Seit dem Angriff auf den Iran Ende Februar steigen die Spritpreise an deutschen Tankstellen. Im angrenzenden Ausland ist es teilweise billiger. Antworten auf die wichtigsten Fragen zu Ölpreis, Steuern und Tanktourismus.
Woher bezieht Deutschland Rohöl, den Grundstoff für Benzin und Diesel?
Im vergangenen Jahr führte Deutschland rund 75,7 Millionen Tonnen. 16,6 Prozent lieferte Norwegen, 16,4 Prozent kamen aus den USA. Libyen steuerte 13,8 Prozent bei, Kasachstan 13,7 Prozent. Auch aus Großbritannien kam viel Öl nach Deutschland. Größter Ölpartner im Nahen Osten war der Irak mit 4,2 Prozent.
Warum trifft der Iran-Krieg Deutschland, wenn wir kaum Öl aus dem Nahen Osten beziehen?
Für Rohöl gelten Weltmarktpreise. Sie steigen, weil der Iran versucht, die Straße von Hormus zu blockieren. Diese Meerenge müssen alle Tanker passieren, die Öl aus dem Irak und anderen ölreichen Ländern in Nahost transportieren. Das Angebot sinkt, während die Nachfrage steigt, weil viele Länder versuchen, Lieferausfälle auszugleichen und eventuell auf Vorrat zu kaufen. Und auch Benzin und Diesel werden auf dem Weltmarkt gehandelt. Steigen die Preise dort, trifft das Deutschland. Zum einen kann es für eine Raffinerie attraktiver sein, Benzin und Diesel ins Ausland zu verkaufen, als es im Inland abzusetzen – es sei denn, die Preise im Inland sind ähnlich hoch. Zum anderen importiert Deutschland gut zehn Prozent des hier verkauften Benzins und 30 Prozent des Diesels.
Wie setzt sich der Spritpreis in Deutschland zusammen?
Den Endpreis bestimmen vor allem Steuern und Abgaben. Der Wirtschaftsverband Fuels und Energie, der die Mineralölwirtschaft vertritt, gibt an, dass bei einem Endpreis von 193,7 Cent für einen Liter Super E10 nur 56,72 Cent für den Sprit sind. 93,05 Cent machen Energiesteuer, Treibhausgasminderungsquote und CO2-Preis aus. Transport, Lagerung und Gewinn von Tankstellen und Mineralölfirmen belaufen sich auf 12,7 Cent. Auf alles wird die Mehrwertsteuer von 19 Prozent fällig.
Warum sind die Spritpreise in anderen EU-Ländern zum Teil niedriger als in Deutschland?
Steuern und Abgaben sind in Deutschland höher als in vielen anderen Ländern der EU. Günstiger war Benzin und Diesel deshalb in den vergangenen Jahren bei den Nachbarn in Frankreich, Österreich, Polen und Tschechien. Deutlich teurer als in der Bundesrepublik ist der Sprit in den Niederlanden. Ein Sonderfall ist die Schweiz. Kurzfristig war der Sprit plötzlich billiger als in Deutschland und lud zu Tanktourismus. Inzwischen steigen die Preise. Der Importverband Avenergy Suisse erwartet ein weiter kräftiges Plus.
Warum sind die Spritpreise in Deutschland so schnell gestiegen?
Die Mineralölkonzerne kalkulieren mit Wiederbeschaffungspreisen, wie es beim Wirtschaftsverband Fuels und Energie heißt. Und weil die Weltmarktpreise sowohl für Rohöl als auch für Benzin und Diesel stiegen, stiegen auch die Preise an der Zapfsäule – unabhängig davon, für wie viel Geld der Sprit eingekauft wurde. Ob der ein oder andere Konzern auf Kosten der Autofahrer verdienen will? Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) spricht von Preistreiberei und, „dass die aktuelle geopolitische Situation ausgenutzt wird, um die eigenen Gewinne nach oben zu schrauben.“ Belege hat er nicht. Das Bundeskartellamt beobachtet die Unternehmen, konnte aber schon in der Vergangenheit kein widriges Verhalten feststellen. Aber: Tendenziell steigen die Preise schneller, als sie sinken.
Warum steigen die Preise in Deutschland schneller als in anderen Ländern?
Ein Sprecher des Wirtschaftsverbands Fuels und Energie nennt mehrere Gründe. „So haben wir vergleichsweise hohe Steuern auf Diesel und Benzin, und zusammen mit der Mehrwertsteuer führt das zu stärkeren Preisanstiegen selbst dann, wenn die Einkaufspreise für Benzin und Diesel überall gleich gestiegen sind.“ Dann würden zwei Raffinerien in Deutschland gerade gewartet, was das Angebot drücke. „Schließlich unterliegen die meisten Nachbarländer Preiskontrollen oder Preisbremsen, darunter Frankreich, Belgien, Luxemburg, Österreich und Polen.“ Das verhindert, dass die Preise drastisch steigen, aber wohl nur begrenzte Zeit. Dauerhafte Verluste werden die Mineralölunternehmen nicht hinnehmen, schließlich müssen auch Polen und Franzosen am Weltmarkt kaufen. Und ob der Staat den Sprit lange subventionieren kann und will, ist unklar.
Lohnt es sich, zum Tanken ins Nachbarland zu fahren?
Das kommt darauf an, wie nah die Grenze ist. Der ADAC rät davon ab, längere Strecken zu fahren, um günstig vollzutanken. Der Spritverbrauch für An- und Abfahrt kann höher sein als die Ersparnis durch niedrigere Preise. Ganz abgesehen von der Zeit, die für die Tanktour verloren geht. Zudem kontrolliert gerade der Zoll verstärkt an den Grenzen, damit niemand im großen Umfang Benzin oder Diesel einführt. Erlaubt sind eine Tankfüllung und ein 20-Liter-Reservekanister.