Als drittgrößte Wirtschaft der Welt ist Deutschland auf sehr viel Energie angewiesen. Vor allem Öl und Gas muss die Bundesrepublik einführen. Beides kommt vor allem über Schiffe und Pipelines nach Deutschland. Wie anfällig ist das System?
Wozu brauchen wir Öl und Gas?
Ohne Öl stünde der Verkehr in Deutschland still. Es ist der Grundstoff für Kerosin, Benzin und Diesel. Viele Menschen heizen auch noch mit Öl. Erdgas ist nicht nur Brennstoff für viele Heizungen, sondern auch für viele Kraftwerke. In chemischen und Industrie sind Gas wie Öl unerlässlich.
Wie kommen Öl und Gas nach Deutschland?
Öl und Gas kommen meist per Pipeline nach Deutschland. Die Röhren sind im Vergleich zu anderen Transportformen für große Mengen günstig. Für Öl sind Schiffe wichtig, für Gas inzwischen auch, denn seit 2022 hat Deutschland eigene Terminals für Flüssiggas (LNG).
Woher kommt das Öl für Deutschland?
Mit 16,6 Prozent der Gesamtmenge lieferte Norwegen 2025 das meiste Rohöl nach Deutschland. Die USA kamen mit 16,4 Prozent auf Rang 2. Libyen steuerte 13,8 Prozent bei, Kasachstan 13,7 Prozent. Insgesamt führte Deutschland dem Statistischen Bundesamt zufolge 75,7 Millionen Tonnen ein. Die Menge sinkt seit Jahren. Dazu kamen rund 1,6 Millionen Tonnen eigene Förderung, vor allem in Niedersachsen. Aus Russland, lange großer Lieferant, bezieht Deutschland wegen des Angriffs der Russen auf die Ukraine nichts mehr.
Wie kommt das Öl nach Deutschland?
Zu etwa zwei Dritteln fließt Öl über Pipelines. Die wichtigsten: Die Transalpine Ölleitung TAL verbindet Triest mit Karlsruhe, die RRP Rotterdam mit Wesseling bei Köln. In Rotterdam und Triest gibt es große Ölhäfen. Direkt von den Ölfeldern lieferte Russland über die Pipeline Druschba (Freundschaft) nach Deutschland. Ein Arm führt über die Ukraine und Tschechien, ein anderer über Belarus und Polen. Durch die Pipeline fließt derzeit Öl aus Kasachstan. Zusätzlich gibt es noch eine Pipeline für Ölprodukte von Rotterdam nach Ludwigshafen. Ein Drittel des Öls für Deutschland landet per Schiff in Brunsbüttel, Rostock und Wilhelmshaven an.
Woher kommt das Gas für Deutschland?
Wichtigster Lieferant ist Norwegen. Rund 44 Prozent des in Deutschland verbrauchten Erdgases stammten 2025 nach Zahlen der Bundesnetzagentur aus den Feldern in der Nordsee. 24 Prozent lieferten die Niederlande, 21 Prozent Belgien, eingerechnet ist dort angelandetes Flüssiggas. 10,3 Prozent bezog Deutschland direkt vor allem aus den USA und Kanada. Insgesamt importierte Deutschland nach Zahlen der Bundesnetzagentur 1031 Terawattstunden Gas. Deutschland selbst förderte 34 Terawattstunden. Aus Russland, lange Hauptlieferant, kommt seit dem Beginn des Ukraine-Kriegs nichts mehr.
Wie kommt das Gas nach Deutschland?
Auch beim Gas sind Pipelines am wichtigsten, vor allem die Rohre der Europipe. Europipe 1 verbindet die zentrale Draupner-Plattform in der Nordsee vor Norwegen mit Dornum in Ostfriesland. Europipe 2 liefert Gas vom norwegischen Festland nördlich von Stavanger ebenfalls nach Dornum. Vom Ekofisk-Feld in der Nordsee fließt Gas über Norpipe nach Emden. Pipelines verbinden auch Aachen mit dem belgischen Hafen Zeebrügge, wo sehr viel Flüssiggas anlandet. Nordstream 1, die Russland durch die Ostsee direkt mit Lubmin an der Ostsee verband, ist nach einem Anschlag 2022 zerstört. Durch die Pipelines Jamal und Transgas, die Sibirien über Belarus und Polen sowie Ukraine und Tschechien mit Deutschland verbinden, fließt praktisch nichts mehr. Rund ein Zehntel des deutschen Bedarfs kommt per Schiff nach Brunsbüttel, Mukran auf Rügen, Stade und Wilhelmshaven – Tendenz steigend.
Wie sicher ist die Versorgung?
Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) sieht bisher – abgesehen von steigenden Preisen – wenig Probleme. Auch die Gas- und Ölwirtschaft hält die Versorgungslage für sicher. Sie ist auf jeden Fall anders als noch 2022, vor allem beim Gas. Bis dahin kam rund ein Drittel aus Russland. Plötzlich fehlte es, Deutschland stürzte in eine Krise. Seither hat Deutschland Flüssiggasterminals gebaut und die Zahl der Lieferländer erhöht. Ohne Norwegen geht allerdings nichts. Unklar ist, wie zum Beispiel die US-Regierung die LNG-Lieferungen nach Europa bewertet. Der amtierende Präsident setzt Wirtschaft gern als Drohmittel ein. Öl kommt aus vielen verschiedenen Ländern, keines ragt heraus. Aber nicht überall ist die Lage sicher. Libyen etwa hat zwei verfeindete Regierungen, im Hintergrund kontrolliert Milizenführer Chalil Haftar Förderung und Vertrieb, der schon älter als 80 Jahre ist. Um unabhängiger zu werden, könnte Deutschland versuchen, weniger Öl und Gas zu verbrauchen. Die aktuelle Bundesregierung zementiert die Abhängigkeit derzeit aber.
Und die Sicherheit der Anlagen?
Pipelines liegen in der Regel in der Erde oder im Meer. Wie die Sabotage der Nordstream-Pipeline zeigt, sind aber selbst in 80 Metern Tiefe auf dem Meeresgrund verlegte Leitungen angreifbar. Das gilt auch für Hafenanlagen und die Transportschiffe selbst.
Könnte sich die Bundesrepublik selbst versorgen?
Die Ölreserven betrugen Anfang 2025 nach Zahlen der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe gut 22,2 Millionen Tonnen. Selbst wenn alles davon förderbar wäre, reichte es nur für ein Vierteljahr. Beim Erdgas sieht es ähnlich aus. Die Reserven werden mit rund 34,7 Milliarden Kubikmeter angegeben, etwa 268 Terawattstunden.