Der Sommersmog ist zurück

Augen tränen, der Kopf schmerzt - wer einige Tipps beachtet, dem macht Ozon weniger zu schaffen.

Von Hanna Gersmann

06. Aug. 2015 –

Nein, eine richtige Ausrede, keinen Sport zu machen, ist das Ozon, das in diesen heißen Tagen auftaucht, nicht. So rät Maria Krautzberger, die Chefin des Umweltbundesamtes, zwar: „Auf keinen Fall in den Mittagstunden Sport treiben“. Aber dann fügt die oberste Umweltschützerin der Republik hinzu: „Lieber früh morgens“. Auch sonst gibt das Amt Tipps.

Lüften Sie morgens, dann ist die Ozonkonzentration am niedrigsten. Verzichten Sie auf ausgiebiges Sonnenbaden, auch wegen der Hitze. Kinder sollten draußen nicht zu viel toben, Ältere und Herzkranke zumindest nachmittags drinnen bleiben. Säuglinge, bei denen das Immunsystem noch nicht vollständig ausgebildet ist, sind durch Ozon besonders anfällig für Atemwegsinfektionen.

Ozon-Alarm hat es lange Zeit nicht gegeben. Doch nun kommen das Molekül und der Sommersmog zurück. Das habe mit dem diesjährigen Sommerwetter zu tun, sagt Krautzberger.

Schon zum zweiten Mal liegen die Temperaturen über mehrere Tage hinweg über 30 Grad. Das hat es in den letzten Jahren nicht gegeben. Für diesen Freitag sagt der Deutsche Wetterdienst außer im Nordwesten und in Teilen Schleswig-Holsteins eine „Wärmebelastung“ voraus, die „stark bis extrem“ ist. Im Südwesten sind sogar bis zu 40 Grad Celsius möglich.

Je mehr die Sonne scheint, um so mehr Ozon bildet sich. Die Vorläufer für das Ozon sind Stickoxide, die vor allem aus den Auspuffrohren von Fahrzeugen und Fabrikschloten kommen, und flüchtige organische Verbindungen, die zum Beispiel in Autolack oder Sprays stecken.

So steige die Konzentration des Ozons derzeit „Tag für Tag“, sagte Krautzberger. Für diesen Freitag erwarte sie „den Höhepunkt mit deutschlandweit deutlich erhöhten Werten“. Und: „Vereinzelt können Ozonkonzentrationen auftreten, die oberhalb der Alarmschwelle von 240 Mikrogramm je Kubikmeter Luft liegen.“

Ozon ist äußerst aggressiv. Zwar ist das O3, wie die chemische Formel lautet, in oberen Luftschichten, in der sogenannten Ozonschicht, lebensnotwendig, es schirmt die Erde vor gefährlichen UV-Strahlen der Sonne ab. In Bodennähe aber macht es den Menschen schaffen. Die Augen tränen, der Kopf schmerzt, das Atmen fällt schwer. - gelten Werte ab 180 Mikrogramm pro Kubikmeter bereits als kritisch.

Allerdings reagiert nicht jeder gleich stark auf den Stoff. Laut Umweltbundesamt sind etwa 15 Prozent der Bevölkerung besonders empfindlich. Generell gilt: Je höher die Ozonkonzentration in der Luft ist und je länger jemand dem Ozon ausgesetzt ist, umso wahrscheinlicher sind Beschwerden. Besonders hohe Konzentrationen treten immer in den Nachmittagsstunden zwischen 14 und 17 Uhr auf.

 

Nicht einmal die Flucht aufs Land, wo wenig Autos fahren und wenig Fabriken stehen, schützt. Die Schadstoffe, die zum Ozon führen, werden in alle Richtungen geweht. So sind die Werte in einsamen Höhen der Mittelgebirge, wo die Sonneneinstrahlung besonders direkt ist, auch hoch.

Fahrverbote fordert Krautzberger nicht. Die Erfahrung habe gezeigt, dass diese kurzfristigen Maßnahmen zu wenig brächten. Aber sie meint, es helfe grundsätzlich „öfter mal das Auto stehen zu lassen“.


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