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  • Im Osten keine Kreditklemme

    Unternehmen werden vorsichtig/ Krise noch nicht richtig angekommen

    Unternehmen in den neuen Ländern können weiterhin Darlehen erhalten. Von generellen Finanzierungsschwierigkeiten kann nach Einschätzung des Ostdeutschen Sparkassenverbands (OSV) keine Rede sein. „Bei uns sprudelt es aus dem Kredithahn“, sagte OSV-Präsident Claus Friedrich Holtmann am Donnerstag in Berlin. Im ersten Halbjahr haben die Mitgliedsinstitute sogar deutlich mehr Darlehen zugesagt und ausgezahlt als im Vergleichszeitraum 2008.

    Die 49 OSV-Sparkassen in Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen und Sachsen-Anhalt zahlten in den ersten sechs Monaten 2009 neue Kredite in Höhe von insgesamt  2,7 Milliarden Euro aus. Das sind 21,5 Prozent mehr als noch im Jahr zuvor. Davon entfielen 1,2 Milliarden Euro auf Unternehmen und Selbständige sowie eine Milliarde Euro auf Privatpersonen. Im gleichen Zeitraum stieg auch die Höhe der neu bewilligten, aber noch nicht abgerufenen, Kredite.

    Viele Kredite werden gar nicht abgerufen. Offenkundig scheuen besonders kleine Unternehmen Investitionen und Risiken angesichts der insgesamt unsicheren Auftragsentwicklung. Im Herbst könnte sich die Situation aber verbessern, hofft Holtmann. Die Zuversicht basiert auf den Konjunkturpaketen der Bundesregierung, die allmählich greifen und vor allem Handwerksbetrieben zu Aufträgen verhelfen.

    Von einer Kreditklemme kann auch in Sachsen keine Rede sein. Die 15 Sparkassen des Freistaates zahlten im ersten Halbjahr 2009 knapp eine Milliarde Euro neue Kredite aus, ein Zuwachs um 13 Prozent. Fast die Hälfte des Geldes entfiel auf Unternehmer und Selbständige, 40 Prozent gingen an private Haushalte.

    Bislang haben die Sparkassen die Krise recht gut überstanden. Holtmann rechnet in diesem Jahr sogar mit einer Gewinnsteigerung um gut vier Prozent. 2010 wird dem OSV-Präsidenten zufolge schwieriger. Dann dürfte sich die Konjunkturflaute auf die Zahlungsfähigkeit der Kunden auswirken. Die Sparkassen richten sich auf höhere Kreditausfälle ein.

           

  • Viele Fehler beim Scoring

    Schufa & Co haben viele falsche Daten im Bestand / Aigner fordert mehr Verbraucherfreundlichkeit

    Die großen Wirtschaftsauskunfteien wie die Schufa arbeiten äußerst nachlässig. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Bundesverbraucherministeriums. „Die Fehlerquote ist einfach zu hoch“, sagte Ministerin Ilsa Aigner am Dienstag in Berlin. Bei der Schufa erwiesen sich beispielsweise mehr als die Hälfte der Selbstauskünfte als fehlerhaft.

    Die Auskunfteien schätzen anhand verschiedener persönlicher Daten die Zahlungsfähigkeit der Kunden ein. Das so genannte Scoring-Verfahren ergibt am Ende eine Punktwert. Je höher der Wert desto geringer ist der Wahrscheinlichkeit, dass jemand seine Rechnung nicht bezahlen kann. Für die Kunden kann ein schlechtes Ergebnis gravierende Folgen haben. So werden Kredite eventuell verwehrt oder nur zu höheren Zinsen ausgereicht. Auch kann es vorkommen, dass Diskokredite über Nacht gekündigt werden und Versandhändler Waren nicht gegen Rechnung sondern nur per Nachnahme liefern.

    Für die Untersuchung forderten 100 verdeckte Prüfer bei den Auskunfteien die dort über sie gespeicherten Daten ab. „Bei keiner sind Verbraucherdaten in vollständiger oder befriedigender Weise abgespeichert“, bemängelte der Autor der Studie, Dieter Korczak. Mal fehlten Angaben zu einem vorhandenen Girokonto, mal war die Adresse falsch. Scheinbar harmlose Fehler können Folgen für die Bonitätseinstufung haben. Wer kein Girokonto hat, dessen Kreditwürdigkeit wird beispielsweise herabgestuft. Auch mit der Löschung falscher Daten klappt es mitunter nicht. Eine Witwe musste lange unter einem falschen Negativeintrag bei einer Auskunftei leiden. Denn aufgrund dessen kündigte die Hausbank ihren Dispo und ihr Konto. „Teilweise sind gravierende Fehler aufgetreten“, erläuterte Korczak.

  • Ein weiter Weg

    Kommentar

    Nationale Aktionspläne haben offenkundig eines gemeinsam. Sie formulieren in schwammigen Worten große Ziele und bleiben doch seltsam unfassbar und unverbindlich. Dies gilt für den nun verkündeten Einstieg ins Zeitalter der Elektroautos auch. Die sauberen E-Mobile, möglichst aus erneuerbaren Energien gespeist, werden als Hoffnungsträger im Kampf gegen den Klimawandel und das Ende des Ölzeitalters gepriesen. Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee erwartet gar eine mobile Revolution. Das alles ist viel zu hoch gegriffen.

    Seit vielen Jahren schiebt die Industrie die Markteinführung alternativer Antriebe vor sich her. Die Entwicklung kommt insbesondere bei den Batterien nicht schnell genug voran. Es bedarf noch eines technologischen Quantensprungs für eine wirtschaftliche und alltagstaugliche Speichertechnik. Ob dieser Fortschritt in gewünschter Zeit erreicht werden kann, ist völlig offen. Auch die flächendeckende Infrastruktur für das Laden der E-Mobile fehlt. Beträchtliche Investitionen werden dafür notwendig sein. Es erscheint fraglich, ob sich der Einsatz für private Firmen lohnen kann, solange nur wenig Nachfrage besteht. Der Staat ist hier gefordert, doch der hat in den nächsten Jahren nur begrenzte finanzielle Spielräume. Gleiches gilt für die Kaufanreize, ohne die die ersten, teuren Serienmodelle kaum absetzbar sein werden. Eine Festlegung darauf fehlt. Das erhöht das Risiko der Industrie und mindert so die Bereitschaft zu verstärkten Entwicklungsanstrengungen.

    Andere Industrienationen gehen die Elektromobilität viel aggressiver an und könnten sich an die Spitze der Bewegung stellen. Der Anschluss sollte ob der vielen mit der Elektromobilität verbundenen Chancen nicht verpasst werden. Dazu müssten sich die diffusen Absichtserklärungen in schnelle Erfolge verwandeln. Absehbar ist dies nicht. Ein gehöriges Maß an Skepsis am Heilsbringer E-Mobilität ist also angezeigt. Es ist noch ein weiter Weg, bis der Traum vom sauberen Verkehr Wirklichkeit wird.

  • Bund hofft auf das E-Mobil

    Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Nationale Aktionsplan

    Ersetzt der Elektromotor bald den herkömmlichen Antrieb durch Benzin- oder Dieselmotoren?
    Die Umstellung der gesamten Fahrzeugflotte auf umweltfreundliche Antriebe wird Jahrzehnte dauern. Bislang gibt es noch nicht einmal alltagstaugliche und serienreife Modelle. Die Bundesregierung will die Entwicklung in den nächsten Jahren forcieren. Bis zum Jahr 2020 sollen eine Million E-Mobile auf Deutschlands Straßen fahren. Die Zahl klingt beeindruckend. Bei einer Gesamtzahl von rund 50 Millionen Fahrzeugen ist der Anteil der Elektrofahrzeuge dann aber immer noch sehr gering. Erst zur Mitte des Jahrhunderts erwarten Fachleute den endgültigen Abschied vom Verbrennungsmotor. Dann könnte entweder der reine Elektroantrieb, der Wasserstoff verbrennende oder die Brennstoffzelle zum neuen Standard werden.

    Wann kommen die ersten E-Mobile auf den Markt?

    Der Bundeswirtschaftsminister rechnet ab 2011 mit den ersten Angeboten der Autoindustrie. Zwischen 2012 und 2017 soll die Markteinführung der ersten Serienmodelle stattfinden. Am Ende dieser Phase wird der Planung nach die bislang sehr teure Produktion aufgrund der Nachfrage billiger. Mit sinkenden Fahrzeugpreisen könnten die Elektrofahrzeuge dann allmählich den erhofften Siegeszug antreten.

    Wie viel werden die ersten Modelle kosten?

    Klar ist derzeit nur, dass die ersten Käufer tief in die Tasche greifen müssen. Das liegt vor allem am aufwändigen und schweren Energiespeicher im Auto. Heute kostet allein die Batterie für ein Elektroauto zwischen 10.000 Euro und 15.000 Euro. Erst wenn die Herstellungskosten für die Batterien sinken und die Nachfrage eine Massenfertigung lohnenswert werden lässt, werden die E-Mobile konkurrenzfähig. Ohne eine staatliche Hilfe beim Kauf wird die Markteinführung deshalb nur schwer gelingen. Frankreich geht diesen Weg und schießt 5.000 Euro für besonders umweltfreundliche Autos zu. Auf eine ähnliche Förderung konnte sich die große Koalition hierzulande nicht einigen. Das soll die nächste Bundesregierung entscheiden.

    Wo liegen die Schwierigkeiten bei der Entwicklung?

    Zwei gewaltige Herausforderungen müssen die Ingenieure und Strategen meistern. Die Batterien für den Elektroantrieb gleichen immer noch Dinosauriern. Sie sind zu groß und zu schwer für den Einsatz im Verkehr. Außerdem ist die Reichweite der Fahrzeuge mit einer Speicherladung noch viel zu gering. Nach höchstens 200 Kilometern müssen die meisten tauglichen Prototypen an die Steckdose. Darin besteht die zweite große Aufgabe. Es gibt bisher keine Infrastruktur, die das Aufladen der Batterien allerorten erlaubt. Dagegen erscheint das dritte Problem vergleichsweise harmlos. Die Autoindustrie muss aus der neuen Technik ein attraktives und verkaufsfähiges Produkt machen.

    Wie „tankt“ der Fahrer eines Elektrofahrzeugs?

    Mit der Markteinführung muss auch Netz von Stromtankstellen aufgebaut werden. Dafür sind verschiedene Varianten denkbar. Eine Möglichkeit ist das Laden der Batterie über Nacht in der eigenen Garage. Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee schließt auch ein öffentliches flächendeckendes Steckdosennetz nicht aus. Als Alternative kommen auch Stationen in Betracht, an denen die Autofahrer ihre leere Batterie gegen eine aufgeladene austauschen können. Die Versorgungsinfrastruktur soll in den nächsten Jahren in bundesweit acht Modellregionen erprobt werden. Das sind München, Stuttgart, Berlin/Potsdam, Bremen/Oldenburg, Hamburg, Sachsen, das Rhein-Ruhr- und das Rhein-Main-Gebiet.

    Wird aus der Abhängigkeit vom Öl nun eine von den vier großen Energieversorgern?

    Die Versorger freuen sich schon auf den zusätzlichen Bedarf. Die nächtliche Batterieladung würde die Kapazitäten der Kraftwerke besser auslasten. Die Abhängigkeit von den Stromproduzenten würde sich den Planungen nach nur geringfügig erhöhen. Laut Bundesregierung steigt der Strombedarf beim Einsatz von einer Million Elektrofahrzeugen lediglich um 0,3 Prozent. Viel wird trotzdem davon abhängen, ob auf dem Energiemarkt endlich ein Wettbewerb mit vielen dezentralen Anbietern in Gang kommt. Sonst steigt die Macht der vier großen Energiekonzerne in Deutschland nach und nach weiter an.

    Ist das E-Mobil der Klimaretter?

    Die Fahrzeuge selbst sind sauber. Es gibt keine Abgase und die Lärmbelästigung ist minimal. Ob der Umstieg etwas für den Klimaschutz bringt, hängt von der Stromerzeugung für die Batterien ab. Ein echter Gewinn sind Elektrofahrzeuge nur, wenn ihr Betriebsstrom aus erneuerbaren Energien kommt. Andernfalls müssen irgendwo Kraftwerke mehr Kohle, Gas oder Öl verbrennen, beziehungsweise Atomkraftwerke mehr Elektrizität liefern. Das würde die Bilanz des E-Mobils deutlich verschlechtern.

    Ist Deutschland in der Technik Spitzenreiter?

    Deutschland steht technologisch zwar nicht schlecht da. 500 Millionen Euro gibt der Bund für die Entwicklung des Elektromotors aus. Doch andere Länder stecken weitaus mehr Geld in alternative Antriebe. Drei Milliarden Euro gibt China aus, mit zwei Milliarden Dollar fördert die US-Regierung allein die Erforschung besserer Batterien. Das deutsche Ziel, bald Leitmarkt für Elektromobile zu werden, erscheint daher etwas zu ehrgeizig.

  • Bioprodukte sind doch besser

    EU-Studie belegt höheren Gehalt an nützlichen Stoffen

    Gemüse oder tierische Produkte aus biologischem Anbau weisen einen höheren Anteil an nützlichen Wertstoffen auf als konventionelle erzeugte Nahrungsmittel. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Forschungsinstituts für biologischen Landbau (FiBL), das im Auftrag der EU fünf Jahre lang Kohl, Salat, Tomaten, Kartoffeln und Milch analysiert hat. Im Ökogemüse fanden die Forscher höhere Anteile an Vitaminen sowie Stoffen, die die Abwehrkräfte gegen Krebs oder Infekte stärken. Biomilch erwies sich als deutlich nahrhafter als herkömmliche. Den Grund dafür sieht FiBL-Chef Urs Niggli im Futter der Kühe, die auf Biohöfen mehr Grünfutter erhalten oder direkt auf der Weide grasen. Beim Gemüse sei die organische Düngung Ursache der besseren Ergebnisse.

    Hart ins Gericht ging der Wissenschaftler mit einer kürzlich in England veröffentlichten Studie, die zu einem anderen Ergebnis kam. Dort seien wichtige Forschungsergebnisse und relevante Fakten ausgeblendet worden, kritisierte Niggli. So berücksichtigte die britische Untersuchung zum Beispiel nicht, konventionelle Lebensmittel höher mit Rückständen von Pestiziden, Wachstumshormonen oder Schwermetallen belastet sind als Bioerzeugnisse.

  • Weiter Weg

    Kommentar

    Deutschland will erklärtermaßen „weg vom Öl“. Der Weg ist noch weiter, als viele denken. Insbesondere der Straßenverkehr wird noch viele Jahre auf das schwarze Gold angewiesen sein. Alternative Antriebe wie die Brennstoffzelle oder der Elektromobil werden den Verbrennungsmotor noch lange nicht ersetzen können. Eine Million Elektrofahrzeuge sollen zwar bis zum Jahr 2020 verkauft werden. Doch das sind gerade einmal zwei Prozent der gesamten Fahrzeugflotte. Sonderlich ambitioniert ist das Ziel daher nicht, schon gar nicht aus Sicht des Klimaschutzes.

    Wenn der CO2-Ausstoß des Verkehrs tatsächlich dauerhaft stark gesenkt werden soll, geht dies nur durch die Entwicklung sparsamer Modelle und die Einsicht der Verbraucher in den Kauf derselben. Es ist ja nicht nur die Schuld der Autokonzerne, dass große und verbrauchsstarke Limousinen das Straßenbild lange beherrschten. Es sind die Käufer der Karossen, die eine unnötige Umweltbelastung für das persönliche Fahrvergnügen in Kauf nehmen. Der Benzinpreisschock 2008 zeigt schon Wirkung. Sparmobile verkaufen sich immer besser. Die neue Auto-Umweltliste zeigt, dass die Käufer der besten Modelle keineswegs auf Komfort verzichten müssen.

    Die Industrie kann also saubere Autos bauen. Damit sie es auf der gesamten Breite aber auch tut, sind Verbraucher und Staat gefragt. Die einen können ihre Kaufentscheidung an die Umweltverträglichkeit des Fahrzeugs koppeln. Der Staat kann durch die Kfz-Steuer oder schärfere Grenzwerte Hersteller zum Besten aller zwingen. Dann gelingt es VW und Co vielleicht auch einmal, die japanischen Serienmeister in der Hitliste der Sparmobile vom Thron zu stoßen.

  • Spritarm wird modern

    Toyota, Honda, VW und Smart bauen die saubersten Autos

    Japanische und deutsche Autohersteller liegen in der jährlich aktualisierten Umweltliste des Verkehrsclubs Deutschland (VCD) vorne. Bestes von 350 Modellen in der Toyota Prius Hybrid. Nach weiteren Fahrzeugen aus Japan rangiert der smart fortwo coupé 45 kW als bestes deutsches Modell auf dem siebenten Rang. In der Kompaktklasse liegt der Honda Insight Hybrid vorne. Auf dem dritten Platz steht der VW Golf 1.6 TD BlueMotion. In der Familienklasse kann VW mit der Golf Variant 1.6 TDI BlueMot Tech hinter Toyota Rang zwei belegen und bei den 7-Sitzern mit einem Touran-Modell sogar den ersten Platz.

    Der Verbraucher der Fahrzeugflotten ist insgesamt rückläufig. Der durchschnittliche Ausstoß des Klimagases CO2 ging im vergangenen Jahr um zehn Gramm pro Kilometer auf 155 Gramm zurück.

  • Stau bis zum Mond

    ADAC beklagt fehlende Verkehrsinvestitionen / Toyota Prius umweltfreundlichstes Auto / Bund will Elektroautos fördern

    Die Zahl der Staus in Deutschland hat im vergangenen Jahr kräftig zugenommen. 130.000 Mal standen die Fahrzeuge auf den Straßen still, ein Plus von rund zehn Prozent gegenüber den Vorjahren. "Die gemeldeten Staus summierten sich auf eine Gesamtlänge von 375.000 Kilometern", teilte der ADAC am Dienstag mit. Das entspricht etwa der Entfernung zwischen Erde und Mond. Größte Stauländer sind Nordrhein-Westfalen, Bayern und Hessen, auf die zusammen zwei Drittel aller Stillstände entfallen.

    "Die Straßeninfrastruktur ist an vielen Stellen stehend k.o.", kritisierte ADAC-Präsident Peter Meyer. Der Automobilclub wirft der Politik leere Versprechen vor. Weder bleibe die Mobilität für alle bezahlbar, noch werde ausreichend in ein leistungsfähiges Straßennetz investiert. Statt der rund fünf Milliarden Euro, die alljährlich für den Straßenbau ausgegeben werden, hält der ADAC einen Betrag von wenigstens sieben Milliarden Euro für notwendig. Einen Finanzierungsvorschlag hat der Club dafür entwickelt. So soll eine eigenständige Bundesfernstraßenfinanzierungsgesellschaft gegründet werden, die für den Erhalt des Netzes zuständig ist und auch Kredite dafür aufnehmen darf. Aus den Mauteinnahmen soll die jährlich 3,7 Milliarden Euro erhalten, von der Mineralölsteuer einen Anteil von 3,3 Milliarden Euro. Die Gesellschaft soll dann mit den Ländern eine Vereinbarung schließen, in der die Qualität des Netzes festgelegt wird. So hat es der Bund auch mit der Bahn gemacht. In dieser Konstruktion sieht der ADAC den großen Vorteil, dass bundesweit nach Bedarf gebaut werden kann und die Mittel nicht nach regionalen Proporzüberlegungen in alle Länder verteilt werden. Weitere Belastungen der Autofahrer lehnt der ADAC ab. Stattdessen fordert der Club eine Erhöhung der Pendlerpauschale und die verstärkte Förderung alternativer Antriebe.

    Letzteres hat sich auch die Bundesregierung auf die Fahnen geschrieben. Heute wird das Bundeskabinett einen "Nationalen Entwicklungsplan Elektromobilität" beschließen. Auf gut 60 Seiten wird dabei die Entwicklung der Elektroautos in den nächsten Jahren vorgezeichnet. Im Jahr 2020 sollen bereits eine Million batteriegetriebene Fahrzeuge über Deutschlands Straßen rollen. Bis dahin müssen noch viele Probleme gelöst werden. Es fehlen zum Beispiel noch bezahlbare und leistungsfähige Batterien. Auch die Stromnetze müssten erweitert werden, damit der zusätzliche Bedarf vor allem aus erneuerbaren Energien gewonnen werden kann.

    Gedanken machen sich die Experten des Bundesverkehrsministeriums auch über die schwierige Markteinführung der noch immer recht teuren Elektromobile. Der Bund will den Verkauf der ersten 100.000 Fahrzeuge staatlich fördern. Wie dies konkret geschehen soll, lässt der Aktionsplan aber noch offen. Genau dies kritisiert die grüne Umweltexpertin Bärbel Höhn. "5.000 Euro Zuschuss für den Kauf eines Elektroautos würde die Markteinführung extrem beschleunigen", glaubt die Politikerin.

    Der Verkehrsclub Deutschland (VCD) warnt vor allzu großen Hoffnungen auf die Elektroantriebe. "Wir brauchen mehr Nüchternheit angesichts des derzeitigen Elektro-Hypes", sagte der verkehrspolitische Sprecher des Vereins, Gerd Lottsiepen. Bislang sei noch kein alltagstaugliches E-Mobil erhältlich. Angesichts von 50 Millionen zugelassenen Pkw hält der VCD das angestrebte Ziel von einer Millionen Elektrofahrzeugen für wenig ehrgeizig. Eine Förderung sollte es daher für alle energieeffizienten Modelle geben.

    In der jährlichen VCD-Umweltliste der sparsamsten Automodelle findet sich noch kein Elektroauto. Das Rennen um die saubersten Modelle haben wieder einmal die Japaner gewonnen. Der Toyota Prius Hybrid belegt wieder den ersten Platz und erreicht in diesem Jahr als erster Benziner eine Verbrauch von weniger als vier Litern pro 100 Kilometer. Von den zehn Bestplatzierten Modellen kommen sieben aus Japan und drei aus Deutschland.

  • „Frauen sind risikobewusster“

    Interview

    Die Gründerin und Inhaberin der FrauenFinanzGruppe Susanne Kazemieh kennt sich nicht nur mit dem grünen Investment aus. Sie weiß auch, dass Frauen und Männer beim Geldanlegen anders ticken. Im Interview beantwortet sie die wichtigsten Fragen.

    Frage: Verhalten sich Frauen anders beim sozial-ökologischen Geldanlegen?

    Susanne Kazemieh: Frauen achten mehr darauf, welche Projekte sie unterstützen, sind verantwortungsbewusster. Eine Mär ist die vermeidliche größere „Risikoscheu“ – Frauen sind risikobewusster! Je mehr Information Frauen haben, desto risikobereiter werden sie – bei Männern verhält es sich eher umgekehrt.

    Frage: … und was ist mit Frauen und Männern, die eine Erbschaft angetreten haben?

    Kazemieh: Bei Frauen, die ein Vermögen geerbt haben, beobachte ich, dass sie ein noch viel größeres Verantwortungsbewusstsein zeigen. Sie sehen sich extrem moralisch verpflichtet, sind deshalb sehr vorsichtig und wollen ihr Geld nachhaltig anlegen. Auf Männer trifft das eher nicht zu.   

    Frage: Worauf sollten Anleger achten, wenn sie ihr Geld in ein nachhaltiges Finanzprodukt investieren wollen?

    Kazemieh: Der Begriff „nachhaltig“ wird inflationär gebraucht und ist sehr dehnbar. Eine vorgeschriebene Definition gibt es nicht. Verbraucher, die ihr Geld sozial-ökologisch anlegen wollen, sollten auf jeden Fall darauf achten, dass sie auch eine nachhaltige Beratung bekommen. Denn auch der beste Ökofonds nützt einem Kunden nichts, wenn er nicht zu ihm passt.  

    Frage: Wie findet man eigentlich die richtige Anlageform für sich?

    Kazemieh: Wer sich gerne regelmäßig mit Börse beschäftigt und über genügend Kapital verfügt kann in einzelne Aktien investieren. Wer weniger als 100.000 Euro hat sollte eher über Fonds gehen, denn so ist eine breite Streuung und damit Risikoreduzierung besser möglich. Beteiligung sollten nur als Beimischung sehr großer Vermögen gezeichnet werden, denn hier ist grundsätzlich immer ein Totalverlust einzukalkulieren.

    Frage: … und was, wenn man sich nicht so gut auskennt?

    Kazemieh: In dem Fall sollte man auf jeden Fall einen unabhängigen Finanzberater aufsuchen, der auf nachhaltige Geldanlagen spezialisiert ist.

    Frage: Was ist, wenn Anleger ihr Geld möglichst sicher anlegen, aber dennoch möglichst viel Rendite erzielen wollen. Geht das?

    Kazemieh: Nein, eine gute Rendite ist immer mit einem höheren Risiko verbunden. Regel Nummer eins am Kapitalmarkt! Den wenigsten Leuten ist klar, dass sich hohe Renditen und geringes Risiko gegenseitig ausschließen.

    Frage: Gibt es einen nachhaltigen Fonds, der langfristig eine gute Performance gezeigt hat, den Sie also empfehlen können?

    Kazemieh: Da gibt es zum Beispiel den „Ökovision“. Das ist ein internationaler Aktienfonds, der sehr strengen Kriterien unterliegt, aber dennoch sehr breit aufgestellt ist.    

  • Die Welt des grünen Geldes

    Nachhaltige Finanzprodukte werden immer populärer/ Bei der Auswahl des richtigen Ökofonds gilt es einiges zu beachten

    Soziale Verantwortung zeigen, sich für den Umweltschutz engagieren und dabei noch Geld verdienen: Immer mehr Anleger investieren mit gutem Gewissen und stecken ihr Geld in Kapitalanlagen, die sich nicht nur an der Gewinnerwartung sondern auch an sozialen und ökologischen Kriterien orientieren. Bei der Auswahl der „grünen“ Produkte ist jedoch Achtsamkeit geboten, denn fast jeder Anbieter versteht unter dem Begriff etwas anderes.

    Eins vorab: Auch die grünen Investmentprodukte sind in den Sog der Finanzkrise geraten – ihr Absturz war jedoch nicht so tief wie der der konventionellen Papiere. „In der Tendenz haben die nachhaltigen Geldanlagen besser abgeschnitten“, berichtet die Geschäftsführerin des Forum Nachhaltige Geldanlagen Claudia Tober. Während beispielsweise herkömmliche Aktien im Durchschnitt 70 Prozent an Wert eingebüßt hätten, hätten nachhaltige Aktien den Kursrückgang auf rund 40 Prozent begrenzen können.

    Die Geldbranche hat das Thema Verantwortung entdeckt. Zurzeit zählt der Branchendienst Ecoreporter in Deutschland 204 Fonds aus den Bereichen Nachhaltigkeit, Umwelttechnik, Ethik und Erneuerbare Energien –
    Mit einem Anlagevolumen von knapp 20 Milliarden Euro. Zum Jahresbeginn waren noch 193 Fonds mit einem Volumen von etwas über 18 Milliarden Euro.

    Der Boom beschert den ökosozialen Geldinstituten enorme Kundenzuwächse. Die GLS-Bank, die ausschließlich soziale, ökologische und kulturell zukunftsweisende Unternehmen finanziert, verzeichnet jeden Monat zwischen 800 und 1000 Neukunden. „Ich glaube, in der Gesellschaft hat sich ein starker Bewusstseinswandel vollzogen“, erklärt Christof Lützel, Pressesprecher des Instituts, den Erfolg des Unternehmens. „In allen Bereichen, sei es bei der Ernährung, der Kleidung oder beim Autofahren, versuchen sich die Menschen sinnvoller zu verhalten“, berichtet Lützel. Auch bei der Umweltbank beobachtet man einen stetigen Kundenzuwachs. „Im Moment haben wir rund 76.000 Kunden“, informiert Pressesprecher Alexander Stark. Ende 2008 waren es noch 69.000.  

    Bei der Auswahl der grünen Wertpapiere, Fonds und Aktien ist  jedoch einiges beachten. Zum Beispiel täuscht die Bezeichnun „grün“ manchmal. Eine Untersuchung der Stiftung Warentest hat ergeben, dass die meisten Ökofonds auch in die Automobilindustrie oder die Luftfahrt investieren und nur Atomkraft und Gentechnologie in der Landwirtschaft ausschließen. Die meisten Verbraucher hingegen glauben, dass diese Sparten nichts im Portfolio zu suchen habe.

    „Vor der Auswahl sollten sich Anleger die Produkte genau anschauen und sich gründlich informieren“,  rät Ecoreporter- Chef Weber. Ein Anlagenkauf sei schließlich keine Sache von einer halben Stunde oder einem Beratungsgespräch. „Ein Auto legt man sich schließlich auch nicht zu, ohne sich gründlich zu informieren“, warnt er. Die Finanzberaterin Susanne Kazemieh rät dazu, aufmerksam den Verkaufsprospekt mit den Produktinfos zu studieren – und bis zum Ende durchzulesen. „Viele Prospekte von Banken preisen auf den ersten Seiten nur die Vorteile an“, weiß sie, “die Nachteile kommen erst ganz zum Schluss.“

    Prangt auf der Informationsbroschüre das Europäische Transparenzlogo, so hat sich der Anbieter dazu verpflichtet, seine Kunden ehrlich und korrekt zu informieren. Über 80 Fonds listet das Forum Nachhaltige Geldanlagen inzwischen auf, deren  Verkaufsprospekte das Siegel der mit den zwei ineinander liegenden goldenen Ringen und dem Schriftzug „transparent“ ziert.   

    Nicht alles auf ein Pferd setzen. So lautet auch die goldene Regel bei den ökosozialen Geldanlagen. Das Forum Nachhaltige Geldanlagen rät, verschiedene Anlageprodukte entsprechend den eigenen Bedürfnissen zu kombinieren. Etwa so: Einen Teil des Geldes hält man in liquider Form, etwa auf einem Girokonto. Einen anderen Teil legt man in sicherer Form langfristig an, zum Beispiel in Rentenpapiere mit hoher Bonität. Und mit den verbleibenden Mitteln erwirbt man Anlagen mit tendenziell hoher Rentabilität, aber auch geringer Sicherheit, wie Aktien. Doch eines eint die ethischen Anlagen mit allen anderen Sparformen. 100 Prozent gibt es nirgendwo.

    Eine Übersicht über Fonds, die soziale und ökologische Kriterien berücksichtigen, findet man im Internet zum Beispiel unter www.nachhaltiges-investment.org oder www.test.de/oekofonds.  

  • Geld verdienen und fair bleiben

    Viele Angebote für ethisch orientierte Anleger

    Mit Bio-Bambussprossen lässt sich prächtig Geld verdienen, ebenso mit Windparks oder Solaranlagen. Es gibt inzwischen jede Menge Geldanlagen, die Sparer mit gutem Gewissen tätigen können und die zum Teil auch prächtige Gewinne abwerfen.

    Eine Variante ist die Direktanlage in einzelne Aktien. Neben den Herstellern von Ökostromanlagen gibt es vereinzelt auch in anderen Branchen Firmen mit nachhaltigen Geschäftsmodellen. Bambussprossen und –Stämme sind zum Beispiel das Geschäft des Hamburger Unternehmens Asian Bamboo. Die an der deutschen Börse notierte Gesellschaft betreibt Plantagen in China und weist stark steigende Erträge aus. Allerdings waren auch die Kursschwankungen  in den letzten Monaten erheblich. Auch hier gilt also, dass mit wachsendem Gewinn auch das Risiko steigt.

    Ethisch fast auf Nummer sicher gehen Anleger bei christlichen Finanzprodukten. Bei der katholischen Pax-Bank achtet ein Ethikbeirat auf eine politisch korrekte Geldanlage, die soziale, ökologische Aspekte berücksichtigt und zugleich Wert steigernd ist. Diese Anforderungen soll der Fonds LIGA-Pax-Cattolico-Union erfüllen. Allerdings ist auch die Kirchenbank nicht unfehlbar. Sie wurde dabei ertappt, dass ein kleiner Teil des ethischen Investments in der Rüstungsindustrie steckte. Inzwischen sind die umstrittenen Anteile verkauft worden.

    Ein Spezialist in Sachen Umwelt und sozialer Verantwortung ist die Ethikbank geworden, ein Ableger der Volksbank Eisenberg. Dort können Kunden neben allen möglichen Geldanlagen auch ihr Konto führen lassen. Die Kriterien der Bank sind streng. So erhalten Unternehmen, die Waffen oder gentechnisch veränderte Pflanzen herstellen ebenso wenig Kredit wie Betreiber von Atomkraftwerken und Firmen, die Kinderarbeit zulassen. Staatsanleihen von Regimen, die gegen die Menschenrechte verstoßen, sind ebenfalls tabu. Infos gibt es unter der Internetadresse www.ethikbank.de .

    Neben Aktien und Fonds gibt es auch direkte Beteiligungen an umweltfreundlichen Unternehmen, die zum Beispiel Windparks oder Solaranlagen betreiben. Nach Einschätzung der Stiftung Warentest sollten die Angebote aber genau geprüft werden. „Bevor das Ganze gebaut ist, hört es sich gut an“, warnt die Finanzexpertin der Stiftung, Karin Baur. Bei allzu hohen Renditeversprechen sei Vorsicht angebracht. Auch müsse sich der Anleger in die Prospekte der jeweiligen Anbieter einarbeiten. „Das ist nichts für Kleinanleger, glaubt die Verbraucherschützerin.

    Nahe liegend ist für die meisten Sparer die Anlage in grünen Aktienfonds. In guten Zeiten lässt sich damit nach Beobachtung der darauf spezialisierten Firma Ecoreporter gutes Geld verdienen. Im ersten Halbjahr 2009 wies der Spitzenreiter unter rund 200 in Deutschland zugelassenen nachhaltigen Fonds ein Plus von nahezu 40 Prozent auf. Testsieger war der Swisscanto Equity Fund Green Invest Emerging Markets. Im Durchschnitt kamen die Aktienfonds immer noch auf gut neun Prozent Wertsteigerung, die Rentenfonds auf gerade einmal 3,6 Prozent.

  • Bahn frei für die Impfung

    Bund und Krankenkassen einigen sich über Verteilung der Impfkosten gegen die Schweinegrippe

    Am Ende ging es ganz schnell. Am Donnerstagmorgen traten die Vertreter der Krankenkassen bei Gesundheitsministerin Ulla Schmidt zum finalen Gespräch über die Verteilung Kosten der Schweinegrippenimpfung an. Noch vor der Mittagspause war der Kompromiss unter Dach und Fach. Wenn sich bis zu 35 Millionen Mitglieder der Krankenkassen, das wäre die Hälfte, gegen den Virus immunisieren wollen, bezahlen dies die Kassen. Für jede weitere Dosis des Impfstoffs kommt die öffentliche Hand auf. Die angedrohte Beitragserhöhung zur Krankenversicherung ist damit ebenso vom Tisch wie eventuelle Zusatzbeiträge durch einzelne Kassen.

    „Unser Ziel ist es, dass über die Risikogruppen hinaus jeder Bürger und jede Bürgerin, die geimpft werden wollen, dieses auch können“, versicherte Gesundheitsministerin Ulla Schmidt. Die Vorbereitungen dafür laufen auf Hochtouren, denn in wenigen Wochen erwarten die Experten eine deutliche Zunahme der Infektionen und Ende September soll das erste Gegenmittel geliefert werden. Dann kann es losgehen mit dem Schutz der Massen. Zunächst kommen jene 25 Millionen Versicherten dran, die zu den Risikogruppen zählen. Dazu gehören zum Beispiel die Beschäftigten, die mit Grippepatienten in Berührung kommen, Schwangere oder chronisch Kranke. Danach darf sich jedermann seine Dosis abholen. Ob sich tatsächlich jeder zweite dafür zum Arzt oder zum Gesundheitsamt begibt, ist eher unwahrscheinlich. So werden die Krankenkassen die größte Impfaktion der Geschichte am Ende wohl alleine bezahlen.

    Dennoch bewertet der Spitzenverband der Krankenkassen das Ergebnis als Erfolg. „Wir sind froh, dass es eine klare Absprache gibt“, sagte Sprecher Florian Lanz. Nun könnten sich alle Beteiligten auf die Umsetzung der Pläne konzentrieren. Der Bund ist damit weitgehend außen vor. Nur eine Rechtsverordnung muss in Berlin noch erlassen werden. Die Impfaktion selbst wird von den Ländern organisiert. Wie hoch die Kosten dafür sein werden, ist noch offen. Die Kassen rechnen mit etwa einer Milliarde Euro. Für jede der nach einer Woche wiederholten Impfung veranschlagen die Kassen 30 Euro.

    Unterdessen steigt die Zahl der Erkrankten weiter an. Mehr als 11.000 Fälle sind allein in Deutschland derzeit bekannt. Der Verlauf der Erkrankung ist allerdings noch immer überwiegend erträglich. Dies könnte sich allerdings mit einer wachsenden Zahl von Infizierten ändern. Auch mit Todesfällen rechnen die Krankenkassen im Herbst. Der Virus H1N1, auch Schweinegrippe genannt, hat sich von Mexiko aus inzwischen weltweit ausgebreitet. Derzeit werden Impfstoffe dagegen an Freiwilligen erprobt. Die Kassen erwarten Millionen Infizierte in Deutschland. Aufgrund der Beobachtungen in Mexiko könnten sich bis zu zwei Drittel der Bevölkerung anstecken. Die Übertragung funktioniert wie bei normalen Grippeinfekten zum Beispiel durch Niesen.

  • Täuschende Statistik

    Kommentar

    Wenn ein Sparer 1000 Euro anlegt, und im täglichen Wechsel 50 Prozent verliert und 50 Prozent gewinnt, ist er schnell arm. Nach drei Wochen reicht das Guthaben allenfalls noch für ein Essen in einem Restaurant. Um den Verlust einer Hälfte des Vermögens auszugleichen, müsste das Plus jeweils 100 Prozent betragen.

    Zahlen können eben täuschen, wie auch die jüngste Statistik des Bundes über das Wirtschaftswachstum. So extrem wie im Beispiel sind die Schwankungen der Konjunktur zwar nicht. Doch auch hier gilt dasselbe Prinzip, wenn sie vorschnell bewertet werden. Nach dem herben Konjunktureinbruch geht es langsam wieder aufwärts. Aber das Tempo ist so gering, dass die Aufholjagd Jahre dauern wird.

    Der allerorten plötzlich aufkeimende Optimismus erscheint nicht nur aus diesem Grunde seltsam. Andere gegenläufige Entwicklungen werden derzeit gerne ausgeblendet. Dabei herrscht auch an schlechten Nachrichten kein Mangel. Immer mehr Firmen gehen Pleite und es trifft längst nicht mehr nur die kleinen Betriebe. Unternehmen kündigen in großem Stil Entlassungen an. Alle loben die heilsame Wirkung der Konjunkturpakete ohne die Zeit danach im Blick zu behalten. Ohne Abwrackprämie wird zum Beispiel das Autogeschäft einbrechen. Es ist längst noch nicht ausgemacht, dass Deutschland noch längere Zeit entlang der Talsohle wandert, statt sie nur zu durchqueren.

     

  • Wirtschaft wächst wieder

    Statistiker bestätigen Trendwende / dennoch bleibt die Lage unsicher

    Die deutsche Wirtschaft wächst wieder leicht. Der Tiefpunkt der Krise dürfte nach Ansicht der meisten Experten damit überstanden sein. Im zweiten Quartal stieg die Wirtschaftsleistung gegenüber den ersten drei Monaten um 0,3 Prozent. Dies teilte das Statistische Bundesamt am Donnerstag mit. Auch in anderen europäischen Ländern bessert sich die Lage. Frankreich verzeichnet wie Deutschland ein Plus von 0,3 Prozent. Die Spanne zwischen den Ländern ist allerdings enorm. Die Slowakei ist mit einem Zuwachs von 2,2 Prozent des Bruttoinlandproduktes (BIP) Spitzenreiter. Litauen ist mit einem Minus von über zwölf Prozent das Schlusslicht.

    Das BIP gilt als wichtige Kennzahl für den Konjunkturverlauf. Es bildet die Wirtschaftsleistung eines Landes ab. Zur Berechnung werden alle Güter und Dienstleistungen erfasst, die in einem Quartal oder Jahr im Inland erbracht werden. Deutschland kam im vergangenen Jahr so auf ein BIP von rund 2,5 Billionen Euro.

    Die unerwartet schnelle Erholung der Wirtschaft täuscht etwas über den vorangegangenen Einbruch hinweg. Im Vergleich zum zweiten Quartal des letzten Jahres ist die Wirtschaftsleistung Deutschlands um fast sechs Prozent gefallen. Bis der alte Wert wieder erreicht wird, werden nach Einschätzung von Wissenschaftlern noch Jahre vergehen.

    Auch die Europäische Zentralbank bleibt vorsichtig und spricht nur von einer Stabilisierung. "Was wir derzeit sehen, basiert im Wesentlichen auf den Stimulierungsmaßnahmen der Regierungen und dem Wiederauffüllen der Lager", sagte Präsidiumsmitglied Jürgen Stark.  Mit anderen Worten: Konjunkturprogramme wie die Abwrackprämie stützen die Wirtschaft. Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg sprach von ermutigenden Zahlen. Allerdings gebe es keinen Anlass zur Euphorie. „Es ist noch ein weiter Weg, bis unsere Wirtschaft das Vorjahresniveau erreicht hat.

     

  • Schramme im Lack

    Kommentar

    Hat nun auch der mittlerweile so beliebte Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg eine erste Schramme im Lack? Die SPD wirft dem Baron die Verschwendung von Steuergelder vor, weil er einen komplizierten Gesetzentwurf mit Hilfe einer teuren Anwaltskanzlei erstellen ließ. Das Ziel ist klar. Das Image des bayrischen Senkrechtstarters soll angegriffen werden.

    Inhaltlich ist die Kritik überzogen. Natürlich ist es zuvorderst der Job von Ministerialbeamten, Gesetze zu schreiben. Schließlich kosten den Steuerzahler die eigenen Fachleute eine Menge Geld. Und wenn andere die Gesetze schreiben, besteht immer die Gefahr, dass sie aus eigenen Interessen Texte in der einen oder anderen Weise formulieren. Gerade in den Bankensektor und alle, die damit zu tun haben, haben die Bürger jedes Vertrauen auf Anstand verloren. Deshalb muss sich zu Guttenberg der Frage nach der Angemessenheit dieses Auftrags stellen, zumal das Justizministerium durchaus die Kapazitäten für ein so komplexes Regelwerk vorhält.

    Die vermeintliche Schramme könnte sich allerdings auch schnell als leicht abzuwischender Streifen erweisen. Denn externe Fachleute schreiben auch in anderen Ministerien fleißig an Gesetzestexten mit. Die Bahn hat beispielsweise dem SPD-geführten Verkehrsministerium beim Teilprivatisierungsgesetz geholfen und auch der Finanzminister hat schon außerhalb seines Hauses Fachwissen eingekauft. Mitunter legten sogar Lobbyisten komplette Entwürfe vor, die dann auch noch weitgehend übernommen wurden. Da wird die Grenze dann eindeutig überschritten. Der Fall Guttenberg ist davon weit entfernt. Schließlich hätten die sozialdemokratischen Ministerien für Justiz und Finanzen die bestehende Gesetzeslücke bei den Banken längst schließen können, vielleicht sogar müssen. Bis heute liegt kein Entwurf dafür vor.

    Egal, wie man zum Vorzeigeminister der Union steht, skandalös war sein Verhalten nicht. Es ist halt Wahlkampf, nichts weiter.

     

  • Union will hinter den Mond

    Deutsche Flagge soll 2015 auf dem Erdtrabanten stehen / Mission würde 1,5 Milliarden Euro kosten

    Deutschland könnte bald zu einer eigenen Mondmission aufbrechen. Das Wirtschaftsministerium strebt eine unbemannte Reise zum Erdtrabanten an, wenn die Union die Wahl gewinnen sollte. „Die deutsche Flagge könnte von unserem Lander 2015 auf den Mond gestellt werden“, sagte der für die Luft- und Raumfahrt zuständige Staatssekretär Peter Hintze am Mittwoch in Berlin.

    Ob „Peterchens Mondfahrt“ tatsächlich jemals auf die Tagesordnung kommt, erscheint allerdings zweifelhaft. Vor einem Jahr ist Hintze schon einmal mit dem Plan gescheitert, einen Roboter ins All zu jagen, der eine genaue Karte der Mondlandschaft erarbeiten sollte. Der nun vorgestellte Plan kostet mit insgesamt 1,5 Milliarden Euro sogar das Vierfache der damals anvisierten Summe. Im Bundeskabinett sei der Plan aufgeschlossen aufgenommen worden, berichtete Hintze, gab aber zu, dass er den neben ihm sitzenden Finanzminister bei der Präsentation lieber nicht angeschaut habe.

    Der Politiker sieht gute Gründe für eine eigenständige Mondmission. Danach könnten deutsche Forscher in 380.000 Kilometern Entfernung ihre Spitzenstellung in der Entwicklung von Robotern festigen und eine Plattform für die weitere Erforschung des Weltalls einrichten. „Der Mond ist das Archiv unseres Sonnensystems“, erhofft sich Hintze überdies neue Erkenntnisse über die Entstehungsgeschichte des Planeten Erde. Auch einen bemannten deutschen Mondflug will der CDU-Politiker nicht ausschließen. Auf einen Zeitpunkt mag er sich jedoch nicht festlegen.

    Zunächst ist an einen maschinellen Einsatz gedacht. Eine Kommunikationssatellit soll in eine Umlaufbahn rund um den Mond gebracht und eine Kapsel zur Landung gebracht werden. Ein rollender oder krabbelnder Roboter wird dann zur Erkundung des Trabanten ausgesetzt. Sollte sich keine Mehrheit für ein rein nationales Projekt finden, kann sich Hintze auch eine finanzielle Kooperation mit Frankreich oder anderen EU-Ländern für die Eroberung des Mondes vorstellen.

    Von der heimischen Luft- und Raumfahrtindustrie verspricht sich die Bundesregierung noch wichtige wirtschaftliche Impulse, weil Deutschland technologisch in einigen Bereichen mit an der Spitze rangiert. Das automatische Versorgungsshuttle für die Raumstation ISS koppelte beim Erstversuch 2008 ohne Besatzung exakt an die Station an. Im Februar 2010 ist der erste reguläre Gütertransport ins Weltall geplant.

    Auch im Flugzeugbau sieht Hintze noch erhebliche Geschäftschancen.  „Wir stehen vor einem Technologiesprung von Metall auf Kunststoff“, erläuterte der Staatssekretär. Die beiden großen Hersteller Airbus und Boeing beschränken sich zunehmend auf die Entwicklung und die Endmontage der Flugzeuge. Viele andere Aufgaben würden ausgegliedert. Deutsche Firmen seien bei der Entwicklung leichter Werkstoffe besonders stark und beliefern beide großen Flugzeugbauer mit ihrer Technologie. Diesen Vorsprung will die Bundesregierung unbedingt im Lande halten.

  • Viel Rauch um nichts

    Entgegen dem Anschein läuft das Konjunkturprogramm

    Der Streit um das Konjunkturprogramm der Bundesregierung ist überflüssig. Berichte über einen zu zögerlichen Abruf der für dieses und das nächste Jahr bereitgestellten zehn Milliarden Euro treffen zwar zu. Doch sagen die tatsächlichen Ausgaben nichts über den Umfang der bereits eingeleiteten Vorhaben aus. „Ich habe nie erwartet, dass das Geld im Sommer dieses Jahres abfließt“, verteidigt SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier die Vitaminspritze für die Wirtschaft. Natürlich würden die klammen Gemeinden das Geld gerne nehmen.

    Schulen, Kitas, Hochschulen und Straßen sollen mit den zusätzlichen Milliarden saniert oder instand gehalten werden. Allein 2009 wollten der Bund so vier bis fünf Milliarden Euro ausgeben, damit insbesondere Handwerksbetriebe in der Krise Aufträge erhalten. Insgesamt stehen 13,5 Milliarden Euro bis Ende nächsten Jahres bereit, weil die Länder auch noch einen Anteil beisteuern. Bislang haben die Länder aber nicht einmal 90 Millionen Euro beim Bundesfinanzminister abgerufen. Kritiker befürchten, dass das Programm deshalb als Flop in die Geschichte eingehen wird.

    Tatsächlich hat die schleppende Nachfrage nach den Fördergeldern technische Gründe. Denn das gesamte Verfahren ist zeitaufwändig. Zunächst müssen die Kommunen Vorhaben ausschreiben und Bauaufträge, zum Beispiel für die neue Heizungsanlage in einer Schule, vergeben. Die ausführende Firma stellt erst eine Rechnung, wenn die Arbeiten ganz oder teilweise erledigt sind. Die Kommune prüft die erbrachten Leistungen und reicht die Rechnung an das Land weiter. Dort wird abermals überprüft, ob die Förderkriterien eingehalten wurden und der Betrieb erhält seine Vergütung. Anschließend ruft das Land beim Bund den dafür fälligen Betrag aus dem Konjunkturprogramm ab.

    Da die meisten Projekte laufen oder erst anlaufen, ist der Bund noch gar nicht gefordert, obwohl die Hilfen längst für Aufträge und Arbeit sorgen. Erst im Spätherbst erwartet das Bundesfinanzministerium einen umfangreichen Abfluss der bereit gestellten Gelder. Eine konkrete Zwischenbilanz will Finanzminister Peer Steinbrück in der kommenden Woche vorlegen.

  • Auch arm kauft fair

    Fairer Handel trotzt der Krise / Discounter sorgen für kräftiges Wachstum

    Fair gehandelte Nahrungsmittel wie Kaffee, Gewürze oder Obstsäfte finden immer mehr Käufer. „Das Konzept kommt trotz oder wegen der Krise an“, sagte der Chef des Forums Fairer Handel, Hans Christoph Bill, am Dienstag in Berlin. Im vergangenen Jahr stiegen die Umsätze mit den Nischenprodukten um 38 Prozent auf rund 266 Millionen Euro. In diesem Jahr rechnet der Verband erneut mit einer zweistelligen Wachstumsrate. Offenkundig haben viele Konsumenten das Wohl der oft aus armen Ländern stammenden Hersteller beim Einkauf mit im Auge und vom reinen Gewinnstreben die Nase voll. „Bei uns steht der Mensch und nicht der Profit im Mittelpunkt“, erläuterte Bill.

    Im Vergleich zu den gesamten Ausgaben für Nahrungsmittel ist der Anteil der fair gehandelten Waren allerdings immer noch verschwindend gering. Nicht einmal jeder zehnte Kunde greift regelmäßig zu fairen Produkten. Gut jeder fünfte ist Gelegenheitskäufer. Doch beide Gruppen wachsen und es ist längst nicht mehr nur eine Angelegenheit der Besserverdienenden, mit gutem Gewissen aus dem Supermarkt heimzukehren.

    „Auch in den unteren Einkommensklassen finden sich Käufer“, berichtet Verbraucherforscher Volkmar Lübke, der eine von der Bundesregierung finanzierte Studie der Kundschaft erstellt hat. Danach legen auch knapp 40 Prozent der Konsumenten mit weniger als 1000 Euro Einkommen im Monat faire Produkte in den Einkaufswagen. Bei den Spitzenverdienern liegt der Anteil bei über der Hälfte.

    Der Boom ist vor allem den Supermärkten und Discountern zu verdanken. In deren Filialen wird die benötigte Menge an Kunden aus allen Schichten erreicht. „Wir sind mit der Resonanz zufrieden“, sagt eine Lidl-Sprecherin. Genaue Absatzzahlen werden wie üblich aber nicht verraten.

    Erfragt wurde auch die Motivation der Käufer von fairen Produkten. Ganz oben auf der Prioritätenliste steht der Wunsch, keine aus Kinderhand hergestellten Erzeugnisse zu kaufen. Die richtige Verwendung des Geldes rangiert vor einer angemessenen Entlohnung der Produzenten auf dem zweiten Rang. Auch die Qualität, die Solidarität mit den Herkunftsländern und das gute Gewissen beim Einkauf sind wichtige Motive.