Drastischer Abstieg Russlands

Von Russland ist wenig übriggeblieben in der deutschen Außenhandelsbilanz. 2025 fiel der einst wichtigste Energielieferant der Bundesrepublik von Rang 45 auf Rang 48, einen Platz hinter Litauen. Vor allem die Sanktionen der EU ließen das Geschäft weiter schrumpfen. Ganz von der Liste wird Russland, das vor vier Jahren die Ukraine angriff und damit Krieg nach Zentraleuropa zurückbrachte, nicht verschwinden. „Der Handel wird nie Null sein“, sagt Catharina Claas-Mühlhäuser, Vorsitzende des Ost-Ausschusses der deutschen Wirtschaft – selbst mit dem Sudan oder Pitcairn im Pazifik. Die Ukraine wird als Partner der Deutschen hingegen immer wichtiger.

Im vergangenen Jahr betrug der Wert der Waren, die Deutschland nach Russland verkaufte und von dort bezog, 8,15 Milliarden Euro, 13,3 Prozent weniger als 2024. Litauen kam auf 8,75 Milliarden Euro, plus 7,2 Prozent. Zu Hochzeiten der deutsch-russischen Beziehungen 2012 waren es insgesamt rund 81 Milliarden Euro. Ein großer Posten war Energie: Öl und Gas, zwei der wichtigsten Exportprodukte Russlands, die auch den Krieg finanzieren. Seit 2022 bezieht Deutschland kein Pipeline-Gas mehr, seit 2024 kein Pipeline-Öl.

Noch immer werden die zahlreichen Sanktionen der EU gegen Russland umgangen, etwa über Staaten in Zentralasien. Die Zahl der Fälle sei nicht groß, sagt Andreas Metz, Leiter Public Affairs beim Ost-Ausschuss. Auch um Kasachstan, das zuletzt immer genannt wurde, ist es offenbar ruhiger geworden. Bundesregierung und EU verhandelten regelmäßig mit Staaten Zentralasiens. „Wer mehr mit uns handeln will, muss sich auch an die Sanktionen halten“, sagt Metz. Das setze sich durch. Es sei aber schwer, ganz zu verhindern, dass Sanktionen umgangen würden.

Ausgenommen sind unter anderem pharmazeutische und chemische Produkte sowie Landwirtschaft. Russland ist neben der Ukraine einer der größten Getreidelieferanten der Welt. Noch immer sind deutsche Firmen in Russland tätig auch der Landmaschinenbauer Claas, an dem Claas-Mühlhäuser beteiligt ist. Welche Chancen Russland nach dem Ende des Ukraine-Krieges bieten könnte? „Es sei viel zu früh , überhaupt darüber nachzudenken, was möglich sei, sagt die Vorsitzende des Ost-Ausschusses. Sie sehe da zurzeit keine Ansatzpunkte.

Wesentlich besser läuft der deutsche Handel mit der Ukraine (Rang 39), dessen Wert im vergangenen Jahr um 4,9 Prozent auf 12,4 Milliarden Euro zulegte, deutlich stärker als der gesamte Außenhandel, der 2,4 Prozent im Plus war. Vor allem der Wert der Ausfuhren stieg. In den Zahlen sind auch Waffen enthalten, die aber nicht gesondert ausgewiesen werden. Deutsche Unternehmen sehen in dem Land große Chancen. 43 Prozent der bereits in Osteuropa tätigen Firmen wollen in der Ukraine investieren, wie eine Umfrage der Beratungsfirma KPMG im Auftrag des Ost-Ausschusses ergab. 2025 waren es 35 Prozent. Nur Polen erreicht mit 56 (45) Prozent einen höheren Wert.

Claas-Mühlhäuser fordert, der Ukraine neben Moldau und den Staaten des Westbalkans einen schnellen Beitritt zur EU zu gewähren. „Es muss nicht immer gleich die volle Mitgliedschaft sein“, sagt sie. Sie vermisst den politischen Willen in Brüssel und auch im ein oder anderen Beitrittsland. Größte Hindernisse sind Bürokratie und Korruption. Zuletzt war ein größerer Fall im direkten Umfeld von Ukraines Staatschef Wolodimir Selenski bekannt geworden.

Im Vergleich zu den ganz großen Handelspartnern ist das Geschäft mit der Ukraine noch ausbaufähig. Wichtigster Außenhandelspartner Deutschlands war 2025 China mit 251,8 Milliarden Euro vor den USA mit 240,5 Milliarden Euro und den Niederlanden mit 209,1 Milliarden Euro. Polen steht mit 180,4 Milliarden Euro auf Rang 5.

Der Ost-Ausschuss der deutschen Wirtschaft fördert seit 1952 den Handel mit Mittel-, Ost- und Südosteuropa sowie Zentralasien. Getragen wird er von Industrieverband BDI, Arbeitgeberverband BDA, Bankenverband, DIHK und Zentralverband des deutschen Handwerks. Er hat 350 Mitgliedsunternehmen.