Euro-Scheine werden flügge

Vögel, Flüsse und europäische Kultur als neue Motive

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Von Björn Hartmann

01. Dez. 2023 –

Welches Motiv haben die Euro-Banknoten? Die meisten Menschen müssen wahrscheinlich erst einmal nachsehen, so selbstverständlich nutzen sie die europäische Gemeinschaftswährung. Das Design mit Baustilen von Antike bis 19. Jahrhundert ist etwas statisch, jedenfalls will die Europäische Zentralbank (EZB) es überarbeiten. Seit dieser Woche sind zwar nicht die Motive klar, aber die Themen. Das neue Bargeld werden Motive europäischer Kultur sowie Vögel/Flüsse zieren. Das Ziel: Die Scheine sollen alle Menschen in Europa stärker ansprechen, wie EZB-Präsidentin Christine Lagarde sagte.

Die EZB hat die Themen nach zwei Umfragen unter 22.619 und 365.000 Einwohnern der Euro-Zone und Bulgariens ausgewählt. Bulgarien will den Euro Anfang 2025 einführen. Von sieben Themen entschieden sich länderübergreifend die meisten Befragten für „europäische Kultur“, „Flüsse, Wasser des Lebens in Europa“ und „Vögel: frei, widerstandsfähig, anregend“. Die EZB legte zwei Themen dann zusammen. Als nächstes wird sich ein Beratergremium mit möglichen Motiven beschäftigen. Ende 2024 soll dann ein Designerwettbewerb starten. Voraussichtlich 2026 soll es eine Abstimmung über das endgültige Aussehen geben.

Der Weg ist klar, der Inhalt klingt noch ein bisschen vage. Doch die Zentralbank will das Geld so gestalten, dass es möglichst vielen der 342 Millionen Menschen in der Euro-Zone auch gefällt. Das alte Design stammt noch von der Jahrtausendwende. Der Euro wurde zum 1. Januar 2002 als Bargeld eingeführt. Zwischen 2013 und 2019 wurden die Banknoten überarbeitet, der 500er abgeschafft. Und jetzt soll alles neu werden.

Denn die Banknoten sollen nicht nur neue Motive bekommen, sondern auch länger halten, nachhaltiger werden und noch schwieriger zu fälschen sein. So denken die Notenbankexperten darüber nach, die Baumwolle für die Scheine ausschließlich aus nachhaltigem Anbau zu beziehen. Zudem sollen alte, nicht mehr verwendbare Scheine recycelt werden. Bisher werden sie entsorgt. Die aktuellen Euro-Banknoten überstehen schon mal eine Runde in der Waschmaschine, sind aber dennoch nach einiger Zeit reif für den Schredder. Fünf-Euro-Scheine früher als 100er, weil die kleinen Banknoten deutlich häufiger benutzt werden.

Die Scheine bekommen auch neue Sicherheitsmerkmale. Unklar ist noch, welche. Als die EZB die Banknoten das letzte Mal überarbeitet hat, wurde zum Beispiel das Durchsichtfenster mit Bild der griechischen Göttin Europa eingeführt. Zudem gibt es Elemente, die nur unter speziellem Licht zu sehen sind. Allerdings rüsten auch Fälscher technisch auf, deshalb muss die EZB die Scheine stärker sichern.

Inzwischen nutzen 20 der 27 EU-Mitglieder den Euro als Währung, zuletzt hat Kroatien ihn am 1. Januar 2023 eingeführt. In Montenegro und dem Kosovo gilt der Euro als offizielles Zahlungsmittel, ebenso im Pyrenäen-Staat Andorra. Alle drei Länder gehören nicht zur EU. Bosnien-Herzegowina hat seine Währung an den Euro gekoppelt, ebenso einige afrikanische Staaten. Derzeit sind rund 29 Milliarden Euro-Banknoten im Umlauf. Der häufigste Schein ist der 50er. Von ihm stecken insgesamt Noten mit einem Wert von rund 720,3 Milliarden Euro in Geldbörsen, Schließfächern und Spardosen.

Vögel kennen keine Grenzen, Flüsse verbinden und auch die europäische Kultur haben die Länder des Euro gemeinsam. Es ist viel Symbolik dabei. Das Thema muss zudem übergreifend sein, damit nicht ein Mitgliedstaat herausgehoben wird. Deshalb sind die Bilder auf den aktuellen scheinen stilisiert und zeigen keine echten Bauwerke. Ob jetzt die Donau auf der Vorder- und der Kranich auf der Rückseite abgebildet werden oder Gänsegeier aus den Pyrenäen und das Rhone-Delta: alles offen. Unklar ist auch noch, wann die neuen Scheine eingeführt werden. Die EZB rechnet mit mehreren Jahren.

Ob sich der Aufwand lohnt, wenn die Zentralbank gleichzeitig den digitalen, rein virtuellen und damit unsichtbaren Euro vorantreibt? Auch wenn die Bedeutung des Bargelds in der Euro-Zone ununterbrochen abnimmt, werden auf absehbare Zeit sehr viele Menschen mit Münzen und Scheinen bezahlen. Und die sollen zeitgemäß und ansprechend aussehen.

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