Essen hui, Datenschutz pfui

Lebensmittel aus dem Internet kommen laut Foodwatch pünktlich und sind gut. Bei der Kennzeichnung und dem Datenschutz gibt es jedoch noch Nachholbedarf.

Von Wolfgang Mulke

11. Mär. 2018

Lebensmittel können zumindest bei den großen Händlern getrost im Internet bestellt werden. „Beim Testkauf konnten die meisten Anbieter überzeugen“, berichtet Luise Molling, die für die Verbraucherorganisation Foodwatch einen Vergleichstest durchgeführt hat. Die Lieferungen seien pünktlich, vollständig und der Zustand auch von tiefgekühlter Ware überwiegend gut.

 

Für den Test hat Foodwatch einen Warenkorb mit 21 Nahrungsmitteln für den alltäglichen Bedarf zusammengestellt. Die Pallette reicht von der Bio-Milch über Bananen, Schweinesteaks und Tomaten bis hin zu tiefgekühlten Fischstäbchen. Jeder Korb wurde drei Mal bei den Lieferdiensten Rewe, Amazon fresh, Bringmeister, Allyouneedfresh und Mytime geordert. Nur wenige mitgelieferte Waren waren zu beanstanden. Druckstellen am Obst und matschige Tomaten waren die Ausnahme.

 

Das war es aber schon mit den guten Noten. Denn Foodwatch stellte auch eine Reihe erheblicher Mängel fest. So sind die Preise kaum vergleichbar, weil sie auch von den Versandkosten abhängen. Für den Warenkorb bezahlten die Tester bei Allyouneedfresh knapp 50 Euro. Amazon fresh liefert ihn für weniger als 42 Euro. Vergleichbar sind der teuerste und billigste Lieferant trotzdem nicht. Denn Amazon bedient nur Kunden, die ein fast 70 Euro kostendes Jahresabo seines Primedienstes und darüber hinaus ein 9,99 Euro kostendes Abo für Frischwaren abgeschlossen haben. Der tatsächliche Preis der Waren hängt damit stark davon ab, wie häufig der Dienst genutzt wird. Die anderen drei Firmen lagen mit etwa 46 Euro im Mittelfeld.

 

Große Unterschiede stellte Molling bei den Lieferkonditionen fest, die letztlich auch ein Preisbestandteil sind. „Wenn Sie auf dem Land wohnen, müssen Sie mit eher langen Lieferzeitenfenstern rechnen“, erläutert sie. Bei Bringmeister, Rewe und Allyouneedfresh hängen die Gebühren vom Zeitfenster und der Bestellmenge ab.

 

Online-Bestellungen von Lebensmitteln liegen im Trend und verzeichnen ein kräftiges Wachstum. Doch das Volumen ist mit nur einem Prozent des Lebensmittelumsatzes nach wie vor gering. Genutzt werden die Dienste laut Molling vor allem von Städtern, Männern, die viel arbeiten und Familien. In ländlichen Gebieten bieten Rewe, Bringmeister und Amazon den Lieferdienst bisher gar nicht an.

 

Den positiven Eindrücken stehen laut Foodwatch bei der Herkunftskennzeichnung, dem Datenschutz und den Geschäftsbedingungen erhebliche Mängel gegenüber. Die Herkunftsangaben waren bei vier der fünf Firmen unzureichend oder fehlten ganz. Ein Händler gab als Herkunftsland seiner Weintrauben gleich 13 potenzielle Länder an. „Die Herkunft ist für die Verbraucher besonders wichtig“, betont Molling. Auch die Namen der Hersteller von Fertigwaren finden sich im Internet selten. Immerhin waren die Informationen über Nährwerte und Allergene im Test bei allen Produkten vollständig.

 

Der Datenschutz bereitet Foodwatch ebenfalls Sorgen. „Jede Datenschutzerklärung wies Mängel oder unklare Formulierungen auf“, kritisiert Molling. Allyouneedfresh setze zudem erhebliche Zahl Tracker ein. Das sind kleine „Spionageprogramme“, die das Surfverhalten im Internet erkunden und auswerten. „Für die Unternehmen sind Informationen über das individuelle Ernährungsverhalten Geld wert“, erläutert Foodwatch-Chef Martin Rücker, „denn sie verraten besonders viel über Einkommen, Bildung und Gesundheitsbewusstsein.“

 

Foodwatch fordert eine bessere Kontrolle des Online-Lebensmittelhandels. Der Bund müsse dafür die Verantwortung von den Ländern oder Kommunen übernehmen, die mit der Kontrolle überfordert sei

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