Tücken des Online-Banking

Fehlende Digitalkompetenz bremst bei Finanzgeschäften

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Von Björn Hartmann

07. Jun. 2023 –

 

Wer mit Computern nur schlecht zurechtkommt und auch das Internet für sehr unübersichtlich hält, hat in Deutschland nur schlechten Zugang zu Finanzangeboten. Eine Studie für die Schufa zeigt, dass geringe digitale Kompetenz die Menschen ausgrenzt. Dass es vor allem ältere Menschen trifft, ist allerdings falsch. Gerade sie haben besonders guten Zugang zu Krediten und Anlageprodukten, verstehen Bankschreiben und sehen wenig Probleme beim Bezahlen.

In den vergangenen Jahren verlagern sich Bankgeschäfte zunehmend ins digitale. Konten laufen über das Internet, Sparpläne lassen sich über das Smartphone verwalten, Bücher, Kleidung, Lebensmittel online kaufen. Alles zum Wohl der Verbraucher. Es soll schneller, bequemer, günstiger gehen. Offenbar haben aber viele Menschen Schwierigkeiten in dieser neuen Finanzwelt – eben jene, die sich selbst nur geringe oder sehr geringe Digitalkompetenz zugestehen. Und auch Jüngere tun sich schwer, wie die Schufa-Studie zeigt.

Die Wiesbadener Auskunftei wollte grundsätzlich wissen, wie gut die Bundesbürger am Finanzwesen teilnehmen können. Kommen sie gut an Geld? Ist Online-Banking zuverlässig? Wie zufrieden sind sie mit Geldanlagen? Es ist die erste große repräsentative Untersuchung dieser Art aus Sicht der Verbraucher. Der daraus berechnete Finanzen-Inklusions-Index (Fix) liegt bei 66,9 von höchstens 100. Knapp im oberen Mittelfeld, wie Robert Grimm, Direktor des Instituts für Politik und Sozialforschung (Ipsos), sagt. Das Institut hat die Studie erstellt. und den Index berechnet. „Das gibt ein recht positives Bild der Inklusion bei Finanzen“, sagt er, sieht aber einiges, was sich verbessern lässt. Grundsätzlich gilt: Je höher der Wert, desto höher die Teilhabe.

Insgesamt hat Ipsos 64 Einzelaspekte untersucht, die in den Index einflossen – sortiert nach vier Gruppen: subjektive Nutzungszufriedenheit, Finanzkompetenz, Vertrauen und Barrierefreiheit. Besondere Fragen zur Schufa selbst gab es nicht. Die Ergebnisse sind repräsentativ. Grundsätzlich zeigt sich: Das Vertrauen ist hoch (72,5), die Finanzkompetenz, die sich die Befragten zubilligen, auch (67,7), bei der Nutzungszufriedenheit (63,8) und der Barrierefreiheit (62,1) sind die Werte deutlich schwächer.

Die Forscher haben den Index auch nach Altersklassen untersucht. Überraschend: Die Ältesten (65 bis 74 Jahre alt) haben mit 76,2 den höchsten Wert, die 16- bis 24-Jährigen liegen gerade bei 51,5. Vor allem das geringe Vertrauen ins Finanzsystem und die Banken hält Grimm für problematisch. „Da besteht echter Handlungsbedarf.“ Konkrete Vorschläge hat er nicht, dazu müssten die Daten tiefer ausgewertet werden.

Ein weiteres für die Forscher überraschendes Ergebnis: Wer sich selbst geringe digitale Kompetenz bescheinigt, hat in Deutschland im Vergleich zu anderen eher schlechten Zugang zu Finanzdienstleistungen. Der Wert beträgt 41,3, bei denen, die sich hohe digitale Fähigkeiten zugestehen, liegt er zwischen 78,3.

t, dazu müssten die Daten tiefer ausgewertet werden.

Ein weiteres für die Forscher überraschendes Ergebnis: Wer sich selbst geringe digitale Kompetenz bescheinigt, hat in Deutschland im Vergleich zu anderen eher schlechten Zugang zu Finanzdienstleistungen. Die Werte schwanken um die 40, bei denen, die sich hohe digitale Fähigkeiten zugestehen, liegen sie zwischen 70 und 86.

Große Unterschiede gibt es auch nach Haushaltsnettoeinkommen. Die Befragten mussten nicht konkret angeben, über wie viel Geld sie tatsächlich verfügen können, schließlich kann man auch mit 6000 Euro im Monat Schwierigkeiten haben oder mit 1500 Euro zufrieden sein. Sie sollten stattdessen angeben, ob sie sorgenfrei leben oder nur sehr schwer zurechtkommen. Je weniger Sorgen, desto besser ist der Zugang zum Finanzgeschehen. Wer finanziell zu kämpfen hat, hat es auch besonders schwer.

Auch bei den Einzelpunkten gibt es Überraschungen. So haben Banken und Sparkassen in Deutschland seit 2016 rund 8500 Geldautomaten abgebaut und nicht ersetzt. Ein großer Teil der Menschen ist aber dennoch recht zufrieden mit der Zahl der Geldautomaten in ihrer Nähe, wie die Schufa-Studie ergibt. Auf einer Skala von 0 (trifft nicht zu) bis 5 (trifft überhaupt nicht voll und ganz zu) gab es eine 3,6. Gefragt haben die Forscher auch danach, ob die Banken mit ihren Kunden in verständlicher Sprache kommunizieren. Das Ergebnis: eine 4,0.

Wesentlich weniger zufrieden sind Deutschen mit Finanz- und Vermögensberatung (2,3), mit ihren Geldanlagen (2,8) und mit Krediten (2,8). Unklar ist, warum. Die Werte für Bankkonten (3,9) und Online-Banking (4,3) liegen deutlich höher. Die Studie beschreibt den aktuellen Zustand. So sei nicht untersucht worden, warum etwa die Werte bei Altersvorsorgeprodukten nicht so gut abgeschnitten hätten, sagte Ipsos-Direktor Grimm.

„Wir stehen erst am Anfang mit unserem Wissen“, sagte Schufa-Chefin Tanja Birkholz. Der Index soll künftig jährlich erhoben werden. Die Auskunftei ist Partnerin der Special Olympics Mitte Juni in Berlin. Bei Gesprächen mit beeinträchtigten Menschen, die die über Hürden berichteten, etwa weil sie keine Bezahlkarten bekommen, entstand die Idee zum Index.

Die Schufa ist eine von mehreren Auskunfteien in Deutschland, die Daten zur Bonität sammeln. Sie ist die größte und für Konsumenten mit Abstand wichtigste, hat sie doch sensible Daten über gut 68 Millionen Bundesbürger gesammelt. Aus den Daten erstellt sie auf Anfrage, etwa einer Bank oder Sparkasse, einen Wert, der die Kreditwürdigkeit einer Person wiedergeben soll.

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