Leitungswasser hat anderen Getränken etwas voraus: Es ist ein erstklassiger, Kalorien freier Durstlöscher. Qualität: zu 99 Prozent top. Nur: So selbstverständlich ist das nicht. Nicht mehr. Mancher sagt, Wasser sei das Öl des 21. Jahrhunderts, vor allem seit den Hitzesommern, als an einigen Orten das Wasser knapp wurde. Soll heißen: Man muss gut darauf aufpassen. Aber es geht nicht allein um die Quantität.
Die Belastungen der Wasservorräte mit Chemie sind bedenklich. Die Nitrate, die Rückstände von Arzneimitteln und neuerdings die PFAS, die auf ewig in der Natur verweilen und vor denen nun die Wasserversorger warnen. Dabei ist es gar nicht so sehr ihr Problem, sondern das ihrer Kunden. Denn die Stoffe müssen rausgefiltert werden. Dafür fehlt weniger die Technik, mehr das Geld.
Derzeit zahlt der Verbraucher die Rechnung – über die Trinkwassergebühren. Das ist nicht fair. Es sollten diejenigen zur Kasse gebeten werden, die für den Schlamassel sorgen. Anders gesagt: Die Chemieindustrie verdient an den Stoffen, die Kosten fürs Aufräumen sollte sie nicht den Bürgern aufbürden. Für diesen Grundsatz gibt es einen Namen: Verursacherprinzip. Natürlich, da drängen sich „Ja, aber-Sätze“ auf.
Ja, aber PFAS werden schon seit den 1940er Jahren produziert. Die Industrie wusste das doch alles nicht! Außerdem sind die Stoffe unschlagbar, sie sind hitzebeständig, weisen Fett und Schmutz ab. Es wird nicht ganz ohne gehen! Und: Die Chemieindustrie beklagt doch schon jetzt rückläufige Umsätze. Lasst sie in Ruhe! Das alles ist unbedingt zu besprechen.
Doch sauberes Wasser ist kein Luxusproblem, das sich verschieben lässt auf bessere Zeiten. Die Politik muss die Chemieindustrie zügig in die Pflicht nehmen, zumindest für das, was kommt. So wie bisher läuft es nicht mehr.