für den Abriss eine Genehmigung. Sie müssen die Baustelle anmelden und Regeln aus Baugesetzbuch und Kreislaufwirtschaftsgesetz beachten. Das Recycling beginnt dann oft schon vor Ort.
Der Beton aus Turm und Fundament wird zerkleinert, geht danach zum Beispiel in den Bau von Straßen. Der Stahl aus dem Stahlbeton wird aussortiert und später als Schrott verwertet. Metalle wie Kupfer aus den Stromkabeln sind auch gefragt. Somit lassen sich laut Umweltbundesamt gut 90 Prozent der Materialien für ein Windrad gut recyceln. Anders ist das beim Rest: die abmontierten und zersägten Rotorblätter sind kompliziert, zumindest noch.
Das Problem: Rotorblätter müssen leicht, biegsam-elastisch, aber strapazierfähig sein, weil sie Wind, Regen und UV-Strahlung ausgesetzt sind. Darum stecken in ihnen ähnlich wie in Flugzeugen technisch komplexe Materialien: in Kunstharzen eingebettete Glas- oder Kohlenstofffasern. Auch Holz, Schaum, Metalle sind in den Flügeln mit verarbeitet. Das lässt sich alles kaum wieder voneinander trennen und macht das Recycling aufwändig und teuer.
Lassen sich die Rotorblätter also einfach vergraben? Das wäre in Deutschland illegal, ihre Deponierung ist hierzulande seit 2005 verboten. Bisher werden sie meist zerkleinert und zum Beispiel in der Zementindustrie eingesetzt – als Brennstoff, Teile auch als Sandersatz. „Das ist aber nur eine Brückentechnologie“, sagt Fabian Rechsteiner.
Er forscht am Fraunhofer-Institut für Gießerei-, Composite- und Verarbeitungstechnik mit Sitz in Augsburg zu neuen innovativen Lösung. In Zeiten von Kriegen, politischen Spannungen, Exportzöllen sei das Recycling nicht nur aus Umweltgründen interessant, sagt er: „Recycling sichert Rohstoffe im rohstoffarmen Deutschland.“ So ein Rotorblatt sei ein „echtes Monstrum“, habe bei Anlagen auf dem Festland eine Länge von bis zu 80 Metern, auf hoher See sogar bis zu 120 und wiege zehn bis 30 Tonnen. Aus dem Material lässt sich einiges machen, schon heute.
Im niedersächsischen Diepholz lässt sich am Bahnhof seit Mai dieses Jahres auf einer Bank aus recycelten Rotorblättern sitzen. Dahinter steckt ein Forschungsprojekt der örtlichen Privaten Hochschule für Wirtschaft und Technik, PHWT. Das Dresdener Unternehmen „Wings for Living“ hat die Bank hergestellt. Es hat sich darauf spezialisiert, Outdoor-Möbel alten Windradflügeln zu designen. Sie sind aber nicht die einzigen, die einem Rotorblatt ein zweites Leben geben.
Das norwegische Start-Up Evi baut in Zusammenarbeit mit einer Recyclingfirma Skier aus alten Windradflügeln des Vattenfall-Konzerns. Der spanische Konzern Acciona, der nicht nur, aber auch im Erneuerbaren Energien-Geschäft ist, hat aus ausgemusterten Anlagen, Surfbretter formen lassen. Im dänischen Aalborg parken Radfahrer am Hafen in einem Unterstand aus ausgedienten Windradflügeln. Im schwedischen Lund fahren Autofahrer in ein Parkhaus mit einer aus ihnen gebauten Fassade. Und im niederländischen Rotterdam klettern und rutschen Kinder auf einem Spielplatz mit Gerüsten und Röhren, die einst Rotorblätter waren.
Aber Standard sei das alles nicht, werde auch nicht die Lösung für alle Rotorblätter sein, erklärt Recycling-Forscher Rechsteiner. Er und seine Kollegen haben jetzt ein Verfahren entwickelt, mit dem sich die Carbon- oder Glasfasern aus ausgedienten Rotorblättern zu einem hochwertigen Vliesstoff verarbeiten lassen. Ein Patent ist angemeldet. Geht alles gut, soll das Verfahren im großen Maßstab angewendet werden. Diese technischen Textilien können dann etwa Automobil-, Luftfahrt- oder Sportindustrie nutzen.
Gibt es eine Alternative? Rechsteiner sagt: „Würden Rotorblätter von Anfang an anders designt, also Materialien verwendet, die sich leichter recyceln ließen, würde es einfacher.“ Daran wird auch schon gearbeitet. In einem Windpark vor Helgoland drehen sich bereits seit 2023 solche neuartigen Rotorblätter. Siemens Gamesa hat sie dort erstmals installiert. Sie bestehen aus einem Kunstharz, der sich leichter wieder von den Glas- und Kohlenstofffasern lösen soll.
Kriminelle Machenschaften verhindert das wohl trotzdem nicht. Wie das Urteil gegen den Recyclinghändler aus der Oberpfalz ausfällt – offen. Den illegal abgelagerten Müll ließen die bayerischen Behörden mittlerweile zurückholen.
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Ein Ziel, doch wenig Plan
In 19 Jahren sollen alle hiesigen Gebäudeheizungen ausschließlich mit klimaneutralen Brennstoffen laufen – das versprechen nun ausdrücklich auch Union und SPD. Anscheinend haben sich CDU, CSU und SPD auf den Entwurf des neuen Gebäudemodernisierungsgesetz geeinigt. Doch der Kompromiss wirft Fragen auf.
Offenbar sieht die Einigung so aus: Viele bisher gültige Vorschriften zum Einbau neuer Heizungen werden aufgehoben. So müssen sie nicht mehr 65 Prozent erneuerbare Energie nutzen, wie es die Grünen in der früheren Ampel-Regierung durchgesetzt haben. Der verpflichtende Umstieg vor allem auf strombetriebene Wärmepumpen wird damit eliminiert. Stattdessen dürfen alle Immobilienbesitzenden weiterhin die Anlagen einbauen, die ihnen gefallen, auch klimaschädliche Öl- und Gasbrenner, die konventionelles Erdöl- und Erdgas schlucken. Diese sollen allerdings langsam ansteigende Mengen klimaneutraler Brennstoffe beimischen, 2040 beispielsweise 60 Prozent, was „Biotreppe“ genannt wird.
Und in einem weiteren Gesetz für grünes Gas und Öl will die Regierung bis Jahresende festlegen, dass alle Gas- und Öllieferanten ab 2045 ausschließlich klimaneutrale Brennstoffe für Gebäude verkaufen. Am Ziel der Klimaneutralität für Häuser scheint die Koalition also festzuhalten. Das ist ein Zugeständnis der Union an die SPD – und die Anerkenntnis der offensichtlichen, katastrophalen Folgen des menschengemachten Klimawandels.
Klingt klar? Nein, dieser Plan zur Umsetzung des Ziels ist erheblich schwächer als der alte. Während in der bisherigen Version des Gesetzes der klimaneutrale Umbau von Millionen Heizungen sofort beginnt, verschiebt die Union-SPD-Regierung die Realisierungsschritte weiter in die Zukunft. Unklar bleibt, ob sie dann auch wirklich kommen. Steht in zehn Jahren so viel Biogas und kohlendioxidfreies Öl zu Verfügung, wie gebraucht wird? Niemand weiß es. Und diese Unklarheit stellt letztlich auch das Ziel 2045 infrage, obwohl man es nun beschwört.
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Unfallgefahr durch Blow-ups
Extreme Temperaturen setzen deutschen Straßen zu: Warum platzen Fahrbahnen bei Hitze auf – und welche Lösungen werden bereits getestet?
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Alles muss raus
Das gigantische Investitionsprogramm der Bundesregierung ist nur langsam gestartet, kommt aber allmählich in Fahrt. Während 2025 ein Viertel des Geldes liegenblieb, wird 2026 wohl ein höher Anteil in Projekte fließen. Bis Ende April diesen Jahres gab der Bund rund 25 Milliarden seiner insgesamt 300 Milliarden Euro aus, steht im ersten Überprüfungsbericht an den Bundestag.
Das Sondervemögen für Infrastruktur und Klimaneutralität haben Union und SPD vor gut einem Jahr beschlossen. Aus zusätzlichen Schulden des Bundes sind darin 500 Milliarden Euro bis 2037 enthalten. 300 Milliarden davon können diese und die kommenden Bundesregierungen im Rahmen ihrer normalen Haushalte ausgeben, 100 Milliarden gehen an den Klimafonds, einen Sondertopf des Bundes.
Weitere 100 Milliarden Euro erhalten die Länder, die wiederum einen guten Teil an die Städte und Gemeinden weitergeben sollen. Die ganze Aktion verfolgt das Ziel, die reparaturbedürftige Infrastruktur, beispielsweise Bahntrassen, in Schuss zu bringen, oder Krankenhäuser, Schulen und Sportstätten zu sanieren.
Parallel zum schriftlichen Monitoringbericht stehen auf der Internetseite www.bundeshaushalt.de übersichtlich geordnete Zahlen und Informationen zur Verfügung, die den Bürger:innen zeigen, was geplant, ausgegeben und realisiert ist. Wer in der Startgrafik des Dashboards auf „Mittelabflüsse 2026“ klickt, sieht etwa, dass für die Modernisierung der Verkehrsinfrastruktur bislang gut vier Milliarden Euro ausgezahlt wurden. 22 Milliarden stehen dieses Jahr insgesamt zur Verfügung.
Einen Klick weiter ist man bei den Brücken. Von gut drei Milliarden Euro sind in den ersten vier Monaten 2026 immerhin 420 Millionen Euro abgeflossen. Sie dienen zum Beispiel dazu, „85 Erhaltungsmaßnahmen für Autobahnbrücken“ zu starten. So weit, so gut. Beim „Status“ ist allerdings zu lesen „ausstehend“ – wie weit die Projekte gediehen sind, ist also nicht zu erfahren. Aber ein Brückenbau dauert auch ein paar Jahre.
Die Ergebnisse für die einzelnen Bereiche sind sehr unterschiedlich. So ist bei den Schulen quasi noch gar nichts passiert. Das Bundesgeld für digitale Lernangebote und mehr Kitaplätze wurde bisher kaum abgerufen. Die offizielle Begründung: Die entsprechenden Programme der zuständigen Bundesländer starten erst in diesem Jahr.
Lahm geht es auch bei der Energieinfrastruktur voran. Von 1,4 zur Verfügung stehenden Milliarden Euro für klimaneutrale Fernwärme sind dieses Jahr erst 160 Millionen abgeflossen. Begründung hier: Die Planung neuer oder besserer kommunaler Wärmenetze gehe 2026 richtig los.
Super läuft es dagegen in den Bereichen Sport und Krankenhäuser. Für die Sanierung kommunaler Sportstätten sind 60 Prozent der Mittel schon raus, bei den „Sofort-Transformationskosten Krankenhäuser“ sogar 100 Prozent. An solchen Posten zeigen sich aber auch die Grenzen und Probleme des Monitorings, teilweise des ganzen Sondervermögens. Das gute Sport-Ergebnis liegt daran, dass die Sanierungsträger das Geld in einem Rutsch bekommen, nicht nach und nach. Und bei den Krankenhäusern handelt es sich zum Teil um Geld, das nichts mit Investitionen, sondern eher mit Löcher-Stopfen zu tun hat.
Dennoch sagt Sebastian Dullien vom gewerkschaftlich orientierten Institut für Makroökonomie: „Das von der Bundesregierung vorgelegte Monitoring ist ein gewaltiger Schritt nach vorne in der Nachverfolgung der Wirksamkeit öffentlicher Investitionsprogramme.“ Zwischen Anspruch und Wirklichkeit „klafft noch eine deutliche Lücke“, bemängelt dagegen der grüne Haushaltspolitiker Sebastian Schäfer, „vor allem bei Energie- und Verkehrsinfrastruktur, Digitalisierung sowie Forschung und Entwicklung kommt die Umsetzung zu langsam voran.“
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Bademeister dringend gesucht
An diesem Freitag, 22. Mai, ist bundesweiter Tag des Schwimmmeisters. Sie kümmern sich darum, dass es in den Freibädern läuft, alle sicher schwimmen können, sich ein Gefühl von Sommer einstellt. In den Hallenbädern geben sie freilich ebenso Acht. Nur: Sie fehlen allerorten.
Nur gut die Hälfte der Badbetreiber, genauer: 58 Prozent, hatten zum 1. Mai alle Stellen besetzt. Indes sind bei 28 Prozent noch zehn Prozent der Stellen offen, in jedem zehnten Betrieb sind sogar noch mehr als 30 Prozent der Jobs unbesetzt. Das zeigt eine Umfrage, die der Verband kommunaler Unternehmen, der VKU, unter 94 Badbetreibern in Deutschland zum Start der Freibadsaison jetzt gemacht hat.
Damit ist der Mangel an jenen, die sich um sauberes Wasser, die Technik in den Bädern kümmern und im Notfall Menschen retten, 2026 noch größer als im Jahr zuvor schon. Ingbert Liebing, Hauptgeschäftsführer des VKU, erklärt: „Der Fachkräftemangel verfestigt sich, er kann sich durch den demografischen Wandel verschärfen.“
Droht das Aus von Freibädern, wenn Schwimmmeister nunja: abtauchen? „Die Badbetreiber werden alles daran setzen, Schließungen und verkürzte Öffnungszeiten zu vermeiden“, meint Liebing. So mancher in der Branche setze auf Künstliche Intelligenz, die KI am Beckenrand.
Die Becken würden dazu mit Kameras überwacht, diese leuchteten jeden Winkel aus, erfassten die Bewegungen der Badegäste. Eine KI werte die Bilder dann in Echtzeit aus. Erkenne sie eine ertrinkende Person – sie fuchtele etwa mit ihren Armen oder bewege sich gar nicht mehr – löse das einen Alarm aus. Den empfingen die Schwimmmeister auf einer Smartwatch.
Die KI unterscheide also gewöhnliche und ungewöhnliche Bewegungen und gebe so Sicherheit. Sie lerne auch immer weiter dazu. Die Erfahrungen damit seien auch „gut“. Im fränkischen Schweinfurt beispielsweise unterstütze die KI längst die Aufsicht im Freibad.
Laut VKU-Umfrage planen derzeit 29 Prozent der Badbetreiber den Einsatz von KI in den kommenden drei Jahren. Allerdings: Im vergangenen Jahr waren es noch mehr – 34 Prozent. Das Problem: Rechtliche Fragen, wie mit den Bildaufnahmen umzugehen ist, sind ungeklärt. Zudem sind die Systeme teuer, im Freibad besonders.
Abgesehen davon, dass die Preise für KI-Systeme zuletzt gestiegen sind, seien dort mehr Kameras nötig als in einem Hallenbad, so Liebing. Kein Dach, keine Wände – es fehlt die Möglichkeit aus der Vogelperspektive Bilder von wenigen Kameras einzufangen. Zudem spiegelt sich das Sonnenlicht auf der Wasseroberfläche. Auch das macht es komplizierter.
Schrecken die Systeme die Badegäste nicht ab? In Badehose oder Bikini gefilmt zu werden ist nicht jedermanns Sache. 22 Prozent aller Badbtreiber sähen solche Akzeptanzprobleme, so der VKU. Doch erfassten die Kameras nur anonymisierte Silhouetten, nicht hochaufgelöste Bilder von Personen.
Schwimmmeister würden trotz KI nie ganz überflüssig, sagt Liebing. Sie seien es, die im Notfall zum Beispiel ins Wasser springen, Menschen retten müssten. Mit dem Tag des Schwimmmeisters soll ihre Arbeit darum auch gewürdigt werden.
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Eichenprachtkäfer frisst sich durch
Ein gefräßiger Schönling setzt dem Wald zu. Genauer: den Eichen, die bisher als klimastabil galten und darum als Hoffnungsträger für den Wald der Zukunft. Doch jetzt frisst sich der grün metallisch schimmernde Eichenprachtkäfer durch. Er – lateinischer Name: Agrilus biguttatus – macht auch keinen Unterschied zwischen alt und jung.
Das zeigt die Waldzustandserhebung 2025, die CSU-Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer am Dienstag vorgelegt hat. Es ist die jährliche Bauminventur, bei der der Zustand der Baumkronen und die Absterberate bundesweit stichprobenartig eingeschätzt werden. Daran lässt sich ablesen, wie sich der Wald entwickelt. Der gilt als Verbündeter im Kampf gegen die Erderhitzung, weil er Treibhausgase speichert – aber nicht nur.
„15 Minuten Spazierengehen im Wald reduziert das Stressempfinden, senkt den Blutdruck, die Herzfrequenz und vermindert Stresshormone im Blut“, schreibt zum Beispiel die Techniker Krankenkasse. Der Wald, der immerhin ein Drittel Deutschlands bedeckt, ist weit mehr als romantisch. Und die Eiche ist eine der „Big Four“, der vier Hauptbaumarten hierzulande.
Doch seit Beginn der Erhebung im Jahr 1984 geht es dem symbolträchtigen Baum so schlecht wie nie. Gut jede zweite Eiche zeigt schon seit 2024 „deutliche Kronenverlichtungen“. Anders gesagt: 51 Prozent haben diese enormen Schäden. Das ist auffällig, auch weil sich der Zustand anderer Bäume nicht derart verschlechtert hat.
Zum Beispiel die Fichte. Dürre und Hitze haben sie in den vergangenen Jahren verdorren lassen, Waldbrände, Stürme, Borkenkäfer gaben ihr den Rest. 2025 hat sie sich, wenn auch nur leicht, erholt: 38 Prozent hatten deutliche Schäden, 2024 waren es noch 39 Prozent. Die Buche sieht wieder viel grüner aus – nach 46 Prozent in 2024, sind nun 38 Prozent deutlich licht. Der Kiefer geht es indes schlechter: Statt 24 Prozent wie in 2024 haben jetzt 31 Prozent eine deutlich geschädigte Krone.
Die Kiefer ist damit aber nicht so unter Druck wie andere Baumarten, schon gar nicht so wie die die Eiche. Dabei gilt die Eiche eigentlich als robust. Ihre Wurzeln sind tief, oft bis zum Grundwasser. Wofür also steht ihr schlechter Zustand? Für einen allgemeinen Trend.
So sieht das Nicole Wellbrock. Sie ist Expertin für Waldökosysteme am Thünen-Institut im Brandenburgischen Eberswalde, koordiniert die Waldzustanderhebungen seit vielen Jahren und sieht anders als manche Experten „keine echte Erholung“ des Waldes. Noch immer sind vier von fünf Bäumen krank. Die Expertin sagt: „Allen Baumarten geht es schlechter als vor den Dürrejahren ab 2018.“ Daran habe auch der Regen im Juli vergangenen Jahres nichts ändern können.
Die lang anhaltenden Perioden von Trockenheit und hohen Temperaturen der vergangenen Jahre haben alle geschwächt, längst auch die Eiche. „Da haben Eichenprachtkäfer und andere Schädlinge nun leichteres Spiel“, meint Wellbrock. Den Eichenprachtkäfer gibt es in Deutschland schon immer, den Eichen fehlen nun aber die Abwehrkräfte gegen ihn.
Von den Fraßfeinden erhole sich die Eiche zwar auch wieder, dennoch bleibe sie wie alle anderen Bäume im Stress, sagt Wellbrock – zumal der Klimawandel zunehme, die nächsten Dürren kämen. Es gehe nun darum, die Wälder zu erhalten und umzubauen.
Die Bundesregierung stellt mit ihrem Aktionsprogramm „Natürlicher Klimaschutz“ Geld für die Renaturierung des Waldes zur Verfügung. Am besten seien Mischwälder, sagt Wellbrock. Gefrässige Käfer, die auf einzelne Baumarten spezialisiert seien, könnten sich dann nicht einfach so durchfressen.
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Nullwachstum – eine Weggabelung
Es gibt Momente, die kann man auf sich wirken lassen. In der Bundespressekonferenz ereignete sich kürzlich ein solcher. Deutschland müsse „sich an Nullwachstum gewöhnen“, sagte Wirtschaftsforscher Timo Wollmershäuser. Wer will, mag das als epochalen Einschnitt verstehen.
Wollmershäuser, liberaler Ökonom des Münchner ifo-Institut, meinte es eher als Warnung, vorgetragen anlässlich der neuen Gemeinschaftsdiagnose führender Wirtschaftsinstitute zur Lage des Landes. Motto: Alle Bürger:innen sollten sich jetzt mehr anstrengen, die Politik müsse es den Unternehmen leichter machen, Geld zu verdienen. Sonst setze sich die krisenhafte Stagnation der hiesigen Wirtschaft in den kommenden Jahre fort.
Wie begründen die Institute ihren Befund? In ihrer Prognose bis 2030 sinkt erstens das gesamte Arbeitsvolumen in Deutschland: Unter anderem weil die 1960er Jahrgänge in Rente gehen, nimmt die Zahl der Arbeitskräfte ab; auch die Arbeitszeit pro Kopf reduziert sich. Zweitens gibt es kaum noch technischen Fortschritt, die Produktivität der Wirtschaft wächst nur marginal. Dass hat auch etwas damit zu tun, dass drittens vor allem die Unternehmen nicht genug investieren.
Aus diesen Faktoren ergibt sich: Ende des Jahrzehnts soll das sogenannte Produktionspotenzial, das Maß für ein inflationsfreies Wachstum, bei null liegen. „Die niedrigeren Wachstumsraten der Gemeinschaftsdiagnose sind nachvollziehbar“, sagt dazu Monika Schnitzer, die Vorsitzende der Wirtschaftsweisen, die die Bundesregierung beraten.
Das ist das Gegenbild der deutschen Erfolgsgeschichte der vergangenen 80 Jahre – eine erlahmende Gesellschaft, die weniger arbeitet, keinen technischen Fortschritt hervorbringt, deren Wohlstand versiegt. Tschüss, Wirtschaftsmacht Deutschland?
In der konservativen Sicht zum Beispiel von CDU und CSU wäre das eine Katastrophe. Aber auch die meisten Sozialdemokrat:innen, Linken und Grüne finden Wirtschaftswachstum notwendig, zumindest nützlich. Denn permanenter Zuwachs hat viele Vorteile. Ein entscheidender: Wenn die Einkommen und Vermögen jedes Jahr zunehmen, können die einflussreichsten gesellschaftlichen Gruppen ihren Anteil vergrößern, ohne dass das Mehr auf Kosten anderer geht. Die Gewinne der Unternehmen steigen, und gleichzeitig die Löhne der Beschäftigten. Wenn es rund läuft wie zwischen 2010 und 2020, verbessert sich sogar die Situation der ärmsten Schichten der Bevölkerung. Wachstum reduziert Verteilungsprobleme und stabilisiert demokratische Gesellschaften.
Was dagegen bei Stagnation oder gar Schrumpfung passiert, sehen wir momentan. Autokonzerne wehren sich dagegen, Geld für Klimaschutz ausgeben zu müssen. Die Union findet den Sozialstaat zu teuer. Verteilungskämpfe werden bissiger.
Auf die Diagnose „wir müssen uns an Nullwachstum gewöhnen“ lässt sich jedoch auch anders reagieren – hoffnungsfroh, angstfrei, kreativ, nachdenklich oder pragmatisch. Unterschiedliche Analysen sind möglich, verschiedene Wege denkbar.
Ist Nullwachstum schlecht?
Matthias Schmelzer, Historiker und Wachstumstheoretiker der Universität Flensburg, sagt: „Wollmershäusers Aussage beschreibt strukturelle Realitäten, die die Postwachstumsdebatte seit Jahrzehnten thematisiert: Eine gesättigte, ressourcenintensive Volkswirtschaft nähert sich ökologischen und demografischen Grenzen.“Schmelzer hält eine Diskussion am Leben, die früher mal breiter war. Im Zentrum steht die These, dass Marktwirtschaften wie die deutsche an einem krankhaften Zwang zu wachsen leiden. Das ist ein durchaus nachvollziehbarer Gedanke, wenn man die ökologischen Kosten unseres Wirtschaftsmodells betrachtet. Zwar verursachen E-Autos beim Fahren kein klimaschädliches Kohlendioxid, doch auch ihre Produktion erfordert eine zunehmende, weltweite Ausbeutung natürlicher Rohstoffe.
Dagegen betont Schmelzer: „Nullwachstum des Produktionspotenzials bedeutet nicht automatisch schlechtere Lebensbedingungen.“ Und er plädiert für eine grundsätzlich andere Wirtschaftspolitik. Der Staat solle hunderte Milliarden Euro in „Gemeinwirtschaft, Stadtwerke, kommunale Wohnungsgesellschaften und Energie-Genossenschaften“ stecken, um „günstige Mieten, stabile Energieversorgung und gute Nahversorgung“ zu erreichen. Und wenn der in einem kleineren Teil der Gesellschaft vorhandene, überbordende Reichtum gerechter verteilt würde, könnten auch alle weniger arbeiten.
Für manche Leute klingt das verheißungsvoll. Aber wie viele Bundesbürger:innen wären bereit, auf den gewohnten Zuwachs des materiellen Wohlstands zu verzichten? Konkret könnte das ja heißen: Ein neues Auto ist zu teuer. Vielleicht sinkt auch die Rente. Das will kaum jemand akzeptieren. Oder höchstens dann, wenn alle anderen gleichfalls Opfer bringen – eine utopische Forderung. Doch Matthias Schmelzer bleibt Optimist: Auch in einer langsamen Wirtschaft könne das Bruttoinlandsprodukt ja noch ein bisschen weiterwachsen.
Keine Panik, bitte
Zu einer anderen Herangehensweise rät Sebastian Dullien, der Chef des gewerkschaftlich orientierten Instituts für Makroökonomie (IMK). Er will der Null-Diagnose ihren Horror nehmen. „Für die Lebensqualität in Deutschland ist ja nicht unbedingt das gesamte Wirtschaftswachstum zentral, sondern die Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts pro Kopf“, sagt er. „Wenn die Zahl der Menschen, die in Deutschland leben, sinkt, dann ist ein Potenzialwachstum von null nicht unbedingt dramatisch, weil trotzdem der Wohlstand pro Kopf steigt.“Und Dullien betont die wohltuenden Nebenwirkungen wachsenden Wohlstandes: „Historisch möchten Menschen mit steigendem Einkommen auch mehr Freizeit genießen.“ Deutschland sei eines der Länder mit den besten Lebensbedingungen weltweit. Was bleibe da noch zu wünschen? „Es ist nicht verwunderlich, dass die Leute auch weniger arbeiten wollen als jene in Ländern mit niedrigerem Wohlstand“, argumentiert Dullien.
Das Wirtschaftsmodell ändern
Von der Globalisierung haben deutsche Unternehmen in den vergangenen Jahrzehnten stark profitiert – billige Energie aus Russland, günstige Konsumgüter aus China, lukrative Exporte dank weltweit sinkender Zölle. Dieses „Wirtschaftsmodell funktioniert so nicht mehr“, sagt Florian Schuster-Johnson. Der Ökonom des sozialdemokratisch orientierten Dezernats Zukunft rät, „dass ein neues Modell weniger export- und dafür mehr konsumorientiert sein sollte“ mit Schwerpunkten zum Beispiel auf heimischer Bildung und Betreuung. Wobei ein Nachteil dieser Strategie darin liegen könnte, dass der inländische, selbst der europäische Markt kleiner ist als der Weltmarkt und weniger zu verteilende Profite abwirft.Und wie ließe sich das Problem mangelnden technischen Fortschritts angehen? Der Staat setze momentan oft die falschen Anreize, sagt Schuster-Johnson. Steuerregeln und Subventionen machten es für Unternehmen eher attraktiv, Kapital in Finanzanlagen im Ausland zu investieren als in Erfindungen und neue Produkte. Eine Wirtschaftspolitik, die mehr Produktivität und damit Wohlstand anstrebt, müsste das ändern.
Mehr Arbeit, aber anders
Um die 1.400 Stunden arbeiten die Erwerbstätigen in Deutschland durchschnittlich pro Jahr – deutlich weniger als in Frankreich, Schweden und anderen reichen Staaten. Zu wenig? Zu solch einer allgemeinen Aussage lässt Wirtschaftsweise Monika Schnitzer sich nicht hinreißen. Sie argumentiert pragmatischer und differenzierter: „Es besteht durchaus Potenzial in einer höheren Erwerbsbeteiligung und Arbeitszeit von Frauen, wofür insbesondere Betreuungsinfrastruktur und steuerliche Rahmenbedingungen entscheidend sind.“ Also mehr Kitaplätze und weniger Ehegattensplitting.Zudem sollten „im Steuer- und Transfersystem die Anreize zur Ausweitung der Arbeitszeit verbessert werden, insbesondere im Bereich niedriger Einkommen“, empfiehlt die Wirtschaftsprofessorin. Bewerkstelligen könnte die Bundesregierung das beispielswesie, indem die Steuersätze für kleine Verdienste reduzierte und Empfänger:innen der Grundsicherung gestattete, mehr vom eigenen Lohn zu behalten, wenn sie einen zusätzlichen Job annehmen.
Und Schnitzer plädiert auch für „eine stärkere Zuwanderung qualifizierter Arbeitskräfte“. Offiziell beabsichtigt die Bundesregierung das ebenfalls, wobei der CSU-Innenminister gleichzeitig hunderttausende syrischer Flüchtlinge loswerden will, von denen viele inzwischen hier arbeiten. Die vergiftete Atmosphäre und die widersprüchliche Einwanderungspolitik stehen der Realisierung von Schnitzers Rat im Wege.
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Schöne Überraschung
Gutscheine sind bequem und praktisch, Sie vermeiden, dass die Beschenkte enttäuscht ist, wenn sie ein Buch auspacken, dass ihr nicht gefällt oder das sie schon hat. Wäre mit einem Buchgutschein nicht passiert. Und einfach nur Bargeld zu verschenken, ist für viele auch nicht richtig. So ein Gutschein ist da schon ideal. Nur: Wie lange lässt er sich einlösen? Und lässt er sich in bar auszahlen? Die wichtigsten Antworten rund um eines der beliebtesten Geschenke der Deutschen.
Was ist ein Gutschein?
Geburtstage, Ostern, Weihnachten oder einfach zwischendurch, die Deutschen verschenken gerne Gutscheine. Was genau darunter zu verstehen ist, ist gesetzlich nicht geregelt. Aber gemeinhin hat, wer einen Gutschein von Geschäft A bekommt, das Recht, sich eine Ware oder Dienstleistung bei A auszusuchen, die dem Wert auf dem Gutschein entspricht.
Was sind Geschenkgutscheine, was Umtauschgutscheine?
Der Geschenkgutschein ist der Klassiker. Die Oma kauft zum Beispiel beim Buchhändler einen Gutschein über 30 Euro, den die Enkelin zum Geburtstag bekommt. Etwas anderes ist ein Umtauschgutschein. Ein Händler ist nicht verpflichtet, Ware ohne Mängel zurückzunehmen. Wenn dem Kunden aber dennoch Zweifel kommen oder ihm die Ware nicht gefällt, sind viele Händler kulant. Vielfach zahlen sie aber nicht den Kaufbetrag zurück, sondern geben dem Kunden einen Gutschein im Wert des Kaufbetrags, mit dem sich dann anderes kaufen lässt.
Wie lange gilt ein Gutschein?
Meist ist auf einem Gutschein eine Frist notiert: „Einzulösen bis…“ zum Beispiel oder „Zwei Jahre ab Kaufdatum gültig.“ Ist nichts anderes vermerkt, verjährt ein Gutschein in Deutschland nach drei Jahren. Diese Frist beginne immer erst am Schluss des Jahres, in dem der Gutschein erworben worden sei, heißt es bei den Verbraucherzentralen. Hat jemand zum Beispiel einen unbefristeten Büchergutschein am 21. April 2026 gekauft und drei Tage später verschenkt, lässt er sich bis 31. Dezember 2029 einlösen. Danach ist der Händler weder verpflichtet, den Gutschein anzunehmen, noch muss er den Wert des Gutscheins in Geld auszahlen. Sonderregeln gelten zum Beispiel für Theater. Wer einen Gutschein für eine bestimmte Aufführung hat, kann ihn nur solange einlösen, wie das Stück gespielt wird.
Mir sagt nicht zu, was ich für den Gutschein bekommen kann und hätte lieber das Geld. Kann ich ihn mir auszahlen lassen?
Nicht jedem schmeckt indisches Essen, nicht jede freut sich über Bücher – wer entsprechende Gutscheine bekommt, ist vielleicht mehr am Geldwert interessiert. Doch ein Händler oder Gastronom ist nicht verpflichtet, ihn bar auszuzahlen. Oft ist das in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen auch genau geregelt, steht vielleicht sogar kleingedruckt auf dem Gutschein. Dennoch kann es nicht schaden, beim Restaurant oder dem Buchhändler nachzufragen. Viele Betriebe gehen kulant mit den Kunden um.
Der Gutschein ist für ein bestimmtes Produkt ausgestellt, dass der entsprechende Händler nicht mehr verkauft. Und jetzt?
Hat ein Elektronikmarkt zum Beispiel einen Gutschein für einen Markenartikel, zum Beispiel Smartphone-Kopfhörer mit Rauschunterdrückung, verkauft, und das Produkt jetzt nicht mehr im Programm, kann die Kundin den Gegenwert des Gutscheins in bar verlangen.
Wie wichtig ist der Name, der auf dem Gutschein steht?
Natürlich sieht es viel schöner und persönlicher aus, wenn der Geschenkgutschein den Namen der oder des Beschenkten trägt. Für das Einlösen ist es aber egal. In der Regel sei ein Gutschein übertragbar, so dass er auch von einer anderen Person eingelöst werden könne, erklären die Verbraucherzentralen. Denn dem Geschäft sei gleichgültig, welche Person den Gutschein einlöst. Das heißt: Der Gutschein kann weiterverschenkt werden, zum Beispiel auch, wenn einem nicht gefällt, was der Gutschein verspricht. Nicht übertragbar ist der Gutschein, wenn die Leistung genau auf die Person zugeschnitten ist, für die der Gutschein gekauft wurde. Oder wenn bestimmte Voraussetzungen nötig sind, die nicht jeder erfüllt, genug Fitness für eine Ballonfahrt oder eine Bergwanderung zum Beispiel.
Ich wollte einen Gutschein einlösen, der Händler verlangte mit Verweis auf gestiegene Kosten eine Zuzahlung. Darf er das?
Hier ist entscheidend, was auf dem Gutschein steht. Ist eine bestimmte Leistung erwähnt, zum Beispiel „Herrenhaarschnitt“, ist es unerheblich, ob die Preise seit Ausstellen des Gutscheins gestiegen sind. Vereinbart ist eine Leistung, kein Wert. Anders sieht es aus, wenn der Gutschein des Friseurs über 30 Euro ausgestellt ist, der Kunde jetzt einen Herrenschnitt damit bezahlen möchte und dieser inzwischen 40 Euro kostet. Dann muss der Kunde zehn Euro dazulegen. Ähnlich sieht es aus, wenn auf dem Gutschein „Herrenhaarschnitt für 30 Euro“ notiert ist. Auch hier muss zugezahlt werden.
Das Geschäft, das den Gutschein ausgestellt hat, ist insolvent. Was geschieht jetzt?
Ist ein Händler insolvent, lässt sich der Gutschein nicht mehr einlösen. „Wer einen solchen Gutschein besitzt, hat eine Forderung gegen den Anbieter, der nun pleite ist“, heißt es bei den Verbraucherzentralen. Diese könne man beim Insolvenzverwalter anmelden, der sie sammelt. Er verwertet das Unternehmen. Aus dem eingenommenen Geld werden die Forderungen bedient – allerdings in der Regel nur zu einem Bruchteil des ursprünglichen Wertes – meistens unter fünf Prozent.
Ich habe einen Gutschein aus Frankreich. Gelten die gleichen Regeln wie in Deutschland?
Gutscheine sind nicht einheitlich in der EU geregelt. Jedes Land hat eigene Vorgaben. So legen Anbieter in Belgien, Frankreich, Luxemburg, Polen und Tschechien eigene Fristen fest. In Österreich können Gutscheine bis zu 30 Jahre gültig sein, wie die Europäische Verbraucherzentrum Deutschland berichtet. Kürzere Fristen lassen sich aber vereinbaren. In den Niederlanden kann ein Gutschein demnach ohne Ausstellungs- und Ablaufdatum sogar unbegrenzt eingelöst werden. Geschenkkarten mit Ausstellungsdatum sind maximal fünf Jahre gültig. In Dänemark gilt wie in Deutschland eine dreijährige Frist, falls kein früheres Datum für den Verfall eines Gutscheins klar und deutlich angegeben wird.
Ich möchte einen Gutschein verschenken. Worauf sollte ich achten?
Wer sichergehen möchte, dass der Gutschein vor allem Freude bereitet und nicht Frust, sollte beim Kauf schon auf die Einlösefrist achten und sie konkret vermerken lassen. Die Verbraucherzentralen empfehlen zudem nachzufragen, ob der Gutschein auch in Teilen eingelöst werden kann. Nicht jeder möchte gleich Bücher im Wert von 50 Euro mitnehmen, sondern zum Beispiel erst ein Buch aussuchen und später ein weiteres. Wem die rechtlichen Fragen zu spitzfindig und die Kulanz der Händler und Gastronomen zu unsicher ist, kann das alles umgehen. Die Verbraucherzentralen empfehlen: Verschenken Sie einfach einen selbst gemachten Gutschein.
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Künftig gibt es Last-Minute-Tickets im Fernverkehr
Wenn es schon mit der Pünktlichkeit nicht klappt, sollen bessere Angebote und sauberer Züge die Stimmung der Bahnkunden verbessern. So wird auch das Auslandsangebot weiter ausgebaut.
Die Deutsche Bahn bietet im Fernverkehr künftig auch Last-Minute-Tickets an. Samstags und Sonntags können die Fahrten in Zügen der jeweils kommenden Woche gebucht werden.„Mit diesem komplett neuen Angebot für die Züge des Fernverkehrs bieten wir Sicherheit und bezahlbare Mobilität“, sagte Fernverkehrsvorstand Michael Peterson im Gespräch mit der Funke-Mediengruppe, „wir möchten mit dieser Aktion auch neue Kundengruppen ansprechen“.
Die Tickets werden zu Preisen ab 6,99 Euro angeboten. Obendrauf kommt gegebenenfalls der Bahncard-Rabatt. Kinder fahren kostenlos mit. „Ab dem 9. Mai können unsere Kunden erstmals Last-Minute-Preise buchen“, kündigt der Vorstand an. Das Angebot gilt zunächst für ein halbes Jahr mit der Option auf Verlängerung.
Wie andere Sparpreise seien auch die Last-Minute-Preise kontingentierte Angebote. Damit werde sichergestellt, dass das Angebot nur auf Zügen buchbar ist, die auch noch freie Sitzplätze haben. Die Wahrscheinlichkeit, ein Schnäppchen zu ergattern, ist Peterson zufolge daher abseits der Hauptreisezeiten besonders hoch. Mit diesem Angebot komme die Bahn auch einem bestehenden Wunsch der Reisenden nach. Allen, die länger im Voraus planen können, rät das Unternehmen weiterhin zur frühen Buchung ihrer Tickets.
Ausgebaut wird auch das Angebot auf der Buchungsplattform Navigator. Bis zum Jahresende werden Tickets für Fahrten in und zwischen weiteren Ländern direkt buchbar. Reisend können dann zum Beispiel Fahrten zwischen Spanien und Portugal am heimischen PC kaufen. Laut Peterson werden dann praktisch alle großen Länder in Europa an den einheitlichen Buchungsstandard angeschlossen. In den jeweiligen Angeboten sollen auch länderspezifische Sparpreise oder Abos für Buchungen aus Deutschland abrufbar sein.
Das Interesse an grenzüberschreitenden Verbindungen ist bei den Fahrgästen vorhanden. Die alte Maxime, dass die Bahn dem Flugverkehr nur bei Fahrzeiten von unter vier Stunden Kunden abjagen kann, stimmt nicht mehr. Die Bereitschaft, lange im Zug zu sitzen, sei deutlich nach oben gegangen, sagt Peterson. Das zeigt sich beispielsweise auf den Haften zwischen Berlin und Paris. Die Auslastung der täglich verkehrenden Linie ist so hoch, dass die Bahn mit der französischen SNCF über einen zweiten Zug am Tag spricht.
Bis es von Deutschland aus nach London geht, werden wohl noch ein paar Jahre vergehen. Schwierig ist der Direktverkehr mit der Insel auch, weil Großbritannien kein EU-Land mehr ist. Das bedeutet, die Einreisekontrollen müssen am Startbahnhof stattfinden. Es wird ein eigener Terminal dafür benötigt. Bisher standen als mögliche Startstädte Frankfurt und Köln zur Diskussion. Peterson hält Köln für den geeigneteren Startpunkt. Am dortigen Gleis 1 sei für den Umbau für eine Grenzabfertigung räumlich und mit dem Gleis auch praktisch gut geeignet.
Fest steht schon eine andere Auslandsverbindung. So nimmt die Bahn zusammen mit der italienischen Trenitalia 2027 die Linienverkehr zwischen München und Mailand auf. Später soll es nach Rom und noch später bis nach Neapel weitergehen. Auch in Richtung Skandinavien soll es Verbindungen geben. Von einem europäischen Schienennetz für den grenzüberschreitenden Verkehr ist der Kontinent Peterson zufolge noch weit entfernt. Nach wie vor gebe es unterschiedliche technische Voraussetzungen in den einzelnen Ländern. So gebe es etwa verschiedene Spurweiten oder Länderversionen des eigentlich einheitlichen europäischen Zugsteuerungssystem ETCS.
Im Inland verbessert sich das Angebot mit der Eröffnung der generalsanierten Strecke zwischen Hamburg und Berlin sowie der weiteren Auslieferung der neuen Züge ICE L. Der neue Zug wie dann zwischen Berlin und Westerland sowie ab Juli 2027 dem Ruhrgebiet und Oberstdorf verkehren.
Drei Monate nach Einführung eines Sonderprogramms für mehr Sauberkeit in den Zügen zieht die Bahn eine positive Bilanz. „Das Sofortprogramm wirkt“, sagte Fernverkehrsvorstand Michael Peterson im Gespräch mit der Funke-Mediengruppe, „ unsere Fahrgäste sehen und spüren die positiven Entwicklungen bei Sauberkeit und Service an Bord“. Das hätten Befragungen bestätigt.
Allein in diesem Jahr 2026 investiert die Bahn hierfür 20 Millionen zusätzlich. Seit Januar wurde das Reinigungspersonal deutlich aufgestockt. Laut Person reinigen auf vielgenutzten Verbindungen nun 220 Beschäftigte die Züge während der Fahrt. Das sind doppelt so viele wie zuvor. In den ersten drei Monaten seien 680.000 Toiletten gereinigt und rund 170.000 Müllsäcke gefüllt worden. An ausgewählten Knotenbahnhöfen wie München stünden außerdem Sonderreinigungstrupps bereit, die bei Bedarf zum Einsatz kommen.
Auch die Teppiche in den ICE-Zügen werden häufiger behandelt. Haben die Reiniger bisher wöchentlich Teppiche in der Größenordnung von vier Fußballfeldern intensiv gesäubert, seien dies nun umgerechnet sechs, erläutert Peterson. Zu dem Sofortprogramm gehört auch der Einsatz von mobilen Technikern, die für einen stabilen Betrieb der Kaffeemaschinen im Bordbistro sorgen sollen. Allein in den ersten drei Monaten haben sie 100 Geräte austauschen müssen. Ein fehlendes Kaffeeangebot gehört zu den oft genannten Ärgernissen in den Zügen.