Angriffslustig zu Flixbus

Kommentar zu Flixbus

Von Wolfgang Mulke

11. Mär. 2018

Bahnfahrer können sich freuen. Mit Flixbus dringt erstmals ein ernstzunehmender Wettbewerber ins Kerngeschäft der Deutschen Bahn ein, dem Fernverkehr. Zumindest auf den beiden ersten Strecken kann dies zu dauerhaft günstigeren Preisen als bisher führen. Außerdem können auch viele Reisende aus kleineren Städten auf bessere Verkehrsanbindung durch das kombinierte Bus-Schiene-Angebot hoffen. Flixbus ist aus gutem Grund angriffslustig. Denn die Erfolgschancen im neuen Geschäftsfeld des Fernbusanbieters stehen nicht schlecht.

 

Alle bisherigen Versuche von Konkurrenten auf den langen Strecken sind gescheitert. Denn die Barrieren für Neulinge in diesem Geschäft sind hoch. Triebwagen und Waggons kosten viel Geld. Die Trassen müssen frühzeitig geplant und gebucht werden. Zudem erfordert der Zugverkehr auch Kapazitäten für die Wartung oder den Ersatz von Zügen. Wenn diese Voraussetzungen gegeben sind, fehlt mit einem effektiven Marketing und Vertrieb noch ein weiterer wichtiger wie teurer Baustein.

 

Das Geschäftsmodell von Flixbus verteilt die Lasten und reduziert so die Risiken. Für den Verkehr und die Technik sind erfahrene Bahnunternehmen verantwortlich. Große Neuinvestitionen sind nicht nötig. Marketing und Vertrieb können mit den für den Busverkehr vorhandenen Strukturen voll digitalisiert gesteuert werden. Durch den Erfolg im Busgeschäft hat das Unternehmen einen hohen Bekanntheitsgrad und Millionen potenzieller Kunden für das neue Angebot. Zudem stehen finanzkräftige Investoren für einen langen Atem, wenn etwas Neues angegangen wird.

 

Die Vorherrschaft der Deutschen Bahn auf den Fernstrecken wird indes nicht gefährdet. Dazu wären Milliardeninvestitionen fällig. Aber ein Stück vom schmackhaften Kuchen auf ausgewählten Verbindungen wird sich Flixbus wohl abschneiden können. Für die Attraktivität des Schienenverkehrs kann Wettbewerb auch nur gut sein.

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