"Enten haben immer kalte Füße"

Wie kommen Tiere durch den Winter? Mit Fett, Luft und kalten Füßen, sagt Eva Goris von der deutschen Wildtierstiftung

Von Hanna Gersmann

21. Jan. 2015 –

Interview: Hanna Gersmann

Eva Goris, es wird kalt in Deutschland, müssen die Wildtiere jetzt frieren?

Eva Goris: Die tierische Überlebensstrategie im Winter heißt: viel Fett, ein Luftpolster, lange Haare und Energie sparen. Säugetiere leben von ihrer Speckschicht. Vögel verteilen das Fett von einer Drüse auf dem Hinterteil mit dem Schnabel im Federkleid. Das wirkt wasserabweisend und isoliert.

Welche Rolle spielt Luft?  

Eva Goris: Luftschichten zwischen den Federn wirken wie eine Isolationsschicht. Deshalb plustern sich Vögel im Winter übrigens auf - sie lagern Luft zwischen den Federn ein. Bei Fellträgern wie Reh- und Rotwild, Fuchs und Feldhase ist das Winterfell jetzt besonders lang und dicht, die einzelnen Haare haben - im Gegensatz zum Sommerfell - eine gewellte Schaftstruktur und bieten damit Platz für die Einlagerung von Luft. Unterwolle unter den langen Deckhaaren hält wie dicke Unterwäsche zusätzlich schön warm.

Enten stehen mit nackten Füßen auf dem Eis: Kriegen die keine kalten Füße?

Eva Goris: Enten haben immer kalte Füße! Auf dem Weg aus dem Körper nach unten in die Füße kühlt Entenblut von etwa 40 Grad auf sechs Grad ab. Und das ist gut so! Mit warmen Füssen würden die Wasservögel das Eis antauen und dann im Schmelzwasser festfrieren. Übrigens: Auch Rotwild hat im Winter kalte Füße. Herr und Frau Hirsch fahren den Stoffwechsel so weit herunter, dass die körpereigene Heizung auf Sparflamme läuft. Die Tiere verharren bewegungslos auf ihren kalten Läufen und verfallen in eine Art Winterruhe. Auch ihr Pansen ist verkleinert und fasst bis zu 60 Prozent weniger Nahrung als noch im Herbst. Familie Rothirsch sind echte Energiesparer. Spaziergänger sollten Rücksicht darauf nehmen und die Tiere nicht aufscheuchen. Denn bei der Flucht verbrauchen sie viel Energie und "Brennstoff" wie Gräser und Kräuter sind jetzt knapp.


Eva Goris ist Pressesprecherin der Deutschen Wildtierstiftung in Hamburg.

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