Geschenktipps von der KI

ChatGPT verspricht Erleichterungen, hat aber Tücken

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Von Björn Hartmann

21. Jan. 2023 –

Revolution oder Spielerei? Ein Programm mit dem sperrigen Namen ChatGPT elektrisiert seit Wochen technikbegeisterte Menschen. Es nutzt künstliche Intelligenz, die Arbeitswelt grundlegend verändern soll. Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

Was ist ChatGPT?

ChatGPT ist ein Programm, mit dem sich über das Internet Fragen beantworten und Aufgaben lösen lassen. Es stützt sich auf eine Technologie, die künstliche Intelligenz (KI) verwendet, um zu lernen. Experten schätzen, dass derartige Programme die Arbeitswelt umkrempeln werden, wahrscheinlich noch mehr als das iPhone, das erste Smartphone von Apple. Das Programm stammt vom US-Unternehmen OpenAI (OffeneKI) aus Kalifornien und ist seit Dezember 2022 verfügbar.

Was kann das Programm?

Das Programm liefert ausführliche Antworten auf Fragen, kann Pro und Contra-Argumente liefern, kleine Software-Programme schreiben, Essays, Reden. Es bietet auf Anfrage Werbesprüche und Urlaubsvorschläge. Eine Ode an die Tageszeitung ist möglich, ein Lied im Stil der Beatles, auch ein Liebesbrief. ChatGPT beherrscht verschiedene Sprachen, kann Texte übersetzen und Stile nachahmen – etwa ein täuschend echtes Beatles Lied schreiben oder eine vorgebliche Rede Barack Obamas. Und auch Tipps für ein Geburtstagsgeschenk liefert das Programm binnen Sekunden. Wer es nutzt neigt schnell dazu, es als Person, als „er“ oder „sie“ zu sehen.

Was kann es nicht?

Das Programm ist nicht kreativ, auch wenn es manchmal so wirkt. So ist es sehr schwer, ChatGPT dazu zu bewegen, etwa ein Gedicht im Stil des Dada zu schreiben. Auch für einen, etwas absurden, Dialog zwischen zwei muhenden Kühen und einem Hund, der sie nicht versteht, muss man exakt das als Auftrag eingeben. Und wer sich einen 300-Wort-Text zu einem Thema schreiben lässt, muss genau überprüfen, was das Programm ausspuckt. Die erzeugten Texte können aussehen, als sei alles richtig, tatsächlich aber voller inhaltlicher Fehler sein. Das gilt auch für kleine Softwareprogramme. Die Technologie lernt immer noch.

Wie gefährlich ist ChatGPT?

Das kommt auf den Betrachter an. Wie alles, lässt sich auch ChatGPT böswillig nutzen – obwohl das Programm in den vergangenen Wochen mit Hilfe der Nutzer, die beleidigenden, aggressiven oder unangemessenen Inhalt meldeten, besser wurde. Mit der richtigen Fragestellung lassen sich Verschwörungstheorien, Propaganda und falsche Informationen erzeugen, die aussehen, als seien sie echt. Im Dezember, als ChatGPT für die Öffentlichkeit freigeschaltet wurde, gab das Programm auf Nachfrage noch Tipps zum Bombenbau oder schrieb auf Wunsch eine aggressive Rede des US-Präsidenten, in der er erklärte, warum sein Land an der Seite Russlands gegen die Ukraine kämpfen werde. Inzwischen haben die vielen hunderttausend Nutzer mit ihren Rückmeldungen geholfen, dass Derartiges nicht mehr einfach möglich ist. Selbst einen „aggressiven Rap über die Tageszeitung“ verweigert das Programm mit dem Hinweis darauf, dass es gegen seine Programmierung verstößt.

Wer nutzt es bereits?

Bereits kurz nach Veröffentlichung begannen Informatiker, ChatGPT kleine Programme schreiben zu lassen. Schüler und Studenten weltweit nutzen die Möglichkeiten bereits, um Hausarbeiten zu verbessern. Und manche Rede dürfte von ChatGPT inspiriert worden sein.

Was bedeutet das Programm für die Arbeit der Zukunft?

Das genaue Ausmaß ist noch unklar. Vor allem in der Bildung dürfte sich mit der Technologie einiges ändern. Auch bei Anwälten, im Gesundheitswesen, in der Verwaltung wird vieles anders. Nicht umsonst arbeitet die EU an einer Art KI-Regulierung. Zunächst einmal werden Programme wie ChatGPT die Arbeit erleichtern: Wenn eine Präsentation erstellt, etwas knackig zusammengefasst, ein Text übersetzt werden soll, ist die Software schnell und präzise. Aber wie bei allen großen Innovationen erschließen sich die Möglichkeiten erst mit der Zeit.

Wie sieht ChatGPT aus und wie funktioniert es?

ChatGPT ähnelt einer Google-Suchmaske, der Hintergrund ist dunkelgrau. Die Eingabeleiste steht unten auf der Seite. Dort wird eine Frage eingegeben, dann liefert das Programm zügig eine Antwort. Es lassen sich auch Längen vorgeben. Werbung wird nicht gezeigt. ChatGPT ist nur die Benutzeroberfläche. Das Programm greift auf ein KI-Modell namens GPT zurück, das Text erzeugen und vervollständigen kann. GPT steht für Generative Pretrained Transformer, eine spezielle Art maschinellen Lernens. Es verwendet 175 Milliarden Parameter, um Sätze zu bilden. Das bisher beste Modell dieser Art griff auf zehn Milliarden zu. Das Modell wurde mit dem Wissen des Internets bis 2021 trainiert. Öffentlich genutzt werden kann Version 3. Version 4 existiert bereits.

Wo kann ich ChatGPT ausprobieren?

Das Programm ist derzeit für alle frei verfügbar. es läuft auf mobilen Geräten genauso wie auf klassischen PC. Eine Anmeldung unter https://chat.openai.com/auth/login mit E-Mail-Adresse und Passwort ist nötig. Weil das Programm derzeit sehr gefragt ist, kann es zeitweise nicht erreichbar sein. Es informiert darüber zum Beispiel mit einem Gedicht oder dem Text einer Fernsehwerbung.

Wer steht hinter OpenAI?

Sam Altman hat das Unternehmen 2015 mit anderen gegründet. Der 37-jährige Amerikaner glaubt, dass KI der Menschheit künftig viele Arbeiten abnimmt, dass dadurch die Preise sinken und der Wohlstand steigen wird. Investoren sind unter anderem der Tesla-Chef Elon Musk und der Tech-Investor Peter Thiel. Seit 2019 investiert Microsoft Milliarden. Der Software-Konzern will OpenAI-Produkte in seine Cloud-Dienste einbauen. OpenAI wurde zuletzt mit 29 Milliarden Dollar (rund 27 Milliarden Euro) bewertet, das kostet der deutsche Energiekonzern RWE gerade an der Börse.

Gibt es Konkurrenz und wie groß ist der Markt?

Auch andere Konzerne arbeiten an KI-Modellen wie GPT. Der US Suchmaschinenriese Google hat Lamda entwickelt. Als es vorgestellt wurde, wirkte es noch menschlicher als ChatGPT. Bisher ist Google aber sehr zurückhaltend. Ein Grund könnte sein, dass das Unternehmen nicht weiß, wie sich mit dem Programm Geld verdienen lässt. Europa spielt auf diesem Gebiet kaum eine Rolle. Der Markt für KI-Anwendungen ist riesig. Experten schätzen ihn allein für 2024 auf mehr als 554 Milliarden Dollar.

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