Firmen wollen Jugendlichen Hoffnung machen

Deutsche Unternehmen gründen eine Initiative, um die Jugendarbeitslosigkeit in Spanien zu verringern

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Von Hannes Koch

21. Jul. 2015 –

Großen Andrang erlebte Opel in Zaragoza kürzlich, als die Firma spanische Jugendliche einlud. Über 400 Interessenten kamen, um mit Leuten des Autobauers und anderer deutscher Firmen in Spanien über ihre berufliche Zukunft zu reden. Die ist augenblicklich ziemlich schlecht – weshalb hiesige Unternehmen eine gemeinsame Initiative gegen Jugendarbeitslosigkeit gegründet haben.

 

Das Projekt „In Charge“ (In Verantwortung) wurde am Dienstag in Berlin vorgestellt. Die deutschen Firmen wollen dazu beitragen, dass Jugendliche und junge Erwachsene in Spanien Kontakt zu Betrieben bekommen, Praktikums- und Ausbildungsplätze finden, ihre Ausbildung mit Trainings verbessern oder im besten Fall einen Arbeitsvertrag erhalten. Ziel sei es nicht, Arbeitskräfte nach Deutschland abzuwerben, sagte Opel-Manager Karl-Thomas Neumann, der die Initiative leitet. Die Unternehmen bräuchten auch in ihren spanischen Niederlassungen Nachwuchs.

 

Bisher würden sich 25 Persönlichkeiten oder Firmen beteiligen, sagte Neumann. Zum Ende des Jahres sollen es 100 sein. Nach Spanien will man sich auch um Portugal kümmern. Außer der Kontaktaufnahme zwischen der Wirtschaft und den Jobsuchenden im Opel-Werk Zaragoza konnten die Verantwortlichen bislang keine Erfolge vermelden. Zahlen über abgeschlossene Ausbildungs- oder Arbeitsverträge liegen noch nicht vor. Dass die Unternehmen nach Beschäftigten suchen, deutet aber auf eine Besserung der Wirtschaftslage auch in Spanien hin.

 

Dabei startet die Erholung von sehr niedrigem Niveau. Acht Jahre nach dem Beginn der Finanzkrise 2007 liegt die Arbeitslosigkeit im Europa der 28 Mitglieder durchschnittlich bei 9,6 Prozent. Deutschland hat mit 4,7 Prozent die geringsten Probleme. In Spanien beträgt die Erwerbslosigkeit dagegen 22,5 und in Griechenland 25,6 Prozent. Wobei diese von der Europäischen Statistikbehörde veröffentlichen Zahlen noch niedriger liegen als die normalerweise in Deutschland verwendeten - sie beruhen auf einer anderen Berechnungsmethode.

 

Und in den Mittelmeerstaaten haben junge Leute besonders zu leiden. Bis zum Lebensalter von 25 Jahren ist in Spanien und Griechenland die Hälfte derjenigen ohne Arbeitsvertrag, die gerne einen hätten. Europaweit suchen gut fünf Millionen junge Erwachsene einen Job. Dabei gibt es jedoch erste Hoffnungszeichen: Seit vergangenem Jahr sank die Zahl der jungen Erwerbslosen um knapp 500.000.

 

Wie die Maßnahmen der Wirtschaft stecken auch die politischen Vorhaben noch in den Kinderschuhen. Zwar hat die EU bereits vor zwei Jahren ihre sogenannte Jugend-Garantie ausgesprochen. Niemand soll demnach länger als vier Monate ohne Beschäftigung bleiben. Für die europäische Jugendbeschäftigungsinitiative stehen bis 2020 gut sechs Milliarden Euro zur Verfügung. Von diesen wurden bislang allerdings erst etwa 900 Millionen Euro ausgezahlt. Vor wenigen Wochen räumte die Kommission ein, dass die politische Intervention bislang nur rund 20.000 Jugendliche erreicht habe. Um den Prozess zu beschleunigen, hat man nun die Finanzierungsbedingungen verbessert. In diesem Jahr sollen 350.000 bis 650.000 junge Erwerbslose auf einen Berufsweg geführt werden.

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