Alles für die Katz – und den Hund

Welche Versicherungen sinnvoll sind und wo sich sparen lässt

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Von Björn Hartmann

30. Okt. 2023 –

Vom Guppi über Hamster und Siamkater bis zur Deutschen Dogge: Insgesamt 34,9 Millionen Haustiere lebten im vergangenen Jahr in deutschen Haushalten, darunter 15,2 Millionen Hunde und 10,6 Millionen Katzen. In der Regel bereiten die Tiere Freunde, zwingen Frauchen und Herrchen zu Spaziergängen oder beruhigen beim langen Blick aufs Aquarium. Doch was, wenn etwas schief geht? Auch Tiere lassen sich versichern, sollten sie Schäden anrichten oder krank werden. Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

Welche Versicherungen gibt es und welche brauche ich?

Über zwei Versicherungen sollten Tierbesitzer nachdenken: Krankenversicherung und Haftpflicht. Die Krankenversicherung deckt Kosten für ärztliche notwendige Behandlungen ab. Eine Sonderform ist die OP-Versicherung, die in der Regel nur für stationäre Kosten und Nachbehandlung gilt. Eine Haftpflichtversicherung kommt für Schäden auf, die ein Haustier verursacht, und für die Folgekosten.

Wann ist eine besondere Haftpflichtversicherung sinnvoll?

Viele Tiere sind bereits in der privaten Haftpflichtversicherung mit erfasst, vor allem kleinere. Aber: „Anders als Katzen, Kaninchen oder Hamster sind Hunde nicht in der Privathaftpflicht mit abgedeckt“, sagt Michael Nischalke, Experte der Stiftung Warentest. „Der Halter haftet für alles, was der Hund tut. Und trotz aller Vorsorge kann immer etwas passieren. Das muss kein Biss sein, das Tier kann auch auf die Straße rennen und einen Unfall verursachen.“ Dann wird es richtig teuer. Der Verband der Versicherungswirtschaft (GDV) berichtet von mehr als 80.000 Fällen jährlich, in denen die Hundehalterhaftpflicht zahlt – im Schnitt 1000 Euro. Bei mehr als 100 Fällen jedes Jahr übersteigt die Schadenssumme sogar 50.000 Euro.

Welche Sonderregeln gelten für Hunde?

In Berlin, Hamburg, Niedersachsen, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein und Thüringen ist eine Tierhalterhaftpflicht für alle Hunde zwingend vorgeschrieben. In den anderen Ländern bestehen Listen von Rassen, bei denen die Verwaltung annimmt, sie seien gefährlich, American Staffordshire-Terrier etwa, Bullterrier und Rottweiler. Wer sie hält, muss eine Versicherung abschließen. Nur in Mecklenburg-Vorpommern besteht keine Versicherungspflicht. Experte Nischalke empfiehlt: „Unabhängig davon, ob eine Tierhalterhaftpflicht vorgeschrieben ist, sollte ein Hundehalter unbedingt eine haben.“

Was leistet eine Hundehalterhaftpflicht?

Sie zahlt für Personenschäden, wenn der Hund jemanden beißt, die Behandlungskosten, Schmerzensgeld und für die Folgekosten, weil die Person zum Beispiel drei Monate nicht arbeiten kann. Versichert sind auch Sachschäden wie der zerfetzte Kamelhaarmantel. Und es gibt in der Regel Geld, wenn der Mischlingsrüde ungewollt eine Rassehündin deckt. Bezahlt werden zum Beispiel die Kosten, die entstehen, weil die Hündin nicht mehr zur Zucht verwendet werden kann. Die Versicherung hilft auch, unberechtigte Schadenersatzansprüche abzuwehren. Wichtig: Für eigene Schäden, etwa wenn der Hund ein Familienmitglied beißt, haftet die Versicherung nicht.

Worauf sollte man achten?

Die Experten der Stiftung Warentest empfehlen eine Versicherungssumme von mindestens zehn Millionen Euro. Geklärt werden muss, ob die Nachbarin versichert ist, wenn sie mit dem Hund rausgeht, und was im Fall eines Verstoßes gegen Halterpflichten passiert, etwa, weil der Hund keinen Maulkorb getragen hat. Und wer verreist, sollte auf einen Auslandsschutz achten.

Was kostet eine Haftpflichtversicherung für den Hundehalter?

„Gute Angebote gibt es schon ab 50 Euro“, sagt Warentest-Experte Nischalke. Vergleichsportale wie Check24 oder Verivox geben einen Überblick. Und bei einer Versicherung nachzufragen, lohnt sich immer.

Wie ist das mit Pferden?

Auch Pferde sind nicht in der Privathaftpflicht eingeschlossen. Anders als bei Hunden ist aber keine gesonderte Haftpflichtversicherung vorgeschrieben. Experten empfehlen sie allerdings. Die Tiere wiegen mehrere hundert Kilo. Wenn sie sich erschrecken und fliehen, können sie große Schäden anrichten. Wie beim Hund muss Halter oder Halterin dafür zahlen – auch wenn er oder sie kein Verschulden trifft. Wichtig: Nicht immer sind fremde Reiter mitversichert. Wer die Tochter von Freunden aufs Pferd lassen will, sollte das bei Abschluss der Police berücksichtigen.

Und Echsen, Schlangen und Vogelspinnen?

Auch solche eher exotischen Tiere sind in der Regel nicht in der Privathaftpflicht versichert. Auch hier haften Halter oder Halterinn vollständig für Schäden. Weil es im Vergleich zur Zahl der Hunde und Katzen recht wenig solcher Exoten gibt, fehlen meist Standardhaftpflichtverträge wie für Pferde. Der GDV empfiehlt, den eigenen Haftpflichtversicherer anzusprechen.

Was zahlt eine Tierkrankenversicherung?

Grundsätzlich trägt eine Tierkrankenversicherung die Kosten für Tierarzt, Behandlung, Operation und Medikamente. Dabei ist unerheblich, ob der Hund in eine Glasscherbe getreten ist oder die Nieren einer Katze ausfallen. Auch Impfungen übernimmt die Versicherung. Allerdings müssen Tierhalter meist doch noch etwas selbst zahlen, oft gibt es Ausschlüsse im Kleingedruckten. Grundsätzlich muss jeder Tierhalter die Behandlung bezahlen und die Rechnung dann bei der Versicherung einreichen.

Wann lohnen sich Krankenversicherungen für Tiere?

Ist das Haustier krank, kann es teuer werden, vor allem, wenn Hund oder Katze operiert werden müssen, etwa nach einem Knochenbruch. Da werden schnell mehrere tausend Euro fällig. Allerdings sind auch die Versicherungen nicht billig. Ende 2022 ermittelte Finanztest für eine sechs Monate alte Katze, die draußen herumzog, zwischen 65 und 192 Euro Beitrag im Jahr. Ist die Katze älter können es auch schon mal bis zu 592 Euro werden. Auch bei Hunden gibt es Unterschiede bei den Preisen der Policen. So haben manche Rassehunde absehbar Probleme: So neigen Boxer zu Herz-Kreislauferkrankungen, Dalmatiner haben es oft an den Ohren. Ältere Tiere sind teurer, weil anfälliger, größere auch. Wer ein Haustier krankenversichern will, muss also abwägen, ob sich die Ausgaben über die Lebensdauer des Tieres rechnen.

Geht es auch günstiger?

Manche Policen bieten eine Selbstbeteiligung an, das senkt die Kosten der Versicherung, man muss dann allerdings im Krankheitsfall auch zahlen. Manch Halter oder Halterin wählt einen anderen Weg: Jeden Monat einfach eine kleine Summe zum Beispiel über einen Sparplan zurücklegen. Auf das Geld kann man im Bedarfsfall zurückgreifen. Bleibt das Tier gesund, bildet sich nebenher noch eine nette Rücklage für später.

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