Warum kostet ein Kilo Bananen aus Kolumbien im Supermarkt mehr als ein Kilo Äpfel aus Deutschland? Die krummen Früchte aus Lateinamerika sind je nach Region und Supermarktkette schon für unter einem Euro zu haben, für das heimische Obst wird oft das Doppelte oder mehr verlangt. Doch die Transportkosten bestimmen nur einen Teil des Preises, anderes schlägt stärker durch, vor allem bei der Banane.
Sie ist das beliebteste Obst der Deutschen. Im Schnitt aß jede und jeder 2025 nach Zahlen des Fruchthandelsverbands 9,5 Kilogramm Bananen und 8,3 Kilogramm Äpfel. Nicht eingerechnet sind die Obstmengen, die in Deutschlands Kantinen, Restaurants und Imbissbuden verzehrt wurden.
Der Preis der Banane hat zunächst einmal mit dem Obst an sich zu tun. „Weltweit gibt es über 400 Bananensorten, von denen nur wenige essbar sind. Die bei uns gehandelte große Obstbanane ist praktisch immer von der Sorte Cavendish“, sagt Andreas Brügger, Geschäftsführer des Deutschen Fruchthandelsverbands. „Weil alle das gleiche Produkt verkaufen, ist die Konkurrenz sehr groß.“ Und wo viele um die Gunst der Käufer wetteifern, sind die Preise niedriger.
Auch der Anbau der Bananen wirkt sich auf den Preis aus. „Bananen wachsen vor allem in feuchtwarmen tropischen Gebieten. Sie lassen sich das ganze Jahr über ernten“, sagt Brügger. Das Obst wächst in großen Plantagen und ist in der Regel auf Ertrag und einfaches Ernten ausgerichtet. Hinzu kommt: „Die Arbeits- und Logistikkosten in den Anbaugebieten sind im Vergleich zu Deutschland niedrig.“
Dann hat der Preis mit der Menge zu tun. Bananen werden international auf deutlich größeren Flächen angebaut als heimisches Kernobst, heißt es beim Discounter Lidl, das ermögliche entsprechende Skaleneffekte in der Logistik. Sehr vereinfacht: Wer sich spezialisiert, spart Geld. Und wer viel Frachtplatz bucht, erhält hohe Rabatte.
Dazu kommt: „Deutschland ist nach den USA der zweitgrößte Importmarkt und deswegen sehr interessant“, sagt Brügger. Entsprechend hoch sei der Wettbewerb. Im vergangenen Jahr importierte Deutschland nach Zahlen des Statistischen Bundesamtes 1,43 Millionen Tonnen des Obstes, gut sechs Prozent mehr als ein Jahr zuvor.
Die meisten Bananen in Deutschlands Supermärkten kommen aus Kolumbien und Ecuador. Beide Länder zusammen lieferten im vergangenen Jahr etwas mehr als zwei Drittel aller Bananen, die hierzulande verkauft wurden, wie das Statistische Bundesamt ermittelte. Auf Platz 3 folgt Costa Rica mit rund zwölf Prozent. „Sie werden unreif und grün bei möglichst konstanter Temperatur von 13,5 Grad nach Europa geschifft“, erklärt der Fruchtverbandschef. Die Temperatur ist wichtig, sonst reifen die Bananen zu früh.
Die Container mit Bananen landen in Hamburg und Bremerhaven sowie Rotterdam in den Niederlanden und Antwerpen in Belgien an. In Deutschland reifen sie dann in besonderen Hallen, die über das Land verteilt sind, unter kontrollierter Temperatur und Luftfeuchtigkeit, bevor sie in die Supermarktregale kommen.
Standardisierter Anbau, große Mengen, viel Wettbewerb erklärt günstige Bananenpreise, aber nicht unbedingt, warum sie niedriger als die für Äpfel sind, die in Deutschland wachsen. Für Brügger vom Fruchthandelsverband ist klar: „Äpfel haben einen Standortvorteil, sie müssen nicht weit transportiert werden.“ Aber: „In der Produktion entstehen hohe Arbeits- und Maschinenkosten, die teurer sind als zum Beispiel in Lateinamerika, wo Bananen wachsen.“ Vor allem die Handarbeit in der Apfelplantage kostet. Und das Obst kann nur einmal im Jahr geerntet werden.
Damit es Äpfel vom Bodensee, aus Sachsen oder dem Alten Land auch in Monaten gibt, in denen Obst hierzulande nicht wächst, müssen sie aufbewahrt werden. Da ist von Vorteil, dass sie nicht allzu empfindlich sind. „Äpfel lassen sich anders als Bananen sehr gut lagern“, sagt Brügger. „Allerdings benötigt die Kühllagerung unter kontrollierter Atmosphäre ganzjährig viel Energie und stellt somit eine hohe Kostenposition dar.“ So ersetzt etwa Stickstoff den Sauerstoff, damit das Obst nicht fault.
Und dann sind da noch die Händler. Denn Bananen sind für viele Supermärkte ein Ankerprodukt und damit ähnlich wichtig wie Butter oder Kaffee. Verbraucher, so die Theorie, bewerten anhand der Preise solcher Ankerprodukte, wie teuer ein Supermarkt ist. Und wechseln womöglich zur Konkurrenz. Entsprechend kann es sein, dass Händler an Bananen nichts verdient, nur um sie möglichst günstig anzubieten.
Wegen des harten Wettbewerbs halten sich die Supermarktketten auch mit Informationen bedeckt. Aldi-Süd zum Beispiel, das einen eigenen Importeur besitzt, äußert sich grundsätzlich nicht dazu, wie die Preise gestaltet werden. Bei Lidl ist es ebenso. Die Konkurrenz könnte Schlüsse ziehen und einen Vorteil gewinnen. Andere Konzerne wie Edeka schweigen sich aus.
Gerade die hohen Lohn- und Energiekosten verteuern die Äpfel also im Vergleich zu Bananen, die auch hohem Wettbewerb unterliegen und industriell angebaut werden. Die Transportkosten fallen nicht so sehr ins Gewicht. Dennoch sind Äpfel und Bananen in den vergangenen Jahren teurer geworden, wie das Statistische Bundesamt errechnet hat. Äpfel kosten jetzt rund 17 Prozent mehr als 2020, Bananen 20 Prozent.