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  • Windkraft kennt keine Flaute

    Zahl der Windräder in Deutschland auf neuem Rekordhoch

    Windenergie ist weltweit weiter auf dem Vormarsch. Mit den im vergangenen Jahr installierten Turbinen wurde ein neues Rekordhoch erzielt. In Deutschland wurden fast 1.000 Anlagen mit einer Leistung von gut 1.900 Megawatt neu errichtet. Das entspricht etwa der Leistung zweier Kernkraftwerke. Insgesamt drehen sich nun über 21.000 Windräder mit einer Leistung von fast 26.000 Megawatt, vor allem in den Küstenländern, im Osten und in Nordrhein-Westfalen.

    „Wir haben endlich auch den Einstieg in die Offshore-Technologie geschafft“, sagte der Präsident des Bundesverbands Windenergie (BWE), Hermann Albers, bei der Vorstellung der Jahresbilanz. Seit November liefern zwölf in der Nordsee vor der Insel Borkum installierte Windräder Strom auf das Festland. Das ist allerdings erst ein bescheidender Anfang. Allein Deutschland will 40 Windfarmen vor den beiden Landesküsten zulassen. Die anderen Nordseeanrainer planen ebenfalls teils gigantische Meereskraftwerke. Die Stromproduktion durch Windräder im Binnenland wird laut Albers aber auch künftig mit einem Anteil von über 80 Prozent wichtiger bleiben.

    Deutsche Firmen sind weltweit immer noch mit an der Spitze bei der Produktion von Windlagen. Rund 35 Milliarden Euro Umsatz werden global erzielt. Acht Milliarden davon erwirtschaften deutsche Unternehmen, die inzwischen mit steigender Tendenz rund 100.000 Arbeitsplätze stellen. Gemessen an der heimischen Kapazität liegt Deutschland hinter China und den UA auf dem dritten Rang. In China wurden 2009 fünf bis sechsmal so viele Windräder installiert wie hierzulande, in Amerika danke der großzügigen Konjunkturprogramme fast genauso viele.

    Das Wachstum wird auch im laufenden Jahr anhalten. Albers rechnet bei der neu installierten Leistung mit einem Plus von 15 Prozent auf 2.300 Megawatt. Allerdings mahnt der Verband baldige politische Entscheidungen über ein Energiekonzept an. Die Kernkraft sei als Brückentechnologie überflüssig, versichert der Verbands-Chef. Die Branche pocht zudem auf eine Modernisierung und den Ausbau des Stromnetzes.

  • Die Grundlage der nächsten Krise

    Beim diesjährigen Weltwirtschaftsforum in Davos fragt die globale Unternehmens- und Politikelite, ob sich schon wieder eine neue Blase an den Finanzmärkten bildet, und was dagegen zu tun ist

    Seit US-Ökonom Nouriel Roubini die Finanzkrise relativ genau vorhergesagt hat, ist er ein gefragter Experte. Die 80 Mitarbeiter seines privaten Forschungsinstitut beliefern die Welt täglich mit ökonomischen Nachrichten. Nicht selten ist ein Knaller darunter, der tage- oder wochenlange Debatten auslöst. Das heiße Thema in diesen Tagen ist das „heiße Geld“. Gefährliches Spekulationskapital in Höhe von 60 Milliarden Dollar sei alleine im 2. Quartal 2009 nach China geflossen. Solche konkreten Zahlen sind sonst Mangelware. Roubinis Warnung: „Eines Tages wird die neue Spekulationsblase platzen und die größte koordinierte Kapitalentwertung aller Zeiten auslösen“.


    Obwohl diese Ansage martialisch und übertrieben formuliert ist, trifft sie den Nerv der augenblicklichen Debatte – auch beim Weltwirtschaftsforum (WEF) in Davos. Wenn sich Tausende Manager sowie Dutzende Regierungs- und Staatschefs ab kommenden Mittwoch (27.1.) zum alljährlichen Spitzentreffen der Wirtschafts- und Politikelite versammeln, gibt es im Kongresszentrum des Schweizer Skiorts Davos jede Menge Veranstaltungen zur Krise. Schon der Titel des WEF 2010 „Rethink, Redesign, Rebuild“ zeigt, dass die Erschütterungen der vergangenen zwei Jahre in vielen Vorstandsetagen das Bedürfnis ausgelöst haben, die ökonomische Weltordnung zu überdenken und neue Antworten zu suchen. Richard Samans, einer der Mitorganisatoren des WEF, bringt es auf diesen Punkt: „Wir stellen einen Wandel im Denken fest. Viele meinen, wir seien mit den wirtschaftlichen und politischen Risiken zu selbstgefällig umgegangen“.


    So erscheint es folgerichtig, dass man in Davos nicht nur über den zurückliegenden Zusammenbruch an den Finanzmärkten spricht. „Die nächste globale Krise“, heißt beispielsweise ein Workshop, an dem Harvard-Ökonom Kenneth Rogoff teilnimmt. „Die globalen Ungleichgewichte nehmen wieder zu“, sagt Rogoff, „und es wird zu wenig dagegen getan“. Rogoff treiben ähnliche, wenn auch nicht so dramatische Sorgen wie Roubini, der die Auftaktdiskussion des WEF am Mittwoch Vormittag bestreitet.


    „Ungleichgewicht“: Dieses Ökonomen-Wort klingt harmlos, beschreibt aber eine hochgefährliche Entwicklung. Aktuell verstehen Wirtschaftsforscher darunter diesen Mechanismus: Die USA betreiben eine Politik des billigen Geldes, um die Banken zu retten und die Wirtschaft vor dem Absturz zu bewahren. Die Verschuldung des Staates ist gigantisch, die Zinsen liegen nahe Null. Diesen Umstand nutzen viele Investoren aus, indem sie Dollar etwa gegen chinesische Remimbi tauschen. Weil die Zinsen in China viel höher sind, verspricht der „Carry Trade“, die Milliarden-Verlagerung von Niedrigzins- in Hochzinsländer, schöne Gewinne. Problematisch daran ist, dass sich die schnellen Kapitalimporte ebenso schnell in Kapitalexporte verwandeln können, die eine Finanzwüste hinterlassen.


    „Carry Trade ist eine üble Erscheinung“, sagt Ökonomie-Professor Peter Bofinger, der als Sachverständiger auch die Bundesregierung berät. „Schon jetzt bildet sich in China eine Immobilienblase“. Trotz der dortigen Beschränkungen für Kapitalimporte treibt das große Geldangebot die Preise für Grundstücke und Hochhäuser hoch. Die Gefahr: Wenn der Dollar doch wieder an Wert gewinnen oder die USA die Zinsen erhöhen sollten, könnten die Investoren schnell die Lust am chinesischen Immobilienmarkt verlieren, ihr Geld abziehen und so einen ähnlichen Weltfinanzcrash auslösen wie während der Asienkrise 1997.


    In diesem Zusammenhang spielen Roubinis Warnungen vor dem „Carry Trade“ und seinen möglichen katastrophalen Folgen eine große Rolle. Mancher mag sie für überzogen halten, doch selbst beim Bundesamt für Finanzdienstleistungaufsicht (BaFin) heißt es: „Roubinis Befürchtungen klingen plausibel“. Denn nicht nur China verzeichnet einen starken Zustrom heißen Geldes. Dieses Phänomen registrieren unter anderem auch Indien, Südkorea, Indonesien, Taiwan und Brasilien. Ein in Hong Kong arbeitender Ökonom der Bank Credit Suisse bezifferte die Summe zinsgetriebener, hochspekulativer Investitionen unlängst auf 1,4 bis zwei Billionen Dollar (1.400 bis 2.000 Milliarden) weltweit.


    Die Frage lautet nun: Was könnte man gegen das Aufblähen der neuen Blase unternehmen? Übereinstimmend sagen viele Ökonomen, dass die Regierungen der mächtigsten Wirtschaftsnationen (G20-Gruppe) und der internationale Währungsfonds (IWF) das Problem der Ungleichgewichte zwar erkannt hätten, jedoch bisher nicht ausreichend aktiv geworden seien. „Der Währungsfonds braucht Zähne“, sagt etwa Roubini. Und Rogoff fügt hinzu: „Der IWF übernimmt nicht genug zur Regulierung der Finanzmärkte“. Diese Analyse erstaunt umso mehr, als das ganze Jahr 2009 geprägt war durch Bekundungen der G20, den Finanzmärkten nach der großen Krise einen neuen, stabilen Rahmen geben zu wollen.


    Dabei liegen die möglichen Gegenmaßnahmen auf der Hand. Einige Länder praktizieren sie auch – freilich ohne großen Rückhalt des IWF, der in zu scharfen Kontrollen des Kapitalverkehrs immer noch sozialistisches Teufelszeug sieht, das den freien Märkten schadet. Die brasilianische Regierung allerdings stört sich daran nicht. Das Land ergriff Ende 2009 erste Schritte zur Eindämmung des Imports spekulativer Gelder. Investoren müssen in Brasilien nun eine abschreckende Steuer auf den Kauf von Wertpapieren entrichten. Und auch Taiwan hat Begrenzungen eingeführt. Andere Länder wie Indien und Indonesien dürften folgen. „Kapitalverkehrskontrollen sind ein vernünftiges Instrument, um spekulative Kapitalimporte zu bremsen“, sagt Rogoff.


    Einen Schritt weiter geht Peter Bofinger. „Die Notenbanken sollten eine koordinierte Wechselkurspolitik betreiben“, sagt der Sachverständige. Beim so genannten „managed floating“ würden sich die Kurse des Dollar, Euro, Yen und Remimbi weder gänzlich marktgesteuert bewegen, noch durch staatliche Festlegung fixiert, wie aktuell im Falle der chinesischen Währung und ihrem Verhältnis zum Dollar. Bofinger meint, durch eine regelmäßige gemeinsam getragene Anpassungen ließen sich die globalen Ungleichgewichte verringern, wodurch auch der Carry Trade seine Grundlage verlöre. „Es ist das größte Defizit der Krisenpolitik, dass man diese Chance bisher nicht ergriffen hat“, so Bofinger, „dafür ist der IWF 1944 im übrigen gegründet worden“.


    Als Vorbild für die erwünschte Zusammenarbeit der großen Wirtschaftsräume dient im Prinzip der Euro. Indem man die gemeinsame Währung einführte, wurden die Wechselkurse und ihre Schwankungen abgeschafft. Derartiges ist global nicht ansatzweise durchsetzbar. Man darf aber gespannt sein, was etwa Zhu Min, Vize-Governeur der chinesischen Notenbank, zur Idee einer gemeinsamen Wechselkurspolitik sagt, wenn er in Davos spricht. Und auch die Veranstaltung mit dem Titel „Die Umgestaltung des internationalen Geldsystems“ dürfte interessant werden.

    Das Weltwirtschaftsforum
    „Rethink, Redesign, Rebuild“ (Überdenken, Umgestalten, Erneuern) lautet die Überschrift des diesjährigen World Economic Forums (WEF) im Skiort Davos. 1971 gegründet, empfängt der Kongress dieses Jahr 2.500 Teilnehmer, darunter rund 900 Spitzenmanager von Unternehmen und Vertreter von 30 Regierungen. Mit dabei sind etwa EU-Präsident José Manuel Barroso, der mexikanische Präsident Felipe Calderón, Brasiliens Präsident Luiz Inácio Lula da Silva, Lee Myung-Bak, Präsident von Südkorea und Benjamin Netanyahu, der israelische Ministerpräsident. Aus Deutschland kommen nach Angaben der Veranstalter Außenminister Guido Westerwelle und Wirtschaftsminister Rainer Brüderle. Den repräsentativen Vorsitz der Veranstaltung hat unter anderem Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann übernommen. Klaus Schwab, der Gründer und Chef des WEF, erhebt den Anspruch, mit seiner Veranstaltung „den Zustand der Welt zu verbessern“. Die Gäste schätzen den Kongress, weil er eine Mischung bietet aus Business-Terminen, politischem Bildungsurlaub und Skilaufen. Das WEF wird getragen von einer Stiftung, der die 1.000 größten Konzerne der Welt angehören.

  • Der Beamtenpräsident

    Kurzbiografie: Peter Heesen

    Peter Heesen ist seit 2003 Bundesvorsitzender des Deutschen Beamtenbundes (dbb). Der Sohn eines Bäckermeisters gilt als gesellig, geistreich und humorvoll. Gleich zu Beginn seines Amtsantritts sorgte er mit seiner Kampfansage an „faule Beamte“ für viel Ärger in den eigenen Reihen. Der Studienrat gehört dem Deutschen Philologenverband (DPhV) im dbb an. Dessen Vorsitz hatte er von 2001 bis 2003 inne. Zuvor hat er bereits seit 1978 die verschiedensten Funktionen im Philologenverband bekleidet. Unter anderem war er neun Jahre  stellvertretender Bundesvorsitzender und zwanzig Jahre Vorsitzender des Philologenverbandes Nordrhein-Westfalen. Peter Heesen ist Mitglied der CDU, wurde am 8. Oktober 1947 in Krefeld geboren und ist verheiratet.

  • Deutsche Industrie will keine Verantwortungsnorm

    Nach fünfjährigen Verhandlungen steht Nachhaltigkeitsvereinbarung vor dem Scheitern

    Die Verhandlungen um eine internationale Norm für soziales, umweltverträgliches und gesellschaftlich verantwortliches Verhalten von Unternehmen und Organisationen sind kurz vor Schluss vom Scheitern bedroht. Die deutsche Industrie will den von hunderten Experten aus über 90 Ländern innerhalb von fünf Jahren erarbeiteten Vorschlag nicht mehr mittragen. "Wir sind der Auffassung, dass der Normentwurf zu mangelhaft ist", heißt es beim Bundsverband der Deutschen Industrie. Am heutigen Dienstag treffen sich die Vertreter der deutschen Wirtschaft, um ihre Haltung vor den abschließenden Gesprächen Mitte Februar abzustimmen.

    In der internationalen Richtlinie sollen Mindeststandards festgelegt und unter der Normbezeichnung ISO 26000 veröffentlicht werden. Dazu gehören zum Beispiel Maßstäbe für das ethische Verhalten von Firmen oder angemessene Arbeitsbedingungen. Auch der Verbraucher- und der Umweltschutz sind Bestandteile der Norm, die in diesem Jahr von allen beteiligten Ländern und Interessengruppen auf den Weg gebracht werden soll. Ihren Widerstand begründet die deutsche Industrie unter anderem mit einer Überforderung der kleineren und mittleren Unternehmen beim Aufbau entsprechender Kontrollen ihrer Partnerfirmen im Ausland. Auch befürchtet die Wirtschaft, dass aus der unverbindlichen Norm schnell ein kostenintensives Zertifikat werden könnte. "Die Industrie ist nicht gegen gesellschaftliche Verantwortung", betont der Normenexperte des BDI, Oliver Schollmeyer und fordert eine neuerlich gründliche Überarbeitung des Kompromisspapiers.

    In Deutschland ist das Institut für Normung (DIN) für ISO 26000 zuständig. Bis Mitte Februar müssen die vom DIN eingeladenen Experten aus Industrie, NGOs, Gewerkschaften, Verbraucherschutz, Regierung und Wissenschaft über den letzten Entwurf abstimmen. Mit der Blockadehaltung begibt sich die Industrie in die schlechte Gesellschaft von Staaten wie China, in denen wesentliche Grundsätze verantwortlichen Verhaltens nicht gelten und die die Norm ebenfalls torpedieren.

  • „Die Versorgung ist gerecht“

    Der Vorsitzende des Deutschen Beamtenbundes (dbb), Peter Heesen, verteidigt die Sonderstellung der Staatsdiener.

    In der vergangenen Woche sorgte eine Studie für böses Blut. Danach sind Beamte durch ihre Pensionsansprüche viel vermögender als andere Beschäftigte. Der Vorsitzende des Deutschen Beamtenbundes (dbb), Peter Heesen, verteidigt die Sonderstellung der Staatsdiener. Der 62-jährige Heesen leitet die Beamtengewerkschaft seit 2003.

    Frage: Haben Sie Verständnis für die heftige Debatte gute Versorgung der Beamten?

    Peter Heesen: Für die Reaktion habe ich Verständnis, weil vordergründig der Eindruck entsteht, dass es ungerecht zugeht. Aber das ist nicht so. Wir haben 2003 mit der Bundesregierung vereinbart, dass alle Kürzungen bei der gesetzlichen Rente wirkungsgleich auf die Beamtenversorgung übertragen werden.

    Frage: In einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) haben Forscher ausgerechnet, dass Beamte mit ihren Pensionsansprüchen über doppelt so hohe Vermögen verfügen wie vergleichbare Arbeitnehmer in Privatunternehmen. Ist das gerecht?

    Heesen: Zunächst einmal muss man die Versorgung der Beamten im Lichte der Verfassung sehen. Beamte haben eine andere Rechtsstellung als privat Beschäftigte. Rechte, die andere Arbeitnehmer haben, hat der Beamte nicht. Er darf keine Arbeitskämpfe führen und nicht streiken. Im Gegenzug gilt der Grundsatz der Alimentation als Ausgleich dafür, das heißt, der Staat muss seine Bediensteten versorgen. Dieser Anspruch leitet sich stets vom letzten Amt ab. Unter dem Verfassungsaspekt ist die Versorgung gerecht, denn so erkauft sich der Staat den Verzicht auf Arbeitnehmerrechte.

    Frage: … ist das nicht ein zu üppiger Ausgleich?

    Heesen: Es gibt noch einen zweiten Grund für die vergleichsweise hohen Ruhestandsbezüge. Die Beamten sind in der Regel höher qualifiziert als andere Beschäftigte. In der Wirtschaft liegt der Anteil der Arbeitnehmer mit Fachhochschulausbildung oder mehr bei 11,6 Prozent. Bei den Beamten hat fast jeder zweite mindestens diesen Abschluss. Die Struktur der Ausbildung führt auch zu höheren Versorgungsansprüchen.

    Frage: Selbst Beamte im einfachen oder mittleren Dienst haben durchschnittlich viel höhere Versorgungsbezüge als vergleichbare Rentner, weil für die Rentenberechnung das Einkommen im gesamten Arbeitsleben zugrunde gelegt wird, für Pensionen die Vergütung der letzten beiden Jahre. Das finden Sie gerecht?

    Heesen: Das ist nicht der Maßstab für die Diskussion. Es ist Verfassungsrecht. Es hat ja jeder die Möglichkeit, Beamter zu werden. Ich verstehe diesen Punkt in der Neiddebatte nicht. Der Alimentationsgrundsatz ist ein gerechtfertigtes Privileg. Außerdem wird gerne vergessen, dass die Pensionen schon immer voll versteuert werden mussten. Netto ist der Unterschied viel geringer als es der Bruttowert erscheinen lässt.

    Frage: Wäre es nicht gerecht, die Pensionsansprüche am durchschnittlichen Verdienst über das gesamte Berufsleben zu orientieren als am letzten Einkommen?

    Heesen: Dann muss der Gesetzgeber die Verfassung ändern. Rückwirkend geht das aber nicht. Den Beamtenstatus abzuschaffen wäre auch unbezahlbar. Dann müsste der Staat für alle bestehenden Dienstverhältnisse die Versorgung gewährleisten und zugleich für alle neuen Bediensteten Sozialabgaben leisten. Wir haben ja Kürzungen zugestimmt, zum Beispiel wird von jeder Lohnerhöhung ein Teil für eine kapitalgedeckte Altersvorsorge abgezweigt. Ab 2017 werden damit Pensionszahlungen mitfinanziert. Ich plädiere dafür, diesen Weg noch weiter zu gehen.

    Frage: Beamte bezahlen keine Beiträge zur Altersvorsorge und haben damit mehr netto in der Tasche. Auch sind die Beiträge zur Krankenkasse in den ersten Jahren geringer und die Gesundheitsleistungen besser als bei anderen Beschäftigten. Unterschlagen Sie diese Vorteile nicht einfach?

    Heesen: Beides stimmt nicht. Die Krankenversicherungsbeiträge sind nicht geringer, weil sich die private Krankenversicherung einen Dreck um die Einkommenssituation der Beamten kümmert und ihre Prämien davon unabhängig gestaltet. Die Nachteile werden auch durch die Beihilfe des Staates nicht ausgeglichen. Für Bund und Länder ist dieses System preiswerter. Sonst würden sie es nicht machen. Mehr netto für Beamte ist auch nur vordergründig richtig. Unter Adenauer wurden die Bruttozahlungen für die Beamten um damals neun Prozent gekürzt. Das Minus entsprach dem damaligen Rentenbeitrag der Beschäftigten. Dieses Minus bei der Bruttozahlung gilt seitdem. Der Vorwurf trifft als nur formal zu, aber nicht praktisch. Das gilt auch für die gesamte Diskussion. Man muss die Besoldung und Versorgung als Gesamtsystem betrachten. Dann geht die Kritik ins Leere.

  • Zusatzbeiträge auch für Arbeitslose

    Müssen Hartz-IV-Empfäger die Krankenkasse wechseln?

    Langzeitarbeitslose gehören zu den Verlierern des Gesundheitsfonds. Denn sie müssen die nun möglichen Zusatzbeiträge entweder vom ohnehin kargen Regelsatz von 359 Euro abzwacken oder sich eine Krankenkasse suchen, die noch keinen Zusatzbeitrag erhebt.

    „Ein Wechsel in eine andere Kasse muss dann nicht erfolgen, wenn es "triftige Gründe" gibt oder eine "besondere Härte" darstellt“, erläutert der Sprecher des Bundesarbeitsministeriums, Christian Westhoff die Ausnahmen von der Regel. Das Jobcenter übernimmt nur in diesen Fällen den Zusatzbeitrag, der bei vielen Kassen vermutlich acht Euro betragen wird. Ein triftiger Grund könnte zum Beispiel der drohende Abbruch einer Behandlung angesehen werden, weil die neue Kasse deren Kosten nicht übernehmen würde. Bei den besonderen Härten bleibt die Bundesregierung seltsam nebulös. So könnten auch mehrere Kassenwechsel in kurzer Zeit als unzumutbar betrachtet werden. Wie sich die Jobcenter konkret verhalten werden, weiß allerdings auch das zuständige Ministerium derzeit noch nicht. Auf jeden Fall wird nach heutigem Stand keine einheitliche Lösung für alle Hartz-IV-Empfänger geben. Allen Ausnahmen geht eine Einzelfallprüfung voraus.

    Dabei ist die Rechtslage grundsätzlich klar. Auch Arbeitslose müssen mögliche Zusatzbeiträge aus eigener Tasche bezahlen. Dazu sind sie verpflichtet, ihre der Allgemeinheit anfallenden Unterhaltskosten möglichst gering zu halten. Daraus ergibt sich faktisch der Zwang zum Wechsel zu einer Kasse, die ohne Zusatzbeitrag auskommt. Problematisch wird es spätestens, wenn kurz darauf auch die neue Krankenkasse einen Beitragsaufschlag einführt. Dann wäre ein erneuter Wechsel fällig und es könnte schlimmstenfalls eine dauerhafte Wanderbewegung zur jeweils billigsten Kasse entstehen. Diese Entwicklung kann sich die Bundesregierung aber nicht vorstellen, weil es ihrer Ansicht nach immer genügend viele Kassen ohne Zusatzbeiträge geben wird.

    Nun müssen die Betroffenen erst einmal abwarten, bis ihnen eine Rechnung der Krankenkasse ins Haus flattert. Damit geht es zum Jobcenter, dass dann entscheiden muss, ob es die Kosten übernimmt oder einen Kassenwechsel verlangt.

  • Die Zeichen der nächsten Krise

    Das Weltwirtschaftsforum in Davos diskutiert über Maßnahmen gegen einen erneuten Finanzcrash

    Nach dem Kollaps ist vor dem Kollaps. So sieht es Kenneth Rogoff, Ökonomie-Professor der Harvard-Universität in den USA. Deshalb bestreitet er ein Diskussionsforum beim Weltwirtschaftsforum in Davos, das den sorgenvollen Titel „Die nächste globale Krise“ trägt. „Die Ungleichgewichte in der Weltwirtschaft nehmen wieder zu“, sagt Rogoff, „und es wird zu wenig dagegen getan“.

    Auch der diesjährige Kongress des World Economic Forums (WEF) steht ganz im Zeichen der Turbulenzen an den internationalen Finanzmärkten. Wenn sich Tausende Manager sowie Dutzende Regierungs- und Staatschefs ab kommenden Mittwoch (27.1.) zum alljährlichen Spitzentreffen der Wirtschafts- und Politikelite versammeln, gibt es im Kongresszentrum des Schweizer Skiorts Davos jede Menge Veranstaltungen zur Krise. Schon der Titel des WEF 2010 „Rethink, Redesign, Rebuild“ zeigt, dass die Erschütterungen der vergangenen zwei Jahre in vielen Vorstandsetagen das Bedürfnis ausgelöst haben, die ökonomische Weltordnung zu überdenken und neue Antworten zu suchen. Richard Samans, einer der Mitorganisatoren des WEF, bringt es auf diesen Punkt: „Wir stellen einen Wandel im Denken fest. Viele meinen, wir seien mit den wirtschaftlichen und politischen Risiken zu selbstgefällig umgegangen“.

    Zu den Selbstgefälligkeiten gehöre heute auch, so meint Kenneth Rogoff, dass die Regierung die ökonomische Unwucht auf dem Weltmarkt nicht ernst genug nähmen. „Ungleichgewicht“ – der Begriff mag harmlos klingen, beschreibt aber eine hochgefährliche Entwicklung. Aktuell verstehen Wirtschaftsforscher darunter diesen Mechanismus: Die USA betreiben eine Politik des billigen Geldes, um die Banken zu retten und die Wirtschaft vor dem Absturz zu bewahren. Die Verschuldung des Staates ist gigantisch, die Zinsen liegen nahe Null. Diesen Umstand nutzen viele Investoren aus, indem sie Dollar etwa gegen chinesische Renmimbi tauschen. Weil die Zinsen in China viel höher sind, verspricht der „Carry Trade“, die Milliarden-Verlagerung von Niedrigzins- in Hochzinsländer, schöne Gewinne. Problematisch daran ist, dass sich die schnellen Kapitalimporte ebenso schnell in Kapitalexporte verwandeln können, die zu Preisverfall, Firmenzusammenbrüchen und Arbeitslosigkeit führen.

    Die Frage ist nun, was man gegen diese Entwicklung tun kann. Eine Möglichkeit: Brasilien und Taiwan haben bereits Beschränkungen für den Import von Kapital eingeführt, obwohl dies gegen die Idee des freien Kapitalverkehrs verstößt. In Brasilien müssen Investoren mittlerweile eine zusätzliche Steuer auf importiertes Geld zahlen. Grundsätzlich in den Griff bekommen könnten die Regierung die Ungleichgewichte jedoch nur, wenn sie sich einer koordinierten Wechselkurspolitik befleißigten. Dadurch ließen sich die Zinsdifferenzen beispielsweise zwischen dem chinesischen Renmimbi und dem Dollar verringern, was auch den spekulativen Geldbewegungen teilweise die Grundlage entzöge.

    Beschlüsse dazu allerdings sind in Davos nicht zu erwarten. Dient das Weltwirtschaftsforum in der Regel doch eher philosophischen Zwecken. Viele Manager und Politiker nehmen sich ein paar Stunden Zeit für grundsätzliche Gedanken abseits der unmittelbaren Geschäftspolitik. Dazu gibt es auch dieses Jahr wieder mannigfaltige Gelegenheit. Die Palette der Veranstaltungen reicht von „Kunst im digitalen Zeitalter“ bis zu „Den Marktkapitalismus überdenken“.

    Das Weltwirtschaftsforum

    Rethink, Redesign, Rebuild“ (Überdenken, Umgestalten, Erneuern) lautet die Überschrift des diesjährigen World Economic Forums (WEF) im Skiort Davos. 1971 gegründet, empfängt der Kongress dieses Jahr 2.500 Teilnehmer, darunter rund 900 Spitzenmanager von Unternehmen und Vertreter von 30 Regierungen. Mit dabei sind etwa EU-Präsident José Manuel Barroso, der mexikanische Präsident Felipe Calderón, Brasiliens Präsident Luiz Inácio Lula da Silva, Lee Myung-Bak, Präsident von Südkorea und Benjamin Netanyahu, der israelische Ministerpräsident. Aus Deutschland kommen Außenminister Guido Westerwelle und Wirtschaftsminister Rainer Brüderle. Den repräsentativen Vorsitz der Veranstaltung hat unter anderem Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann übernommen. Klaus Schwab, der Gründer und Chef des WEF, erhebt den Anspruch, mit seiner Veranstaltung „den Zustand der Welt zu verbessern“. Die Gäste schätzen den Kongress, weil er eine Mischung bietet aus Business-Terminen, politischem Bildungsurlaub und Skilaufen. Das WEF wird getragen von einer Stiftung, der die 1.000 größten Konzerne der Welt angehören.

  • Jetzt geht’s los!

    Zusatzbeiträge für Kassenversicherte

    Die ersten großen Krankenkassen kündigen Zusatzbeiträge an. Hier sind die wichtigsten Fragen und Antworten für die 70 Millionen Mitglieder der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV).

    Auf welche zusätzlichen Kosten müssen sich die Versicherten einstellen?

    Laut Gesetz dürfen die Krankenkassen maximal ein Prozent des Bruttolohnes als Zusatzbetrag erheben. Derzeit liegt das Einkommen für den Höchstbeitrag zur GKV bei 3.750 Euro im Monat. Der Zusatzbeitrag darf also monatlich nicht mehr als 37,50 Euro kosten. Allerdings werden die meisten Krankenkassen wahrscheinlich nur acht Euro oder weniger nehmen. Denn das ist die Grenze, ab der eine individuelle Vermögensprüfung vorgeschrieben ist. Den Aufschlag müssen die Arbeitnehmer alleine bezahlen.

    Warum kommen einzelne Kassen mit dem normalen Beitrag nicht aus?

    Seit der Einführung des Gesundheitsfonds erhalten die Krankenkassen für jedes Mitglied einen Einheitsbeitrag. Die Wenn sie mit dem Geld nicht hinkommen, können sie nicht mehr einfach den Gesamtbeitrag erhöhen wie früher, sondern müssen eine gesonderte Abgabe einfordern. In diesem Jahr erwarten die Fachleute ein Milliardenminus im Gesundheitssystem. Das Defizit fällt bei den einzelnen Krankenkassen unterschiedlich hoch aus. Deshalb wird auch der Zusatzbeitrag uneinheitlich verschieden hoch sein.

    Welche Krankenkassen wollen den Extrabeitrag einfordern?

    Das ist noch nicht klar, heißt es im Bundesgesundheitsministerium. Denn die Krankenkassen haben noch bis zum 28. Januar Zeit für die Vorlage ihrer Haushaltspläne. Beim Bundesversicherungsamt haben bisher vier Krankenkassen Anträge auf Zusatzbeiträge gestellt. Darunter ist mit der DAK, die 4,6 Millionen Mitglieder zählt, erstmals auch ein großes Haus. Experten schätzen, dass bald bis zu 30 Kassen die Prämie einführen. DAK-Sprecher Jörg Bodanowitz glaubt an eine Welle von Aufschlägen. „Alle Kassen haben konkrete Pläne“, sagt der Sprecher.

    Müssen Hartz-IV-Empfänger den Zusatzbeitrag bezahlen?

    Auch Langzeitarbeitslose sind zur Zahlung verpflichtet. Grundsätzlich müssen sie in diesem Fall zu einer Kasse wechseln, die keine Zusatzbeiträge erhebt, weil sie alles zur Minderung ihrer Hilfebedürftigkeit tun müssen. Nur wenn der Wechsel eine unzumutbare Härte darstellt, kann die Arbeitsagentur den Zusatzbeitrag übernehmen. Im schlimmsten Fall müssen die Betroffenen also mehrfach die Kasse wechseln. Die Bundesregierung geht allerdings davon aus, dass es noch länger Versicherungen ohne Extraprämie geben wird.

    Wird der Zusatzbeitrag direkt vom Lohn abgezogen?

    Nein, die Krankenkassen müssen jedem Versicherten eine Rechnung stellen und für jeden einzelnen ein individuelles Beitragskonto einrichten. Die Verbraucherzentralen schätzen, dass allein der Verwaltungsaufwand bis zu einer Milliarde Euro betragen kann. Sie fordern daher von der Bundesregierung mehr Kostendämpfung statt höherer Beiträge.

    Lohnt sich ein Wechsel?

    „Das sollte jeder für sich prüfen“, rät der Bundesverband der Verbraucherzentralen (vzbv). Denn die einzelnen Krankenkassen unterscheiden sich bei den Leistungen und im Service. Ein Single legt vielleicht Wert auf die Kostenübernahme bei Reiseimpfungen, eine Mutter auf die Bezahlung einer Haushaltshilfe im Notfall. Der Vergleich ist jedoch nicht leicht, weil viele Informationen über die Angebote schwer erhältlich sind. Die Stiftung Warentest hat für die Verbraucher aber einen Überblick zusammengestellt. Das Bundesgesundheitsministerium bietet einen Ratgeber zum Service der Krankenkassen, der von der Internetseite des Ministeriums herunter geladen werden kann. Wenn es nur um die Beitragshöhe geht, kommt ein Wechsel in Frage.

    Wie funktioniert ein Wechsel?

    Bei jeder Beitragserhöhung haben die Mitglieder ein Sonderkündigungsrecht. Die Kündigung muss schriftlich erfolgen, die Kündigungsfrist beträgt zwei Monate. Anders sieht der Fall bei Versicherten mit Wahltarife aus. Viele dieser Optionen sehen eine Mindestdauer von drei Jahren vor. Innerhalb von zwei Wochen bestätigt die Krankenkasse das Ende der Mitgliedschaft. Mit diesem Formular kann der Versicherte sich eine neue Krankenkasse suchen. Die Kassen sind verpflichtet, jeden unabhängig von seinem Gesundheitszustand aufzunehmen.

  • Den Bäumen geht es wieder besser

    Waldschäden noch auf hohem Niveau / Aigner fordert Waldklimafonds

    Die Bäume in deutschen Forsten haben sich im vergangenen Jahr etwas erholt. Das geht aus der Waldzustandserhebung des Bundeslandwirtschaftsministeriums hervor, die an diesem Freitag veröffentlicht werden soll und dieser Zeitung vorliegt. Danach weisen 36 Prozent der Bäume keine sichtbaren Schäden an Blättern oder Nadeln auf. Im Vorjahr waren es nur 31 Prozent. „Die Kronenzustand fast aller Baumarten hat sich verbessert“, stellt Fachministerin Ilse Aigner fest.

    Verringert hat sich auch der Anteil an Bäumen in der Warnstufe. Er sank zwischen 2008 und 2009 von 43 Prozent auf 37 Prozent. Allerdings kann von Entwarnung weiterhin keine Rede sein. Denn mehr als jede vierte Eiche, Kiefer oder Fichte weist ein deutlich gelichtetes Grünkleid auf. Das werten die Experten als Zeichen für eine Schädigung. Der Anteil ist im vergangenen Jahr sogar leicht angestiegen.

    Sorge bereitet den Förstern der Buchenbestand. Innerhalb eines Jahres hat sich die Zahl der geschädigten Buchen drastisch von 30 Prozent auf 50 Prozent erhöht. Die Entwicklung hat eine natürliche Ursache. Der trockene Sommer 2008 hat dafür gesorgt, dass der Laubbaum im letzten Jahr besonders viele Früchte gedeihen ließ. Dann reicht die Kraft nicht mehr für einen kräftigen Blattwuchs.

    Die Sonderentwicklung bei der Buche lässt die Schadensbilanz schlechter ausfallen als sie ist. Anderen Baumarten geht es deutlich besser als im Jahr zuvor. Der Anteil kranker Fichten verringerte sich von 30 Prozent auf 26 Prozent, bei Kiefern von 18 Prozent auf 13 Prozent. Auch bei den Eichen geht es aufwärts. Jedoch wird immer noch fast jede zweite als geschädigt eingestuft.

    Die so genannte „Waldzustandserhebung“ des Bundes beruht auf einer Stickprobe, für die bundesweit über 10.000 Probebäume begutachtet werden. Da es bereits lange Zeitreihen aus der Untersuchung gibt, gelten die Ergebnisse als zuverlässige Indikatoren für die Gesundheit der Wälder. 38 Baumarten werden dafür erfasst. Einzeln ausgewiesen werden aber nur die vier wichtigsten, die 85 Prozent des Bewuchses stellen.

    Hauptursache für die Schäden sind Schadstoffeinträge durch Luft und Regen. Schwefeldioxid und Stickstoffe machen den Bäumen zu schaffen. In den letzten Jahrzehnten haben Umweltschutzauflagen wie die Einführung des Katalysators oder Entschwefelungsanlagen in Kraftwerken für eine Stabilisierung der Wälder gesorgt. Außerdem bekämpft die Forstwirtschaft die Folgen der Verschmutzung, in dem die Waldböden gekalkt werden.

    „Durch den Klimawandel wird der Schutz und die sinnvolle Nutzung der Wälder immer wichtiger“, sagt Aigner. 1,2 Milliarden Tonnen CO2 sind in den Bäumen und dem Unterholz gebunden. Damit die Forsten auch weiterhin einen Beitrag zum Klimaschutz leisten können, fordert Aigner finanzielle Hilfen für die Waldbesitzer. Ein Teil der Erlöse aus dem Emissionshandel solle für den Aufbau eines Waldklimafonds verwendet werden, verlangt die Ministerin.

    Die Erderwärmung stellt die Flora vor ein neues Problem. Es gibt heißere Sommer und längere Dürreperioden. Normalerweise stecken die Bäume einen regenarmen Sommer weg. Mehrere nacheinander könnten das Ökosystem jedoch überfordern. Die übermäßige Fruchtbildung, die bei den Buchen zu beobachten ist, könnte eine Reaktion darauf sein. Quasi aus Angst vor dem Tod bilden die Pflanzen schnell noch möglichst viele Keimlinge, damit die Art überlebt. Bei Fichten wurde dieses Verhalten früher bereits festgestellt. Darüber hinaus eröffnen die steigenden Temperaturen neuen Schädlingen Lebensräume in hiesigen Wäldern.

  • „Vor allem Jüngere sind anfällig“

    Nicht nur Drogen, Medikamente oder Alkohol können abhängig machen. Manchmal ist es der eigene Job, der zur Sucht wird. Wie Menschen zu ständigen „Arbeitstieren“ werden und welchen Ausweg es aus der misslichen Lage gibt, weiß Hinrich Bents, Leiter des Zen

    Mandy Kunstmann: Was ist am vielen Arbeiten denn so schlimm?

    Hinrich Bents: Viel Arbeit ist nicht immer schlimm, sie kann Freude machen, das Leben sichern und das Selbstbewusstsein stärken. Man erfüllt sich wichtige Ziele oder Lebensträume – sogar dann, wenn man zehn, zwölf oder mehr Stunden am Tag arbeitet. Aber viel Arbeit kann auch die Gesundheit schädigen, körperlich und seelisch. Letzteres vor allem dann, wenn die Arbeit zur Sucht wird.

    Kunstmann: Und wann wird der Job zur Sucht?

    Bents: Wenn die Menge der Arbeit nicht mehr aus den Aufgaben selbst entsteht, sondern anderen Zwecken dient. Zum Beispiel, um von anderen Problemen abzulenken. Manche haben Schwierigkeiten, mit anderen in Kontakt zu treten und ziehen sich in die Arbeit zurück. Sie laufen dann nicht nur Gefahr zu vereinsamen, sondern auch sich selbst zu vernachlässigen und die eigenen Grenzen nicht mehr zu erkennen. Ihnen drohen Burnout, ernsthafte psychosomatische oder psychische Erkrankungen.

    Kunstmann: Gibt es Berufsgruppen, die besonders anfällig für Arbeitssucht sind?

    Bents: Sowohl in Gesundheitsberufen als auch in Berufen, die durch finanzielle Anreize geprägt sind wie zum Beispiel durch „Boni“, finden wir häufig solche Störungen. Beide erleben sich als besonders „wertvoll“ – die einen durch ihre Arbeit für Menschen, die anderen durch das Geld.

    Kunstmann: Ist es überhöhter Ehrgeiz oder Leistungsdruck, der die Menschen in die Sucht drängt?

    Bents: Leistungsdruck und Belohnungen von außen können Arbeitssucht hervorrufen. Aber die Ursachen sind komplizierter. Es braucht auch das innere Bedürfnis, sich durch Arbeit zu bestätigen. Oft mangelt es Betroffenen auch an anderen Möglichkeiten, Zufriedenheit und Glück im Alltag zu finden.

    Kunstmann: Und ihre eigenen Grenzen erkennen Arbeitssüchtige nicht?

    Bents: Richtig. Sie glauben von sich selbst, ohne Grenzen leistungsfähig zu sein. Dass sie eben doch Grenzen haben, übersehen sie. Das ist auch leicht möglich in einer Gesellschaft, die uns gerne vorgaukelt, dass „alles möglich ist“ und jeder zum „Superstar“ werden kann.

    Kunstmann: Die Sucht ist also ein Ausdruck unserer Gesellschaft die nach dem Motto „immer schneller, immer besser“ lebt?

    Bents: Eine immer komplizierter werdende Gesellschaft trägt sicher dazu bei. Nicht unbedingt durch die Forderung nach Mehrarbeit, sondern durch die Forderung, vieles zu können und alles möglich zu machen. Zwar brauchen heute viele Menschen mehr als einen Job, um über die Runden zu kommen. Aber das ist ja keine Sucht, sondern Notlage. Zur Arbeitssucht trägt heute viel mehr eine noch nie da gewesene Informationsvielfalt bei. Heute wird viel mehr als früher verlangt. Wir müssen uns jederzeit auf immer neue Informationen und Aufgaben einstellen. Emails und SMS müssen sofort gelesen und beantwortet werden. Und parallel dazu müssen wir andere Aufgaben bewältigen, die ihrerseits wiederum eine Vielfalt von Kompetenzen verlangen.

    Kunstmann: Werden immer mehr Menschen arbeitssüchtig?

    Bents: Ob die Flucht in die Arbeit heute häufiger als früher auftritt, ist nicht sicher. Aber die Tendenz, eigene Grenzen zu verkennen und die eigenen Möglichkeiten zu überschätzen, ist bei vielen unserer Patienten auffällig.

    Kunstmann: Wie kann Betroffenen geholfen werden?

    Bents: Hilfe wird leider oft erst dann aufgesucht, wenn das problematische Verhalten zu ernsthaften Störungen oder Krankheiten geführt hat. Dann braucht es mehr als reine Erholung. Dann ist eine intensive und professionelle Psychotherapie notwendig, die den Betroffenen dabei hilft die eigenen Schwachstellen zu erkennen und andere Möglichkeiten zu finden, die eigenen Bedürfnisse zu erfüllen.

    Frage: Welche Bedürfnisse?

    Bents: Hier geht es nicht nur um das Bedürfnis nach Lebensunterhalt, sondern um das Bedürfnis nach Selbstwert, nach Zugehörigkeit oder nach Lebensqualität. Auch das sind menschliche Grundbedürfnisse, auf die wir nicht verzichten können, wenn wir gesund bleiben wollen.

    Kunstmann: Werden viele rückfällig?

    Bents: Wer Hilfe aufsucht, lernt in der Regel daraus und hat sehr gute Aussichten, stabil zu bleiben. Das Problem ist eher, Menschen frühzeitig auf die Gefahren hinzuweisen, die Arbeiten mit sich bringen kann. Vor allem jüngere Menschen sind für Arbeitssucht anfällig, weil sie noch nicht so gut auf eigene Grenzen und rationales Arbeitsverhalten vorbereitet sind. Andererseits – Alter schützt auch hier vor Torheit nicht.

    Bio-Box: Hinrich Bents ist Lehrtherapeut für Verhaltenstherapie. Der 55-Jährige ist seit 2005 Leiter des Zentrums für Psychologische Psychotherapie der Universität Heidelberg. Der Therapeut kann auf 30 Jahre Berufserfahrung zurückblicken.

    Das ZPP: Das Zentrum für Psychologische Psychotherapie (ZPP) ist Teil des Psychologischen Instituts der Universität Heidelberg und bildet Psychotherapeuten aus. Die Einrichtung verfügt über eine eigene Ambulanz mit derzeit 500 Patienten.  

  • Bald deutlich weniger Solarförderung

    Bestehende Anlagen sind nicht betroffen / Verbraucher zahlen die Milliardensubvention

    Die Förderung der Solaranlagen wird noch in diesem Jahr deutlich gesenkt. In dieser Woche will das Bundesumweltministerium Details nennen. Im Gespräch ist eine Kürzung der Einspeisevergütung um bis zu 17 Prozent. Die Förderung soll zudem noch einmal um 2,5 Prozent gesenkt werden, wenn die innerhalb eines Jahres neu installierten Anlagen mehr als 3.000 Megawatt Strom liefern. Bei einem Ausbau um mehr als 3.500 Watt könnte der Förderbetrag zusätzlich um fünf Prozent abgeschmolzen werden. Bereits laufende Solaranlagen sind von den Änderungen nicht betroffen. Für sie gilt ein Bestandsschutz. „Die Besitzer können sich auf ihre Investitionsplanung verlassen“, versichert ein Sprecher des Bundesumweltministeriums.

    Neu in Betrieb genommene Sonnenkraftwerke fallen bis zu dem Stichtag, an dem die Novelle des Erneuerbare Energien Gesetz (EEG) in Kraft tritt, unter die jetzt noch bestehende Regelung. Der letzte Termin ist noch nicht bekannt. Zunächst muss die Reform vom Bundestag beschlossen werden. Wahrscheinlich ist das Verfahren spätestens im Sommer abgeschlossen.

    Noch ist unklar, inwieweit auch die Betreiber von großflächigen Solaranlagen auf Gründ- und Ackerflächen eine Subventionskürzung hinnehmen müssen. In Fachkreisen gilt es als wahrscheinlich, dass hier noch mehr gespart wird, damit der für die Nahrungsmittelproduktion benötigte Boden nicht als Kraftwerksterrain verschwendet wird. Die Solarenergie auf Konversionsflächen, also ehemaligen Militärgebieten oder Müllkippen, wird jedoch weiter unterstützt.

    Mit dem EEG wollte die Bundesregierung die zu teurer Produktion von Ökostrom fördern. Dazu wurde für jede von den Solarzellen ins Stromnetz eingespeiste Kilowattstunde für 20 Jahre die Vergütung festgelegt, die im Verlauf der Jahre nach und nach abgeschmolzen wird. In diesem Jahr gibt es pro Kilowattstunden 39 Cent bei normalen und 30 Cent bei großen Anlagen. Dadurch lohnt sich der Kauf einer Solaranlage für die Betreiber schnell.

    Die Entwicklung in der Solarbranche hat zunehmend Kritik am EEG hervorgerufen. Denn einerseits gingen die Preise für die Solaranlagen in den letzten Monaten rasant zurück. Andererseits installierten Hausbesitzer oder Landwirte viel mehr Photovoltaik als in den Prognosen angenommen. Das hat Folgen für Unternehmen und Verbraucher, die letztlich für die Subvention zur Kasse gebeten werden. Denn die Förderung wird auf den Strompreis aufgeschlagen.

    Das wird teuer, wie der Bundesverband der Verbraucherzentralen vorrechnet. „Allein für die im Jahr 2009 neu installierten Solaranlagen müssen die Verbraucher Mehrkosten von rund zehn Milliarden Euro bezahlen“, heißt es in einem Gutachten des Verbands. In früheren Kalkulationen waren die Experten von gut zwei Milliarden Euro ausgegangen. Der vzbv will daher eine deutliche Reduzierung der Solarförderung um 30 Prozent.

    Zu einem solchen Kahlschlag wird es nicht kommen. Aber auch die Forderung der Solarindustrie, ist vergebens. Die Hersteller der Zellen sehen allenfalls den Spielraum für eine fünfprozentige Senkung der Sätze und drohen andernfalls schon mal mit einem kräftigen Stellenabbau. Rund 50.000 Arbeitsplätze stünden in Deutschland auf dem Spiel, warnt der Bundesverband Solarindustrie. An der Börse wurden die Kürzungspläne in der vergangenen Woche schon eingepreist. Solaraktien verloren in wenigen Stunden deutlich an Wert.

  • Beamte sammeln große Vermögen

    Im Vergleich zu anderen Berufsgruppen sind Beamte überdurchschnittlich wohlhabend. Sie erhalten auskömmliche Pensionen, finanzieren diese Altersversorgung aber nicht mit eigenen Beiträgen

    Beamte profitieren überdurchschnittlich vom gegenwärtigen System der Alterssicherung in Deutschland. Im Vergleich zu anderen Berufsgruppen sammeln sie die höchsten Vermögen an. Nur Managern und Selbstständigen geht es noch besser. Der materielle Vorteil der Beamten basiert auch darauf, dass sie keine Pflichtbeiträge zur Altersvorsorge bezahlen müssen. Ihre Pensionen finanzieren die Steuerzahler.


    Dies sind wichtige Ergebnisse einer Untersuchung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) und der Hans-Böckler-Stiftung der Gewerkschaften. Erstmals seit langer Zeit haben die Forscher nicht nur die Geld- und Sachvermögen, sondern auch die Anwartschaften auf Altersrenten und Pensionen in Deutschland berechnet. Die neuen Zahlen geben die Vermögensverteilung für das Jahr 2007 wieder.


    Zur materiellen Situation der Beamten sagte DIW-Ökonom Markus Grabka: „Diese Bevölkerungsgruppe ist doppelt privilegiert“. Neben der Beitragsfreiheit würden Staatsdiener auch von dem „höheren Versorgungsniveau“ profitieren. Ihre Pension richte sich nach der Summe ihres letzten Gehaltes, so Grabka, und nicht nach dem während des Berufslebens erzielten Gesamteinkommen.


    Beamte im einfachen und mittleren Dienst verfügen deshalb über ein durchschnittliches Vermögen inklusive Pensionsansprüchen von 144.000 Euro. Im gehobenen und höheren Dienst sind es 268.000 Euro. Zum Vergleich: Vorarbeiter, Meister und Angestellte kommen auf 131.000 Euro.


    Besonders deutlich wird der Unterschied im Vergleich von Rentnern und Pensionären. Während erstere über durchschnittlich 233.000 Euro verfügen, können die pensionierten Beamten auf 502.000 Euro zurückgreifen. Diese Summen setzen sich jeweils zusammen aus Geld- und Sachvermögen in Form von Sparkonten, Wertpapieren, sowie Immobilien und andererseits dem Vermögen fürs Alter, das die angesparte Rente oder Pension darstellt. Rentner besitzen nach den Zahlen des DIW durchschnittlich 108.000 Euro plus Rentenansprüche von 125.000 Euro. Pensionäre haben dagegen 196.000 normales Vermögen plus 307.000 Euro Pensionsansprüche.


    DIW-Ökonom Joachim Frick warnte freilich vor „Neiddebatten“. Die guten Pensionen ließen sich auch damit erklären, dass sie früher als Ausgleich für Gehaltsnachteile von Beamten im Vergleich zur Wirtschaft gedacht waren. Heute allerdings hält auch Frick den Vorsprung der Staatsdiener für „diskussionswürdig“. Wünschenswert sei es, dass alle Berufsgruppen in die Sozialversicherung einzahlten, also auch Beamte mit Vorsorgebeiträgen zu ihrer Pension beitrügen.


    Unter den aktiven Beschäftigten stehen sich höhere Angestellte und Manager am besten. Sie kommen auf ein durchschnittliches Gesamtvermögen von knapp 400.000 Euro. Selbstständige mit mehr als zehn Mitarbeitern bilden die Spitzengruppe. Inklusive Rentenansprüchen können sie auf 1,1 Millionen Euro zurückgreifen. Arbeitslose verfügen dagegen nur über 56.000 Euro.


    Als erfreuliches Ergebnis vermerkten die DIW-Forscher, dass die sozialen Unterschiede zwischen Arm und Reich geringer ausfallen, wenn man die Altersvorsorge einrechnet. Der Grund: Fast alle Beschäftigten zahlen einen Teil ihres Einkommens pflichtgemäß in die Rentenversicherung. Dadurch bilden sich automatisch Vermögen, die die Lage auch der ärmeren Einwohner verbessern.


    Für die Zukunft sehen Grabka und Frick freilich zunehmende Unterschiede voraus. Die Altersarmut werde wachsen. Dies liege zum einen am sinkenden Niveau der gesetzlichen Rente, zum anderen an Tendenzen wie der Ausdehnung des Niedriglohnsektors. Geringverdiener mit Stundenlöhnen von 7,50 Euro müssten eigentlich fast 70 Jahre arbeiten, um im Alter mehr zu erhalten als die Grundsicherung. Da eine solch lange Lebensarbeitszeit unmöglich zu erreichen sei, würden später mehr Menschen als heute ihren Lebensabend auf Basisniveau verbringen müssen.


    Im regionalen Vergleich ergibt sich ein großer Vorsprung des Westens. Westdeutsche Rentner verfügen über durchschnittlich 350.000 Euro. Dagegen liegen die Vermögen inklusive Renten in Ostdeutschland mit 190.000 Euro viel niedriger. Auch hier machen sich den Beamtenpensionen bemerkbar, die im Osten wenig verbreitet sind. Insgesamt haben die Deutschen Vermögen von fast elf Billionen Euro angesammelt (11.000 Milliarden) – sechs Billionen aus normalen Vermögen und fast fünf Billionen mit Renten- und Pensionsansprüchen.

  • Beamte sollten Beiträge zahlen

    Kommentar zur Vermögensverteilung von Hannes Koch

    Noch funktioniert das System der Alterssicherung in Deutschland. Trotz aller Rentendiskussionen zeigen die neuesten Zahlen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung: Die Rente trägt dazu bei, die sozialen Verhältnisse gerechter zu machen. Weil fast alle Beschäftigten gesetzlich verpflichtet sind, in die Rentenversicherung einzuzahlen, bilden sich automatisch Vermögen. Selbst ärmere Personen legen Geld zur Seite, das ihnen später im Leben zur Verfügung steht. Diese Altersvermögen verringern die ansonsten zunehmenden sozialen Unterschiede, die auf der wachsenden Spreizung in sehr niedrige und sehr hohe Gehälter beruhen. Mögliche soziale Spannungen werden dadurch verringert oder entstehen erst gar nicht – eine gute Nachricht.


    Aber das System ächzt. Das liegt unter anderem daran, dass alte Privilegien heute nicht mehr berechtigt erscheinen. Für Lehrer, Finanzbeamte und Kulturreferenten ist es gut, wenn sie keine Beiträge zur Rentenversicherung zahlen müssen und trotzdem eine stattliche Altersversorgung erhalten. Nun geht es nicht darum, dieser prosperierenden Mittelschicht aus Sozialneid oder Beamtenhass etwas wegnehmen zu wollen. Allerdings erscheint es zunehmend widersinnig, bestimmte Berufs- oder Standesgruppen von der allgemeinen Sozialversicherungspflicht zu befreien. Denn dieses größte und wichtigste System der Altersvorsorge kann seiner Aufgabe in Zukunft nur gerecht werden, wenn mehr Geld zur Verfügung steht. Auch Beamte sollten deshalb Renten- beziehungsweise Pensionsbeiträge zahlen. Ohne diese Mittel wird es schwer bis unmöglich, der zunehmenden Zahl der Niedriglöhner später eine einigermaßen akzeptable Rente zu sichern.

  • Wachstumszweig Schwarzarbeit

    Experte schätzt das Volumen der Schattenwirtschaft 2010 auf 360 Milliarden Euro / Schlechte Manager untergraben die Moral

    Die Schattenwirtschaft ist wieder auf dem Vormarsch. Im vergangenen Jahr stieg das Volumen der Schwarzarbeit um fünf Milliarden auf 352 Milliarden Euro an. In diesem Jahr rechnet der auf die Berechnung der illegalen Tätigkeiten spezialisierte Wissenschaftler Friedrich Schneider mit einem Umsatz von 360 Milliarden Euro. Exakt ist die Schätzung nicht. Sie stellt vor allem den Trend dar.

    „Der Hauptgrund für die Zunahme ist die schlechte Lage in der realen Wirtschaft“ erläutert Schneider. Kurzarbeiter würden sich vermehrt etwas dazu verdienen, ebenso Arbeitslose und Frührentner. Eine positive Entwicklung gab es in den letzten Jahren aber auch. Die Regelungen für Minijobber haben gewirkt. Vor allem in den privaten Haushalten wird nicht mehr so viel am Fiskus vorbei verdient. Der Professor von der Universität Linz glaubt, dass in Deutschland zwischen sieben und elf Millionen Erwerbstätige nebenbei noch schwarzarbeiten. Facharbeiter, vom Automechaniker bis zum Fliesenleger stellen zwei Drittel der illegal beschäftigten. Das restliche Drittel entfällt auf Arbeitslose und Frührentner auf der einen, und illegale Zuwanderer auf der anderen Seite. Laut Schneider ist die Kluft zwischen den Kosten einer legalen Handwerkerstunde und einer Stunde Schwarzarbeit das wichtigste Motiv der Auftraggeber.

    Wie hoch der Schaden für die Allgemeinheit ist und ob überhaupt einer entsteht, ist umstritten. Der Forscher sieht auch Vorteile. „Schattenwirtschaft ist Wohlstands steigernd“, versichert Schneider. Der Verdienst wird schließlich meist sofort wieder in den legalen Geldkreislauf gebracht und schafft dort Umsatz und Arbeit. Zu den großen Verlierern zählt der Wissenschaftler die Firmen, die durch illegal arbeitende Konkurrenten ins Hintertreffen geraten und die Sozialkassen, denen enorm hohe Beitragseinnahmen entgehen.

    Im Kampf gegen die illegale Beschäftigung helfen Schneider zufolge vor allem mehr Kontrollen. Höhere Strafen bewirken dagegen nicht allzu viel. Eher hängt die gesellschaftliche Akzeptanz mit der Verbreitung von Schwarzarbeit zusammen. „Die Leute haben ein gutes Gefühl für Gerechtigkeit“, erklärt Schneider. Wenn der Staat das Fehlverhalten mancher Manager nicht sanktioniere, sinke auch die Hemmschwelle bei den kleinen Leuten.

    In einer Befragung hat die Stiftung Marktwirtschaft neben der Schwarzarbeit auch die Steuerhinterziehung untersuchen lassen. Gut 2.000 Haushalte wurden dafür befragt. Die Zahl der Steuersünder ist danach vergleichsweise gering. Gut ein Prozent gab zu, dass Kapitaleinkünfte am Fiskus vorbei erzielt werden. Geldanlagen in den Steueroasen sind rar. Gerade einmal jeder fünfzigste hat ein Konto im Ausland. Über das Volumen der hinterzogenen Beträge sei nichts bekannt, räumte der Autor der Studie, Lars Feld von der Universität Heidelberg, ein. Den Schaden für den Steuerzahler schätzt der Forscher auf rund 350 Millionen Euro im Jahr.

  • Kartellamt nimmt weitere Firmen ins Visier

    Preisabsprachen bei Lebensmitteln schon seit 2005? / Schaden schwer zu beziffern

    Das Bundeskartellamt nimmt immer mehr Hersteller und Einzelhändler der Lebensmittelbranche ins Visier. Mittlerweile werde gegen insgesamt 24 Unternehmen ermittelt, erläutert der Sprecher der Behörde, Kay Weidner. Das Amt hegt den Verdacht, dass Produzenten und Endverkäufer die Preise für bestimmte Produkte, vor allem Süßwaren und Tierfutter, miteinander abgesprochen haben. „Es ging überwiegend um Preisuntergrenzen“, sagt Weidner.

    Da derlei Vereinbarungen verboten sind, suchen die Beamten nun wegen möglicher Verstöße gegen das Kartellrecht nach Beweisen in beschlagnahmten Computern, Akten  oder Handys. Die Daten hatten mehrere Dutzend Fahnder am Donnerstag bei Durchsuchungen der Betriebe sichergestellt. Betroffen sind die großen Einzelhandelsketten ebenso wie Markenproduzenten. Sollte sich der Verdacht erhärten, drohen den Unternehmen gewaltige Bußgelder. Fast 160 Millionen Euro mussten vor kurzem erst Kaffeeröster bezahlen, weil sie den Preis für die Bohnen per Absprache hoch gehalten haben.

    Die Behörden gehen von einem ungewöhnlichen Kartell aus, weil zwei Ebenen miteinander gekungelt haben sollen. Untersucht wird, ob Markenhersteller Händler dazu gebracht haben, für ihre Produkte einen Mindestpreis zu erheben und sich auf diese Weise attraktive Margen zu sichern. Die Absprachen sollen seit 2005 laufen. Von der großen Verschwörung zu Lasten der Kunden gehen die Ermittler aber nicht aus. Treffen die Vermutungen zu, gibt es eine Fülle von Einzelabsprachen in der Branche. Erlaubt ist der Einfluss der Produzenten auf die Verkaufspreise nicht. Allenfalls eine unverbindliche Preisempfehlung darf bei der Lieferung der Ware mitgegeben werden.

    Nun geht es an die Auswertung der beschlagnahmten Ordner und Festplatten. Das wird nach Einschätzung der Wettbewerbshüter Monate dauern, weil so viele Unternehmen beteiligt sind. Die Razzia wurde nicht ins Blaue hinein gestartet. Offenkundig haben Beteiligte an den verschiedenen Preiskartellen ausgepackt, um mit einer milderen Strafe davon zu kommen. Es werde mit mehreren Unternehmen kooperiert, heißt es aus Kreisen der Ermittler.

    Auf die Sünder warten hohe Geldbußen. „Wir müssen abschrecken“, kündigt Weidner an. Bis zu zehn Prozent des letzten Jahresumsatzes kann das Strafgeld ausmachen. Der Rahmen wurde allerdings noch nie vollständig ausgeschöpft. Selbst die Rekordstrafe für den Chiphersteller Intel von gut einer Milliarde Euro entsprach gerade einmal zwei Prozent des Konzernumsatzes. Die Bußgelder könnten sich im aktuellen Fall schnell auf einen dreistelligen Millionenbetrag summieren. Die Höhe richtet sich nach der Schwere und Dauer der Tat. Aktive Mithilfe bei der Aufklärung wird mit einem Nachlass belohnt. Früher kamen die Kartellwächtern Sünder kaum einmal auf die Spur. Das hat sich geändert, seit es eine Kronzeugenregelung gibt. Nun plaudern Mittäter eher, weil sie dann billiger davon kommen.

    Illegale Absprachen gehen zu Lasten der Kunden im Supermarkt. Der Bundesverband der Verbraucherzentralen (vzbv) spricht von einem „Milliardenbetrug“. Um welche Summe die Kunden tatsächlich geprellt wurden, lässt sich kaum errechnen. „Es ist unheimlich schwierig“, räumt vzbv-Rechtsexpertin Jutta Gurkmann ein. Angesichts hoher Extragewinne aus den Preisabsprachen erscheinen die hohen Strafzahlungen in einem anderen Licht.

    Den vzbv ärgert, dass Schadenersatzansprüche von ihrem Verband nicht stellvertretend für alle Kunden eingeklagt und die zu Unrecht erzielten Gewinne eingezogen werden können. Der Entwurf einer entsprechenden EU-Richtlinie ist bislang nicht umgesetzt worden. „Es darf nicht sein, dass die Unternehmen trotz der Geldbuße Gewinne einfahren“, kritisiert Gurkmann. Verbraucherministerin Ilse Aigner hat bereits eine indirekte Entschädigung der Verbraucher ins Spiel gebracht. Die Ministerin will die verhängten Bußgelder an Verbraucherorganisationen weiter leiten. Bislang wandern diese Einnahmen direkt in den Bundeshaushalt.

  • Die Dummen

    Kommentar

    Offenkundig haben Einzelhändler und einige Lebensmittelhersteller ihre Kunden lange Zeit über den Tisch gezogen. Aber noch gilt für jedes einzelne Unternehmen die Unschuldsvermutung. Hersteller und Händler sollen bei der Preisgestaltung von Kaffee, Süßkram und Tierfutter gemeinsame Sache gemacht haben. Wenn das stimmt, ist ihren Kunden ein gewaltiger Schaden entstanden. Denn die Verbraucher haben bei ihrem Einkauf mehr bezahlt als es bei einem funktionierenden Wettbewerb der Fall gewesen wäre. Vor einigen Wochen belegten die Wettbewerbshüter bereits Kaffeefirmen mit hohen Bußgeldern, weil sie ein Kartell gebildet hatten.

    Vielleicht wird das Kartellamt auch in diesem Falle fündig und verhängt  millionenschwere Strafen. Das Verfahren ist trotz dieser Aussicht  unbefriedigend. Denn der Verbraucher ist der Dumme. Die Bußgelder landen nicht in seiner Tasche. Die betrogenen Kunden müssen ihren Schaden einklagen können, was bisher noch nicht möglich ist. Wenn das schon nicht im Einzelfall wegen ein paar Cent geht, dann sollten die Bußgelder wenigstens zweckgebunden eingesetzt werden, zum Beispiel für die Verbraucherbildung oder die Konsumforschung.

  • „Wir sind nicht alle geborene Pfleger“

    Immer da sein, rund um die Uhr: Einen Demenzkranken zu betreuen, ist ein Vollzeitjob. Heike von Lützau-Hohlbein, die Vorsitzende der Deutschen Alzheimer Gesellschaft, kennt die Herausforderungen, die auf pflegende Familienmitglieder zukommen.

    Mandy Kunstmann: Können sich Angehörige überhaupt auf die Pflege vorbereiten?

    Heike von Lützau-Hohlbein: Eigentlich können sie das nicht. Entweder passiert Pflegebedürftigkeit plötzlich wie beim Schlaganfall, oder sie tritt schleichend ein. Das ist bei Demenz der Fall. Da rutscht man einfach rein.  

    Kunstmann: Welche Belastungen kommen auf Pflegende zu?

    Lützau-Hohlbein: Demenzkranke brauchen eine Begleitung, die rund um die Uhr stattfindet. Viele haben eine Störung des Tag-Nacht-Rhythmus. Sie stehen zum Beispiel frühmorgens um zwei Uhr auf und wollen ins Büro. Viele klammern auch am Pfleger und fordern, dass er ständig da ist. Das ist eine schwierige Situation.

    Kunstmann: Was hilft, mit dieser Belastung gut umzugehen?

    Lützau-Hohlbein: Geduld und Humor sind die Schlüsselwörter. Wenn die demente Mutter mit einem Winterstiefel am einen und einer Sommersandale am anderen Fuß spazierenngehen gehen will, kann man lachen oder sich darüber ärgern. Pflegende müssen sehr viel Kraft entwickeln. 

    Kunstmann: Wo bekommen sie die Kraft her?

    Lützau-Hohlbein: Sie sollten lernen, die Situation mit Distanz zu betrachten und Demenz als Krankheit anzuerkennen. Pflegende dürfen auch nicht vergessen, an sich selber zu denken. Es ist wichtig, eigene Hobbys beizubehalten. Für diese Zeit müssen sie sich Hilfe organisieren. Das kann schwierig werden. Denn zuerst muss jemand gefunden und dann muss er auch noch bezahlt werden.

    Kunstmann: Wie gehen pflegende Familienangehörige mit Demenz um?

    Lützau-Hohlbein: Am Anfang tun sie das meist nicht so, wie es wünschenswert wäre. Sie bürden sich viel zu viel selbst auf. So nach dem Motto „Das bisschen Haushalt“. In einer Akutsituation, wenn der Pflegende beispielsweise selbst krank wird, bricht das Ganze auf. 

    Kunstmann: Was kann denn helfen, die Belastung zu minimieren?

    Lützau-Hohlbein: Das hängt ganz von der Situation ab. Manche Demenzkranke verhalten sich aggressiv, manche können nicht still halten und andere wiederum sind ganz lieb. Wichtig ist, vorhandene Hilfsangebote anzunehmen. Es gibt zum Beispiel Betreuungsnachmittage, Tagespflegeeinrichtungen oder Kurzzeitpflegeeinrichtungen. Mittlerweile gibt es auch die Möglichkeit, gemeinsam mit dem Demenzkranken Urlaub zu machen.

    Kunstmann: Fällt Ihnen noch etwas ein?

    Lützau-Hohlbein: Es gibt auch  therapeutische Angebote, die pflegende Personen in Anspruch nehmen können.

    Kunstmann: Welche Möglichkeiten haben Angehörige, wenn sie die Pflege zuhause nicht mehr bewerkstelligen können?

    Lützau-Hohlbein: Pflegeheime sind heute ganz unterschiedlich ausgestattet. In manchen gibt es Wohngruppen, in denen Präsenzkräfte die Kranken beschäftigen. Dort herrscht eine wärmere Atmosphäre als in großen Pflegestationen. Dann gibt es auch ambulant betreute Wohngruppen. Da mieten sich mehrere Kranke selbst oder über eine Organisation eine Wohnung. Egal für welche Form der Pflege man sich entscheidet, man sollte immer die Qualität im Auge behalten. Schwarze Schafe gibt es überall.

    Kunstmann: Plagen Angehörige Gewissensbisse, wenn sie die Verantwortung an ein Heim abgeben?  

    Lützau-Hohlbein: Das passiert ganz häufig. Schon allein das Wort „abgeben“ zeigt, dass wir stationäre Heime negativ besetzen. Warum sagen wir nicht einfach „Umzug“. Wir sind nicht alle geborene Pfleger. Gute Pflege braucht Distanz und Wissen, und das schafft eben nicht jeder. Für den Dementen ist der Besuch eines ausgeruhten Angehörigen wichtiger als ein gestresster Angehöriger zuhause.

    Bio-Box: Heike von Lützau-Hohlbein ist seit 1990 ehrenamtlich bei der Deutschen Alzheimer Gesellschaft tätig. Die 63-Jährige übernahm zuerst das Amt der Schatzmeisterin. Seit 2001 ist die Informatikerin Vorsitzende des gemeinnützigen Vereins.

  • Vorsicht Pflege!

    Pflege kostet meist mehr Geld als es von der gesetzlichen Versicherung gibt/ Eine Zusatzpolice kann sinnvoll sein

    Pflege ist teuer. Und häufig reichen die Leistungen aus der gesetzlichen Versicherung nicht aus, um alle Kosten abzudecken. Im Zweifelsfall müssen Angehörige die Betreuung mit finanzieren. Wer Kindern und Enkeln nicht zur Last fallen will, sorgt vor. Eine private Zusatzpolice schließt die Lücke und entlastet das Familienbudget. Der Vertrag lohnt sich aber nur, wenn er früh genug abgeschlossen wird.

    Es ist schnell vorgerechnet, wie  groß die Kluft zwischen den tatsächlichen Kosten und den Leistungen aus der Pflegekasse sein kann: Monatlich 3.000 Euro kostet ein Heimplatz in der höchsten Pflegestufe im Durchschnitt. Bis zu 1.510 Euro, im Härtefall auch bis zu 1825 Euro, gibt der Staat zu den dadurch entstehenden Ausgaben hinzu. Für Unterbringung, Ernährung und zusätzliche Aufwendungen müssen Versicherte selbst aufkommen. Da ist die Rente schnell aufgebraucht und Angehörige müssen für die restlichen Kosten aufkommen – falls sie es können. Nur wenn nicht genügend Geld in der Familienkasse ist, springt das Sozialamt ein.       

    Das Pflegheim ist für viele Betroffene jedoch der letzte Ausweg. Von den über zwei Millionen Pflegebedürftigen in Deutschland werden zwei Drittel zuhause versorgt – durch die Familie und ambulante Dienste. Auch die Kosten für das Waschen, Betten machen oder Stützen in der häuslichen Umgebung fallen häufig höher aus als die Mittel aus der Pflegeversicherung. Betreuende Familienmitglieder oder andere nahestehende Personen bekommen vom Staat ein monatliches Pflegegeld von bis zu 685 Euro. Und Hausbesuche von Pflegekräften werden mit maximal 1918 Euro im Monat bezuschusst. Beide Leistungen können zwar kombiniert werden, dann verringern sich jedoch die Beträge. Hinzu kommen noch weitere Hilfen, wie zum Beispiel Zuschüsse zur Wohnungsanpassung oder zur Kurzzeitpflege.  

    Eine kostengünstige Alternative zur Unterbringung im Heim ist die häusliche 24-Stunden-Betreuung. Agenturen die Hilfs- und Pflegekräfte aus Osteuropa vermittelten bieten diesen Service. Zwischen 1.200 Euro und 2.500 Euro plus freie Kost und Logis veranschlagten die Vermittlungsagenturen dafür. Das zumindest sind die Preise der Agenturen die die Stiftung Warentest im letzten Jahr unter die Lupe genommen hatte. Leider fielen alle Anbieter negativ auf, weil sie „rechtlich bedenkliche Äußerungen“ machten. Ohne weiteres dürfen noch keine Osteuropäischen Arbeitskräfte eingestellt werden.

    Derlei Befürchtungen kommen bei zugelassenen ambulanten Pflegediensten sicher nicht auf. Sie  sind lediglich teurer, und eine 24-Stunden-Betreuung ist schwer zu finden. Zwischen 2.700 Euro und 3.200 Euro fallen für den Rund-um-die-Uhr-Service laut Verbraucherzentralen an. Je nach Aufwand kann es aber auch deutlich teurer werden. Betreutes Wohnen in einer Wohngemeinschaft kann ebenso eine Alternative zur Unterbringung im Heim sein. Jedoch ist auch das  nicht viel preiswerter. Schnell kommen für Unterkunft, Lebensmittel, Pflege und Betreuung 3.000 Euro im Monat zusammen.

    Wie schließen Versicherte nun die finanzielle Lücke zwischen den anfallenden Kosten und den staatlichen Leistungen? Die Stiftung Warentest empfiehlt eine private Pflegetagegeldversicherung. Im Ernstfall zahlt sie pro Tag einen bestimmten Betrag. Nicht für jeden ist die Police allerdings sinnvoll. „Sie kommt nur in Frage, wenn Versicherte beim Abschluss nicht älter als 55 Jahre und kerngesund sind“, erklärt Sabine Baierl-Johna von der Abteilung Finanzdienstleistungen. Außerdem sollten Kunden sich sicher sein, dass sie die hohen und in Zukunft voraussichtlich weiter steigenden Beiträge dauerhaft aufbringen können.

    2009 hat die Zeitschrift Finanztest 26 Tarife auf den Prüfstand gestellt. Je nach Alter und Geschlecht schwankten die Beiträge zwischen 20 Euro und 122 Euro. Der Test zeigt: Frauen zahlen in der Regel mehr. Und teuer heißt nicht gleich gute Leistungen. Auch wenn Frauen mehr berappen müssen, vor allem für sie ist die Zusatzversicherung sinnvoll. Denn in der Regel wird zuerst der Mann hinfällig und die Ehefrau oder Partnerin übernimmt alle Aufgaben. Wird sie später selbst von fremder Hilfe abhängig, ist das private Vermögen oftmals aufgezehrt. Menschen mit stark schwankenden oder unsicheren Einkommen sollten jedoch besser auf eine andere Art Vorsorgen, zum Beispiel mithilfe von Bank- oder Fondssparplänen oder Bundeswertpapieren.