Das 25-Cent-Pfand-Problem

Mit dem Dosenpfand sollte das Angebot an Einwegflaschen schwinden. Das Gegenteil ist der Fall. Kommt eine Lenkungsabgabe?

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Von Hanna Gersmann

29. Apr. 2015 –

Wer Bier trinkt, macht fast immer alles richtig. Denn das Getränk wird zumeist in Mehrwegflaschen verkauft. Und auf den Plakaten und Flyern, die seit Mittwoch zum Beispiel bei Getränkefachhändlern zu sehen sind, steht: „Mehrweg ist Klimaschutz“ über einem Kindergesicht, dem in blau und grün die Weltkarte aufs Gesicht geschminkt ist. Dahinter steckt eine Werbekampagne, die die Deutsche Umwelthilfe (DUH) mit Verbraucherschützern, Getränkehändlern und Brauereien macht. Es geht um eine enttäuschte Hoffnung.

Die Erfinder des Einwegpfandes, das eher als Dosenpfand berühmt ist, haben sich die Einkaufswelt ganz anders gedacht als sie heute ist. Seit 2003 werden 25 Cent auf „ökologisch nicht vorteilhafte Verpackungen“ erhoben. Einweg sollte so unattraktiv werden, der Anteil von Getränken in Mehrweg steigen – und fortan mindestens 80 Prozent ausmachen. Offenbar rechnete der damalige grüne Umweltminister Jürgen Trittin nicht damit, dass Ex-und Hopp-Verpackungen bleiben könnten. Auf Sanktionen für den Fall, dass Mehrweg schwindet, verzichtete er jedenfalls.

Mittlerweile liegt die Mehrwegquote im Schnitt aller Getränke bei knapp 40 Prozent. Nur das Bier macht mit 80 Prozent eine Ausnahme. Das Pfand hat allein dazu geführt, dass weniger leere Dosen in Parks und auf Bürgersteigen herumliegen. Denn Discounter und Supermärkte stellten Einweg-Pfandautomaten auf und ersetzten dann vor allem bei Mineralwasser Mehrweg durch Einweg. Ihnen bringt das Vorteile. Sie brauchen keine Lagerplätze für leere Kisten verschwenden.

Auch für Hersteller ist Mehrweg aufwändiger. Sie müssen die Flaschen wieder zur Afüllstation zurück karren, dort spülen und können erst dann mit der Produktion loslegen. Erst vor wenigen Wochen hat Coca-Cola, Deutschlands größtes Getränkeunternehmen, erklärt, es werde die 0,5- und 1,5-Liter-Abfüllungen nur noch in Einwegflaschen anbieten. Zwar bleibt die 1-Liter-Mehrwegflasche. Aber DUH-Geschäftsführer Jürgen Resch hält die Unternehmensstrategie für einen „Generalangriff“ auf das deutsche Mehrwegsystem.

Seit Jahren kämpft er für dessen Erhalt. Transport und Reinigung der Mehrwegflaschen verschlinge im Vergleich zur Herstellung der Pendants zum schnellen Wegwerfen immer noch weniger Energie, so sagt der Umweltschützer. Mehr als 500.000 Tonnen Kunststoff seien pro Jahr nötig, um die in Deutschland verkauften Einweg-Plastikflaschen herzustellen. Jobs koste der Trend zum Einweg zudem, weil zum Beispiel in der Logistik gespart werde.

So fordern Resch und seine Mitstreiter eine „Lenkungsabgabe in Höhe von 20 Cent auf alle Einweggetränke“. Allerdings hat SPD-Bundesumweltministerin Barbara Hendricks diese längst zurückgewiesen. Bleibt der Wunsch der Merhwegbefürworter nach einer besseren Kennzeichung.

Denn gut jeder zweite Verbraucher könne zwischen Mehrweg und Einweg nicht unterscheiden, meint Günther Guder vom Deutschen Getränkefachgroßhandel. Es verwirre, dass Einwegflaschen zum Beispiel in Mehrwegkästen verkauft werden konnten und dass es Ausnahmen gebe. Milch, Fruchtsäfte, Wein und Sekt werden nie bepfandet. Zudem: Dosen, die unter die Pfandpflicht fallen, müssen lediglich als „pfandpflichtig“, nicht aber als „Einweg“ gelabelt sein.

Die Bundesregierung hat schon mal eine bessere Kennzeichnung vorgeschlagen. Dann hieß es aber, es sei nicht mit EU-Recht vereinbar jede Flasche zu markieren. Nun liegt der Entwurf einer Verordnung vor, nach der die Regale mit Einweg und Mehrweg beschriftet werden sollen. Doch diese steckt derzeit im Bundesrat fest

Info: Mehrweg besser als Einweg

Während Mehrweg-Glasflaschen ökologisch vorteilhaft sind, sind es Einweg-Glasflaschen nicht. Glas-Mehrwegflaschen schneiden aus Umweltschutzsicht deswegen so gut ab, weil sie bis zu 50-mal wieder befüllt werden und so die Produktion von vielen Flaschen vermieden wird. Am wenigsten Energie und Resosurcen werden verbraucht, wenn die Mehrwegflasche aus der Region kommen. Das dürfen auch Kunststoff-Mehrwegflaschen sein - sie können immerhin 25-mal wieder befüllt werden.

Bei Einweg-Getränkeverpackungen schneiden der Getränkekarton und Schlauch-, oder Standbodenbeutel vergleichsweise gut ab.

Eine gute Möglichkeit, Einwegpfandflaschen von Mehrwegpfandflaschen zu unterscheiden, ist das Flaschen-mit-Pfeil-Symbol der Deutschen Pfandsystem Gmbh und die Pfandhöhe: Das Einwegpfand beträgt einheitlich 25 Cent, das Mehrwegpfand gewöhnlich acht oder 15 Cent. Die Kisten, in denen Mehrwegflaschen oft geliefert werden, sind meist mit 1,50 Euro bepfandet. (HG)



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